Das 9000 Cabriolet, der Saab, der nie gebaut wurde
Der Saab 9000 war für den Saab-Scania Konzern der erste, historische Schritt in die gehobene Preisklasse. Den überstrapazierten Begriff “Premium” gab es damals noch nicht. Das 9000er Design entstand in der Zusammenarbeit von Björn Envall, einem „Schüler“ des legendären Sixten Sason, mit dem italienischen Meister Giorgetto Giugiaro.
Und Saab landete mit dem 9000 einen echten Coup. Der erste Oberklasse Saab entfachte ein Feuer, Kunden und Presse waren begeistert. Die Lieferzeiten waren lang und in Göteborg, bei Volvo, sah man das alles mit einem Unbehagen.

Das 9000 Cabriolet, der Saab, der nie gebaut wurde
Saab lieferte das modernere Konzept. Frontantrieb und Turbomotor in der Oberklasse, später mit einer Automatik kombinierbar, das hatte Volvo in dieser Form nicht. Und dann war da noch das Design, die große, praktische Heckklappe, und was wäre wenn Saab dann noch in Richtung Premiumklasse mit einem Cabrio abbiegen würde?

Björn Envall war federführend bei der Saab Designsprache bis hin zum 900 OG und dem Saab 9-5 OG. Eine Kontinuität der Designschule von Sixten Sason von Beginn der Fahrzeugproduktion bis in die späten 80er Jahre. Dabei wurde das Erbe aus dem Flugzeugbau stets geachtet und immer neu interpretiert.
Wie bei allen Saab der vor GM Ära gilt auch für den 9000 die Devise: „Form follows function“. In langer Tradition und eine Saab-Selbstverständlichkeit eben.
Entwickelt wurde der 9000er zusammen mit demFiat-Konzern. Alfa Romeo 164, Fiat Croma und Lancia Thema waren die italienischen Geschwister, auch wenn am Ende der Bauzeit keine Gemeinsamkeiten der Karosseriegestaltung bis auf die Türen mehr feststellbar waren. Für Lancia und Fiat war es das letzte Modell in dieser Fahrzeugklasse, welches zum Erfolg wurde.
Heute baut Fiat nur noch Kleinwagen erfolgreich. Lancia soll in Zukunft unbegreiflicherweise auf amerikanischen Chrysler Modellen basieren und einen großen Alfa gibt es leider schon lange nicht mehr.

Bei Saab-Valmet sah man eine Chance und wollte sie nutzen
Dachte man in Trollhättan über ein Saab 9000 Cabriolet nach? Vermutlich nicht. Eine Stufenhecklimousine wurde verwirklicht, der Kombi kurz vor der Produktionsreife wieder verworfen. Aber einen großen, offenen Saab. Soviel Luxus und Dekadenz gab das politische Klima in Schweden in diesen Jahren nicht her.
Vielen, auch der Redaktion, dürfte lange nicht bekannt gewesen sein, dass der 9000 trotzdem einen Cabriolet Prototypen als Derivat hatte. Natürlich waren nicht die Schweden die Ideengeber, Saab-Valmet sah die Chance und ergriff die Initiative.
Viele Fakten über dieses Projekt wissen wir nicht, der Prototyp steht heute im Valmet Werksmuseum in Uusikaupunki.
Vermutlich ist das Saab 9000 Cabriolet eine Entwicklung, die nur auf der Valmet Initiative beruhte, um weitere Aufträge zu generieren. Wie auch der Saab 9000 CD V8 als ein solcher Versuch, der heute ebenfalls im Werksmuseum steht.

Das 9000 Cabriolet hätte einen Markt gehabt
Das 9000 Cabriolet hätte für Saab vielleicht eine Wiederholung der Erfolgsgeschichte sein können, die mit dem 900 Cabriolet begann. Der Markt großer 4-sitziger Cabriolets lag zur damaligen Zeit brach. In den USA gab es aber eine starke Nachfrage, und die wurde erst von Mercedes mit der W124 Baureihe neu belebt.
Die Automarke aus Trollhättan hätte die Chance ergreifen können, in die Luxusklasse vorzustoßen und sich dort dauerhaft zu etablieren. Die Möglichkeit wurde nicht genutzt, vielleicht weil das alles zu mühsam erschien.
Auch ein elegantes Coupé auf Basis der 9000er Serie wäre möglich gewesen. So hätte aus dem 9000 Projekt mit der Zeit eine komplette Produktfamilie werden können, denn wie geschrieben war auch ein Kombi in Schweden in Planung.
Für den Saab-Scania Konzern wäre mit mehr Varianten eine höhere Stückzahl in der gehobenen Fahrzeugklasse möglich gewesen. Und vielleicht die Profitabilität und das Überleben in der Selbstständigkeit ohne GM.
Hätte man den Mut dazu gezeigt, hätte die Geschichte der Automarke aus Trollhättan womöglich einen anderen Verlauf genommen.
Danksagung: Die Bilder kamen von Jouko Kuisma
Hmmm … auf den Fotos sieht das Ding aber nicht sonderlich hübsch aus … oder ist das “in Natura” besser?
Front und Heck gefallen mir nicht so … zu “eckig” irgendwie.
Allerdings wirkt die Frontscheibe und das Dach recht flach … das hat schon wieder was!
Das schönste Cabrio ist doch irgendwie immer von das “Ur-Cabrio” von `86 an aufwärts. 🙂
Das stand bei unseren damals ortsansässigen Händler dann irgendwann mal in grün/beige und mit “Gepäckträger” auf dem Kofferraum … wow! 🙂