Saab 9000 CS 4wd

Es ist schon ein paar Jahre her. Bei einem Besuch im Saab Museum Trollhättan kam das Gespräch mit Museumskurator Peter Bäckström auf den Saab 9000 und auf Allradantrieb. Ein 9000er, der auf allen vier Rädern angetrieben wird? Niemals davon gehört. Das Thema ließ mich auch Monate später nicht los; die Story hinter diesem Modell ist spannend.

Saab 9000 CS 4wd
Saab 9000 CS 4wd

Die Geschichte zum Saab 9000 CS 4wd geht ungefähr so: Die Saab Motorsport Abteilung experimentierte in den 70er und 80er Jahren mit allen möglichen Ideen,  um die Traktion im sportlichen Einsatz zu verbessern. Sigvard “Sigge” Johansson, oder einfach Saab-Sigge, erfand 1980 ein elektronisches Sperrdifferential, um den Rallye – Fahrzeugen noch mehr Traktion abzuringen.

Dieser gewisse Sigge Johansson ist Sproß einer Saab Familie – alter Saab Adel,  wenn man so will. Sein Schwiegervater Tage Flodén arbeitete als Werkzeugmacher in der Stallbacka, half den Saab 92 als erstes Serienfahrzeug der Marke auf die Straße zu bekommen. Sein Sohn Peter Johansson war ebenfalls für Saab in der Entwicklung tätig. Er war daran beteiligt,  den Turbo X, das erste Allrad-Serienmodell von Saab, reif für die Serie zu machen.

Während in den 80er und 90er Jahren das Motorsport-Engagement in Schweden immer mehr abnahm,  startete eine Marke aus Süddeutschland ihren Siegeszug mit dem Quattro-Konzept. Bei Saab ein Grund,  ebenfalls in diese Richtung zu entwickeln. Im Jahr 1987 entstand mindestens ein Prototyp auf Basis des Saab 9000 CC,  und Saab experimentierte mit einer Weiterentwicklung des “Sigge Johansson” Differentials und einem Allradsystem,  welches auf Torsendifferentialen basierte. Im Jahr 1992 entstand mindestens ein weiterer Prototyp, jetzt auf Basis des 9000 CS.

Die Saab 9000 CS 4wd Versuchsfahrzeuge, ausgerüstet mit einem 5-Gang Schaltgetriebe und einer neuen, von Saab entwickelten Hinterachse, sollen gut funktioniert haben. Besonders auf Schnee und Eis, so erzählt man,  soll die Traktion einmalig gewesen sein. Trotzdem wurde die Entwicklung eingestellt.

Warum? Die GM Tochter Opel brachte mit dem Calibra 4×4 ein Allradmodell, welches simpler konstruiert war als das,  was bei Saab fertig in den Regalen lag. Der Calibra wurde als sportliches Highlight im Konzern gesehen –  und als Imageträger. Saab trat einen Schritt zurück. Freiwillig, wie man zugibt. Und es war ein Fehler, wie man heute ebenfalls sagt.

Der Saab 9000 CS 4wd wäre, mit permanenten Allradantrieb und aufgeladenen 280 PS – andere Quellen sprechen von 285 PS – mehr als nur auf Augenhöhe mit der aufstrebenden Marke aus Ingolstadt gewesen. Dort gab es in der Zwischenzeit bereits die V8 Baureihe mit Quattro-Antrieb, der Drang eines gewissen Herrn Piech inklusive Konfliktbereitschaft in Richtung Wolfsburg waren ungebremst. Während man in Trollhättan das Kräftemessen mit Detroit scheute…

Der Verbleib des ersten Testfahrzeugs auf CC Basis, eventuell waren es mehr als ein Exemplar, ist nicht geklärt. Ein Saab 9000 CS 4wd aus dem Jahr 1992 hat überlebt. Er steht, mit etwas mehr als 109.000 Kilometern,  im Depot des Saab Museums in Trollhättan. Der Zustand des ersten Allrad Saabs ist jämmerlich, Geld zur Restaurierung fehlt. Bilder der Objekte im Depot zu machen ist nicht erwünscht, das gezeigte Bild stammt aus dem Jahr 2012.

Beim Saab Festival 2015, 30 Jahre Saab waren am Rande ein Thema, blieb die Allrad-Geschichte und der 9000 4wd im Magazin. Warum? Zierte man sich wegen des schlechten Zustands oder hatte man kein Interesse an spannender Geschichte? Selbst ein nicht restaurierter 4wd hätte mehr Aufmerksamkeit erzeugt als die restliche, sicher gut gemeinte “It`s my Saab” Ausstellung,  die gut in ein Jahr ohne Festival gepasst hätte.

