Kommt die Automarke Saab zurück, Frage an Saab AB Pressechef
Es ist ein immer wiederkehrendes Ritual. Im Interview mit dem jeweils amtierenden Pressechef der Saab AB unternimmt das Gespräch einen Schlenker hinüber zur Automarke Saab. Die ist zwar Geschichte, aber immer noch in den Köpfen unterwegs. Kommt Saab zurück? Wird es wieder Autos geben? Es ist tatsächlich erstaunlich, dass 13 Jahre nach dem Aus in Trollhättan das Thema immer noch diskutiert wird.
Doch Saab bewegt, als Legende und Kult vermutlich stärker, als hätte es das Drama des Jahres 2011 nicht gegeben. Aktuell wurde Pressechef Matthias Rådström befragt. Seine Antwort fiel wenig überraschend aus, auch gibt sie keinen Anlass für Interpretationen oder Spekulationen jeder Art.

Kommt die Automarke Saab zurück, Frage an Saab AB Pressechef
Es ist klar, dass Saab als Autohersteller auch in Zukunft nicht zurückkommt. Das bestätigte Rådström in einem Interview mit dem polnischen Businessinsider Magazin (Link) und war damit zumindest für eine internationale Schlagzeile gut. Denn der Fokus der Saab AB liege sehr eindeutig in der Verteidigungsindustrie, die momentan mit einer enormen Nachfrage klarkommen muss.
Auch ein Verkauf der Markenrechte komme nicht infrage. Die Erinnerungen an die negativen Schlagzeilen mit GM, danach mit Spyker und zum Schluss mit den chinesischen Investoren von NEVS sind wohl noch in lebhafter Erinnerung. NEVS verspielte die wertvolle Nutzung der Markenrechte durch eine selbst verschuldete Insolvenz. Seitdem kam das Unternehmen nie mehr richtig ins Spiel, der Saab Markennamen als größter Aktivposten war verloren.

Auch die Nutzung unter Lizenz, oder den Verkauf an chinesische Investoren kann sich Rådström nicht vorstellen. Selbst die Träume des Investors EV Electra, der mit den Resten des Emily GT Konzepts spielt, sind für ihn nicht relevant. Zu Recht allerdings.
Ein zugleich negatives wie positives Beispiel liefert die Marke MG. Die agiert unter der SAIC Ägide wirtschaftlich erfolgreich, sie liefert aber nur preiswerte Volumenprodukte, die mit dem sportlichen Erbe der Marke absolut keine Gemeinsamkeiten haben.
Echte MG Traditionalisten werden die blasse Massenware mit dem geschichtsträchtigen Oktagon mit Grauen sehen.
Unter diesen Umständen sollte die Saab Szene vielleicht sogar zufrieden sein, dass die Saab AB es für die Zukunft ausschließt, dass die Automarke Saab zurückkommt. Als mögliches Anhängsel eines chinesischen Konzerns möchte wohl niemand den magischen Saab Schriftzug auf Produkten aus dem Reich der Mitte entdecken.
Es bleibt jedoch ein bitterer Beigeschmack – außer dem Versagen von GM und weiterer Versuchskandidaten (Spyker und NEVS). Die Schweden selbst – allen voran die SAAB AB – haben SAAB-Automobile letztendlich aus dem Rennen genommen.
Wenn man sich ansieht mit welchen gigantischen Summen das schwedische Unternehmen Northvolt die Batteriefertigung für Autobatterien in Schleswig-Holstein startet, ist schon merkwürdig, warum die Herstellung schwedischer Automobile keinerlei Priorität mehr hat. Selbst VOLVO kann mittlerweile eigentlich nicht mehr als schwedisches Erzeugnis bezeichnet werden.
Dieses völlige Querstellen der SAAB AB – sogar hinsichtlich der Nutzungsrechte bei evtl. auch mal geeigneten Kandidaten – ist unverständlich und sogar irgendwie großkotzig.
Unter den aktuellen Umständen wohl die bessere Lösung. Wenn ich mir nur vorstelle EV Electra dürfte Saab spielen…
Danke Saab AB!