Saab News: Dunkle Wolken über der Rekonstruktion

Pläne können so einfach sein. Aber Pläne können scheitern, wenn ein wichtiger Baustein fehlt. Eine fast schon legendäre Komponente der Rekonstruktion sind die 70 Millionen € an Lizenzengebühren, die von Lotus Youngman aus China kommen sollen.

Die Lizenz Zahlungen für die nicht exklusive Nutzung der PhoeniX Plattform war eines der Kaninchen, die Victor Muller von Zeit zu Zeit aus seinem Hut zaubert. Da bis zum heutigen Tag keine Zahlung aus China bei Saab angekommen ist, könnte die Rekonstruktion heute abgebrochen oder unterbrochen werden.

Während einer Rekonstruktion darf das Unternehmen keine neuen Schulden aufbauen, der Rekonstruktionsbetrieb muss aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden. Diese tröpfeln spärlich zu unserem Autobauer in der Stallbacka. Ein weiteres Datum ist der 20. Oktober. An diesem Tag endet die staatliche Lohngarantie, ab dem 21.10 muss Saab die Löhne selbst zahlen. Ohne die Gelder aus China unmöglich, die Rekonstruktion wäre ein Farce.

Aus diesem Grund denkt Guy Loflak, der vom Gericht bestellte Administrator, darüber nach, heute die Rekonstruktion zu beenden. Und er denkt recht laut, öffentlich in der Presse. Stop, aus, vorbei. Die Folgen wären fatal.

Rachel Pang von Lotus Youngman war gestern in Stockholm um über die Verträge zu beraten. Es scheint in den Abkommen einige Passagen zu geben, die unseren Freunden aus China nich so recht zusagen. Egal wie, entweder kommt das Geld, oder es kommt eben nicht.

Ein neuer Administrator ?

Bei Saab steigt die Unzufriedenheit mit Guy Lofalk. Angeblich ist man nicht glücklich mit dem Versuch das EIB Darlehen abzulösen, anstatt auf die Gelder aus China zu warten. Scheinbar möchte man auch nicht den Staat als Aktionär. Deshalb möchte Saab heute beim Amtsgericht eine Ablöse des Administrators beantragen.

Brisant nur, der Administrator den man so gerne entsorgen möchte, war ein Wunschkandidat des Autobauers. Christina Geers hatte Guy Lofalk vorgeschlagen, das Gericht hatte den Vorschlag akzeptiert.

Vom Prinzip her ist es möglich den Administrator abzulösen, an der Misere in Trollhättan ändert sich dadurch wenig. Alles steht und fällt mit dem Geld aus China. Selbst wenn es weitere Interesenten geben solllte, Deadline ist allerspätestens der 20. Oktober.

In diesem Drama ist viel Politik und viel Eigeninteresse drin. Ich denke auch, eine Machtprobe diverser Parteien, Victor Muller mal mit eingeschlossen. Die Rechnung bei diesem Spiel zahlt, wie immer, Saab. Das letzte Porzellan wird jetzt mit Gewalt zerschlagen und Saab beherrscht mal wieder die negativen Schlagzeilen. Aktuell in Schweden, bis zum Abend geht es erneut um die Welt.

Vielleicht ist es nur viel Rauch und wenig Feuer. Ob und wie wir, vielmehr Saab, heil aus dieser Story rauskommen, das ist noch nicht mal der berühmten Kristallkugel bekannt.

Positives Denken fällt im Monat X der Krise selbst einem Blogger schwer. Wie auch immer, wir bleiben dran.

Text: tom@saabblog.net

4 Comments
Newest
Oldest Most Voted
F-RU xxxx aus Frankfurt
F-RU xxxx aus Frankfurt
14 Jahre zuvor

Einige Sachen sind äusserst unverständlich. Gibt es denn in Sweden keine Kurzarbeit? Hier zu Lande
war jede 10-te Betrieb mal von Kurzarbeit, Zwangsurlaub oder ähnlichem betroffen. Saab verkauft Hab und Gut um volle Löhne zu zahlen, obwohl die 3700 keinen Finger rühren. Kann auch nicht verstehen, dass sich Eigentümer, Verwalter, potentielle Käufer nicht einigen können. Welche Art von Windverträgen haben die den mit den Chinas abgeschlossen,die jetzt noch “unklar” sind. Dann sollte man sie nicht “Verträge” nennen, sie sind das Papier nicht Wert.In den letzten 25 Jahren sind komische Randerscheinungen von der Bildfläche verschwunden, wie Talbot, Simca, NSU, einige Engländer,Daf und russischer Schrott. Sonst keiner und keine Träne wurde vergossen. Und Saab wird nun Kandidat in dieser gloreichen Liste. Skoda, Seat und die Italos haben es geschaft. Vielleicht ist der Alkohol in Sweden nicht umsonst so teuer, wer weiss ob die samt einen Schaden haben. Würde jemand vorschlagen, dass jeder Saab-Fahrer aus DE sich an der Saab-Hilfe beiteiligen sollte, würde ich als erster einen Tausender zucken, gegen Aktien oder als humanitäre Hilfe. Sollte ein trariges Ende tatsächlich kommen, dann verfahre ich wie Leif, Richtung Volvo.

Leif
Leif
14 Jahre zuvor

Ja, es nervt. Es macht die ganze gute Arbeit vom Blog zunichte. Immer neue Nackenschläge aus Schweden. Wahrscheinlich sind es die Egoismen von Muller und Lofalk die zusammenprallen. Löst Lofalk mit Staatshilfe das EIB Darlehen ist Saab ein Staatsbetrieb weil Aktienmehrheit und Muller und Freunde sind ihr Spielzeug los.

Meine persönliche Deadline ist Ende Oktober. Bekommen die Herren in Schweden es nicht geregelt war das für mich das Ende des Saab Traums.Dann in Zukunft Volvo.

mac9-5
mac9-5
14 Jahre zuvor

Moin zusammen.

Man, langsam nervt es.

Nun überlegen wir gerade doch noch mal, ob es mit einer Bestellung eines Kombis nicht noch u.U. dieses Jahr klappen könnte (Frage an die Leser hier: ist es zeitlich ratsam oder sollte man lieber warten, wie sieht es mit Anzahlung und deren Sicherheit aus, sind “höhere” Nachlässe eher dieses oder nächstes Jahr zu erwarten, etc.?) und nun kommen schon wieder so schlechte Nachrichten aus Schweden/China. 🙁

Mit jeder neuen “schlechten” Nachricht schwindet leider mein Vertrauen in Saab … und gute News können es langsam kaum noch wieder “hinrücken”.

Julie
Julie
14 Jahre zuvor

Nicht nur mich würde wohl sehr interessieren, welche Passagen in den ausgehandelten Verträgen Frau Pang neuerdings nicht mehr so recht zusagen.

Außerdem sollte man mit den Verhandlungen hinsichtlich anderer Interessenten (Investoren) nicht zu lange warten – aufgrund der bekannten finanziellen Lage von SAAB-Automobile dürften hier mit Sicherheit finanzkräftige Unternehmen / Gruppen etc. “anklopfen”.

Vielleicht wäre auch ein anderer Administrator für die derart gewichtigen Aufgaben geeigneter als Herr Lofalk. Dies kann aber nur in Trollhättan selbst erkannt und entsprechend umgesetzt werden.

Nach dem Kampf der letzten Monate (Jahre) sollten doch wirklich alle sich noch bietenden Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden!

Viele Grüße aus Schleswig-Holstein
Julie