Saab Schweden: Woche der Entscheidung ?
Update 12:09
In Stockholm, Detroit und Peking entscheidet sich das Schicksal von Saab. In dieser Woche muss vieles geklärt werden, in Detroit liegt eine neue Stellungnahme vor. Interessant die Tatsache daß mein guter Freund in Stockholm am Freitag vor der schwedischen Presse und vor den anderen Blogs davon wusste. Ausnahmsweise bedanke ich mich mal öffentlich für die Unterstützung der letzten Monate, denn ich weiß, er liest mit. 😉
Wie die Entscheidungen diese Woche fallen ist nicht sicher. Sicher ist nur das, was wir wissen. Die Unterstützung von den chinesischen Investoren steht und Gelder fließen kontinuierlich von China nach Schweden um Saab liquide zu erhalten und die Rekonstruktion fortzuführen. Für mich ein wichtiges und gutes Signal aus der Volksrepublik.
Möchte ich heute etwas spekulieren ? Ja, ich möchte, es ist Montag und mir ist danach.
Am Wochenende überlegte sich die schwedische Presse ob Youngman und Pang Da Saab auch ohne GM Technologie kaufen könnte. Mehrere Publikationen äußerten dazu ihre Meinung und das Ergebnis verblüfft.
Ja, Youngman und Pang Da könnten das tun. Der Saab 9-3 ist weitgehendes Eigentum von Saab Automobile und es stecken nur sehr wenige GM Lizenzen drin. Selbst die, so schreibt man, sind fraglich – so dass der Saab 9-3 als lizenzfreies Produkt angesehen werden könnte. Die neue Phoenix Plattform ist zu 100 % Saab Eigentum, also zu 100 % GM free 🙂 .
Schlecht sieht es bei dem aktuellen Saab 9-5 aus und dem neuen Sportkombi. Die Baureihe ist zu 100 % GM Eigentum, ohne Detroit geht gar nichts. Genau wie beim Saab 9-4x, der von GM Bändern läuft und zu 100 % geistiges Eigentum der Detroiter darstellt. Grrrr. 🙁
Nüchtern betrachtet wäre es eine Rechenaufgabe in diesem Pokerspiel. In ca. 18 Monaten wäre der 9-3 Nachfolger reif für die Serie. Bis dahin könnte der alte 9-3 weiter gebaut werden.
Der Saab 9-3 und der Nachfolger ist das Brot und Butter Auto von Saab. Hier wird Geld verdient und Stückzahlen gemacht. Läuft der Nachfolger, könnte man sich auf die Entwicklung des Saab 9-5 Nachfolgers, des 9-6x, des 9-7 und des 9-4x Nachfolgers auf Basis der PhoeniX Plattform konzentrieren. Diese Entwicklungen stehen bereits auf der aktuellen Agenda in Trollhättan. Der neue kleine Saab ist ja bereits in Arbeit.
Eine Geschichte mit vielen Fragezeichen. Die sich relativieren wenn man bedenkt, dass GM für Saab 9-5 und Saab 9-4x ordentlich Lizenzgelder kassieren. Plötzlich ist dann der Lizenzkauf für Saab nicht mehr so lukrativ und die Position von GM nicht mehr so stark wie angenommen.
Warum schreibe ich das.
Damit wir sehen, dass alle Akteure in einem Boot sitzen. Youngman und Pang Da könnten ohne GM. Alles wäre dann etwas teurer, die Rechnung wäre um einige Millionen höher.
GM könnte auf Saab verzichten, hätte dann aber mittelfristig etliche Millionen weniger in der Kasse.
Es wird gepokert, auf ganz hohem Niveau, mit ganz hohem Einsatz. Eine Blockade der Amerikaner wäre nicht das Ende von Saab. Aber, verloren hätten am Ende, irgendwie, alle.
Nachtrag.
Ein anderer Freund aus Schweden schreibt zu dem Thema folgende Mail und ich denke er liegt richtig.
Hallo Tom,
Du hast den Nagel schon wieder auf den Kopf getroffen. Auch GM weiß dass SAAB mit dem 9-3 Stückzahlen macht und ist deshalb weiterhin bereit Motoren und Getriebe für den 9-3 zu liefern. Das hat man mehrmals versichert. Der 9-5 ist, wie Du schreibst, für SAAB von den Stückzahlen her nicht so interessant und auch finanziell auf Grund hohe Lizenzgebühren nicht lukrativ.
Warum GM den 9-5 und den 9-4x als Druckmittel nimmt macht wenig Sinn. GM will Saab nicht töten, davon sind wir fest überzeugt. Denn eine Kuh, die man melken könnte, schlachtet man nicht.
Danke an Lars für die Mail !
Text: tom@saabblog.net
Es wurde Zeit, dass die Periode der emotionellen Selbstbestätigung der Saab-Fans während der deutschen und österreichischen Händlertour zu Ende geht und einer nüchternen kaufmännischen Beurteilung Platz macht. Dafür ist Tom und den beiden Kommentatoren Detlef und Dieter zu danken.
Emotionale Selbstbestätigung ist aber wichtig, besonders in Zeiten wie diesen. Autokauf ist Emotion ! Für die Händler und die Saab Fans war die Tour unschätzbar wertvoll.
Was man in Schweden und sonstwo entscheidet ist nicht in unserem Ermessen und ich hoffe dass wir die Phase der Wirtschaftsphilosphie bald überwunden haben.
Bei aller Euphorie frage ich mich: Soll Saab nur noch um des Namens willen weiter bestehen? Was ist mit der Qualität die für den Namen Saab stand und für mich auch Kaufentscheidend war?
