Saab 99 Serie 1 – schwedischer Klassiker aus zweiter Hand

Dem Oldtimer Hobby haftet der Ruf des Exklusiven an. Das muss nicht sein. Es gibt günstige Klassiker, die Spaß machen. Der Saab 99 ist so einer. So gut wie nie ist er teuer, besonders dann, wenn kein Turbo unter seiner Haube wohnt. Er weckt Sympathien, ist sozialverträglich und garantiert einen Startplatz bei der nächsten Oldtimer Veranstaltung.

Saab 99 Serie 1 - Chrom Grill und Stoßfänger geben der Limousine Leichtigkeit
Saab 99 Serie 1 – Chrom Grill und Stoßfänger geben der Limousine Leichtigkeit

Der Aufstieg in eine höhere Klasse

Für Saab war der 99 die zweite komplette Neuentwicklung seit 1947. 1968 kam er auf den Markt, sein Design zeichnete der legendäre Formengestalter Sixten Sason, welcher die Premiere nicht mehr miterleben konnte. Die Form des 99 prägte das Design von Saab bis zum Ende im Jahr 2011. Die muschelförmige Ausprägung der Motorhaube führten später der 900, 9-3 und 9-5 fort. Marken DNA, die Sason in den 60er Jahren auf den Weg brachte.

Auch schön - die schmalen Rückleuchten
Auch schön – die schmalen Rückleuchten

Viel wichtiger für Saab aber war der Aufstieg in eine höhere Fahrzeugklasse. Bis dahin bauten die Schweden vom Göta Älv nur Kleinwagen vom Schlag eines Saab 92, 93 oder 96. Der 99 war Mittelklasse und, wie damals eine Zeitschrift schrieb, das erste richtige Auto der Marke. Am Anfang trug der 99 noch einen Triumph Motor unter der Haube, was zu Problemen führte und um ein Haar die Fahrzeugproduktion beendet hätte.

Später kam ein vom Triumph Original abgeleiteter, verbesserter echter Saab Motor zum Einsatz. Er wurde als B-Motor bekannt und bis 1981 auch im Saab 900 eingesetzt. Der 99 war ein Meilenstein für Saab, zeitweise verließen mehr als 60.000 Fahrzeuge pro Jahr die Werke der Marke.

Die erste Mittelklasse Limousine vom Göta Älv
Die erste Mittelklasse Limousine vom Göta Älv

Ein Klassiker aus zweiter Hand

Optisch die schönsten Exemplare stellt die von Sason entworfene erste Serie. Die Modelle mit verchromten Kühlergrill und den Chrom Stoßstangen tragen eine gewisse Leichtigkeit, die den späteren Versionen abgeht. Ein Hauch von exotischer Sportlichkeit weht leise mit hinein, vielleicht ein bisschen Italien und Fiat oder Alfa.

Die Ernsthaftigkeit späterer Modelle mit ihren sicheren, wuchtigen, sich selbst reparierenden Stoßfängern hat die erste Serie jedenfalls nicht. Exakt dort liegt der Reiz eines frühen Saab 99, der zudem auch noch sehr selten geworden ist. Man sieht kaum noch einen, und wenn auf einer Klassiker-Veranstaltung ein 99 zugegen ist, dann oft ein Turbo oder ein spätes Modell.

Ein Klassiker, der Sympathien weckt und sozialverträglich ist
Ein Klassiker, der Sympathien weckt und sozialverträglich ist

Ein Saab 99 aus zweiter Hand

In den Niederlanden steht ein interessantes Exemplar zum Verkauf. Alte Nummernschilder, Schmutzfänger mit dem Saab Flugzeug Symbol- das macht schon mal Laune. Stimmt die Beschreibung, dann hatte die schwedische Mittelklasse Limousine aus dem Jahr 1971 in fast 50 Jahren nur zwei Besitzer. Eine ältere Restauration im Jahr 2000 brachte eine Neulackierung und eine Sanierung der Bleche. Ein dicker Ordner mit der Dokumentation soll vorliegen.

Der Saab soll rostfrei sein, was entscheidend ist. Denn Blecharbeiten sind selten für einen schlanken Taler zu haben, kaum ein 99 fährt ohne Rostbefall durch die Gegend. Da kann man es verkraften, wenn der Fahrersitz nicht der Originale ist. Der sei vorhanden, schreibt der Verkäufer. Müsse aber neu bezogen werden.

Der Tachometer des Saab 99 meldet 38.000 Kilometer. Belegt sind sie nicht, der private Verkäufer hält sie aber für glaubwürdig. Letztendlich spielt es kaum eine Rolle ob 38.000 oder 138.000. Entscheidend ist aber der Zustand und die Abwesenheit von Rostbefall.

Dann wäre der Saab 99 in seiner frühen Version eine sehr reizvolle Versuchung um damit im kommenden Frühjahr auf einer Klassiker-Veranstaltung zu punkten oder einfach nur Fahrfreude zu haben.

Bilder via Autoscout (4/4)

4 thoughts on “Saab 99 Serie 1 – schwedischer Klassiker aus zweiter Hand

  • Platz bräuchte man halt für so ein Schätzchen

  • Schöner Artikel, noch dazu mit Interesse und Elan geschrieben.
    Aber ein noch schönerer Wagen, der hoffentlich noch möglichst lange in seiner Genialität und Würde über die Straßen rollt.

    Ach mensch, wenn ich doch nur genug Platz hätte – der Preis wäre der 99 (mir) sonst definitiv Wert!

  • Ein genial schönes Exemplar! Wenn man die antiken Nummernschilder übernehmen könnten, und den 99 damit in Deutschland bewegen dürfte…

    Ach, das wäre ein Traum, der leider nicht wahr wird. Aber ja, für schlechtes Wetter wäre er zu schade, da könnte man sich ja ein Elektroauto für schmales Geld mieten. Und dann auf gutes Wetter hoffen, ich glaube der alte Verbrenner ist einfach das Auto das mehr Stil haben würde.

  • Wunderschön & alltagstauglich

    Letzteres zumindest saisonal. In gesalzenen Wintern würde ich so eine Perle nicht fahren.

    So war er mal gedacht, so ist er am schönsten. Bei Volvo war es genau wie bei Saab. Ende der 1960er wurden Autos mit viel Charme und Chrome gezeichnet, kleinen Rückleuchten und schmalen Stoßstangen. Die jüngsten und modernsten und die letzten dieser Art …

    Kaum waren sie am Markt, setzte ein Sicherheitsdenken ein, dass die in sich schlüssigen Entwürfe und Designs oftmals ein Stück weit entstellt hat – zumindest nehme ich es so wahr.

    Mitte der 1970er wurde in Schweden schon auch der eine oder andere Mutant gebaut. Auch spannend, aber schöner und schlüssger finde ich die Baujahre davor und danach.

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