Testfahrt: Saab 9-5 Aero SportCombi, die Evolution der Jets
Wie lange bin ich schon keine Chrombrille mehr gefahren? Es ist einige Jahre her, und ich denke, es war 2012, als wir unseren 9-5 verkauften. Jetzt stehe ich da, auf dem Hof von Saab Service Frankfurt, vor mir parkt ein 9-5 Aero SportCombi – als Chrombrille die letzte Evolutionsstufe der Jets und des alten 9-5, und in der 260 PS Aero Ausbaustufe sehr lecker.
Erst 80.000 Kilometer auf dem Zähler, Handschaltung, die wenigen Kilometer nach Bayern werden also Spaß machen. Werkstattersatzauto schimpft sich das dann bei Gerard Ratzmann. Ich mag das. Wie ist das, nach vielen Jahren erneut im alten 9-5 zu fahren?

Testfahrt: Saab 9-5 Aero SportCombi, die Evolution der Jets
Wobei modern nicht wirklich für modern steht. Das Navi ist so pixelig, dass es als Vintage-Gerät schon wieder ein Renner werden könnte. Und die 5-Gang Schaltung ist historisch – reden wir nicht darüber. Daher: Schlüssel rein, Rückwärtsgang raus, Handbremse gelöst und ab geht es in Richtung Autobahn. Die Strasse rund um die frühere Saab Deutschland Niederlassung sind vergleichbar mit Straßen in Zwickau, Cottbus oder anderen Orten um das Jahr 1989.
Nur, dass sich in Frankfurt am Main offensichtlich nie was ändert, in den anderen Städten schon.

Der Saab 9-5 Aero SportCombi ist straff gefedert, aber auf angenehme Art, und er meistert die Rüttelstrecke souverän. Er klappert nicht, was nicht bei allen Chrombrillen der Fall ist. Vorbei am Tesla Stützpunkt geht es in Richtung Autobahn. Prompt kommt uns ein Tesla S entgegen, aber tauschen möchte ich heute nicht.
Auf dem Zubringer beschleunigt der Saab auf Tempo 100. Er tut das nachdrücklich, souverän, mit dem Klangteppich der tollen 2.3 Liter Maschine. Das kann kein noch so geniales Elektroauto der Welt, und plötzlich ist man zurück im Jahr 2006, als die Chrombrille auf dem Markt erschien.

Knurrend beschleunigt der Saab 9-5 Aero SportCombi
Die Autobahn in Richtung Hanau ist dreispurig und fast leer. Knurrend beschleunigt der Aero auf die linke Spur. Ja das fliegt und macht Spaß. Ich mag das sehr. Der Unterschied zwischen 9-5 NG und dem alten Saab ist enorm. Alles ist hier viel direkter, ursprünglicher – und ich strapaziere schon wieder das Wort analog.

Das Interieur ist im Alu Look, wie auch das Sportlenkrad. Das muss man ernsthaft gut finden, denn das, was wie Alu aussieht, ist leider nur Kunststoff. Mir war das immer zu steril.
Heute ist es mir egal, der Saab ist so, wie er ist, und es macht mächtig Spaß, einen alten Bekannten zu fahren.
Wir fliegen weiter in Richtung Bayern, souverän und schnell. Der Aero entspannt, er verbreitet tatsächlich eine Ahnung von Jet Gefühl. Gang Nummer 5 passt an diesem Tag für alle Fahrsituationen. Blockiert ein Transporter die Spur und gibt sie anschließend frei, dann pumpt der Saab aus den Tiefen des Motors genug Leistung, um ohne einen Wechsel der Gangstufe zu beschleunigen.
Hubraum plus Turbo machen Dampf, kein Vergleich mit den heutigen Kleinstmotoren.

