Finanzspritze für das Elektroauto Startup NEVS.

Von den Besitzern der alten Saab Fabrik gibt es Neuigkeiten. Nachdem es erste Hinweise auf Liquiditäts-Engpässe gegeben hatte, erhält das Elektroauto Startup NEVS jetzt eine weitere Finanzspritze aus China.

Produktion bei NEVS. Credit: TTELA

Neuer Aktionär. Details und Hintergründe unklar.

Hinter der Überweisung von rund 91 Millionen € steht ein Unternehmen mit dem Namen Beijing Zhigan Shenghuo Technology, das von jetzt an auch Aktionär bei NEVS ist. In welcher Höhe und wie Anteile erworben wurden, etwa durch die Ausgabe zusätzlicher Aktien oder durch das Ausscheiden eines anderen Teilhabers, ist unklar. Es gibt keine Pressemeldung zu dem Vorgang, nur der Bericht in mehreren Medien.

Der Betrag wird nicht ausreichen,  um das Werk in Tainjin fertig zu stellen, oder um den Anlauf der Produktion zu finanzieren. Es wird aber über die kommenden Monate helfen. Das chinesische Startup in der alten Saab Fabrik hofft auf einen Einstieg von Uber Rivalen Didi als Großaktionär. Eine entsprechende Vereinbarung soll im Herbst unterzeichnet werden.

Wichtige Details in der Lokalzeitung.

In der Lokalzeitung Trollhättans wurde ausserdem durch Ex-CEO Bergman über tiefgreifende Veränderungen berichtet. Auch hier liegt keine Meldung an die Medien vor, obwohl die Dinge wichtig wären. Es gibt lediglich einen kostenpflichtigen Artikel in dem regionalen Medium.

Die Veränderungen in kompakter Form:

  • NEVS hat die Suche nach einem neuen CEO eingestellt, Präsident Stefan Tilk übernimmt die Position von Mattias Bergman in Personal-Union dauerhaft.
  • Das Tübitak Projekt, die Entwicklung eines nationalen Autos für die Türkei, liegt seit einem halben Jahr auf Eis und ist gescheitert.
  • Der Anlauf der Serienfertigung für das NEVS 9-3 EV ist für den Herbst 2018 geplant. Man geht davon aus, bis zu diesem Zeitpunkt das Werk in Tianjin im entsprechenden Zustand fertiggestellt zu haben.
  • Im alten Saab Werk presst man derweil Roh-Karossen und baut Prototypen.
  • Die Lizenzierung und die Homologation des Elektroautos durch die chinesischen Behörden soll 2018 erfolgen.
  • Dass die Finanzlage nicht stabil ist, wird gegenüber der TTELA bestätigt. Zahlungen an Partner und Lieferanten erfolgten verspätet. Der TTELA Artikel wurde vor der Bekanntgabe der Überweisung aus China verfasst.

14 Gedanken zu „Finanzspritze für das Elektroauto Startup NEVS.

  • 24. August 2017 um 4:07 PM
    Permalink

    Vielen Dank für den Bericht, Tom,

    Ich verfolge wie viele Andere hier auch seit Jahren die, soll ich es wirklich Entwicklung nennen?
    Die Nachricht, dass Bergmann Nevs verlässt war ein Dejavu Erlebnis. Vor einigen Jahren verließ der langjährige Top Manager und SAAB Uhrgestein (Name entfallen) SAAB Spyker und danach ging alles sehr schnell. Die zwischenzeitlich positiven Nachrichten über tolle Produkte und die Vorstellung der neuen 9-3 Elektro Fahrzeuge vor wenigen Wochen sind im Vergleich zu der Stagnation laue Lüftchen. Nevs lässt vertvolle Zeit verstreichen. Eine SAAB Fabrikation auf bestem technischen Stand (vor wenigen Jahren) wird möglicherweise in den Rückstand geraten. Alle großen Hersteller von Automobilen arbeiten mit höchster Energie an alternativen Konzepten. Käme Nevs heute mit den beiden vorgestellten Fahrzeugen an den Markt, wäre es schon schwer genug, gegen die Konkurrenz zu bestehen. In einem Jahr wird viel passiert sein und ich befürchte, dass es dann für NEVS zu spät ist.

    Kann nicht endlich ein Ende wie auch immer gesetzt werden? SAAB kann nur wiederbelebt werden, wenn ein Solventer Marktteilnehmer eine sinnvolle Verwendung hat. Chancen gering. NEVS stellt endlich entsprechende FAhrzeuge zur Verfügung. Chancen auch gering. Bis heute hoffe ich, dass da endlich mal was greifbares heraus kommt. Aber es fällt mir immer schwerer mich für das SAAB ERbe zu begeistern. Immerhin, meine alten SAABS machen mir immer noch täglich Freude.

    Gruß vom Erik

  • 24. August 2017 um 5:20 PM
    Permalink

    Glaubt nach all den Jahren noch wirklich jemand an NEVS…

  • 24. August 2017 um 6:05 PM
    Permalink

    Eigentlich kann man der NEVS Truppe gar nicht mehr glauben. Irgendwas funktioniert immer nicht oder scheitert gerade. Bergman hat das mal als das größte Industrieprojekt Schwedens bezeichnet. Ich lache mich schlapp…

  • 24. August 2017 um 7:01 PM
    Permalink

    Auch für diesen “erhellenden” Artikel DANKE. 🙂 Auch wenn der Inhalt eher runterzieht.
    Das NEVS irgendwann weltweit agiert, kann ich mir immer schwerer vorstellen…
    Das NEVS an den Markt kommt schon eher. China WILL El.-Mobilität. Daher werden chin. Finanzspritzen weiter fließen…
    Ob diese Gemengelage für eine erfolgreiche eigenständige Zukunft reicht… ich bin weiter gespannt. Aber ohne Emotion.