Nach 18.000 km steht unser 9-3, neu im Dezember letzten Jahres gekauft, das erste Mal in der Werkstatt. Die Gänge lassen sich schwer schalten, überall knarzt und klappert es, der Diesel läuft beim Kaltstart extrem unrund.
Darauf kann GM nicht stolz sein und für Saab stellt es auch kein gutes Zeugnis aus, wenn sie weiterhin Bauteile von GM beziehen, oder gar, wie vorgeschlagen Autos von Subaru unter der Marke Saab verkaufen. Ich weiß nicht, wie Saab unter diesen Bedingungen weiter Autos in Europa verkaufen will. Zumal der Hinweis “Made in China” für viele inzwischen für Ramsch und Gift steht
Kann Dieter einfach nur Recht geben. Ich wollte immer ein Produkt mit einem bestimmten Spirit und Feingeist. China kann den nicht liefern.
Im übrigen kann ich nur sagen, daß mein Saab Cabrio seine ersten 30 Tkm runter hat und keinerlei defekt zu beklagen ist.
Trotz GM und all den Teilen wo das GM Logo draufklebt…
China wird den auch nicht liefern. Saab bleibt schwedisch, die Investoren sind Chinesen. Funktioniert doch auch bei Volvo gut, oder ? 😉
Dieter, wenn du einen Diesel-Motor mit GM Emblem fährst, gibt es einen kleinen Trick, um den Motor wintertauglich zu machen. 😉 Das Hauptproblem (welches ich auch einige Zeit bei meinem 93-I hatte) war dieses schnöde Motoröl. Lass einfach mal, anstatt der GM-Plörre, ein gutes Öl der Marke Castrol einfüllen (ich selbst nutze das 0W-30 für den Turbodiesel) und du wirst wahrscheinlich überrascht sein, wie die Maschine rennen kann 😉 (Alles, selbstverständlich, unter Rücksprache der Werkstatt). Zum Thema Getriebe: Auch da sparen die Leute mit dem “Longlife”-Siegel. Wechsel dort auch bei jeder Inspektion das komplette Öl aus, da sich selbst im Getriebe einiger Schmutz sammeln kann. Das kostet auch nicht die Welt (bei mir waren es um die 30-40 Euro).
BTW. auch die Qualität des Diesel-Kraftstoffes spielt eine große Rolle 😉
Gruß, Creativ
Hallo Dieter,
es geht doch mit dem SAAB-Automobilbau langfristig nur weiter, wenn bei z. Zt. schmalem Budget mit den vorhandenen Bausteinen gebaut wird – dies sind nun mal zu einem gewichtigen Teil Komponenten von GM. Beim 9-5 / 9-4X sind es momentan leider fast zu 100% GM-Komponenten / Lizenzen.
Sollte GM weiterhin den Bremser spielen, müßte SAAB sich doch, um über die Runden zu kommen, zeitweise andere Partner für beispielsweise 9-5 Plattformen suchen. Dies wäre ja keinesfalls eine Dauerlösung – der künftige 9-3 wäre ja bereits wieder ein reiner SAAB. Wenn er so ausfällt wie abgebildet, dürften bereits damit zu einem Großteil die Entwicklungskosten für die künftigen neuen Modelle sicher sein. Vielleicht könnte diese Karosserie in gestreckter Version sogar für einen zeitlich befristeten 9-5 (Lückenfüller) dienen – falls es mit den 9-5 Lizenzen nicht klappen sollte. Hier müßte die dann auf SAAB zu spezifizierende Technik allerdings von einem anderer Hersteller beigesteuert werden, damit zeitnah produziert werden könnte. Vielleicht von BMW – die verkaufen gern aus ihren Regalen und ein Geschäft hinsichtlich Motoren ist ja bereits vor Monaten festgelegt worden….
Es ginge womöglich tatsächlich ohne GM.
D. R.
Sehr gut dargebracht – die genannten Abläufe hatten wir hier im kleinen “SAAB-Kreis” in Schleswig-Holstein auch so ähnlich in den Hinterköpfen.
Noch eine Idee am Rande: Vielleicht könnten SAAB, Youngman & Pang Da bis zur Serienreife der späteren 9-5 und sonstigen Modelle ja vorübergehend auch Lizenzen von einem anderen Autohersteller erwerben (beispielseise von SUBARU) und diese Modelle sozusagen als Lückenfüller erstmal weltweit mit dem SAAB-Emblem verkaufen – falls sich GM völlig sperrt. Hier hätte vermutlich auch der kleine Hersteller SUBARU etwas davon. Es gab zudem bereits vor Jahren einmal einen SAAB 9-2, der eigentlich auch ein SUBARU war (zu diesem Zeitpunkt gehörte SUBARU noch zu GM) – es wäre ja nur für eine befristete Zeitspanne.
D. R.
Der 9-2 war ein totaler Reinfall. Bitte nicht. Außerdem wäre das Zündschloss am falschen Platz 😉
Das mit den Lizenzen eines anderen Herstellers ist keine schlechte Idee – es handelt sich schließlich um eine evtl. eintretende Notsituation (hervorgerufen durch GM).
Die SAAB-Fabrikationsanlagen wären womöglich ausgelastet und Händler / Kunden würden nicht in leeren Ausstellungsräumen stehen.
Die dann bei einigen Modellen vorübergehend andere Technik könnte in Richtung SAAB spezifiziert werden und der dafür erforderliche kurzfristige Neuentwurf einer vom Design her als SAAB erkennbaren Karosserie wäre auch machbar. Es müßte also nicht unbedingt GM sein!
Joachim