Saab Konkurs: Konsequenzen, Chancen, Täter

Hakan Juholt warnte heute in Schweden vor dem Saab Effekt. Die komplette schwedische Fahrzeug Industrie kann unter dem Saab Konkurs leiden, denn erstmals in Schweden verschwindet ein großer Arbeitgeber dieser Branche komplett. Die Chancen für Saab waren da und wurden nicht optimal genutzt. Jetzt ist es erstmal vorbei. Der Konkursverwalter zieht in der Stallbacka ein und übernimmt das Ruder.

Victor Muller wird dem Verwalter beratend zur Seite stehen und helfen das Optimale für Saab aus der unglücklichen Situation zu machen. In erster Linie wird man versuchen das Unternehmen komplett an einen Interessenten zu verkaufen und zurück auf den Markt zu bringen. Erst wenn das nicht möglich ist folgt die komplette Zerschlagung. Ein kleiner Hoffnungsschimmer immer noch und die nächsten Tage und Wochen könnten nochmals spannend werden.

Unsere Meinung zu GM
Unsere Meinung zu GM

Youngman, der Investor aus China, hat erst heute am Morgen aufgegeben, nachdem Victor Muller aus Detroit die definitive Absage für alle Möglichkeiten bekommen hatte. GM schließt Verträge, aber GM hält sich nicht an die Verträge.

Egal in welcher Art China investieren würde, aus Detroit käme keine Freigabe. Das ist die klare Ansage aus Detroit und unsere Erkenntnis des Tages.

GM entsorgt Saab schon wieder und wie immer kurz vor Weihnachten. In eine Fabrik ohne Produktion und ohne Produkte konnte und wollte Youngman nicht mehr investieren. Das war die logische Konsequenz und Muller war gezwungen den Weg zum Konkursgericht zu beschreiten.

Der Konkurs der Saab Automobile AB bringt für alle Konsequenzen. Geschlossene Händlerverträge sind nicht länger von Bestand, Garantieversprechen direkt von Saab Automobile AB bestehen nicht mehr. Erst wenn der Konkursverwalter ausdrücklich die Garantiezusagen bestätigt, erst dann lebt das Versprechen erneut auf.

Für die Ersatzteilversorgung über die Saab Parts AB kann der Konkurs nur positive Auswirkungen haben. Saab Parts AB ist nicht betroffen und Hersteller, die das Ersatzteilgeschäft in Geiselhaft genommen haben, werden jetzt wieder liefern. Händler haben in der Regel, so wurde mir erklärt, eigene Verträge mit Saab Parts, die weiterhin gültig sind.

Noch ein Bild zum Thema GM
Noch ein Bild zum Thema GM

Beendet ist definitv am heutigen Tag die Ära Swedish Automobile, Youngman und Pang Da. Alle haben Geld im großen Maßstab verloren und auch Victor Muller steht vor einem finanziellen Scherbenhaufen. Alle Lizenzverträge sind ebenso ungültig auch das Abkommen mit BMW.

Der Abgang von Muller wird bei aller Tragik auch als neue Chance für Saab gesehen. In Schweden war sein Name seit längerer Zeit verbrannt und er war, bei allen Verdiensten der Vergangenheit, auch ein Hindernis für mögliche Investoren. Ohne Muller geht alles zurück auf “Start”, die Karten werden neu gemischt.

Noch nicht vorbei ist es für Saab. Erst wenn der Konkursverwalter die Zerschlagung des Unternehmens beschließt, erst dann gehen in der Stallbacka die Lichter aus.

Wie es hier in Deutschland für uns Saab Fahrer weitergeht und welche Händler in Zukunft Saab Service bieten, das wird die spannende Frage. Auch ob der Blog als Untertützung für die Szene und die verbleibenden Werkstätten weiterhin Sinn macht, das steht in den Sternen. Noch ist es zu früh darüber zu schreiben, denn noch sitzt der Schock über den heutigen Tag zu tief.

