Victor Mullers Medientheater um Saab

Wer SaabBlog.net kennt, der weiß dass ich einen diplomatischen Schreibstil bevorzuge. Jeden Tag hat der Blog 5000 Leser, die scheinbar diesen Stil mögen. Denn seit Monaten schreibe ich für die Marke aus Trollhättan um einen Teil zur Zukunft, auch hier in Deutschland, beizutragen. Dann kommen Tage wie diese. Seit gestern ist Victor Muller hyperaktiv und gibt Interviews, sucht die Öffentlichkeit. Ich sage es offen. Besser er hätte es nicht getan.

In seinem Exklusiv Interview in Teknikensvarld greift er mit voller Breitseite die Chinesischen Partner, welche er selbst ausgesucht hat, und seine eigene Firma an. Er hat kein Vertrauen in die Investoren aus China. Saab ist für ihn ein schwarzes Loch, in dem Youngman und Pang Da ihr Geld versenken.

Ich habe das Interview dreimal gelesen, und konnte es nicht glauben. Was zur Hölle will Victor Muller eigentlich ? Muller hat seinen eigenen Plan, bei Saabsunited “The Deal” genannt. Deshalb auch der Kampf mit Lofalk.

Der Plan geistert seit Wochen durch die Saab Welt. Jetzt ist, wie wir wissen, die Welt dummerweise klein und rund. Die Welt von Saab ist noch kleiner und daher sind Geheimnisse schwer zu bewahren. Via Schweden sind Details der großen Plans im Laufe der Zeit bis in die deutsche Provinz gelangt. Eigentlich bin ich darüber unglücklich, denn nicht alles was mir Stockholm erzählt möchte ich auch wissen.

Heute bin ich so angefressen mit Mullers Verhalten, dass ich mit mir gekämpft habe, etwas mehr als sonst zu publizieren. Ich werde es aber nicht tun, denn was mir vertraulich erzählt wird, bleibt es auch. Nur soviel. Mullers Plan ist sehr ambitioniert. Funktioniert er, dann liefert Muller sein Meisterstück. Geht es schief, dann gehen die Lichter aus. Poker ohne Rücksicht auf Verluste, auf hohem Niveau.

Mein Bauchgefühl und meine Erfahrung im Geschäftsleben sagen mir allerdings, es wird nicht funktionieren. Vielleicht fehlt mir auch die Fantasie. Wären wir in Hollywood, alles wäre gut für ein tolles Drehbuch. Leider sind wir im richtigen Leben.

Was Muller vergisst: Es gibt in Schweden und auch in Deutschland Arbeitsplätze und Existenzen, die am Fortbestand von Saab hängen. Das scheint ihm egal zu sein. Soziale Kompetenz, Fehlanzeige. Mit seinen Äußerungen hat Muller heute Saab und die Chinesen schwer beschädigt. Die seriöse Presse aus Schweden sieht das ebenso, “Muller greift Lofalk hart an – und Saab” schreibt das Svenska Dagbladet.

Letzte Woche das Antonov Desaster, diese Woche ein Saab CEO auf medialem Amoklauf. Fällt mir dazu noch etwas ein ? Nein.

Keine positiven Worte zum Feierabend. Heute nicht. Leider.

Text: tom@saabblog.net

13 Comments
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Philmos
Philmos
14 Jahre zuvor

Wenn die Chinesen ganz übernehmen, ist doch VM weg vom Fenster, oder sehe ich das falsch? Für mich eine Frage der Zeit, bis er weg ist. Ansonsten gibt es eben einen Konkurs und Konkursmasse, aus der sich wieder die Chinesen bedienen werden oder ein anderer Autohersteller dieser Welt. Ich vermute mal, daß da genug andere noch darauf warten. Herr Piech will doch so viele Marken unter seinem Dach haben und Scania hat er schon, damit auch das Logo.

Für die Vorgehensweise von VM gibt es ganz klare Worte: Unprofessionell. Per SMS mit Journalisten zu kommunizieren oder überhaupt mit Geschäftspartnern, was ist das denn? Jeder Profi weiß, daß wenige Wort sehr schnell mißverstanden werden können, und eine SMS ist stets hochrisikoreich, erst recht mit Journalisten, weil Mißverständnisse nicht geklärt werden können. Also für ein E-Mail sollte schon Zeit sein…

TM7374
TM7374
14 Jahre zuvor

Das Problem ist doch, dass jetzt nur noch reiner Aktionismus betrieben wird. Es werden nur noch Kompromissentscheidungen (Plan B-Z) getroffen, anstatt eine klare Strategie zu verfolgen. Man muss doch schon Ende letzten Jahres gesehen haben, dass das Geld irgendwann ausgehen wird und hätte schon viel früher nach geeigneteren Investoren umsehen können. Nach dem Motto “Es wird schon irgendwie gehen” kann man kein Unternehmen führen. Das muss(te) auch Victor Muller einsehen. Der einzige mit Weitblick war wohl J.A. Jonsson, der rechtzeitig abgesprungen ist und sich das Theater (Antonov etc.) wohl nicht mehr antun wollte. Schade eigentlich, mit ihm hätte die Geschichte bestimmt eine andere Wendung genommen.