Die Reise ist allerdings nur kurz, Termine rufen, und der Fahrdienst von Saab Service Frankfurt (Link) wird den 9-5 Aero SportCombi später bei meinem Büro abholen.
Das ist Service der Spitzenklasse, wie es ihn auch bei Marken ohne Hersteller, aber mit viel Herzblut und Kundenorientierung im Hintergrund geben kann.
Mag ich sie, die gute, alte Chrombrille? Zu Produktionszeiten hatten mich Lieblosigkeit und die Sparwut von GM stets geärgert. Heute ist das Vergangenheit.
Was Jahre später bleibt, ist ein Auto mit Charakter, mit einem Motor, der ein richtiger Verbrenner alter Schuler und kein Kastrat mit minimalem Hubraum ist. Der Saab ist aus der Zeit gefallen, sicher. Wenn wir ehrlich sind, war das bereits vor vielen Jahren so.
Aber mit seinen Stärken und Jet-Genen ein Fahrzeug, bei dem man sich schwer tut, anders als positiv zu urteilen. Also: Daumen hoch für den Saab 9-5 Aero!
Habe die gute alte Chrombrille auch einmal (als 2.0 t) im Rahmen einer Probefahrt erleben dürfen… 😉
Was soll ich sagen: Nicht nur vom Design ein absolutes No-Go, von den verbauten Materialien (Stichwort: Hartplastik unter aller Kanone) mal ganz abgesehen.
Aber der Hammer ist, dass sich Saab hier einerseits erlaubt hat, das Motorölvolumen auf lächerliche vier Liter zu reduzieren und andererseits das Wechselintervall von ohnehin VIEL zu langen 20.000 km auf sage und schreibe 30.000 km zu steigern.
Von daher dürften leider sehr viele selbst scheckheft-gepflegte Exemplare kurz vor dem sicheren Motorschaden stehen.
Ich nehme nur noch 5W-50 für den 9-5 Aero (alt), es braucht ja nur gerade diese vier Liter…
Seither habe ich keinen Ölverbrauch mehr (, oder es läuft gleich viel Benzin nach, wie ich Öl verbrauche…).
Der Ölwechsel erfolgt maximal nach 15.000 km.
Ich habe die Chrombrille mit Jg. 2007 als Aero SC Automat als Firmenwagen bis auf 314’000 km ohne jedes mechanische Problem gefahren. Die Oelwechsel-Intervalle lagen bei knapp unter 30’000 km nach Anzeige und wurden immer in der gleichen Garage gemacht. Der Oelverbrauch lag fast bei Null. Ich habe zwischen den Wechseln nie nachfüllen müssen. Der Wagen hat regelmässig einen Wohnwagen in alle Richtungen in Europa und über Berge gezogen. Er ist zwischenzeitlich verkauft und läuft weiter. Mein Freundlicher sagte immer, dass er dem Wagen ohne weiteres 400’000 km zutraut. Dass das Risiko mit dem Oelschlamm bei diesem Modell konstruktiv endlich gelöst war, habe ich sehr geschätzt, das war eines der Kriterien für den Kauf. Beim Vorgänger hatte ich noch 20’000-er Intervalle.
Wenn nicht dauernd Kurzstrecken gefahren werden, glaube ich nicht an Motorschäden, meine Erfahrung ist eher, dass diese Ausbaustufe motorisch die Ausgereifteste war. Der Verbrauch lag zwischen 7.1 – 9 L.
Das Hartplastik des Armaturenbretts war tatsächlich mehr als daneben bei einem Fahrzeug in dieser Preisklasse, ebenso das bereits beim Erscheinen völlig veraltete und überteuerte Navi für das es ab 2010 keine Updates mehr gab.
Ich finde es unglaublich witzig, wie unterschiedlich man Autos sehen und einschätzen kann.
Wiederholt habe ich hier am Blog über den 9-5I schon mit Attributen wie “Vintage” oder “dem alten Saab” versehen gelesen.
Spannend…
Als Besitzer eines 9-5 Griffin Kombi MY 2000, der diesen Wagen als “neumodischen” Außreisser in seiner Saab Sammlung ansieht, zaubert mir das immer wieder ein Lächeln ins Gesicht 😉 .
liebe Grüße
Gerald
Noch lustiger ist, dass man in Personalunion beide Einschätzungen teilen kann …
Im Vergleich zu meinem Oldtimer fährt sich mein SAAB (MY 08) hochmodern. Und doch hatte ich schon “damals” beim Kauf der Chrombrille SC das Gefühl, gleichzeitig einen Neuwagen als auch einen face-gelifteten Klassiker zu erwerben, ein Stück Geschichte und eine Legende – quasi einen BABYTIMER.
Babytimer gibt es nur bei SAAB ! ! !
Babytimer ist ein schönes Wort, vielleicht leihe ich es mir für einen Artikel aus 😉
Es ist dieser charmante Unterschied, wenn man zuvor ein “aktuelles” Auto gefahren hat. Dann mutiert das pixelige Navi zum Vintage Teil, und der direkte Vergleich zwischen 9-5 (alt) und 9-5 (letzte Generation) ist schon recht krass.
Ja, Tom. Schön diese Einschätzung zu hören. Ich habe ja genau diesen Aero allerdings schon über 200 000 KM auf der Uhr. Was Deinem Geschriebenem allerding keinen Abbruch tut. Seit ein paar Wochen bin ich allerdings ja noch mit einem 2003er Aero unterwegs. Ganz ehrlich …. der fühlt sich noch etwas saabiger an. Aber egal. Es sind beide fantastische Fahrzeuge und ich möchte keins hergeben.
…und das darf ich weiterhin jeden Tag erleben!…