Saab Schweden: Warum Saab die Krise überlebt – oder nicht.

Valdemar Lönnroth
Valdemar Lönnroth

Es gibt verschiedene Sichtweisen der Dinge. Dabei kommt es oft auf den Standort an. Saabblog.net ist in der Nähe von Frankfurt zu Hause und so, trotz guter schwedischer Freunde, nicht ganz nah dran.

Einer, der sehr nahe dran ist und Saab täglich erlebt, ist Valdemar Lönnroth, Wirtschaftsjournalist bei der TTELA in Trollhättan.

Heute hat er aus seiner Sichtweise “Pro” und “Contra” für Saab veröffentlicht. Seine, schwedisch – regionale , Sicht der Dinge ist interessant, seine Argumente stichhaltig.

Für Saab und das Überleben der Marke sprechen in seinen Augen folgende Punkte:

1. Verbindliche Verträge mit zwei chinesischen Autofirmen, ein funktionierendes Vertriebsnetz auf dem weltweit größten Automarkt.

Darüber hinaus verpflichten sich die chinesischen Unternehmen die Entwicklung mit allen anfallenden Kosten für drei neue Modelle zu übernehmen. Das hat es in der 64 jährigen Saab Geschichte nie gegeben. Außerdem gibt es einen russischen Geschäftsmann, der weiter an der Tür klopf, egal wie schlecht es Saab geht.

2. Neue Modelle auf dem Markt. Der Saab 9-4x und die Saab 9-5 Serie. Darüber hinaus ein älteres Modell, mit einem guten Dieselangebot. Unter normalen Umständen wäre der Absatz besser als die vergangenen, bescheidenen Zahlen.

3. Das technische Wissen von Saab war im GM Verbund sehr wichtig. Saab ist immer noch ein Unternehmen, welches für technische Innovation steht. Und die Leistungsträger mit technischem Know How sind im allgemeinen, trotz schwieriger Umstände, sehr loyal.

4. Die Fabrik, immer im Wettbewerb mit Rüsselsheim, gilt nach GM Investitonen als sehr wettbewerbsfähig.

5. Ein Vorstand mit dem Namen Muller. Der ständig neue Finanz- oder Geschäftspartner präsentiert und damit seine Kritiker wiederlegt.

Was gegen Saab spricht, warum die Firma die Krise nicht überleben wird:

1. Die kurzfristigen Probleme, die sich hinziehen. Aktute Probleme mit Lieferanten, viele Puzzelstückchen die sortiert werden müssen um neu zu starten. Eine grundlegende Bedingung ist die Lösung kurzfristiger Probleme.

2. Die langfristige Lösug der Eigentümerstruktur mit Pang Da und Youngman braucht Zeit. Auch Antonov steckt immer noch im Entscheidungsprozess fest.

3. Das Kundenvertrauen ist sehr gering. Der Glaube an das Überleben der Marke ist – außerhalb des Heimatmarktes – schwer beschädigt. Besonders im Firmenkunden Bereich, der sehr wichtig ist für Saab. Es wird sehr lange dauern, bis Saab das Vertrauen erneut herstellen kann, das in den letzten Monaten oder Jahren beschädigt wurde.

4. Einer der Risikofaktoren die im Jahresabschluß festgestellt wurde, ist die Fähigkeit von Saab Mitarbeiter zu rekrutieren. Saab muss ein attraktiver Arbeitgeber sein. Das Gegenteil ist der Fall, einige wichtige Mitarbeiter haben begonnen den Arbeitsmarkt zu sondieren und sich bei potentiellen Arbeitgebern – vor allem bei Volvo – nach den Möglichkeiten zu erkundigen.

5. Es gibt keinen Geschäftsführer (CEO) bei Saab, der sich nur auf den Standort Trollhättan konzentrieren kann. Vorstand Victor Muller ist voll mit Verhandlungen eingebunden um die künftige Eigentümerstruktur sicher zu machen.

