Nach langen Jahren des Fußgängertums…

Auf langen Strecken zu Hause sind Benjamin und sein Saab „Knut“. Lange Touren stehen auf der Wunschliste, Irland und das schwarze Meer sind angedacht. Gibt es dafür ein besseres Auto als einen Saab?

Vor dem Saab Bilmuseum
Vor dem Saab Bilmuseum

Im vergangenen Sommer konnte ich mein fünfjähriges Jubiläum als tatsächlicher SAAB-Fahrer begehen möchte daher auch meine SAAB-Story hier vortragen:

Es begann in den letzten (umso härteren) Jahren vor der ersehnten Führerscheinerwerb: Die Autobild war regelmäßige Lektüre – irgendwo muss man mit der regelmäßigen Vorbereitung schließlich anfangen und das Internet mit der kostengünstigen, unerschöpflichen Breite gab es in seiner heutigen Form noch nicht.

In besagter Zeitschrift tauchte irgendwann ein Beitrag über den SAAB 93 Viggen auf. Zuerst als Randnotiz mit winzigem Bild, später als Vergleich mit irgendeinem Münchener Coupé. Autos wie den 93 gab es in der linksrheinischen Provinz nie und nirgends. Die Attitüde des Außenseiters mit interessanten Details, durchdachter Andersartigkeit und in meinen Augen wunderschöner Optik abseits des Mainstreams war mir sehr sympathisch.

Dazu erwachten sehr tief verankerte Erinnerungen. Erinnerungen an ein Dia, das mein Vater von der Baustelle unseres Eigenheims Mitte der 80er Jahre gemacht hatte. Am linken Bildrand war das Heck eines dunkelbraunen Combicoupés zu sehen. Ob es ein 99 oder ein 900 war, kann ich nicht sagen, da das Dia leider in den Weiten der väterlichen Dia-Sammlung verschollen ist. Die Linie dieses Wagens aber, findet sich dem Zeitgeist angepasst in eine rundere Form gegossen am 93 der ersten Generation wieder.

Während meines Zivildienstes schließlich, fuhr ich an einem Wochenende im November 2003 von der Mittelmosel in die nördliche Mitte Deutschlands. Für den Samstagvormittag hatte ich mich zuvor über die SAAB-Webseite zu einer Mischung aus Fahrsicherheitstraining und Probefahrt angemeldet. Da die nähergelegenen Termine ausgebucht waren, musste es eben der Flugplatz in Hildesheim sein, wo ich endlich meinen ersten SAAB fahren konnte: einen espressoschwarzen 9-5 Aero Sportcombi mit Automatik und beigem Vollleder. Danach kam der damals neue 93II als 2.0t (Handschalter) dran. Dieser war außen nocturnblau, innen schwarz und ein subjektiv zwar deutlich agileres Auto, aber die Sitze des 9-5er habe ich bis heute noch nirgends gleichwertig oder übertroffen gefunden. Ein eindrucksvolles Erlebnis, das die weiteren Jahre prägte.

Nach einigen studienbedingten Jahren des Fußgängertums, in denen mein autoaffiner Teil immer mal wieder fremde Fahrzeug ausprobierte, näherte ich mich SAAB zunächst geographisch: Es ging zum Studium in die Heimatstadt des anderen schwedischen Autobauers. Von dort aus unternahm ich etliche Tagesausflüge nach Trollhättan und besichtigte auch mit diversen Besuchern mehrfach das Werk, das Museum und die Umgebung. Im Frühjahr 2009 hatte ich in den letzten Monaten unter GM sogar noch Gelegenheit eine stille Automobilfabrik von innen zu sehen: Halbfertige Autos, teilweise schlafende Mitarbeiter, ziemliche Dunkelheit. Es war gespenstisch, aber faszinierend.

Zurück in Deutschland erwartete mich später im Jahr ein Praktikumsplatz nebst Wohnung in Niedersachen, deren räumliche Relation zueinander ein Auto erforderlich machte. Günstigerweise stand ein cayenneroter 93 in Trier-Pfalzel. Gepflegt, garagengeparkt und mit jahreswagenähnlicher Laufleistung von 53.534 km. Wegen des Datums der Erstzulassung am schwedischen ‚Knutsdagen‘ im Jahre 1999 heißt dieser Wagen nun Knut und tourt regelmäßig über diverse Autobahnen.

Saab 9-3 von Benjamin
Saab 9-3 von Benjamin

Die Ausstattung war auf den ersten Blick karg, stellte sich nach inzwischen erfolgtem Prospektstudium aber als grundsolide dar: Klimaanlage, Sitzheizung, Metalliclack, AS2 mit CD-Player und Leichtmetallfelgen (10-Spoke in 15“).

Im Laufe der Zeit wurde der Ausstattungsumfang u.a. durch den Besuch des SAAB-Festivals in THN in 2010 noch erweitert: Nebelscheinwerfer, Tempomat, Heckspoiler (zur Vollendung der äußeren Linienführung) und Fernbedienung für die Zentralverriegelung.

Im Herbst 2013 hatte ich dann einen runden Geburtstag und dies veranlasste eine gewisse junge Dame zu einer recht umfangreich und heimlich organisierten Besorgung: Alu8 alias Viking alias Elchschaufeln.

Äußerlich hat er damit des Sommers die Erscheinung, die damals für Prospektfotos verwendet wurde. Der übrige Zustand ist insgesamt recht ordentlich, allerdings steht er nun nur noch in einer Himmelszeltgarage und muss ganzjährig (überwiegend Lang-)Strecke machen. Im Interesse des Blechzustands ist er daher nachkonserviert worden und bekommt der jährlichen Laufleistung wegen zweimal im Jahr frisches Öl.

Mittlerweile haben Knut und ich über 110.000 km gemeinsam zurückgelegt und ich hoffe mal stark, dass diese Zahl noch vervielfacht werden kann. Ziele gibt es genug: Die kilometerintensiven Roadtrips nach Schweden (2010 & 2014) und England/Schottland (2012) haben mich Blut lecken lassen. Das SAAB-Festival im Juni wäre ein lohnenswertes Wochenendziel, Irland und das Schwarze Meer sind angedacht…

6 Gedanken zu „Nach langen Jahren des Fußgängertums…

  • Prima geschrieben; eine schöne Lektüre für die Mittagspause. Danke dafür und die wahren Worte zum Abschluss Deines fünften Absatzes. Diese Erfahrungen kann ich nur bestätigen.
    Weiterhin viel Spaß mit „Knut“ und alles Gute.

  • Na endlich mal jemand der einen 900 II gut findet !

  • Hab auch 2

  • Cayennerot ist eine tolle und seltene Farbe, ein wirklich hübscher 9-3.
    Weiter gute Fahrt mit Knut.

  • Zeitloser als der 902/9-3I geht eigentlich nicht, selbst mit Sauger schnell, praktisch und für sein Platzangebot außen fast zierlich!

  • Die Form der 9-3 I, vor allem als drei Türer in Viggen Optik, ist so was von vollendet, da gibt es meiner Meinung nach nichts vergleichbares. Und dass die 93 I robust sind, gut laufen und einfach eine Freude zum fahren sind ist ja auch kein Nachteil!

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