Saab 9-3 Aero Turbo4 (2014) – Fahrspaß oder nur ein alter Verbrenner?
2014 war es, als in Trollhättan die letzten Saab 9-3 produziert wurden. Sind diese Fahrzeuge – viele Jahre später – lediglich alte Verbrenner, oder ist da mehr? Die Geschichte hinter der Kurzzeitproduktion ist widersprüchlich. Es gibt da eine Seite, die eine Dunkle ist. Und die andere, die vielleicht die beste Version des Saab 9-3 hervorbrachte, die es je gab.
Es ist an der Zeit, den Zündschlüssel auf der Mittelkonsole umzudrehen. Die Turbo Motoren starten, und mit zwei Autos von 2014 eine Runde durch Frankfurt zu drehen.

Saab 9-3 Aero Turbo4 (2014) – Fahrspaß oder nur ein alter Verbrenner?
Im Dezember 2013 begann in der Stallbacka das letzte große Saab Abenteuer. Die Saab 9-3 Aero Limousine wurde wieder produziert, und streng genommen ist sie gar kein Saab. In den Papieren und der VIN auf der B-Säule ist die National Electric Sweden Vehicle AB (NEVS) als Hersteller vermerkt. Eine Ironie an sich, dass ein Produzent, der elektrische Mobilität auf die Fahnen geschrieben hat, seine Karriere ausgerechnet mit einem Verbrenner startet.
Die Geschichte endete nur einige Monate und wenige 100 Autos später. Denn, und das wäre die dunkle Seite der Trollhättan Saga, die Geldgeber, die mit der Produktion angelockt werden sollten, erwiesen sich als windige Gestalten.
Was nett gesprochen wäre.

Auf der anderen, der hellen Seite, ist der Saab 9-3 Aero Turbo4 (2014) der gelungenste 9-3 den man je kaufen konnte.
Denn die früheren Saab Ingenieure, jetzt in Diensten von NEVS, mixten aus vorhandenen Komponenten das beste Fahrwerk aller Zeiten. Ich bemerke das, an einem Samstagvormittag, unterwegs zum Fototermin in der Klassikstadt.
Zwei NEVS 9-3 stehen zum Termin zur Verfügung. Eine kleine Sensation für sich. Denn in Deutschland sind nur etwas mehr als eine Handvoll dieser Fahrzeuge unterwegs.

Das Fahrwerk des Aero ist ein Traum
Von Saab Service Frankfurt aus führt der Weg über die wohl schlechtesten Straßen der Mainmetropole. Ich fahre einen 9-3 Aero Turbo 4 mit Handschaltung, der immerhin schon mehr als 100.000 Kilometer auf dem Tacho hat. Die Straße in Fechenheim ist mieser als das, was in der DDR an schlechten Strecken auf der Tagesordnung war.
Der NEVS 9-3 liegt relativ ruhig, relativ komfortabel. Ein normaler 9-3 würde jetzt den Trabanten geben, der 2014er Aero ist ein Stoiker und bewahrt Restkomfort.
11 Jahre haben sie in Schweden gebraucht, bis der Fahrwerksmix endlich stimmte. Oder durfte man vorher nicht? Waren es Kostengründe? Egal, dieser Saab, der vielleicht gar keiner ist, fährt wirklich gut. Ansonsten unterscheidet er sich kaum von dem, was zuvor von den Bändern rollte.

Der Motor, bekannt aus dem 9-5 NG, holt 220 PS aus zwei Litern Hubraum. Das 6-Gang-Getriebe schaltet sich bei niedrigen Temperaturen genauso unglücklich wie in jedem anderen 9-3 auch. Die Materialien im Cockpit sind bekannt und schlicht, nach heutigen Maßstäben. Die Sitze, die von einem Volvo Lieferanten für den alten XC90 konstruiert wurden, sind sehr bequem. Das Geräuschniveau ist allgemein niedriger, die Dämmmaterialien besser als in den vorherigen Versionen.
Das ist schwedischer Fahrspaß – Ren glädje!
Man merkt der Konstruktion dennoch die Jahre an, was an diversen Faktoren liegt. Das Platzangebot ist eingeschränkt, das Design im Innenraum ist altmodisch. Schlimm? Ein altes Auto?
Solche Gedanken schüttelt man ab, sobald die Schlecht-Wege-Strecke verlassen ist. Auf der Frankfurter fädelt sich der Aero in den fließenden Verkehr ein. Er fährt sich leicht, hängt gut am Gas, ist souverän. Die 220 PS, im größeren 9-5 NG geben sie sich bemüht, haben mit dem leichten, kompakten, 9-3 ein einfaches Spiel.

Der Saab spielt jetzt den Part der kompakten Sportlimousine. Er fährt spielerisch, das Paket mit Fahrwerk, Bremsen und Motor stimmt plötzlich. Altes Auto? Ach was! Fahrspaß pur, oder “Ren glädje”, wie sie damals in Trollhättan schrieben.
Da es früh am Vormittag ist, haben wir die Klassikstadt noch fast für uns alleine. Fast, weil Honda Deutschland einen Teil des Geländes ebenfalls für ein Fotoshooting in Beschlag genommen hat. Irgendein neues elektrisches SUV steht im Mittelpunkt. Ein paar offensichtlich höherrangige Japaner sind kurz beaufsichtigend zu sehen, dann bleiben wir alleine mit dem Fototeam und teilen uns das Areal.
Die Neuwagen von Saab
Der Tag meint es gut mit uns. Die Herbstsonne streichelt über das schwedische Blech, die Blicke der Honda Menschen sind mehr bei den Saab als bei dem eigenen Produkt. Das tut der automobilen Seele irgendwie gut, die Session macht uns Spaß. Sehen die Autos alt aus? Eigentlich nicht, in keiner Weise.

Später am Tag, an einem anderen Ort, wird man uns fragen, ob das die Neuen von Saab sind. Wir werden das verneinen und sagen, dass die Autos schon 7 Jahre alt sind. Das wird uns in Erklärungsnöte bringen und es wird schwierig sein zu begreifen, dass es keine Autos aus Trollhättan mehr gibt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Zeit vergeht schnell, etwas zu rasch für mein Gefühl. Denn da ist noch etwas anderes zu tun. Der zweite Saab 9-3 Aero Turbo4 (2014) ist kein normaler Aero. Auf mich wartet ein Hirsch mit Automatik. 275 PS statt 220, 6-Gang Automat statt Handschaltung. Ich freue mich schon darauf!
…ja, ich denke selbst der 9-3 E-NEVS hätte Chancen!
Eine der schönsten Sportlimousinen überhaupt. Würde mir heute noch gefallen, wenn es sie neu zu kaufen gäbe.
Schöner Bericht.
… als Kombi hätt ich mir sowas damals (statt meines aktuellen Drömbils, Ende 2014) durchaus auch vorstellen können … 😉