Wenn Aufgeben keine Option ist – ein neuer Motor für den Saab 93 A
Manchmal ist dabei sein alles. Der Saab 93 A des deutschen Teams um Steffen Wirth fiel nach der 3. Sonderprüfung bereits am ersten Tag mit einem Motorschaden aus. Ein neuer Motor wurde organisiert und eine Werkstatt in der Nähe von Gap. Am Sonntag sollte der Motor getauscht werden. Denn nun ging es um den Sportsgeist. Dabei sein, auch außerhalb der Wertung, und die Rallye Monte Carlo Historique 2022 zu Ende fahren.

Aufgeben ist keine Option
Der neue Motor trifft um 7:00 Uhr am Sonntag in der Nähe von Valence ein. Der Abschleppunternehmer, der am Abend zuvor den Rallye Saab aus den Bergen geholt hat, überlässt der Crew seine große Werkstatt. Schrauber-Luxus pur, mit Motorkran und moderner Ausstattung. Saab öffnet mal wieder die Herzen und genießt große Sympathie. Auch in Frankreich. Der berühmte “Lunatic” Faktor von Saab, er wirkt immer noch.

Den Sonntag verbringt das Team in der Werkstatt, baut das neue Zweitakt-Aggregat ein und testet den Saab. Er läuft wieder, ganz hervorragend, die Rallye Crew ist zufrieden. Dennoch, die Anstrengungen der letzten Tage haben Spuren hinterlassen. Nächtliche Fahrten, die ungeplante Reparatur und die hohe Kunst der Improvisation. Man beschließt, den Montag als Ruhetag zu nutzen. Am Dienstag wird man sich der Rallye wieder anschließen, es ist der vorletzte Tag.

Die Aussicht auf schneebedeckte Berggipfel lockt, und dann ist da noch die legendäre “Nacht der langen Messer”, die am frühen Mittwochmorgen im Hafen von Monaco endet.
Aus der Wertung ist das Team durch den Ausfall rausgeflogen. Die übrigen Etappen der Rallye dürfen aber mit durchkreuzter Startnummer gefahren werden. Das deutsche Team steht nicht alleine mit seinem Schicksal. Der Saab 96 Zweitakt aus der Tschechischen Republik teilt es mit dem deutschen Team. Auch die Tschechen fahren weiter, mit durchkreuzter Nummer, und beweisen so echten Sportsgeist.
großartig! Kompliment an die Crew, aber auch Anerkennung dem Abschleppunternehmer
für das Überlassen eines, sichtbar ordentlichen, Arbeitsplatzes.
Jetzt aber „bonne chance“ für Dienstag.
Freue mich noch etwas von dem tapferen 93 zu lesen.
96 Grüße nach Valence.
Sehr sympathisch – der kleine niedliche Saab und alle engagierten Beteiligten! Sehr beeindruckend! Danke auch für das Bild des ausgebauten Motors – unglaublich, wie klein der ist, das hatte ich so deutlich noch nie gesehen.
Freut mich für das Team, dass es die Rallye außer Konkurrenz noch fahren kann. Schön auch für alle Zuschauer, dass der bildhübsche 93 wieder an ihnen vorüberzieht …
Gute Nachricht.
Mich hätte der Motorschaden noch interessiert, welcher Art er war. Ist ja nicht viel dran an dem 2-Takter, was kaputtgehen kann. Umgekehrt darf aber auch nichts versagen. Jedes Teil ist absolut unentbehrlich …
Die Volvomotoren waren vergleichsweise redundant ausgelegt, die Kurbelwelle bereits 5-fach gelagert (anfangs [PV 444 mit B14] nur 3-fach) und zur Not fuhr man auf drei Töpfen ins Ziel. Geht natürlich nicht, wenn man von Anfang an mit 3 Töpfen startet und unterwegs ein weiterer ausfällt. Automobilisten, Motorjournalisten und Werbetexter führten in den 1950ern die Debatte um das 2- oder 4-Takt-Prinzip mit einer Schärfe, die einer heutigen Diskussion um EV versus Verbrenner in nichts nachsteht. Echt faszinierend. Werbetexter stellten 3-Zylinder 2-Takter auf eine Stufe mit 6-Zylinder-Motoren doppelten Hubraums. Und rein vom Prinzip her leuchtet das sogar ein. Zumindest bei Motorrädern (Cross), Rasenmäher, Kettensäge und Co. war es ja tatsächlich so. Aber auch LKW- und Schiffsmotoren sind im 2-Takt-Prinzip relativ kompakt und mit nahezu der doppelten Leistung eines zeitgenössischen 4-Takters des selben Hubraums verwirklicht worden – weit über die 1950er hinaus …
Das Konzept hatte (oder hat?) definitiv seine Gültigkeit. Ist aber auch ganz egal, wie man es heute technisch einordnet und bewertet. Ein Oldtimertreffen oder eine historische Rallye ohne 2-Takter? Das wäre echt sehr, sehr traurig …
Legendärer Auftritt! Respekt!!