Mercedes, Saab, Sixt, der Elchtest und das Saab 900 Cabriolet
1997 ist in Schweden die Hölle los. Journalisten kippen während eines standardmäßigen Ausweichmanövers, das im Land als Elchtest praktiziert wird, die neue A-Klasse von Mercedes. Das Medienecho ist enorm, die Sache hat Konsequenzen. Mercedes führt das ESP-System in den Kompaktwagen ein und sorgt so für eine Verbreitung der Technologie auf breiter Front.
Mercedes zeigt sich nachtragend. Mindestens ein an der Aufdeckung der Fahrwerksschwäche beteiligter Journalist erhält Hausverbot auf Lebenszeit. Für die Mitbewerber, Saab inklusive, ist es jedoch die Gelegenheit zu zeigen, wie ein sauber abgestimmtes Fahrwerk auszusehen hat.
Und Werbetreibende ziehen humorvolle Kampagnen mit Saab und Elch durch.

Mercedes, Saab, Sixt, der Elchtest und das Saab 900 Cabriolet
Das Saab-Werk bekommt Besuch vom deutschen Sender Pro 7 und die Ingenieure nutzen die Chance, das Fahrwerk des neuen Saab 9-5 zu demonstrieren. Die Schweden haben auf eine ESP-Integration verzichtet, ein TCS-System als Anfahrhilfe für hoch motorisierte Versionen gilt als ausreichend.
Auf der Teststrecke praktiziert ein deutscher Fahrwerksingenieur bei Tempo 140 den mittlerweile berühmten Elchtest. Ein ruckartiges Ausweichmanöver in voller Fahrt, bei dem die Limousine sicher und beherrschbar bleiben soll. Sie bleibt es. Der 9-5 zieht äußerst stoisch seine Runde (Video), er benötigt kein ESP-System, um den Test zu meistern.
Vermutlich lässt sich der Hersteller deshalb so viel Zeit und führt erst 2001 das ESP im 9-5 ein. Denn eigentlich ist das Fahrwerk so hervorragend, dass das Hilfssystem nicht benötigt wird.
Sixt wirbt mit dem Saab 900 und Elch
Natürlich ist auch Saab Partner Sixt mit dem Elchdesaster beschäftigt. 1997 haben die Münchner das Saab 900 Cabriolet in ihrer Mietwagenflotte, ein Jahr später exklusiv auch den neuen Saab 9-5. Da Schweden, Elch und Saab für die Deutschen unabdingbar zusammengehören, wirbt der Vermieter mit einem übergroßen Elch plus Saab Cabriolet am Flughafen in Frankfurt/Main.
Ich habe ihn getestet, tun Sie es auch, teilt der Elch den Reisenden mit, die sich für 169,00 DM am Tag in ein neues Cabriolet der Schweden setzen können. Den Namen Mercedes muss man nicht nennen, jeder kennt das Desaster. Sixt und Saab haben so die Sympathien der Flughafenbesucher auf ihrer Seite, der riesige Elch weckt Urlaubsgefühle und Schwedensehnsucht.
Für die A-Klasse und Mercedes sind diese Tage peinlich, doch sie ändern nichts am enormen Erfolg des Kompaktwagens. Die A-Klasse schreibt Automobilgeschichte, die Schwaben verkehren nach einer kurzen Schwächephase negative Presse mit der ESP-Einführung in positive und zeigen den Mitbewerbern, wie man sich geschickt aus der Affäre zieht.
In der Tat war es eine Zeit genialer, kreativer und humorvoller Werbung. Wir gingen freiwillig alljährlich ins Kino, um sich in voller Spielfilmlänge preisgekrönte Werbespots anzuschauen. „Cannes Rolle“ nannte sich das Ganze. Und war ein Fest für die Sinne. Und sehr gutes Training für die Lachmuskeln.
Der von Christian beschriebener humorvoller Umgang mit eigenen Fehlern wäre heute undenkbar. Wie schade.
Großartig! Genau nach meinem Geschmack. Seriösität gepaart mit etwas schwarzem Humor.
Mercedes hatte das dereinst aufgegriffen. Nachdem die Schwächen der A-Klasse beseitigt waren, wurde eine Zeit lang die A-Klasse mit einem großen Plüschelch aus Thüringer Fertigung mitsamt lässigem Schal um den Hals ausgeliefert. Einer dieser Elche – Jan-Erik – sitzt bei mir zu Hause
Gutes Marketing.
Diesen großen Elch mit Schal hatte meine Frau auch einige Zeit auf der Rückbank ihres ersten 9000CS – leider gefiel dieser wohl auch anderen Leuten so sehr, dass sie eines Nachts die hintere rechte Tür versuchten aufzuheben, wobei die Seitenscheibe und Tür einenTotalschaden erlitt…
Das Einzige was gestohlen wurde war der Elch ….
Eine Saab – Geschichte der etwas anderen Art…
was manche Leute so machen
… war aber sicherlich nicht lustig für Euch
…. vorallem nicht billig