2021 ist nicht 2011 und NEVS ist nicht Saab – die Zukunft der Stallbacka

2021 ist nicht 2011 und NEVS ist nicht Saab. Der sorgenvolle Blick nach Trollhättan ist natürlich einer Art von Saab Sentimentalität geschuldet. Doch aus den Saab Artefakten könnte Zukunft wachsen, und die Möglichkeit dafür ist noch nicht einmal so niedrig. Auch, wenn vieles im Moment noch offen ist. Die Stallbacka könnte eine echte Chance haben.

Saab Werk in der Stallbacka
Saab Werk in der Stallbacka

Saab Sentimentalitäten

In den letzten Jahren war viel Wunschdenken, dachte man an Trollhättan. Saab Sentimentalitäten, die man pflegt und nicht so einfach loswird, wenn man die Menschen persönlich kennt, die das eigene Auto konstruiert, gezeichnet oder produziert haben. NEVS hat sich Jahr für Jahr von dem weiter entfernt, was mal Saab ausmachte. Doch noch immer sind dort frühere Saab Mitarbeiter in Lohn und Brot und beim Gang durch die Gebäude findet man überall Artefakte aus der alten Zeit.

Bestimmt wird der Kurs in der Stallbacka schon lange von China aus. Die eigenen (früheren) Ambitionen sind auf ein Minimum zusammen geschrumpft. Jetzt setzt die Geschäftsleitung auf Softwareentwicklung, die großen Visionen von einst treiben schon längst den Göta Älv hinunter. So, wie es aussieht, wird NEVS Eigentümer Evergrande sein automobiles Abenteuer nicht mehr aus eigener Kraft finanzieren können. Ob ein Investor die fast fertig entwickelten Fahrzeuge und die neuen Werke übernimmt, oder ob die Gruppe zerschlagen wird und nur Teile an einen Käufer gehen, kann niemand vorhersagen.

Volvo wäre heute nicht mehr möglich

Ziemlich sicher ist aber, dass die Zukunft der europäischen Evergrande Ableger auf den Prüfstand gestellt werden wird. Eine Geschichte wie die mit Volvo, wo überraschend viel Kompetenz immer noch in Schweden angesiedelt ist, ist heute unvorstellbar. Chinas Industriepolitik im Jahr 2021 ist nationalistischer als im Jahr 2011

Große Entwicklungszentren würden jetzt nicht mehr in Göteborg, sondern in Shenzhen oder sonst wo in der Volksrepublik entstehen. Ein Fortbestehen von NEVS, als Entwicklungsdienstleister für einen chinesischen Konzern, ist daher nicht sehr wahrscheinlich. Ebenso wenig, wie der Einstieg eines anderen großen OEM in Trollhättan.

Was 2011 für Trollhättan sprach, das gibt es 10 Jahre später nicht mehr. Die Fabrik in Trollhättan galt zu GM Zeiten als hocheffektiv und modern. Jetzt pfeift der Wind durch weitgehend leere Hallen, die schon 2011 in keinem guten baulichen Zustand waren. Das Saab Werk ist Geschichte, und teilweise demontiert. Wer in der Gegenwart Elektroautos in einem großen Stil produzieren will, wird die komplexe, historisch gewachsene Infrastruktur scheuen, wie sie am Göta Älv zu finden ist.

Die mögliche Zukunft in der Stallbacka

Aber, das schließt die Zukunft nicht aus. Denn NEVS und die Anlagen in der Stallbacka haben nach wie vor Aktivposten zu bieten. Die Gebäude mit Entwicklungs- und Testeinrichtungen mögen optisch in die Jahre gekommen sein. Ebenso die Teststrecke am Werk. Aber sie erfüllen immer noch ihren Zweck, in die Technik wurde, wenn auch verhalten, kontinuierlich investiert. NEVS verdiente in den letzten Jahren hier gutes Geld, mit Ingenieurdienstleistungen für andere Marken.

Die Lage von Trollhättan, am Rand des automobilen Clusters von Göteborg gelegen, ist ideal. Die Verkehrsanbindungen in Richtung Westen sind leistungsfähig, ob per Bahn oder über gut ausgebaute, moderne Straßen. Ein eigener Hafen, und ein Flugplatz direkt am Werk, der sich möglicherweise im Aufwind befindet und ausgebaut wird. Deutsche Industriestandorte und Mittelstädte träumen von so etwas. In Trollhättan ist der Traum Realität.

Wird die Stallbacka wieder schwedisch?

Die Möglichkeit, dass ein Autozulieferer bei NEVS einsteigen könnte, ist hoch. Falls die chinesischen Eigentümer das Werk aufgeben würden. In Schweden spielt man bereits mehr oder minder offen mit dieser Option und es kursiert eine Liste von Firmen, die potenziell an den Fähigkeiten von NEVS interessiert sein könnten.

Der Fahrzeugbau müsste nicht zwingend der Vergangenheit angehören. Kleinere Serien für Elektroauto Neueinsteiger als Auftragsfertiger zu produzieren läge nach wie vor im Bereich der Möglichkeiten und der Markt wäre dafür bereit. Valmet hat die Transformation in Finnland vorgemacht. Von der Saab Fabrik, zum international erfolgreichen Dienstleister, der nicht nur Autos von den Bändern rollen lässt.

Für die Stallbacka eine Option für die Zukunft. In einer Zeit, vielleicht nach China und nach Saab.

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