    • 24. August 2017 um 8:21 PM
      Permalink

      Die Angelegenheit ist komplett ohne Emotion. Die Zeit ist vorbei. Es könnte dennoch noch mal spannend werden, falls ein potenter neuer Aktionär einsteigt und (endlich) umfassend investiert.

  • 24. August 2017 um 8:12 PM
    Permalink

    Die Typen sind unfähig bis in die Haarspitzen. Traurig was dort passiert. Wie es richtig geht zeigt Volvo.

    • 25. August 2017 um 12:57 PM
      Permalink

      Volvo ist unter Ford lange nicht so ausgeblutet wie SAAB unter GM. Mir ist trotzdem rätselhaft, warum die Schweden selbst keinen Mumm aufbringen SAAB / NEVS wiederzubeleben. Käuferpotential (insbesondere derzeitige SAAB-Fahrer weltweit) wäre gerade beim gegenwärtigen Erscheinungsbild anderer Automobilhersteller ohne weiteres vorhanden.

      Ein solventer Großinvestor mit guter Marketingabteilung sollte hier doch nach wie vor erfolgreich sein – die momentane Eigentümerstruktur spricht mittlerweile jedoch eher dagegen.

  • 24. August 2017 um 10:36 PM
    Permalink

    Der Wind hat sich gedreht- leider! Letzten Sommer schien die Euphorie und die Ambitionen groß. Der Bericht von Tom aus dem Inneren des alten Werks war große Klasse. Mir ist noch ein Satz eines Mitarbeiters aus der F&E im Gedächtnis der sagte sinngemäß, “Wenn wir es jetzt nicht schaffen sind wir selbst schuld.” Warscheinlich rührte diese Aussage aus der Annahme, nun könne man alles machen ohne Zwänge und ohne GM Korsett. Liquidität war damals sicher auch vorhanden. Das hat sich scheinbar grundlegend geändert. Wirklich schade!
    Ich vermute der Aufbau der Fertigung in Tanjin kostet wesentlich mehr als erwartet. Entgegen der alten Planung muss das Werk in Tanjin zu einer kompletten Fabrik mit Presswerk, Karo-Bau und Lackiererei aufgerüstet werden. Die chinesische Regierung will es so. Das kostet richtig Geld. Währenddessen steht die Fabrik in THT mit allen Maschinen nahezu still. Die Führungetage von NEVS ist wahrlich nicht zu beneiden. Vielleicht waren es auch die schlechten Aussichten für THT die Herrn Bergman bewogen hat zu gehen.

    • 25. August 2017 um 9:38 AM
      Permalink

      Die Lage hat sich in der Tat verschlechtert. Eines der Probleme des Unternehmens ist die Struktur der Eigentümer. Es gibt niemanden, der die Mehrheit hat und NEVS wird zwischen den einzelnen Interessensgruppen, die nur von lokalen Interessen gleitet scheinen, förmlich aufgerieben. Die Produktion des 9-3 Elektroautos soll in Tianjin (Limousine) und im New Long Ma Werk erfolgen (9-3X). Letzteres ist chronisch defizitär und für beide Standorte wird es nicht zur Auslastung reichen. Während dessen steht das schwedische Werk weiterhin still.
      Ausserdem ist NEVS chronisch schwach kapitalisiert. Die Mittel, welche die Teilhaber immer wieder frei machen, reichen noch nicht mal um Minimal-Ziele annhähernd zu erreichen. Das ist der Unterschied zu Volvo, wo ein starker Eigentümer die Führung hat und von Anfang an einen einen niedrigen 2-stelligen Milliarden US Dollar Betrag zur Verfügung gestellt hat.

      • 25. August 2017 um 2:26 PM
        Permalink

        Mit dieser Antwort auf den Betrag von Olaf, lässt Du die Katze ja richtig aus dem Sack:
        Zitat: Es gibt niemanden, der die Mehrheit hat und NEVS wird zwischen den einzelnen Interessensgruppen, die nur von lokalen Interessen gleitet scheinen, förmlich aufgerieben.
        Wie soll so je (!) etwas “gescheites” rauskommen??? Es wird nur massenhaft Geld verbrannt…, und wer das durchschaut geht. Ein Job ohne Perspektive macht keinen wirklichen Antrieb.

        • 25. August 2017 um 2:34 PM
          Permalink

          Es gäbe da mehr zu berichten, was vielleicht in einem anderen Format demnächst passieren wird. Tatsache ist: Was bei NEVS passiert, ist für chinesische Verhältnisse nicht ungewöhnlich. Die Elektroauto Division des Staatskonzern BAIC hat mehr als 30 Eigentümer, die entweder staatlich, halbstaatlich, oder privat sind. Entsprechend wirken auch dort die Interessen der einzelnen Gruppen.

          • 26. August 2017 um 11:21 AM
            Permalink

            Danke für die ausführliche Antwort Tom. Ich denke auch das es so nichts mit dem Werk in Trollhättan werden kann. Die machen dort noch die Entwicklungsarbeit für China fertig und dann sollte NEVS überlegen, ob sie die Fabrik mitsamt des Inventars nicht an jemanden verkaufen sollten der mehr damit anfangen kann. Ich könnte mir Volvo, VW oder BMW vorstellen. Alle drei habe anständige Frontantriebsplattformen Plattformen die zu SAAB passen würden. Kapital scheinen auch alle zu haben auch wenn VW gerade mit Investitionen aus bekannten Gründen hadert.

Kommentare sind geschlossen.