Unsere Rekorde sind nicht besonders, sagt Saab. Sie sind Serie.
Saab war eine ziemlich coole Automarke. Der Talladega Long Run 1986 war eine Meisterleistung, die Talladega Challenge 10 Jahre danach war ebenfalls bemerkenswert. War es Abenteuerlust, der Mut der Kleinen oder pure Berechnung, die zu beiden Aktionen den Anlass gab?
Der Kopf hinter der Idee war Olle Granlund, der Vater des Saab 9-5 OG. Als ich ihn vor vielen Jahren in Trollhättan traf, gab er sich bescheiden zurückhaltend, als wir über seine Urheberschaft zu sprechen kamen. Die Idee, erst den Saab 9000 und dann den 900 auf die Strecke zu schicken, sei kein Risiko gewesen, sagte er. Er habe genau gewusst, was er da tue. So spricht nur jemand, der ziemlich cool ist und der seinen Produkten vertraut.
Vertrauen war das Schlüsselwort 1996. Es war ein Problem in Bezug auf den neuen Saab 900. Denn der hatte durch einen nicht ganz gelungenen Produktionsanlauf etwas an Vertrauen bei den Käufern eingebüßt.

Unsere Rekorde sind nicht besonders, sagt Saab. Sie sind serienmäßig.
Was macht man, wenn das Vertrauen der Kundschaft schwindet? Man stellt es mit einer spektakulären Aktion wieder her. Also schickten die Schweden dieses Mal den neuen Saab 900 zum Talladega Superspeedway (Link). Im Unterschied zu der 10 Jahre zuvor stattfindenden Aktion wurde daraus ein großes Medienspektakel von Anfang an.
Die Saab-Legende Erik Carlsson war vor Ort und ausgewählte Journalisten durften zeitweise hinter das Steuer. Als deutscher Pressevertreter war Rolf Bleeker, der Autor von The Spirit of Saab (Link), in Alabama. Fernsehteams berichteten weltweit, Automagazine und Printmedien nahmen das Event auf und im Anschluss tourten Autos und Fahrer durch die wichtigsten Absatzmärkte.
Die Rekorde von Saab in Alabama sind beeindruckend.
Das Ergebnis der Fahrzeuge, die unter der Aufsicht der Rennkommissare vom Band in Trollhättan genommen wurden und komplett der Serie entsprachen: mehr als 40.000 zurückgelegte Runden, 40 neue internationale Rekorde, darunter 24 Stunden über 227 km/h.
Natürlich musste Saab das auch in großformatigen Anzeigen und mit einer Sonderserie des 900 feiern. Die Talladega Edition Modelle rollten zu den Händlern und jeder, der eines erwarb, wurde ein wenig zum Piloten auf dem Superspeedway. Der Ruf der zweiten Saab 900 Generation wurde nachhaltig rehabilitiert, die Operation der Vertrauensbildung war gelungen.
Ein ähnliches Ereignis, anknüpfend an den Talladega Long Run und die Talladega Challenge, gab es bei Saab niemals wieder. Vermutlich deshalb, weil in den Jahren danach ein Generationswechsel in Trollhättan stattfand. Die Alten, die mit dem 900 groß wurden, anschließend den 9000 auf den Weg brachten und dann 9-3 OG und 9-5 OG konstruierten, verabschiedeten sich in den Ruhestand.
Man merkt es den Autos an, die danach entstanden. Sie sind Saab, ohne Frage, aber die Veränderungen der Philosophie sind überall zu fühlen.
Olle Granlund stellte ein Jahr nach Talladega 2.0 noch den Saab 9-5 OG vor, dessen Projektleiter er war, und beendete dann ebenfalls seine Karriere. Er blieb aber seiner Marke auch danach aufs Engste verbunden, war oft im Museum anzutreffen und stets ein beliebter Ansprechpartner für Medienvertreter.
Ich bin wirklich froh, dass ich 2016 noch ein 900 Coupé Talladega Edition als 2.0T gefunden habe. Übrigens eine schweizer Erstzulassung.
Der steht jetzt überholt in einer sauberen trockenen Halle. Vielleicht darf er zum Int Saab im August mit 😉
In meiner 37jährigen Karriere als PR Chef – davon von 1980 bis 2011 für Saab Schweiz – war der Saab 900 Talladega Event das absolute Highlight. Das Schweizer Team holten den Weltrekord über 10’000 km mit einem Durchschnitt von 228.036 km/h! Unvergesslich! Und noch heute trage ich mit Stolz den Rennoverall bei historischen Oldtimer Veranstaltungen.
Noch zu Mac Saab und Andreas:
Ein Talladega Event mit dem 9-3 NG hätte keinen Sinn gemacht, da das Vertrauen in dieses Modell gegeben war. Und die damalige Präsentation des 9-3 in Schweden in den Katakomben eines Fliegerhorst mit Testfahrt der alten Saab Modelle war auch stark und wesentlich günstiger als ein drittes Talladega Event.
Und GM Europe hat stets alle PR Events von Saab voll unterstützt und abgesegnet. Diese generierten jeweils auch eine weitaus höher Presscoverage gegenüber der Konkurrenz. Das Problem von Saab lag darin, dass Trollhättan die Kosten für Entwicklung, Produktion und effizienten Vertrieb nicht im Griff hatten. Vielmehr glaubte das Saab Management, das die Verluste für einen Gross-Konzern wie GM unbedeutend seien. Was auch stimmte, bis GM selber bankrott ging. Und wer wollte da eine Marke mit hohen Verlusten übernehmen?
Oh danke für die Erklärung, dann gehörst Du zur Saab Prominenz auf diesen Seiten. Ich freue mich, dass Du mitliest und kommentierst.
Danke, Christoph, für deinen Augenzeugenbericht. Sehr cool! Bei dem Foto fehlt nur noch die dramatische Musik.
Am Festival im Juni wurden “behind the scenes” Filmaufnahmen von Talladega gezeigt, ziemlich unterhaltsam.
1986, 1996, 2006 dann mit dem 9-3 NG. Das wäre eine Talladega Show für Saab gewesen. Schade, dass man das verpasst hat.
Vielleicht war man als Ableger von GM auch nicht mehr ganz so frei in seinen Entscheidungen – wer weiß?
Ich war 2006 auch ohne Talladega überzeugt vom 9-3NG. Trotzdem dauerte es bei mir noch sieben (!) Jahre, bis der erste Saab vor der Tür stand. Es war so ein bisschen wie die unerfüllte Jugendliebe, wandelte sich dann zum späten Glück 🙂