Saab News: Saab wird chinesisch, die Zukunft, Vladimir Antonov
Noch ist die Unterschrift unter der Absichtserklärung nicht trocken, noch liegt nicht die Zustimmung der beteiligten Regierungen und Verwaltungen vor. Aber eins ist jetz schon klar, Saab wird chinesisch und die Chancen für einen erfolgreichen Abschluß der Transaktion ist heute rapide gestiegen.
Mit der Youngman Group steigt der dringend benötigte industrielle Partner bei Saab ein, nach dem Super-Autohändler Pang Da. Für Schweden ist der Übergang von Saab in chinesische Hände eine Zäsur. Nachdem sich das Land komplett aus der einst so mächtigen Werftindustrie verabschiedet hat, ist jetzt der Fahrzeugbau dran. Volvo gehört zu Geely, Scania steht unter dem Einfluß von VW und auch Saab wird zukünftig vom Reich der Mitte aus regiert werden. Das einstige starke industrielle Herz Schwedens, welches das Land reich gemacht hat, erodiert weiter.
Man braucht keine “Glaskugel” um die weitere Zukunf des Autobauers aus Trollhättan zu sehen. Um aus Saab einen zukunftsträchtigen Autobauer zu machen braucht es die nächsten Jahre Investitonen von mehr als 245 Millionen €. Mit jeder zukünftigen Kapitalerhöhung durch die finanzkräftigen chinesischen Partner wird der Anteil der europäischen Mitgesellschafter weiter sinken.
Sollten diese Pläne greifen, wird das Überleben von Saab gesichert. Saab könnte zu einer starken Marke ausgebaut werden. Inwieweit die neuen Eigentümer das skandinavische und europäische Erbe der Marke respektieren und pflegen werden, wird die Zukunft zeigen.
Keine Zukunft mehr für sich sieht bei Saab der russische Investmentbanker Vladimir Antonov, der über seinen schwedischen Sprecher Carlström dies als erste Reaktion mitteilen lies. Er freut sich “dass die Gefahr eines Saab Konkurses durch starke chinesische Partner abgewendet ist”, sieht aber keinen Einstieg mehr für sich.
Antonov und damit auch Muller, oder umgekehrt – denn Antonov ist der Geldgeber hinter Muller, verlieren damit den Einfluß bei Saab. Das kurzfristige Saab Investment wird sich für Antonov und auch Muller aber nach dem Einstieg der Chinesen und dem Verkauf der Immobilien, die einen großen Wert darstellen, gerechnet haben. Da können wir sicher sein.
Ist Saab jetzt am sicheren Ufer ? Nein, noch lange nicht. Youngman ist ein relativ kleiner Hersteller der mit Bussen sein Geld verdient. Inwieweit die chinesische NDRC der Geschäftsverbindung zustimmen wird steht in den Sternen. Es kann sehr schnell gehen, kann aber auch quälend lange dauern.
Wann startet die Produktion erneut ? Auch das ist schwer einzuschätzen. Die offiziellen Stellen sprechen von einem Start in der nächsten Woche. Denkbar dazu wäre eine schnelle Finanzierung vorab durch die chinesischen Partner. Aus eigener Kraft wird man es es wahrscheinlich nicht erneut schaffen. Alternativ droht Trollhättan ein wochenlanger Stillstand.
Eins steht aber heute schon fest. Saab wird eine chinesische Firma werden, wenn Saab langfristig überleben wird. Die Zukunft – wohin sie Saab auch führt – hat heute begonnen.
Text: tom@saabblog.net