Saab News: Reaktion der Saab Lieferanten in Schweden und sonstwo

Gestern hat Saab CEO Victor Muller den Zulieferbetrieben vorgeschlagen bei den aufgelaufenen Forderungen 10 % der Summe zu begleichen, der Rest soll im September fließen. Bis heute sollten sich die Partner verbindlich entscheiden. Im heimatlichen Schweden scheint Saab mit dem Vorschlag weiterzukommen.
Nicht nur Svenake Berglie, Chef der Vereinigung der Zulieferer, begrüßte den Vorschlag. Auch Markus Nyman, CEO des Zulieferers IAC ist positiv der Sache gegenüber, nachdem er heute in den Morgenstunden noch ablehnend geklungen hatte.
Insgesamt scheint man in Schweden der Meinung dass 10 % besser seien als nichts und man meint ein Produktionsstart sei ein Weg in die Zukunft, während eine Insolvenz niergendwohin führt. Die schwedischen Zulieferer waren bislang erstaunlich geduldig mit Victor Muller und Saab. Schwedische Solidarität ?
Weitaus schlechter sieht es sonstwo, also außerhalb Schwedens aus. Dort sieht man die Lage viel skeptischer. Lars Holmquist, CEO der europäischen Zulieferervereinigung CLEPA, sieht kaum Zustimmung für den Saab Vorschlag. Victor Muller, sagt Holmquist, schreibt in seinem Vorschlag “Cash on Delivery”, meint damit aber eine Zahlung nach fünf oder sechs Tagen. Das ist in Holmquists Augen keine Bezahlung bei Lieferung – sondern ein erneutes Zahlungsziel.
“Wenn ich eine Pizza kaufe, dann zahle ich die Pizza. Das ist “Cash on Delivery. Ich sage nicht, dass ich in einer Woche wiederkomme und dann bezahle” so der CLEPA CEO. Er hat keinVertrauen in weitere Lieferantenkredite für Saab.
Wir kennen den Wortlaut des Briefes von Muller nicht. Durch die schwedische Presse ging heute der Begriff “Barzahlung”, was aber schwer zu realisieren sein dürfte.
Haben die Zulieferer eine Wahl ?
Der CEO von FKG, Svenake Berglie, denkt nein. Mit einem Saab Konkurs hätten alle verloren. Marcus Nyman von der IAC Group Schweden sieht es ähnlich. Er begrüßt “die Offenheit von Saab” und dass das Unternehmen nun mit seinen Gläubigern kommuniziert. “Der erste Produktionsstart war schlecht vorbereitet, ich denke diesmal ist es besser geplant”.
Wie entscheiden die großen europäischen Zulieferer, wie zum Beispiel Valeo ? Saab wird es nicht so einfach haben wie bei den vergleichsweise kleinen schwedischen Firmen. Ohne Sicherheiten, in Form einer Bankbürgschaft etwa, wird da nicht viel zu machen sein.
Was Saab in dieser Situation bräuchte, wäre ein Finanzvorstand den das Unternehmen seit langer Zeit nicht mehr hat. Wie sagte Victor Muller zur Kündigung von Spyker Finanzchef Go so schön “das Unternehmen braucht keine zwei Finanzchefs”. Hat er vergessen dass er jetzt gar keinen mehr hat, oder ist das für Muller nicht wichtig ? Oder meint Muller jetzt alles in Personalunion machen zu können ? So scheint es.
Denn schon ein guter Finanzvorstand bei Saab würde genügen um dieses unwürdige Auf und Ab in Trollhättan zu beenden. Er könnte Klarheit in die finanzielle Situation bringen und erneut Vertrauen bei den Lieferanten aufbauen.
Text: tom@saabblog.net