Saab 9-3 SportCombi – schwedischer Cargoflieger für Jetpiloten
Saab und die Wurzeln in der Luftfahrt. Oder besser: Saab und die Piloten. Die angeblich bevorzugt zur schwedischen Marke griffen. Ist das nur ein Mythos? Aus meiner Sicht nicht. Auf den Saab 9-3 Viggen machte mich erst ein britischer Pilot aufmerksam, der natürlich einen hatte. Also wollte ich damals auch einen.
Und tatsächlich war der Pilotenanteil bei Saab einst hoch, wenn ich in die Korrespondenz der letzten Jahre schaue. Speziell den Saab 9000 hielten sie für gut, der zu seiner Zeit ziemlich viel von einem Flugzeug transportierte und später den Viggen.
Aber den 9-3 SportCombi? Ernsthaft jetzt? Ist er ein schwedischer Cargoflieger?

Der Saab 9-3 SportCombi – für Piloten, die gerne Fracht fliegen
Kritiker können sagen, das alles wäre reines Marketing gewesen. Allerdings könnte man entgegnen, dass die Saab Entwickler bis zum letzten Tag einen Luftfahrt-Ingenieur beratend in ihren Reihen hatten, um das Erbe des Flugzeugbaus zu sichern. Denn immer noch gab es das Night Panel und die hervorragende Ergonomie, das SID auf dem Armaturenbrett und damit einiges an Flugzeug-Gefühlen.
Damit es auch wirklich jeder Kunde versteht, platzierte Saab im Kofferraumboden des neuen SportCombi einen als Flugzeug ausgeführten Griff. Ein kleiner Jet, ein nettes Detail und jene Liebe zum Produkt, von der er es bei Saab in manchen Jahren nicht genug gab.

Flankierend zum Cargoflieger, wie die Werbekampagne den Neuzugang nannte, startete Saab die „Aeronauten gesucht“-Aktion in den Medien. Ein Kunstwort der Marketing-Spezialisten, zusammengesetzt aus dem sportlichen Aero und Astronauten oder, für den östlichen Teil der Republik, gerne auch Kosmonauten (Link).

Interessenten, die sich im Internet unter aeronauten-gesucht.de registrierten, erhielten von den Schweden eine Box mit einem Saab Pin und einem Schlüsselanhänger mit Testpilot Aufdruck sowie ein Ticket per Post, um beim Saab Partner einen Probeflug zu buchen.
Leider war die Bordmappe nur aus Pappe und mit geringem Erinnerungswert und ohne Nutzen. Die guten alten Zeiten der hochwertigen Werbung war auch bei Saab Deutschland, damals in Rüsselsheim im Opel Werk zu Hause, längst vorbei.

Saab Cargoflieger mit V6 Triebwerk
Damit der Kunde auch wirklich das authentische Jet-Gefühl bekam, hatte Saab dem Cargoflieger das neue V6 Turbo Triebwerk verpasst. Es lieferte für den Aero nun 250 statt 210 PS und damit war das Spitzenmodell der kleinen Baureihe wieder adäquat motorisiert. Rückblickend gesehen war die Einführung des Saab 9-3 SportCombi 2005 die letzte große, erfolgreiche Werbekampagne des Herstellers in Deutschland.

Der später folgende Saab 9-3X ging im Drama von Trollhättan unter, Saab kämpfte sich durch die Rekonstruktion und war erkennbar angezählt. Beim 9-5 NG flackerte das Lebenslicht noch einmal, Printwerbung wurde gebucht und Direktmailings auf den Weg gebracht. Doch am Ende war es zu wenig von allem, um Erfolg zu haben.
Letztlich bewies der Saab 9-3 SportCombi aber wahre Flugzeugqualitäten. Viele Exemplare aus den frühen Baujahren sind immer noch unterwegs. So langlebig wie Flugzeuge sein können, sind auch diese Saab. Cargoflieger eben, die von Haus aus robust sind, viel einstecken und aushalten, und Mensch und Fracht sicher transportieren. So gesehen hat sich das Marketing langfristig bewahrheitet.
Der Beitrag erschien zum ersten Mal am 23. Oktober 2024 und wurde seitdem mehrfach überarbeitet und ergänzt
In Trollhättan gibt’s noch einige 9-3 SC auf den Straßen zu sehen, allerdings sind die meisten in einem erbärmlichen Zustand…. sehr schade … gestern einen 9-3 SC in unmittelbarer Nähe zum Museum fotografiert….
Grausig! So ein schöner SportCombi in so einer schönen Lackierung – wie bekommt man es hin, den so schnell komplett zu zerstören?!? Mein SportCombi wird hingegen oft (von Nicht-Saab-Kennern) für einen Neuwagen gehalten. Null Rost und perlende Regentropfen auf dem (ursprünglichen) Lack im Neuwagenzustand.
An die armen schwedischen Brüder mag man da gar nicht denken.
Die schwedische Realität…
Besonders rund um Göteborg ist mir aufgefallen, wie viele Saab 9-3 SportCombi in Schweden noch unterwegs sind.
Dabei wirken sie gar nicht wie klassische „Liebhaberautos“, die gehegt und gepflegt werden. Eher wie normale Verbrauchsgegenstände: fahren, nutzen, irgendwie behelfsmäßig reparieren, weiterfahren – und das so lange, bis Schluss ist.
Gerade die 9-3 SportCombi sieht man erstaunlich häufig in einem eher gebrauchten und erschreckenden Zustand.
Kein großes Aufheben, keine besondere Pflege, kein Versuch, sie unbedingt zu erhalten.
Das war leider in Schweden auch früher schon so. Der Saab als normaler Alltagswagen. So sind die ganzen 9000 verschwunden