Original Mini vs. Mini Lizenzprodukt – ein automobiles Drama
Zu den vergessenen Dramen in der Automobil-Geschichte gehört die Episode der Mini Lizenzbauten. Generell ist die Erteilung von Lizenzen für den Hersteller, wenn es sich wie in unserem Fall um British Leyland handelt und er chronisch knapp bei Kasse ist, eine ziemlich gute Sache. Der Aufwand ist zu vernachlässigen und es kommt Geld auf die Konten.
Das funktioniert in der Regel hervorragend, solange das Lizenzprodukt nicht besser als das Original ist. Trifft dies zu, was als unwahrscheinlich einzuordnen ist, dann wird es für den Hersteller selbst rasch kritisch. Dieses Kunststück brachte British Leyland in den 70er-Jahren fertig – und hatte damit ein Problem zusätzlich am Hals.

Original Mini vs. Mini Lizenzprodukt – ein automobiles Drama
Begonnen hatte es harmlos. Im Jahr 1965 erteilten die Briten eine Lizenz zum Bau des Mini an die Società Anonima Fratelli Innocenti, kurz Innocenti genannt. Nur ein Jahr danach verstarb Firmengründer Ferdinando Innocenti und British Leyland übernahm das Werk. Jetzt hätte die weitere Entwicklung ohne besonderen Befund verlaufen können, aber es muss zwischen Italien und Großbritannien eine Art von Parallelwelten gegeben haben.
Auf der Insel investierte British Leyland so wenig wie möglich in die Modellpflege des Mini, ganz im Gegenteil. Im Sommer 1971 streichen die Engländer den beliebten, 76 PS starken, Cooper S aus dem Programm – ersatzlos. Übrig bleibt der Mini 1000 mit nur 39 PS.
So ganz anders läuft es in der Mailänder Via Pitteri 81.
Der bessere Mini kommt von Innocenti
Die Innocenti Ingenieure verbessern den Mini permanent. Er ist nicht nur besser verarbeitet als das Original von der Insel, er ist auch von Grund auf liebevoller ausgestattet. Teppichboden, ein abblendbarer Innenspiegel, ein Lederlenkrad und Staufächer in den Türen gehören neben einem Zigarettenanzünder zur Grundausstattung.
Die Topversion hat 6 wunderbare Veglia Rundinstrumente, es gibt Halogenscheinwerfer, eine Drehstrom-Lichtmaschine und Gürtelreifen. Von all dem können sie bei British Leyland nur träumen.

Der Innocenti Mini Cooper ist 64 PS stark, die Grundversion schickt 48 PS an die Vorderräder. Währenddessen sind bei British Leyland die Kassen so dramatisch leer, dass es die Briten akzeptieren und unterstützen, dass in Mailand an einer neuen, modernen Version des Mini gearbeitet wird. Der mit Bertone Hilfe entstehende Innocenti Mini wird 1974 erstmals gezeigt, es ist der Zeitpunkt an dem British Leyland endgültig das Geld ausgeht und die Trennung von Innocenti in die Wege geleitet wird. Aber das ist eine andere Autogeschichte.
Mini Original vs. Lizenzprodukt
Im Oktober 1974 versucht der deutsche Importeur Brüggemann einen bemerkenswerten Spagat. Er steht vor der Aufgabe, das englische Original und das italienische Lizenzprodukt verkaufen zu wollen. Dass der Innocenti Mini der bessere ist, hat sich zwischenzeitlich auch nördlich der Alpen verbreitet. Eigentlich, objektiv betrachtet, hat der Leyland Mini weder eine Chance noch eine Existenzberechtigung.
Doch Brüggemann löst das Problem ziemlich geschickt. Er tut das, was man für gewöhnlich tut, wenn ein Produkt veraltet und nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist. Er stilisiert den Mini aus UK zum Original, mischt einige Sätze Individualismus darunter, und angerichtet ist der Marketingcocktail.
Das bessere Auto wird als Nachbau, man darf es sagen, diffamiert. Wer sich mit der Materie auskennt, der wird es trotzdem kaufen, allen anderen ist kaum zu helfen. Immerhin ist das Original günstiger als die Lizenz, was zum Nachdenken bewegt haben könnte. Sparsamer ist es auch noch.
Was Innocenti und British Leyland vereint, ist hingegen der Fahrspaß, den alle Mini dieser Jahre bereiten. Es ist das immer wieder gerne beschriebene Go-Kart mäßige Fahrgefühl, das es nebensächlich werden lässt, ob der Mini lausig verarbeitet ist oder nicht.
Das Original fuhr ich auch eine Weile. Hatte echtes Gokart Feeling.
In der Schweiz waren sowohl der Innocenti Mini mit dem sportlich-schwarzen Grill als auch die Bertone-Innocentis ziemlich verbreitet und daher bekannt. An eine Fahrt in einem Bertone als Kind erinnere ich mich. Erstaunlich der Platz innen! Danke für die Erinnerung daran.
Innocenti Mini, klingt echt spannend und war mir bisher gar nicht bekannt. Sicher auch weil ich mal einen Mini von British Elend hatte.
Von der Farbe war der rostbraun, was den gewaltigen Vorteil im Aussenauftritt hatte, da ein Unterschied zwischen heiler Blechsubstanz und den Rostigen Stellen nicht direkt erkennbar war.
Okay, als dann an einzelnen Stellen auch großflächig keine Schweißarbeit mehr möglich war (Rost ist nur sehr bedingt schweißfähig 🙂 war es Zeit getrennte Wege zu gehen.
Genial war aber das Fahrwerk (GoCart Feeling), die zwar aus heutiger Sicht geringe Leistung, die aber mehr als ausreichend für das kleine Teil war und der recht einfache technische Aufbau.
Mal wieder eine schöne Autogeschichte, danke dafür. Seltsam ist nur, dass ich noch nie einen überlebenden Innocenti gesehen habe. Sind alle weg?