Während Saab eine große Chance in den 90er Jahren ignorierte,  fand die Allrad-Geschichte für die Familie Johansson ihren versöhnlichen Abschluss. Sigge Johansson verließ Saab bereits 1984, wagte den Sprung in die Selbständigkeit und ließ sich seine Erfindungen patentieren. Aus seinen Ideen entstand Haldex, ein Unternehmen mit Weltgeltung und gewissen Saab Wurzeln. Saab Sigge verließ diese Welt im Jahr 2011. Er konnte noch miterleben,  wie sein Sohn Peter Johansson, in seiner Eigenschaft als Saab Entwickler, mit fast 25 Jahren Verspätung den Turbo X als ersten Allrad Saab und weltweit erstes Auto mit Haldex4 Kupplung 2008 auf dem Circuit Paul Ricard der Presse vorstellte. Aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Geschichte…

14 Gedanken zu „Saab 9000 CS 4wd

  • 9. Juli 2015 um 10:20 AM
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    Schade das er nie in Serie ging.. Ich hätte mich gefreut wenn er beim Festival dabei gewesen wäre aber leider nein 🙁

  • 9. Juli 2015 um 10:30 AM
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    das wäre es gewesen! Es wär ein Hit, ( falls ) dann hätten wir auch den 9-5 1 4wd…OMG 🙁

  • 9. Juli 2015 um 10:36 AM
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    Wahrscheinlich würde es SAAB dann noch geben. Das Image hätte sich schon in den 90er Jahren nachhaltig verändert, siehe die 4-Ringe Marke. Der TX und die tollen XWD kamen einfach zu spät, 2008 war der Drops schon gelutscht.

  • 9. Juli 2015 um 10:41 AM
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    Wie meistens: Die Schweden waren (und sind?) zu zaghaft – damals insbesondere im Auftritt GM gegenüber.

  • 9. Juli 2015 um 11:21 AM
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    Trotzdem froh das es Heute noch Haldex gibt; ist die Technik noch immer da. Tolle Geschichte Tom; Danke vielmals.

  • 9. Juli 2015 um 11:41 AM
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    Also im Jahre 2002 hat die gewisse Firma aus der kleinen beschaulichen Stadt unweit von Göteborg, 8 fertige 9-5 mit eben dieser Allradtechnik als sogenannter 9-5 Viggen erprobt.
    Diese Fahrzeuge hatten aus der Corvette entliehen, einen V8 mit 5.2 sowie 6.0 Liter Hubraum
    Leider hat auch hier GM nein zur Serienfertigung gesagt.
    Was aus den Fahrzeugen geworden ist,weiß ich leider nicht, wobei es Angang 2002 sogar Bilder bei AMS davon gab.
    Damit hätte man den Süddeutschen Marken aber ordentlich das Wasser abgrasen können.

  • 9. Juli 2015 um 1:13 PM
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    can we do some fund-raising to have the Saab 9000 TurboX restored? 😉

    • 9. Juli 2015 um 2:24 PM
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      Perhaps we could do the same to save the green 9-5 2.8t Fwd? 😀

      • 9. Juli 2015 um 3:38 PM
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        Not for the green one, but for the 4wd. We are working on it and will be back later.

    • 9. Juli 2015 um 3:22 PM
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      Was würde den so eine Restaurierung für den 9000 Allrad ungefähr kosten ? Hat da jemand eine Ahnung ? Ich glaube ich würde mich da total verschätzen . Ich hatte bisher mit dem rostigen Hobby nichts am Hut.

      • 9. Juli 2015 um 3:38 PM
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        Wir kommen auf das Thema noch mal zurück, Mark und ich wir sind dran. Im Moment: keine Ahnung was da erforderlich wäre.

  • 9. Juli 2015 um 6:15 PM
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    ein Allrad 9k das wäre es gewesen, da wäre mir vermutlich der 9-7x nicht ins Haus gekommen, das wäre aber auch wieder schade gewesen.

    Was ich bis heute nicht verstehe: Warum haben die GM-Leute die Schweden nicht einfach alles machen lassen? ….oder sogar noch zu Innovationen angestiftet? Am Ende wären die Saabe hochwertige innovative Fahrzeuge in kleiner Serie und preislich wie technisch immer vorne weg. Die Dinge die dann alle haben wollen für die Großserie optimiert und in die weltweiten Marken implementiert. Das hätte den Ruf der anderen Marken im Konzern angehoben und nicht den von SAAB beschädigt. Da man es leider umgedreht gemacht hat…., naja schade!! So ein Laden wie GM sollte sich doch ne Entwicklungsabteilung mit angeschlossener Probeproduktion leisten können.

  • 10. Juli 2015 um 8:27 AM
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    Immer wieder spannend, was Saab im Köcher hatte und dennoch nicht gebracht hat.

  • 10. Juli 2015 um 10:41 AM
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    Ein Popel Calibra als Premiumfahrzeug auf dem Thron ? ? ?

    Das ist einfach zu blöd ! ! !

    Überhaupt ist diese Art von konzerninternem Konkurrenzdenken einfach nur Banane. Der VW Konzern baut (und verkauft) ohne Probleme 3 sich in Größe, Zielgruppe und Technik sehr ähnliche Kombis. Einen Calibra gegen einen 9000 auszuspielen ist nichtmal mehr der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln und Birnen sondern von Fleisch mit Gemüse …

    SAAB wurde wahrhaftig künstlich klein und kaputt gemacht.

    Wie immer spannend und informativ, dieser Artikel. Und wie immer (na klar, es geht um SAAB und die Geschichte ist nunmal traurig) auch irgendwie ein bisschen ärgerlich.

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