Saab Lage aktuell: Radio Stockholm meldet…

Gestern und heute habe ich Stunden mit Saab Telefonaten verbracht. Was aus Schweden zu uns dringt, klingt nicht wirklich so, als dass wir in Begeisterung verfallen würden. Den Verhandlungsparteien steht in Stockholm ein langes Wochenende bevor, die Zeit drängt und die Lage ist akut. Ich versuche jetzt einen Balanceakt, schreibe das, was geschrieben werden kann und was möglichst wenig spekulativ ist.

Probieren wir es mal…ganz vorsichtig ! Wenn jetzt mal wieder jemand meint, ich schreibe zu „blumig“, wie gestern Dieter, dann muss ich dagegen protestieren. Lieber Dieter, man nennt es „diplomatisch“, nicht blumig.  😉

Die chinesische Delegation und die anderen Parteien haben viel zu tun und es wird, wie erwartet, einmal mehr ein „last minute“ Ding. Wie letztendlich die Eigentümerstruktur aussehen wird, ist schwer zu sagen. Eigentlich unmöglich. Zu viele mögliche Konfigurationen habe ich die letzten 48 Stunden gehört.

Sicher ist, dass es kein Geld für Gehälter und Löhne geben wird, bevor nicht eine tragfähige Lösung sicher ist. Das ist jetzt kein offizielles Saab Statement, die Behauptung stammt von mir. Die Investoren aus China wollen jetzt die Lösung, wollen keinen weiteren Aufschub, was auch im Sinne von Saab ist. Deshalb ziehen sie die Daumenschrauben an, auch wenn es weh tut. Für mich ist die Position verständlich und nachvollziehbar.

GM will eine Mehrheit der Chinesen nicht akzeptieren. Das ist fast sicher und auch der Saab Vorschlag vom letzten Freitag scheint in Detroit keine Akzeptanz gefunden zu haben. Was ich mir vorstellen kann, wäre eine mögliche Stufenlösung. Für eine Übergangszeit, solange die Lizenzproduktion läuft, bleibt Saab mehrheitlich in der Hand eines dritten, nicht chinesischen Unternehmens. Erst nach der Beendigung der Produktion von Lizenzprodukten geht die Majorität in chinesische Hände über.

Bewusst nenne ich dabei keine Namen von Firmen, die kurz oder langfristig beteiligt sein könnten. Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Namen gehört, einige davon sind kompletter Unsinn, andere Wunschdenken oder Spekulation.

Da ist der Faktor Zeit. Keine Löhne,  das ist (fast) das Ende der Rekonstruktion. Die Rekonstruktion kann allerdings nur Lofalk abbrechen. Der wird aber nur dann den Stecker ziehen, wenn kein Erfolg mehr möglich ist. Die Uhr tickt und wahrscheinlich könnte am Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche der Hammer fallen. Mehr Zeit wird es nicht geben. Dann ist sprichwörtlich Schicht im Schacht und die Lichter gehen diesmal endgültig aus.

Kommt es kurz vor Weihnachten zum Allerschlimmsten, dann kann ich mir mittlerweile keine Rettung mehr vorstellen. Eigentlich dachte ich, dass der Einstieg eines Investors aus dem Konkurs heraus möglich sei. Ein Freund, der mitliest und mit dem ich heute telefoniert habe, sieht das nicht so. Leider hat er recht. Denn unter Victor Muller ist alles verkauft oder verpfändet worden, was von Wert ist. Welche Substanz ist also übrig ?

Was uns bleibt, ist die Hoffnung auf einen guten Ausgang der Verhandlungen in Stockholm. Die Investoren Pang Da und Youngman haben viel Geld in Saab investiert, da fällt es schwer jetzt den „exit“ Knopf zu drücken. Ein Punkt für uns und für Saab !

Lassen wir uns das Wochenende nicht vermiesen. Bleiben wir wie immer tapfer und stark ! Warten wir ab, was die nächste Woche bringt !

Ein schönes Wochenende Euch allen, wo immer Ihr seid !