Unsere Gedanken sind bei den Mitarbeitern von Saab und Händlern, nicht nur in Schweden. Auch in Deutschland sind Familien betroffen, was in der Vorweihnachtszeit besonders hart ist. Sie alle haben großes Engagement gezeigt, für unsere Marke. Für sie und uns alle ist heute ein sehr trauriger Tag.

Der “Spiegel” hat einen Nachruf auf unsere skandinavische Lieblingsmarke verfasst. Für mich noch etwas verfrüht, ich warte ab auch wenn die Chancen auf ein Comeback mehr als gering sind. Ich schalte jetzt (für heute) ab, gehe offline. Bis morgen, dann beginnt ein neuer Tag.

Text: tom@saabblog.net

12 Comments
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F-RU xxxx aus Frankfurt
F-RU xxxx aus Frankfurt
14 Jahre zuvor

Danke an David, sehr funiderter
und fachlicher Beitrag. Was ist die Lösung?
Welche Modell könnte überleben?
Wodurch und womit könnte Saab, wenn auch im Kleinformat, wieder aufleben? Danke

David
David
14 Jahre zuvor

Zulieferteile von GM gibt es natürlich in allen Saab-Modellen. Aber wie sieht es mit den IP-Rechten bei den Saab-Modellen aus?
Der Saab 9-4X gehöhrt von den Rechten her zu 100% GM. Insofern kann GM nach Gutdünken über die Produktion und den Verkauf des Modells an Saab entscheiden. Zwar haben Saab-Mitarbeiter am 9-4X mitgearbeitet, aber dies geschah wohl rechtlich gesehen im Auftrag von GM direkt und ohne Saab. Zumindest konnten die Saab-Mitarbeiter dafür sorgen, dass aus dem 9-4X ein richtiger Saab wurde.
Beim 9-5 sieht die Lage etwas anders, aber leider nicht besser aus. Der 9-5 nutzt teilweise IP-Rechte von GM, doch hat Saab auch eigene Entwicklungen eingebracht. Dies zeigt sich auch an der geringen Gleichteilerate von 30% zum Opel Insignia, der ebenfalls die GM-Epsilon II-Plattform benutzt. Allerdings ist GM Inhaber sämtlicher IP-Rechte am 9-5, also auch an den 70%, die die Saab-Eigenentwicklungen am 9-5 ausmachen. Saab darf selbst diese Eigenentwicklungen im 9-5 ohne Erlaubnis von GM nicht in anderen Fahrzeugen benutzen. Gleichzeitig zahlt Saab für jeden produzierten 9-5 Lizenzgebühren an GM. Dies gilt auch für die Nutzung der Saab-Eigenentwicklungen aus dem 9-5 in anderen Fahrzeugen. Kurioserweise muss also Saab sogar für eigene Entwicklungen an GM Lizenzgebühren zahlen.
Eine Überraschung gibt es dann aber beim aktuellen 9-3II. Zwar bezieht Saab einzelne Teile des 9-3 von GM, jedoch ist der 9-3II von der Konstruktion her nur gering mit anderen GM-Modellen verwandt. Daher liegen die IP-Rechte für den aktuellen 9-3 fast ausschließlich bei Saab. Dementsprechend zahlt Saab auch für den 9-3II keine Lizenzgebühren an GM. Offensichtlich haben die Saab-Techniker vor 10 Jahren hier sehr viel Eigensinn bewiesen und die GM Epsilon I-Plattform stark modifiziert.
Die aktuell entwickelte Saab Phoenix-Plattform beinhaltet dagegen keinerlei Rechte von GM mehr. Saab kann die neue Plattform also frei verwenden. GM liefert noch einige Technikkomponenten zu, hat aber keine Rechte an der Plattform. GM ist hier also reiner Zulieferer.
Gerade die Infos zum aktuellen 9-3 waren für mich in dieser Form doch neu. Bisher gab es ja gerade in der deutschen Presse immer nur die Info, der 9-3 basiere auf dem Opel Vectra. Trotzdem sollte man jetzt nicht auf die Idee kommen, dass Saab einfach auf den 9-4X und den 9-5 verzichtet damit Saab ohne Zustimmung von GM verkauft werden kann. Der 9-4X und der 9-5 sind wichtige Modelle für Saab. Schon die 9-5 Limousine verkaufte sich im Frühjahr vor dem Produktionsstillstand besser als der alte 9-5. Mit dem Sportkombi dürften die Verkaufszahlen weiter ansteigen.
Auch wären Ersatzmodelle auf Basis der Phoenix-Plattform frühestens in ca. 4 Jahren einsatzbereit. Diese Durststrecke wäre zu lang für Saab.

