Saab in China – 2019 verabschiedete sich BAIC von Senova und ShēnBǎo!
Es gab mal eine Zeit, als Saab‑Fahrer mit Neid nach China schauten. Es ist bereits viele Jahre her, denn 2009 erwarb BAIC Werkzeuge und Rechte am alten 9-5 und 9-3. Unter dem Markennamen Senova und dem zuvor von Saab in China verwendeten “ShēnBǎo Label” versuchte man, mit schwedischen Genen eine heimische Premiummarke zu etablieren.
Am Anfang mit einigem Erfolg und begleitet von großer medialer Aufmerksamkeit. Dass sich die Chinesen dabei ohne irgendeine Zurückhaltung des schwedischen Erbes bemächtigten, war eine der Folgen.
Aus dem Saab 9-5 wurde der Senova D70.

Saab in China – 2019 verabschiedete sich BAIC von Senova und ShēnBǎo!
Der Ur-Saab wurde immer wieder zitiert, Saab Kampfjets donnerten durch die Anzeigen, und sogar das frühere Performance-Team demonstrierte mit Senova Derivaten, dass ein Saab-Ableger durchaus auch auf zwei Rädern schnell unterwegs sein kann.
Einen ihrer Höhepunkte erreichte die Kampagne mit einer eigenen Rennserie, die aber nur von kurzer Dauer war.

Sogar nach Deutschland schwappte die “ShēnBǎo” Welle. Ein wenig zumindest. Freie Importeure holten einige Fahrzeuge in ihre Heimatländer, wohl dem Saab Mythos vertrauend. Und sogar auf den SaabBlog schafften es die asiatischen Verwandten. Wir konnten einen BAIC BJ40 mit Saab Motor fahren, und ich stellte fest, dass das Leben einfach nicht fair ist.

Die Chinesen hatten diese fabelhafte Maschine mit einer Aisin-6‑Gang-Automatik verheiratet. Saab 9-5 OG Fahrer dürfte es damals die Tränen in die Augen getrieben haben. Denn beim Original war bei 5 Getriebestufen immer Schluss gewesen. Außerdem hielt der schwedische Motor mit kleinen Modifikationen die damals aktuelle Euro‑6‑Abgasnorm ein, was man in Trollhättan stets als unmöglich abgetan hatte.

Das neue Konzept von Granstudio im Jahr 2017
Allerdings holte in kurzer Zeit die Wirklichkeit das Projekt ein. Mehr oder minder große Facelifts und die Elektrifizierung der 9-3 Plattform konnten nicht über einen Punkt hinwegtäuschen: Die Basis war in die Jahre gekommen.
Sie hatte ihre besten Zeiten bereits hinter sich. Trotz intensiver Werbung blieben die Stückzahlen stets unter den Erwartungen. Bei einer Testfahrt mit einem BAIC X55 SUV wurde mir klar, warum. BAIC lieferte mit dem Senova oder ShēnBǎo maximal solide Hausmannskost ab. Von Premium oder Extravaganz blieb man weit entfernt, da nutzte auch das von Saab übernommene Night-Panel nichts.

Im Jahr 2017 hätte noch einmal die Wende kommen können. BAIC beauftragte das Turiner Granstudio (Link) mit der Neuinterpretation des D70. Heraus kam ein interessanter Entwurf, der italienische Eleganz und die chinesische Vorstellung von Luxus neu interpretierte.
Eine Mischung damals aktueller Stilelemente, eine Prise GM‑Konzern, etwas vom Audi-Design, und weit entfernt von dem, was einst die Basis stellte.

Vielleicht hätte die Realisierung Erfolg gehabt, aber mittlerweile schwächelte die komplette Senova Palette, die zu einem Sammelsurium von Modellen unterschiedlicher Herkunft geworden war.
Die Verkaufszahlen Senova D70 (ex. Saab 9-5) laut Carsalesbase:
| 2018 | 5.594 |
| 2017 | 51 |
| 2016 | 997 |
| 2015 | 1.438 |
| 2014 | 5.213 |
| 2013 | 10.011 |
Aus Senova – ShēnBǎo wird Beijing
2018 gingen die Verkaufszahlen des kompletten Senova Labels um 21.4 % auf nur noch 65.000 Einheiten zurück. Das schien entschieden zu wenig, um zu überleben, und auch, weil die Saab Basis nun wirklich nicht mehr weiterentwicklungsfähig war.
Eine Version als SportCombi realisierte man in China übrigens nie. Die Fahrzeuggattung war damals verpönt, Limousinen und SUVs dominierten die Nachfrage. 2026 sieht die Lage anders aus. Ein Lifestyle-Kombi hätte durchaus Chancen, die Geschmäcker haben sich geändert.
Das alles nutzte BAIC-Senova im Jahr 2019 nichts. Die Saab Geschichte war jetzt am Ende angelangt, Ideen, wie man sie hätte weiterführen können, lagen nicht in der Schublade.

Deshalb legte BAIC jetzt Senova/ShēnBǎo und den Ableger BAIC BJEV zu einer neuen Marke zusammen. Unter dem Namen “Beijing” versuchte man einen Neustart. Als erstes Modell zeigte ein SUV mit der Bezeichnung “Zhida X3” den Hauptstadtnamen an Front und Heck.
Mit der kurzen Saab Episode in China hatte das jetzt nichts mehr zu tun.
Mit Bildmaterial von Granstudio/Turin
Der ursprüngliche Beitrag erschien am 9. August 2019 und wurde seitdem redaktionell überarbeitet.
Ziemlich interessant. Vor allem, wenn man berücksichtigt wo die Chinesen 2019 standen und wie weit sie 2026 schon gekommen sind. Auf unserem Firmenparkplatz werden es wöchentlich immer mehr China-E-Autos. Die Welle rollt…