Saab Krise: Saab Spirit ist diesmal nicht genug

Die ganz dunklen Wolken über Trollhättan kamen diesmal nicht überraschend. Jeder der etwas rechnen konnte wusste, dass über kurz oder lang diese Situation eintreten würde. Obwohl Victor Muller einen Neuanlauf der Produktion versprach, sind aktuell noch nicht einmal die Mittel für Löhne, Gehälter, Steuern und Zinsen da. Vor allem Zinsen, denn es ist Quartalsende und die Zinsen für den EIB Kredit müssen bedient werden.
Schluß aus. Für die Saab Angestellten ist das schlimm. Bislang wurden sie gut behandelt, Löhne und Gehälter flossen pünktlich. Die Angestellten haben sich dafür mit ihrer unverbrüchlichen Loyalität bedankt. Kaum einer der umworbenen Ingenieure ging nach Göteborg zu Volvo, das wird sich jetzt ändern. Vor drei Wochen versprach Muller zum Produktionszwischenstart der Saab Mitarbeitern “das wird nicht mehr passieren” und meinte damit einen erneuten Produktionsstop. 700 produzierte Autos später standen die Bänder erneut. “Nur für einige Tage” versprach Muller. Und heute ?
Trollhättans Bürgermeister fordert heute öffentlich Investment Banker Antonov als Saab Aktionär zuzulassen. Löst das unser Problem in Trollhättan ? Ehrlich gesagt nein. Für Trollhättan ist die Situation schlimm, aber nicht so schlimm wie vor einigen Jahren. Die Stadt war bisher eine “Insel”, einsam gelegen im Västragötland. Jetzt ist die Autobahnanbindung nach Göteborg im Bau und auch die schwedische Wirtschaft ist besser aufgestellt als noch vor einiger Zeit. Das Bruttosozialprodukt wächst dieses Jahr um 4,5 %, qualifizierte Fachkräfte werden gesucht.
Ebenso wenig wie der Antonov Einstieg Probleme dauerhaft löst, genau so wenig wird der Verkauf der Werksimmobilien eine Lösung bringen würde. Die letzten “Kronjuwelen” von Saab werden um jeden Preis verschleudert um damit Zeit zu kaufen. Die Grundlagen von Saab, eine eigene Automobilfabrik mit Windkanal und Teststrecke wäre weg, um die Liquidität für ca. 40 Tage zu sichern. Das wäre das Ende des Automobilbaus in Trollhättan. Die EIB hat die Werksanlagen als Sicherheit. Unwahrscheinlich dass in dieser Situation die Gebäude freigegeben werden.
Und das ist auch gut so. Saab hat, ohne Frage eine attraktive Modellpalette. Die aktuellen Saab sind Spitze und so gut wie nie. Saab hätte das Potential den deutschen Premiummarken ernsthafte Konkurrenz zu manchen. Die Jungs in Trollhättan können, wenn man sie läßt. Freigelassen von GM kommen innerhalb kürzester Zeit neue Ideen und Patente ohne Ende. Und Saab hätte noch mehr Potential, denn die Marke ist der Rohdiamant der nur entdeckt werden müßte.
Allerdings nicht mit dem jetztigen Management und der jetzigen Aktionärsstruktur. Und auch nicht mit Victor Muller. Der hat fertig. Ohne Frage, Muller hat Saab aus der Abhängigkeit von GM gerettet. Ohne Muller gäbe es Saab nicht mehr. Aber Muller war nicht in der Lage Saab auf stabile, finanzielle Fundamente zu stellen als dazu noch Zeit war. In letzter Not wurde die China Karte gezogen und Versprechungen gegeben die nicht gehalten wurden. Jetzt wird in den USA Geld gesucht, welches vermutlich das lange Leiden nur verlängern wird.
Saab braucht jetzt Investoren die nicht ein paar Millionen für einige Monate vorstrecken. Saab benötigt Langzeiteingtümer mit strategischem Interesse. Land Rover und Jaguar haben Tata. Die Inder investieren 5 Milliarden € im alten Europa in neue Fabriken und neue Produkte. Nicht 30 Millionen, so wie Antonov sich das vorstellt. Damit bekommt man keine Automobilmarke zum laufen.