Julie
Julie
14 Jahre zuvor
Reply to  David

Wo steht, dass der Einsatz erst in 4 Jahren möglich wäre (Phoenix-Plattform)?

Wir haben andere Zeiträume gehört – maximal 2 Jahre!?

Julie

Michael
Michael
14 Jahre zuvor

Ja das ganze ist schon sehr bitter aber irgendwie bin ich auch ein ganz ganz keines bisschen froh das die Chinesen nun doch nicht zum Zug gekommen sind.

Die Idee die Joachim schon Angesprochen hatt finde ich Sehr Gut.
SAAB hatt bevor Gangster Motors aufgetaucht ist auch eigenständig Autos Gebaut.
Warum sollte das nicht wieder so sein?!

Ich denke das ist,wenn nicht noch ein nicht Chinesischer Retter auftacht die einzige Chance die SAAB hatt.

Jetzt werden wir wie so oftin den letzten zwei drei Jahren erstmal Abwarten müssen was auf SAAB und damit auch auf uns als Fans Zukommt.

bergsaab
bergsaab
14 Jahre zuvor

…ne kleinserie wäre schon gut um den markennamen zu erhalten,….wir können leider nur abwarten- aber bitte ist es schon! endlich sind die autos in aussicht wo ich mir einen neuen kaufen würde und dann der konkurs 🙁

Saabfan
Saabfan
14 Jahre zuvor

Dann wird es wohl doch nichts mit der Aufwartung am Genfer Automobilsalon 2012. Vielleicht 2013? Wäre schön. Daran Glauben darf man ja…..

Savo557
Savo557
14 Jahre zuvor
Reply to  Saabfan

Ich bin Nihilist, Idealist, Saab-Fan zuvorderst. Wir haben seit 43 Jahren ein 9-3er Cabrio. Und jetzt haben wir uns gerade erst einen 9-5er gekauft und unseren Volvo abgeschafft. Aus Überzeugung und Trotz. Nix gegen Volvo. Aber Saab ist meine große automobile Liebe. 1990, nach dem Mauerfall, dachte ich zuerst, “brrrr, was für ein komisches Auto”.
Irgendwann hat’s dann aber gewaltig Zoooom!!! gemacht. Und seither gehört Saab zu meinem Leben, wie Frau und Tochter. Hoffentlich auch in Zukunft – ich meine natürlich Frau, Tochter und Saab.
Unvorstellbar, dass so ein Individualist in dieser gleichgeschalteten Welt von der Bildfläche verschwinden soll. Ich mag’s nicht glauben. Meinetwegen sollen die Chinesen investieren. Bloß keinen Ami mehr ins Boot nehmen. GM ist das Allerletzte. Lassen 3500 Leute im Werk, tausende Jobs in der Zulieferung und ungezählte Saab-Fans einfach verhungern. Irgendwann machen die Drecksäcke das auch mit Opel, wetten?

Savo557
Savo557
14 Jahre zuvor
Reply to  Savo557

Ich meine natürlich, wir fahren seit 4 Jahren ein 9-3er Cabrio.