Marcus
Marcus
14 Jahre zuvor

das sehe ich völlig anders: wer hier falsch gehandelt hat und noch falsch agiert ist guy lofalk und die chinesen. die linke tour scheint nicht aufzugehen.
es wurde völlig unnötig eine klare vorgehensweise über bord geworfen und nun hat man das ergebnis.

wie würdet ihr euch denn verhalten, wenn man euch enteignen wollte?

SearchSaab
SearchSaab
14 Jahre zuvor

Man sagt der Fisch fängt am Kopf an zu stinken, vieleicht ist es hier auch so?

Ab wann stinkt ein Fisch?

Architektin
Architektin
14 Jahre zuvor

Er sollte sich mit zu Guttenberg zusammentun: ( Vorerst?) Gescheitert!

Saabfan
Saabfan
14 Jahre zuvor

…mir tun einfach die Mitarbeiter in Schweden leid. Seit 6 Monaten in der Schwebe, ob die Autofabrik jetzt geschlossen wird oder nicht. Ganz zu schweigen von den vielen Händlern und Kunden weltweit, welche ja alles auch miterleben…
Der CEO verspielt sein ganzes Vertrauen.

gust
gust
14 Jahre zuvor

…also Leute was ist Stand der Dinge rekapitulieren wir:

Lofalk strebt einen Deal an, der so von GM nicht akzeptiert werden wird, die Chinesen haben zwar das Geld, aber sind klar auf technisches Know How zum kleinen Preis aus, was GM wieder nicht passt. GM wird sich hüten seine Technik an die Chinesen zu verkaufen, da die das in spätestens 2 Jahren selber können bzw. abkupfern. Und GM ist am Chinesischen Markt nicht sein eigener Feind … soweit so schlecht. Nur was Lofalk da versucht, war VM schon im vornherein klar und die einzige Möglichkeit hier noch was zu retten ist einfach die Flucht nach vorne, würde ich sagen – also PLAN Z.– so absurd ist das gar nicht.

…. aber VM hat Lofalk vor sich, was die Sache fast unmöglich macht ….

Frank
Frank
14 Jahre zuvor

Fürchterlich was Muller so von sich gibt. Weiß der Mann denn was er tut ? Ganz offen, ich befürchte das Schlimmste für SAAB.

Thilo
14 Jahre zuvor

:
Das wichtigste steht doch im Artikel.

Mir ging es heute beim Lesen ähnlich wie Dir Tom und mir graut es eigentlich jetzt schon vor ‘Skavlan’ am Freitagabend zur besten Sendezeit…

Peter
14 Jahre zuvor

der Link zu dem Interview ist ja nett gemeint , aber nur weil ich ein schwedisches Auto fahre heißt das noch lang nicht das ich schwedisch kann. Kann jemand mal sagen was da drin steht ?

saab900
saab900
14 Jahre zuvor

Hey Tom, für diesen Artikel bekommst Du bestimmt Hausverbot oder Mecker in Frankfurt ! 🙂 🙂 Aber Du hast Recht, Respekt. I

SAAB bräuchte einen anderen CEO damit dieses Trauerspiel ein Ende findet. So kann es nicht weitergehen,

Andrej
Andrej
14 Jahre zuvor

Mullers letzte Attacke und Flucht nach vorne. Der macht keine Gefangenen.

@Püssel: Das hat SAAB nicht verdient, so ist es.

Andrej

Püssel
Püssel
14 Jahre zuvor

Hallo Tom,

Du wärst ein guter Berater für VM 😉 Nein wirklich: es ist toll, wie spannend aber sachlich Du das hier machst!

Ich habe eben auch das Interview mit VM auf ttela gelesen, ich glaube, die Diagnose nennt man Egomanie und das Ganze sieht wirklich nach Showdown aus: entweder der große VM zaubert seinen Plan XYZ aus dem Hut oder alles bricht zusammen. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir inzwischen eine Zukunft von SAAB mit einem CEO VM nicht mehr vorstellen; das hat SAAB nicht verdient.