Text: tom@saabblog.net

7 Gedanken zu „Saab Lage aktuell: Radio Stockholm meldet…

  • Au Backe, langsam mach ich mir echt Sorgen ….. 🙁

    • ich auch… 🙁

  • …ich nicht, das ist im Business so, jeder versucht den letzten Tropfen aus der Zitrone zu quetschen, manchmal bis es nichts mehr zu Quetschen gibt. Leider sind die Standpunkte bezogen.
    Die Chinesen wollen kaufen, weil sie das Know How wollen und Geld haben, GM will nicht zustimmen, weil sie ihr Know How nicht an die Chinesen verkaufen wollen und SAAB ist besagte Zitrone zwischen den Fronten, ohne Liquidität und Sustanz. That´s it – und wenn es eine Lösung geben soll, müsssen sich wohl beide Seiten bewegen, was ich aber nicht so recht glauben will, dazu hatten sie schon Zeit genug.

    Nun betrachten wir die Situation anders herum, sollte dicht im Schacht sein, so verliert GM Geld (Aktien und Lizenzgebühren), die Chinesen verlieren ebenfalls Geld (was sie halt schon reingebuttert haben und bekommen die Technologie nicht) und der Schwedische Staat verliert auch Geld (Sicherheiten, Arbeitslosengeld für 3000 Arbeiter, etc…). Also für alle Beteiligten kein gutes Geschäft. Also auch keine befriedigende Lösung – für niemanden.

    Bleibt eigentlich nur eine Lösung über die Beteiligungsstruktur. Eine Möglichkeit mit 1000enden Varianten. Mir persönlich würde ja so was wie eine chinesische Beteiligung an GM gefallen, und eine Übernahme GM´s von SWAN, mit Vorkaufsrecht für die Chinesen. Die Chinesen übernehmen nach Ablauf der Lizenzfristen das SAAB Aktienpaket von GM und SWAN wird aufgelöst. Wär doch eine schöne Lösung. GM kann sein wertloses Aktienpaket versilbern und neue Lizenzverträge aushandeln, die Chinesen bekommen Technik und SAAB für den chinesischen Markt (wo wieder GM mitverdient) und SWAN kann in aller Ruhe Liquidiert werden, was sowieso schon der Fall ist.

  • … so kurz vor Weihnachten finde ich es besonders schlimm !!!
    Was soll man noch sagen ??
    Allen dennoch einen schönen 2. Advent.

  • Aber Tatsache ist, GM ist jetzt das 2.te Mal das Problem, zuerst wollten sie Antonov nicht haben und jetzt wollen sie die Chinesen nicht – GM ist definitiv das Hindernis das SAAB zu Fall bringen kann …..ist wie beim Pferderennen je länger die Strecke wird desto schwerer werden die Hindernisse auch wenn sie nicht höher werden, hast du ein gutes Pferd gewinnst du, hast du ein zu schwaches Pferd fällst du auf die Schnauze, mal sehen wie stark SAAB noch ist und was der Jockey zu tun vermag die Reserven zu mobilisieren ……

  • Bleibt im Moment nur, dass immer wieder in Erinnerung gerufen wird, wie dilettantisch GM die Jahre über mit SAAB umgegangen ist – seit der vollen Übernahme im Jahre 2000 hat GM dann „den Karren voll in den Dreck gefahren“! Sogar der Gesamtkonzern mit sämtlichen Töchtern geriet bekanntlich in Schieflage – bis letztendlich (die kleinste Tochter SAAB war bereits vorher verkauft worden) alles in sich zusammenbrach und der amerikanische Staat mit Milliardenbeträgen zur Hilfe kam.

    Besonders schlimm ist, dass nach der Rettung des Konzerns, die Konzernlenker ohne Rücksicht auf Verluste wieder auf Kurs gehen und das gleiche dümmliche und asoziale Verhalten an den Tag legen wie Jahre zuvor – womit hat SAAB in Schweden eigentlich eine derartige Strafe verdient? Das grenzt ja schon an Menschenverachtung und Egoismus der übelsten Sorte – man sollte den ganzen GM-Laden zum Mond schießen!

  • …. zum Mond schießen…. wäre eine echt schlechte Lösung ….. auch dort schafft GM die Insolvenz innerhalb kürzester Zeit; und woher kommen dann die rettenden Gelder ?????

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