Saab-News

Saab in China – 2019 verabschiedete sich BAIC von Senova und ShēnBǎo!

Es gab mal eine Zeit, als Saab‑Fahrer mit Neid nach China schauten. Es ist bereits viele Jahre her, denn 2009 erwarb BAIC Werkzeuge und Rechte am alten 9-5 und 9-3. Unter dem Markennamen Senova und dem zuvor von Saab in China verwendeten “ShēnBǎo Label” versuchte man, mit schwedischen Genen eine heimische Premiummarke zu etablieren.

Am Anfang mit einigem Erfolg und begleitet von großer medialer Aufmerksamkeit. Dass sich die Chinesen dabei ohne irgendeine Zurückhaltung des schwedischen Erbes bemächtigten, war eine der Folgen.

Aus dem Saab 9-5 wurde der Senova D70.

1997 vs. 2017, zwischen beiden Modellen liegen 20 Jahre
1997 vs. 2017, zwischen beiden Modellen liegen 20 Jahre

Saab in China – 2019 verabschiedete sich BAIC von Senova und ShēnBǎo!

Der Ur-Saab wurde immer wieder zitiert, Saab Kampfjets donnerten durch die Anzeigen, und sogar das frühere Performance-Team demonstrierte mit Senova Derivaten, dass ein Saab-Ableger durchaus auch auf zwei Rädern schnell unterwegs sein kann.

Einen ihrer Höhepunkte erreichte die Kampagne mit einer eigenen Rennserie, die aber nur von kurzer Dauer war.

D70 Konzept auf Saab 9-5 OG Basis aus dem Jahr 2017
D70 Konzept auf Saab 9-5 OG Basis aus dem Jahr 2017

Sogar nach Deutschland schwappte die “ShēnBǎo” Welle. Ein wenig zumindest. Freie Importeure holten einige Fahrzeuge in ihre Heimatländer, wohl dem Saab Mythos vertrauend. Und sogar auf den SaabBlog schafften es die asiatischen Verwandten. Wir konnten einen BAIC BJ40 mit Saab Motor fahren, und ich stellte fest, dass das Leben einfach nicht fair ist.

Der Entwurf für BAIC kam aus dem Granstudio in Turin
Der Entwurf für BAIC kam aus dem Granstudio in Turin

Die Chinesen hatten diese fabelhafte Maschine mit einer Aisin-6‑Gang-Automatik verheiratet. Saab 9-5 OG Fahrer dürfte es damals die Tränen in die Augen getrieben haben. Denn beim Original war bei 5 Getriebestufen immer Schluss gewesen. Außerdem hielt der schwedische Motor mit kleinen Modifikationen die damals aktuelle Euro‑6‑Abgasnorm ein, was man in Trollhättan stets als unmöglich abgetan hatte.

Der Innenraum: solide europäische Eleganz aus dem Jahr 1997 bei Saab
Der Innenraum: solide europäische Eleganz aus dem Jahr 1997 bei Saab

Das neue Konzept von Granstudio im Jahr 2017

Allerdings holte in kurzer Zeit die Wirklichkeit das Projekt ein. Mehr oder minder große Facelifts und die Elektrifizierung der 9-3 Plattform konnten nicht über einen Punkt hinwegtäuschen: Die Basis war in die Jahre gekommen.

Sie hatte ihre besten Zeiten bereits hinter sich. Trotz intensiver Werbung blieben die Stückzahlen stets unter den Erwartungen. Bei einer Testfahrt mit einem BAIC X55 SUV wurde mir klar, warum. BAIC lieferte mit dem Senova oder ShēnBǎo maximal solide Hausmannskost ab. Von Premium oder Extravaganz blieb man weit entfernt, da nutzte auch das von Saab übernommene Night-Panel nichts.

Modisch bei Senova 20 Jahre später und ein Stück weit beliebig
Modisch bei Senova 20 Jahre später und ein Stück weit beliebig

Im Jahr 2017 hätte noch einmal die Wende kommen können. BAIC beauftragte das Turiner Granstudio (Link) mit der Neuinterpretation des D70. Heraus kam ein interessanter Entwurf, der italienische Eleganz und die chinesische Vorstellung von Luxus neu interpretierte.

Eine Mischung damals aktueller Stilelemente, eine Prise GM‑Konzern, etwas vom Audi-Design, und weit entfernt von dem, was einst die Basis stellte.

Die erste Skizze 2017 aus dem Granstudio: etwas GM, etwas Audi, etwas damals aktuelle Mode
Die erste Skizze 2017 aus dem Granstudio: etwas GM, etwas Audi, etwas damals aktuelle Mode

Vielleicht hätte die Realisierung Erfolg gehabt, aber mittlerweile schwächelte die komplette Senova Palette,  die zu einem Sammelsurium von Modellen unterschiedlicher Herkunft geworden war.

Die Verkaufszahlen Senova D70 (ex. Saab 9-5) laut Carsalesbase:

2018 5.594
2017 51
2016 997
2015 1.438
2014 5.213
2013 10.011

 

Aus Senova – ShēnBǎo wird Beijing

2018 gingen die Verkaufszahlen des kompletten Senova Labels um 21.4 % auf nur noch 65.000 Einheiten zurück. Das schien entschieden zu wenig, um zu überleben, und auch, weil die Saab Basis nun wirklich nicht mehr weiterentwicklungsfähig war.

Eine Version als SportCombi realisierte man in China übrigens nie. Die Fahrzeuggattung war damals verpönt, Limousinen und SUVs dominierten die Nachfrage. 2026 sieht die Lage anders aus. Ein Lifestyle-Kombi hätte durchaus Chancen, die Geschmäcker haben sich geändert.

Das alles nutzte BAIC-Senova im Jahr 2019 nichts. Die Saab Geschichte war jetzt am Ende angelangt, Ideen, wie man sie hätte weiterführen können, lagen nicht in der Schublade.

Unbestritten: Senova-BAIC Linienführung mit einer gewissen Eleganz
Unbestritten: Senova-BAIC Linienführung mit einer gewissen Eleganz

Deshalb legte BAIC jetzt Senova/ShēnBǎo und den Ableger BAIC BJEV zu einer neuen Marke zusammen. Unter dem Namen “Beijing” versuchte man einen Neustart. Als erstes Modell zeigte ein SUV mit der Bezeichnung  “Zhida X3” den Hauptstadtnamen an Front und Heck.

Mit der kurzen Saab Episode in China hatte das jetzt nichts mehr zu tun.

Mit Bildmaterial von Granstudio/Turin

Der ursprüngliche Beitrag erschien am 9. August 2019 und wurde seitdem redaktionell überarbeitet.

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1 Kommentar
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Soedertaelje
Soedertaelje
1 Stunde zuvor

Ziemlich interessant. Vor allem, wenn man berücksichtigt wo die Chinesen 2019 standen und wie weit sie 2026 schon gekommen sind. Auf unserem Firmenparkplatz werden es wöchentlich immer mehr China-E-Autos. Die Welle rollt…