Geht Saab jetzt in Insolvenz ? Das ist hochwahrscheinlich. Saab Sprecher Eric Geers sagte heute zwar “Konkurs oder Rekonstruktion, das sei kein Thema”. Die Gewerkschaft IF Metal teilte heute vormittag ganz klar mit, dass sie den Konkursantrag vorbereitet um die Rechte ihrer Mitglieder zu schützen. Binnen 7 Tage wird sie den Antrag beim zuständigen Gericht in Vänersborg einreichen, sollte bis dahin die Löhne nicht gezahlt werden.
Das Gericht bestimmt einen Insolvenzverwalter der bestimmen wird ob er mit Hilfe der bisherigen Eigentümer das Unternehmen weiterführt oder, was wahrscheinlich ist, die Eigentümer ihre Rechte verlieren und neue Investoren gesucht werden. Die Insolvenzverwaltung schützt das Unternehmen gegen Zugriffe von Dritten und kann auch einen recht langen Zeitraum die Geschicke der Firma bestimmen. Geht Saab in diese Rekonstruktionsphase, sind die Chancen für das Unternehmen höher als die Risiken.
Rettung, wenn sie kommt, wird von außen kommen. Allerdings zu den Bedingungen der Retter. Und die kommen aus China, vielleicht aber auch aus den USA. Muller verhandelt mit den Chinesen über neue Barmittel. Auch in den USA ist Muller auf Geldjagd. Mit dem Investor Mark Bishop wird über Investionen in Saab verhandelt. Bishop gehörte zum Kreis der Investoren die versuchten gemeinsam mit Koenigsegg Saab zu übernehmen.
Aber, im Gegensatz zu Lage von vor einigen Wochen, ist Muller in einer sehr schlechten Situation. Die Produktion steht und es ist erwiesen dass ein erneuter Anlauf aus eigener Kraft nicht geht. Ebensowenig wie wie die Zahlung der fälligen Löhne. Trotz aller Versprechungen und aller Luftschlößer.
Die Chinesen wissen das. Vielleicht auch Herr Bishop. Jetzt können sie die Bedingungen diktieren. Was kommt ist fraglich. In einigen Tagen werden wir es wissen.
Text: tom@saabblog.net
Leider, so ist es. Saab hat das alles nicht verdient !
Ein toller Artikel von Tom, dem man nur zustimmen kann.
Es war wirklich nur eine Frage der Zeit, wann auch für die Löhne das Geld ausgehen würde. Man sprach immer von fehlendem Geld für die Wiederaufnahme der Produktion, ich jedoch wunderte schon seit geruamer Zeit mich mit welchen Mitteln die Mitarbeitergehälter beglichen werden konnten. Nun scheint man am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein und es wird sich zeigen wie loyal die sowieso schon arg von den Unsicherheiten der letzten Monate geplagten Mitarbeiter nun zu SAAB stehen. Hier geht es um Existenzen und nicht nur um ein Lebensgefühl. VM wird sich auch eingestehen müssen, dass ihm diese Aufgabe wohl eine Nummer zu groß gewesen ist. Sein Optimismus in allen Ehren, aber eine Autofirma zu leiten ist eine komplexe Sache für das man kompetente Sparrings-Partner braucht. Diese sind ihm reihenweise abgesprungen. Ob sie ahnten was mit SAAB passieren würde? Oder hatten sie unterschiedliche Auffassungen zur Konzernstrategie? Man wird es wohl nie erfahren. Als langjähriger und aktueller SAAB Fahrer verfolge mit Schaudern die teilweise sehr planlosen und womöglich auch erfolglosen Rettungsversuche von VM und habe mir nicht vorstellen können, dass es mit SAAB mal soweit kommen würde. Da liest sich doch jeder alte Autozeitschrift-Artikel in dem ein SAAB getestet wurde und dabei immer hämisch auf die Opel Verwandschaft angespielt wurde wie ein Segen. Jetzt erntet SAAB nur noch Hohn und Spott aufgrund der Managementfehler der letzten Jahre bzw. der letzten Monate. Mittlerweile weiß ich nicht, ob es nicht besser wäre SAAB in Würde sterben zu lassen als es künstlich noch für einige Monate am Leben zu erhalten. Denn 30 Mio EUR hier und 60 Mio EUR da helfen SAAB nur kurzfristig, es müsste schon ein finanzstarker Partner her, der wirklich will dass SAAB überlebt. Aber am Horizont ist weit und breit keiner zu sehen, es sind nur die dunklen Wolken, die immer dunkler und dunkler werden…
so sehr es auch schmerzt
ich muss dir auf der ganzen Linie Recht geben