Saab 900 Charaktertyp mit wenigen Kilometern und Geschichte

Ein Charaktertyp, 30 Jahre in einer Hand, mit wenigen Kilometern auf dem Tachometer. Ein Saab 900, der außerdem für einen wichtigen Teil der Geschichte seiner Marke steht. Wer möchte nicht einen solchen Klassiker fahren? Auch, weil die Limousine mit (nur) zwei Türen heute selten ist. Im Gegensatz zu ihren Vettern mit schrägem Heck oder offenem Dach war sie stets ungeliebt.

Wie schade, denn heute vermissen wir diesen besonderen Charaktertyp.

Saab 900i 16v

Ein Saab Charaktertyp – aus der Not geboren

Die Geschichte der Saab 900 Limousine mit nur zwei Türen ist eine besondere. Saab hatte immer Probleme, in Skandinavien ein günstiges Modell für den Einstieg zu präsentieren. Während die Marke im Ausland stets die Aura des Besonderen umgab, kämpfte sie in der Heimat gegen Budget-Marken wie Opel um Marktanteile und um ihr Überleben.

Den Strategen in Trollhättan fehlte das günstige Einstiegsmodell. Also erfanden sie die zweitürige Limousine.

Stufenheck, einst wenig beliebt
Stufenheck, einst wenig beliebt

Diese wurde auf den skandinavischen Märkten günstig angeboten, wenn auch eine Aufrüstung mit vielen Extras möglich war. Mit dem Export fremdelte das Modell. Es kam zu jener denkwürdigen Geschichte, dass Bob Sinclair den Zweitürer für den US-Markt nur mit Leder, Turbo und Klimaanlage abnehmen wollte. Das wäre kein Problem, versicherte man in Nyköping.

Und mit einem Stoffdach ergänzte Sinclair seine Wünsche.

In Schweden war man entsetzt. Doch Bob Sinclair setzte sich mit seiner Vision durch. Es war die Geburtsstunde des Saab 900 Cabriolets, das auf der zweitürigen Limousine basierte.

Ein blauer Schwedentraum

Eine dieser Limousinen hat in der schwedischen Provinz Västernorrland überlebt. Weit genug im Norden gelegen, um den Autos ein Leben mit wenig Streusalz zu ermöglichen. Der Saab hat deshalb auch kaum Rostansätze, wenn man nach den Bildern gehen kann, die ein Auktionshaus in großer Zahl veröffentlicht hat.

Wenige Kilometer, eine gute Basis als Alltagsklassiker
Wenige Kilometer, eine gute Basis als Alltagsklassiker

Der Saab 900i 16v wurde 1990 erstmals zugelassen und befand sich 30 Jahre in einer Hand. Sein Besitzer wählte eine blaue Außenfarbe und im Innenraum ein ebenfalls blaues Polster. Die Farbwahl macht den Saab besonders, er ist eine Zeitkapsel auf 4 Rädern, die sich von den tristen Plastikautos unserer Zeit abhebt.

Seine Ausstattung ist spartanisch. Nach dem Motto, dass nichts kaputtgehen kann, was nicht zugegen ist. Alles am Saab ist konsequent manuell zu betätigen, vom Außenspiegel bis zum Fensterheber. Und ganz ehrlich, das lieben wir heute!

Sogar die Sitzheizung, an deren Automatik man sich beim 900 so schnell gewöhnt, fordert einen manuellen Eingriff. Nur das Getriebe schaltet automatisch durch die 3 Fahrstufen.

Blau! Nicht nur außen, auch innen
Blau! Nicht nur außen, auch innen

Saab 900 statt Plastikauto

Auf dem Tachometer haben sich in über 30 Jahren nur etwas mehr als 70.000 Kilometer angesammelt. Dieser 900 ist eine schöne Basis, die mit überschaubarem Aufwand saniert werden kann. Der Himmel hängt, was fast normal ist, es gibt nach mehr als 3 Jahrzehnten natürlich Gebrauchsspuren, und eine unbekannte Person meinte, das Design des traditionellen Kühlers mit etwas Farbe verbessern zu können.

Designer Björn Envall, der den klassischen 900 zeichnete, würden bei diesem Anblick die Tränen über die Wangen laufen.

Man sollte einen Saab 900, wie diesen, kaufen und retten. Weil er kein Plastikauto ist, weil dieses Stufenheck so schön und gleichzeitig hässlich daherkommt. Dieser Saab ist ein Statement von gelebter Nachhaltigkeit.

Nicht für jeden, das ist sicher.

Doch er könnte in ein Leben passen, wenn man nicht so viele Kilometer fährt, die antike Automatik und ihren Komfort zu schätzen weiß, und man keine Lust auf die absehbare Vergänglichkeit moderner Fahrzeuge hat.

Der Saab ist ein Charaktertyp, der günstig im Unterhalt ist und seinen Besitzer nie arm machen wird oder im Stich lassen wird

Mit Bildern von Klaravik

7 Comments
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Marie-Sophie Ebertz
Marie-Sophie Ebertz
4 Jahre zuvor

Als ich noch etwas jünger war haben mir die Schräghecklimousinen immer gut gefallen, und das ist auch noch heute so. Entweder eine normale Limousine oder eine mit Schrägheck.
Werde mich diesbezüglich bei der Auktion anmelden, mal sehen was dabei rauskommt.

Ebasli
4 Jahre zuvor

Blöde Fragen:

Wieso beaucht man in Nordschweden weniger Streusalz als im Süden?? Ist da so viel Schnee, dass man gar nicht mehr streut und nur mit Ketten fährt?

Wie kann eine Sitzheizung automatisch oder manuell sein? Beim 9-3 drückt man auf den Knopf Stufe 1 oder 2 und wenn einem dann der Hintern zu heiß wird, stellt man sie wieder aus. Geht das auch anders??

Man lernt ja nie aus … besonders auf dem Saab-Blog! 🙂

Den blauen Lack finde ich übrigens genial – und die Kühler-Verschandelung grausig (aber wohl einfach zu beheben).

Schönes Wochenende allen Saab-Fans!

Ebasli
4 Jahre zuvor
Reply to  Tom

Vielen Dank für die sehr interessanten Antworten! Mit meiner Vermutung bzgl. Ketten/Spikes lag ich also richtig! Die automatische Sitzheizung im 9-3 II finde ich ja höchst interessant, da ich derer gleich zwei habe (SC MY 2011 und Cabrio MY 2012). Wenn ich noch eine Frage frei hätte: Wie komme ich dort hinter das Geheimnis der automatischen Sitzheizung?? (bevor ich die Gebrauchsanleitung durchwühle) Vielen Dank!! 🙂

Thomas Lilienweiß
Thomas Lilienweiß
4 Jahre zuvor

Ein sehr seltsames Modell, Sedan mit zwei Türen . Leider bin ICH zu alt ,war mein Traum, den noch mit Turbo .