Operation Tegel: Im Lkw durch die DDR, Saab Friction Tester für Berlin-Tegel
In den vergangenen Jahren konnten Sammler ihren Bestand immer mal wieder mit einem historischen Saab Friction Tester ergänzen. Aus der Insolvenz des Flughafens Schwerin-Parchim wurde vor Jahren ein entsprechendes Fahrzeug angeboten. Eine passende Gelegenheit für uns, einen Blick zurück in das Jahr 1982 zu werfen.
Einer der beiden Westberliner Zivilflughäfen, der in Tegel, sollte einen neuen Friction Tester erhalten.
Saab Friction Tester, kurz SFT, sind ein Teil der Marken-DNA. Die Ursprünge liegen im Flugzeugbau. In den 80er Jahren organisierte man die Produktion der Sonderfahrzeuge noch in eigener Verantwortung. Das änderte sich etwas später unter GM, als der Sonderfahrzeugbau an Sarsys, heute Sarsys-ASFT, abgegeben wurde.
Um den Vertrieb kümmerte sich damals die Saab-Scania Pkw Division in Nyköping, die für die “Operation Tegel” Saab Deutschland mit ins Boot holt. Der Schriftverkehr aus dem Jahr 1982 liegt uns vor. Er ist ein Dokument der damaligen Zeit.

Operation Tegel: Im Lkw durch die DDR, Saab Friction Tester für Berlin-Tegel
Am 10. Mai 1982 teilte der Vertrieb in Nyköping mit, dass der SFT am 28. Mai bereit zur Lieferung sein würde. Er sollte dann mit einem regulären Autotransport zur TÜV‑Abnahme nach Hamburg gebracht werden. Von der Hansestadt aus würde er anschließend in einem geschlossenen Lkw über die Transitstrecke nach West-Berlin reisen.

Operation Tegel im geschlossenen Lkw
Ein geschlossener Lkw? Warum? War das eine Sicherheitsmaßnahme? Fürchtete man Spionage der DDR und stand die Technologie des Fahrzeugs zu dieser Zeit vielleicht auf der Embargoliste? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, denn die Amerikaner verboten die legale Ausfuhr von Elektronik in die Staaten des Warschauer Pakts weitestgehend.
Die relevanten Daten, wie die Fahrgestellnummer und das Gewicht, gab es für den deutschen Sachbearbeiter schon einmal vorab. Mit den Informationen aus Schweden erstellte die Niederlassung in Frankfurt am Main einen Fahrzeugbrief, der weiter an die technische Prüfstelle nach Hamburg geleitet wurde.

Die Homologation kündigte den Brief, mit der Bitte um Unterschrift, per Telex vorab an. Der zum Friction Tester umgebaute 900 GLI gilt als zulassungsfähig für den Straßenverkehr. Um sicherzugehen, legte die deutsche Niederlassung die Einzelabnahme eines weiteren umgebauten 900 GLS aus dem Jahr 1980 zusätzlich in Kopie bei.
Damals in Trollhättan: Für den Bau eines SFT greifen die Schweden auf Fahrzeuge aus der Serie zurück. Es ändern sich für die Zulassung nur zwei Parameter. Zum einen das Fahrzeuggewicht, das durch die Messvorrichtung um 200 Kilogramm zunimmt. Und die Zahl der Sitzplätze, die von 5 auf 4 reduziert wird.

Der Verbleib des SFT für Berlin Tegel ist unbekannt
Dass die Zeiten damals anders waren, wurde spätestens bei dem nächsten Schreiben klar. Denn Berlin hatte den 4‑Mächte-Status. Den Osten halten die Sowjets, der Westteil teilt sich in Zonen, welche die Briten, die Franzosen und die Amerikaner verwalteten. Die deutsche Verwaltung hatte im Zweifelsfall wenig zu sagen, das letzte Wort lag stets bei den Alliierten.
Diesen Tatsachen müssen auch die Schweden Rechnung tragen. Der Flughafen in Tegel ist ein Teil des französischen Mandats. Keine Einfuhr darf ohne die Erlaubnis der Verantwortlichen erfolgen.

Die französische Militärverwaltung muss die Einfuhr genehmigen
Nyköping kündigte der französischen Militärverwaltung die Einfuhr des 900 GLI als Friction Tester für Berlin Tegel an. Und am 7. Juni 1982 fragte die Spedition Schenker per Telex, ob der SFT in Travemünde, für den Einsatz als Messfahrzeug oder auch für den normalen Straßenverkehr verzollt werden soll.
Die französische Militärverwaltung in Berlin existiert nicht mehr. Der Warenverkehr in Europa ist weitgehend frei. Wie auch das Telex, an das man sich kaum noch erinnert. Dinge, auf die man gerne verzichtet. Was aus dem 900 GLI SFT für Berlin-Tegel geworden ist, wissen wir nicht. SFT sind langlebig und sie wurden gerne an Zweit- oder Drittbesitzer weiterverkauft.
Vielleicht zieht er heute noch an einem unbekannten Ort auf einem kleinen Provinzflughafen im Ausland seine Bahnen.
Der Beitrag erschien erstmals am 19. August 2019 und wurde seitdem redaktionell überarbeitet