Püssel
Püssel
14 Jahre zuvor

Ich will ja nicht pessimistisch sein, aber GM hatte letzten Freitag gesagt, dass sie einer Lösung nicht zustimmen, die die globalen Aktivitäten von GM negativ beeinflussen würde (global heißt in diesem Zusammenhang wirklich global, und nicht nur China.).

Wenn das so in den Verträgen stand, hatte VM keine Chance. Und auch für eine Lösung aus der Insolvenz mit Lizenzen wird es dann nicht einfach.

Julie
Julie
14 Jahre zuvor
Reply to  Püssel

So eine Passage in den Verträgen kann ja eigentlich überhaupt nicht möglich sein – dann wäre die Seite Muller / Youngman von vornherein nicht in diese Verhandlungen eingetreten. Das sich GM nunmehr mit Worten aufgebläht hat und diese Einschüchterungstaktik Erfolg hatte ist schon eher möglich – GM hätte dann (erfolgreich?) versucht einfach alles zu blockieren. Es hätte allerdings die selben späteren Auswirkungen gehabt, wie wenn hier vertraglich etwas eingeschränkt gewesen wäre und es wären zusätzlich auch noch hohe Kosten für Prozessführung entstanden…

GM kam nun vermutlich mit seiner Masche / Einschüchterungstaktik durch – dies muß man leider wirklich als Gangstermethode und als höchst asozial bezeichnen!

Wenn Fortführung des Fahrzeugbaus in Trollhättan, dann wie von Joachim vorgeschlagen, im kleineren Rahmen und nach Sachlage ggf. auch ganz ohne GM-Lizenzen (mit diesen Leute ist eine Zusammenarbeit ja fast unmöglich)!

Julie

Joachim
Joachim
14 Jahre zuvor

Die Versager in Detroit haben sich bisher immer aufgebläht, wenn Aktivitäten von SAAB in Richtung chinesischer Markt aufkamen – das Geschäft auf kleiner Flamme wieder zum Kochen zu bringen (natürlich mit einem finanzkräftigen Investor im Rücken – der dann natürlich nicht aus China stammen dürfte) könnte eine verbliebene Möglichkeit aus dem Konkurs heraus sein.

Man würde in dieser Konstellation GM nicht auf dem weltweit größten Markt in China tangieren und könnte mit oder ggf. auch gänzlich ohne GM neue Autos für Individualisten im kleineren Rahmen entwickeln / produzieren – immer noch besser als eine Zerschlagung dieser hochmodernen Fertigungsanlage – und für einen Teil der bisherigen Angestellten dürfte es dann auch wieder Arbeit in der Fahrzeugfertigung direkt bei SAAB geben.

Diese Idee des Runterfahrens der Produktion, mit naturgemäß weniger Arbeitnehmern, wurde bereits vor Monaten von einigen schwedischen Managern und Politikern an die Öffentlichkeit gebracht – wenn wir Glück im Unglück haben, wird dies vom Konkursverwalter wieder als Möglichkeit erkannt und man agiert entsprechend.

Bitte nicht gleich wieder versuchen, Gegenargumente zu liefern -erst mal “sacken lassen”.

Herzliche Grüße aus der Hansestadt Hamburg

Joachim

F-RU xxxx aus Frankfurt
F-RU xxxx aus Frankfurt
14 Jahre zuvor

Das wars wohl noch nicht ?!? Hoffe ich !
Wird hinter den Kulissen jemand als Kandidat für die Übernahme des Konkursgutes gehandelt? Gibt es Gerüchte, Interessenten im Verborgenen? Wer könnte in Frage kommen? Gabs mal bescheidene Anfragen? Ein Verkauf aus dem Konkurs, wäre der neue Eigentümer in irgendeinerweise vertraglich oder defacto
mit Ganster Motors, abhängig?
Viele Fragen, vielleicht kommt eine Meinung dazu, Gruß an alle