Soweit der heutige Wirtschaftsartikel aus Trollhättan. In meinen Augen überwiegen die positiven Argumente und die Zukunft von Saab wäre gesichert, könnte man die kurzfristigen Probleme lösen.

Wie sieht es mit dem Kundenvertrauen aus. Gestern haben einige Fans den Frust über Saab hier abgeladen. Ich kann sie verstehen. Gegen Abend kamen dann aber etliche positive Mails von Lesern, mit denen bislang kein persönlicher Kontakt war. Ich denke das Vertrauen, auch in Deutschland, ist stärker als die Schweden es sehen.

In diesem Sinne, keep on Saabing !

Text/Übersetzung: tom@saabblog.net

Quelle/Bild: TTELA

5 Gedanken zu „Saab Schweden: Warum Saab die Krise überlebt – oder nicht.

  • Das Kundenvertrauen in die Marke SAAB hängt ja nicht nur von den Geschehnissen in Schweden ab, sondern auch – und wie ich finde – vor allem vom VErhalten der Händler vor Ort. Und hier kann man doch zu recht unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Unterm Strich wäre da sicher noch Potenzial, das Vertrauen zu stärken, ich bin mir nicht sicher ob:
    a) den Händlern dies nicht so recht bewusst ist
    oder
    b) sie selbst so gebeutelt sind, dass es einfach zu schwer fällt, Vertrauen weiter zu vermitteln

    PS: klingt natürlich etwas pauschal, soll und ist aber so nicht gemeint!

  • Eine gute Zusammenfassung des aktuellen Zwischenstandes finde ich. Die negativen Punkte 1, 3 und 4 (5 eigentlich auch) basieren alle auf Vertrauen (das teils zurück gewonnen werden muss). Allerdings hat Saab aus meiner Sicht bei dessen Aufbau in der Vergangenheit Fehler gemacht. Hoffentlich haben sie daraus gelernt.

  • Als SAAB Gebrauchtwagenhändler mache ich mir schon so meine Gedanken wie es weitergeht. Nach wie vor kann man sämtliche SAAB Cabrios gut verkaufen. Mit dem Ankauf von Kombis und Limosinen muss man sehr vorsichtig sein, die Nachfrage ist sehr stark zurückgegangen. Das liegt aber zum großen Teil an den vielen Motorschäden beim 3.0 Diesel und dem 2.3 . Ich kenne Kunden die an Ihrem 9-5 Kombi 3.0 Diesel innerhalb von zwei Jahren Euro: 30.000,-!! verloren haben, weil ihnen kein Händler dieses Auto zurücknimmt. Auch die rep. Anfälligkeit beim 9-3 Diesel hat sehr viele Kunden verärgert und zu anderen Marken getrieben. Nach wie vor werde ich aber weiter SAAB verkaufen, werde aber meinen Anteil an Volvo Fahrzeugen erhöhen.
    Gruß
    Falk von Vegesack , Braunschweig

  • @FalkvV : Solche Kommentare zum privaten Geschäft als Werbung gehören hier nicht hin, dann viel Spass mit den Volvos.

  • Es sind die Haendler die potentielle Kunden abschrecken. Ich kenne zwei SAAB Zentren. Bei beiden merkt man deutlich, das der Glaube an die Marke fast nicht mehr vohanden ist. SAAB kann nur dann die Kurve kriegen wenn der 93er moeglichst schnell technisch grunderneuert wird. Das 5 Meter Monster 95 ist fuer mich keine Alternative und nur ein Uebergangsmodell. Ich bin auch sehr offen fuer einen SAAB SUV, aber bitte mit modernem Diesel. Ich habe mir 2010 meinen zweiten 93er Kombi geholt. Den behalte ich bis 2014. Wenn es SAAB noch geben sollte, aber keine echte Alternative zum jetzigen 93er, dann kaufe ich bei der Kunkurrenz

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