Warum ein günstiges Auto? Kaufen Sie den teuren Saab 99 GL!
Saab Werbung war immer speziell. Manchmal war sie originell und witzig. Sie konnte anspruchsvoll und zumutend sein. Nicht selten fragten sich die Leser, manchmal sogar die Vertriebspartner, was Saab eigentlich ausdrücken wollte. Eine Zumutung ist es, wenn man besonders viel Text in eine Annonce packt. Damit zwingt der Inserent zum Innehalten, und er geht ein gewisses Risiko ein.
Nimmt sich der Betrachter die Zeit für die Anzeige, dann kann es sein, dass er die Argumente akzeptiert, das Produkt mag, und zum Kunden wird. Höher ist aber die Möglichkeit, dass die Anzeige überblättert, diese nicht wahrgenommen und aussortiert wird.
Dieses gefährliche Spiel wagten die Schweden 1982. Sie warben für den Saab 99 GL, mit dem sie den Sprung vom Kleinwagenhersteller in die Mittelklasse geschafft hatten. Ein Auto, mit einer unglaublichen Qualität (Fahrbericht). Tatsächlich auch mit einem ziemlich stolzen Preis. Damit kokettierte die Marke jetzt.
Konnte das gut gehen?
Und, die Frage ist wichtig: Gegen wen richtet sich die Saab-Werbung? Welchen Mitbewerber hatten die Schweden im Visier?
Warum ein günstiges Auto? Kaufen Sie den teuren Saab 99 GL!
Mit der Anzeige ging Saab Deutschland, damals in der Berner Straße in Frankfurt a. Main zu Hause, zwei Wagnisse ein. Viel Text und eine Aufmachung in Schwarz-Weiß. Farbanzeigen waren bei den Marktbegleitern längst Alltag, Saab verzichtete. Heute ist nicht mehr nachvollziehbar, warum das so geschah. Man kann nur Vermutungen anstellen.
Vielleicht war es kühles, schwedisches Understatement? Was in Zusammenspiel mit der Flut an Informationen zu verstehen ist. Es kann aber auch sein, dass die lokale Werbeagentur und der Hersteller konservativ, sparsam unterwegs waren.
Ziemlich mutig wirbt Saab darum, das eigene teurere Auto dem Marktbegleiter vorzuziehen. Die Überschrift weckt Interesse und vielleicht Sympathie, dann aber kommen die Argumente. Ein 99 hat dickeres Blech als andere Autos, mehr Ausstattung und ist generell ein intelligent konstruiertes Fahrzeug.

Da wären die sich selbst reparierenden Stoßfänger zu nennen, eine Saab Innovation. Der ökonomische Umgang mit fossilem Brennstoff, den der 2 Liter Motor und das neue 5-Gang Getriebe boten. Nicht zu vergessen: die hervorragenden Eigenschaften eines 99 im Winter, mit Frontantrieb und automatischer Sitzheizung.
Etwas frech war die Werbung schon
Die Argumentation scheint sachlich, war aber doch etwas frech. Der Saab 99 GL ist eine kompakte Limousine mit großem Kofferraum und umklappbarer Rückenlehne. Die Werbetexter machen aus ihm einen praktischen und leicht zu beladenen Halbkombi, mit 1,45 m³ Ladefläche.

Tatsächlich war eine Limousine, mit umklappbaren Lehnen, eine Besonderheit auf dem Markt. Starre, nicht flexible Konzepte waren die Regel. Denn die Flexibilität ging zulasten der Steifigkeit der Karosserie. Die Hersteller standen vor dem Dilemma, eine fühlbar weichere Karosserie zuzulassen, oder mehr Aufwand in deren Steifigkeit zu investieren, oder auf die Option der großen Ladefläche zu verzichten.
Gegen wen zielte die Saab Werbung?
So gesehen war der teure Saab 99 GL eine intelligente Entscheidung. Bleibt zum Schluss die Frage, gegen wen die Werbung zielte? Der Platz neben dem 99 bleibt symbolisch leer.
Direkte Vergleiche waren damals verboten, man kann nur mutmaßen. Vielleicht war es Volvo mit dem 340 GL, der für 18.000 DM zu haben war, während Saab für den 99 GL 19.250 DM forderte.

X = Y
An den 340 als imaginäre Referenz dieser dt. Saab-Werbung glaube ich nicht. Das wäre ja eine Gleichung mit 2 Unbekannten und ohne würdigen Gegner, für eine winzig kleine Zielgruppe, wäre verfehltes Marketing …
Nein, das ist Saab versus alles Mögliche. Und wer sich die Mühe gemacht hat, den Text zu lesen, hat links irgendeinen Konkurrenten gesehen. Der hatte wahrscheinlich den kleineren Kofferraum, vielleicht nur ein 4-Ganggetriebe und so weiter …
Ich schon. Meine Ahnung geht weiter in Richtung Volvo. Warum?
Saab Deutschland (in Frankfurt) schielte damals eifersüchtig in das benachbarte Dietzenbach. Volvo machte die Stückzahlen – die Saab gerne gehabt hätte. Aber der 99 war – Saab O-Ton – zu wenig attraktiv, um die gewünschten Verkaufszahlen zu erreichen.
Du hast wahrscheinlich Recht …
Vom 300er sollen über 1,1 Millionen Exemplare verkauft worden sein, obwohl er auf dem US-Markt gar nicht angeboten wurde!
Ich hatte den 340 als Erfolgs- und Volumenmodell Volvos so gar nicht auf dem Schirm, hat für mich nicht zum Straßenbild gehört, war für mich auch mehr der letzte DAF, als ein echter und neuer Volvo. So kann man sich irren …
Klasse Werbe-Coup!
Schon vor 40 Jahren gegen “Geiz ist geil” klare Kante kommuniziert. Sehr schön.
Und hoffentlich auch erfolgreich…
SAAB—more than a car—
Was gab es zu verlieren? Ein Auto, das bereits fast 15 Jahre lang vermarktet wird und neben sich den großen Bruder 900 hat, das darf gerne mal anders, unkonventionell und frech angeboten werden.
Das war meiner Auffassung nach bei Saab immer schon ein Merkmal, in der Werbung andere Töne anzuschlagen und der Blog hat mit Sicherheit die Beweise dafür in der Schublade, ob analog oder digital.
Weiter so! Ich war 1982 gerade 19 Jahre alt und hatte meinen 245 DL bewußt gegen einen 99 CC von 1977 eingetauscht – ganz bewußt und ohne Werbung. Und nix bereut!!
Das zaubert mir ein Lächeln in das Gesicht. Gut gemacht, Saab! Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Manachmal auch der Preis, der höher sein kann. Wieviele Kunden darauf wohl ansprangen?
Super Plan , provokante Werbung – darauf muss man erstmal kommen…
Der hat mir heute noch gefehlt…
Übrigens – allen Mädels hier im Blog – alles Gute heute zum Frauentag !!!