Evergrande Auto lebt noch – zumindest für den Moment
Wer erinnert sich noch an die großen Pläne von Evergrande Auto? Unter dem Markennamen Hengchi sollten ein Dutzend Modelle in kurzer Folge auf den Markt kommen und nicht weniger als die Dominanz des weltweiten Elektroauto-Segments war das erklärte Ziel. Die Ambitionen sind jedoch Vergangenheit. Der Mutterkonzern wird liquidiert, die Werke stehen still.
Trollhättan und NEVS waren an der Entwicklung der Fahrzeuge mitbeteiligt, etwas Schweden steckte daher in dem Projekt. Vielleicht sogar ein Hauch von Saab. Erfahren wird man es nie. Denn außer Hengchi 5, einem rein elektrischen Mittelklasse SUV schaffte es kein Fahrzeug in den Verkauf. Und selbst von diesem Modell soll es nur wenige geben, die in Kundenhand gelangten.

Evergrande Auto lebt noch – zumindest für den Moment
In chinesischen Medien ist immer mal wieder zu erfahren, dass Evergrande Auto noch Pläne hat. Hengchi 5 LX soll ein Facelift bekommen. Zwei weitere marktreife Modelle, Hengchi 6 und 7 sollen in Produktion gehen. Außerdem sollen neue Märkte in Übersee, speziell im arabischen Raum, erschlossen werden. Das Unternehmen habe überdies eine gesicherte Finanzierung für die nächsten 12 Monate.
Diese Nachrichten sind Lebenszeichen, die nicht viel mit der Realität zu tun haben dürften.
Denn die Zahlen hinter dem Projekt sind katastrophal. Zum Überleben wäre ein starker Investor nötig, und der ist im Hinblick auf die Liquidation des Mutterkonzerns und der daraus resultierenden rechtlichen Unsicherheit, nicht in Sicht. Yicai Global (Link) veröffentlichte rudimentäre Daten zum Zustand des Unternehmens. 15,3 Milliarden US $ aufgelaufenen Verlusten stehen Vermögenswerte von 4,8 Milliarden gegenüber. Die Verkäufe, resultierend aus Autoteilen und kompletten Fahrzeugen, legten zu und verdoppelten sich. Auf einem extrem niedrigen Niveau von 20,2 Millionen US $.
Die Werke der Marke liegen brach, zeitweise produziert hatte nur die Fabrik in Tianjin, die ursprünglich von NEVS errichtet worden war. Bei sämtlichen anderen Standorten wurde niemals die Fertigstellung gemeldet, sie gehören zu den vielen nie vollendeten Industrie-Projekten, die in China nicht selten sind.
Die Evergrande Auto Aktie ist ein Pennystock
Die Aktie von Evergrande Auto (HK 0708) gehört mittlerweile zu den Pennystocks der Hongkong Börse. Vor nicht einmal 3 Jahren war das Unternehmen mit 87 Milliarden US $ mehr wert als (Link) als Ford oder GM und die Aktie notierte bei 69 HKD. Heute sind es mit 0.25 HKD rund 3 Cent, für die man eine Aktie des Unternehmens erwerben könnte.
Dass es ein Comeback geben könnte, ist aus vielen Gründen mehr als nur unwahrscheinlich. Elektroautos, die vor 3 Jahren entwickelt wurden, gelten als uralt. Die Feststoff-Batterie wartet um die Ecke und neue Akteure wie der Smartphone-Riese Huawei mischen den Markt auf und liefern sich einen erbitterten Preiskrieg mit etablierten Anbietern.
Zusätzlich entscheidet sich der chinesische Kunde verstärkt für Hybrid-Antriebe. Die Regierung erlaubt jetzt auch Käufe von Neuwagen ohne Anzahlung, um den Markt weiter zu stimulieren. Evergrande setzte hingegen exklusiv auf rein elektrische Fahrzeuge und hat nichts Entsprechendes im Portfolio.
Die Milliarden, die Evergrande in die Auto-Spekulation pumpte, sind wohl für immer verloren. Denn auch die Investoren aus dem arabischen Raum, die als Rettungsanker galten, haben mittlerweile abgelehnt. Die rechtliche Unsicherheit, resultierend aus den Problemen des Mutterkonzerns, ist zu gravierend. Evergrande Auto lebt zwar noch. Die Zeichen stehen aber auch hier auf Abwicklung.
Diese Ressourcenverschwendung ist schon beängstigend. Egal ob in China oder anderswo wäre das Geld sinnvoller angelegt. Mit zeilichen und räumlichen Abstand zwar aber die weitere Produktion von SAAben in Trollhättan zum Beispiel wäre günstiger gewesen, es wären mehr Fahrzeuge produziert worden und die Großen hätten sich wieder von den Innovationen des kleinen Trolls vor sich her treiben lassen müssen (==>Emily GT), schade!
Das liest sich bitter. Milliarden wurden für Größenwahn versenkt. Am Ende ist das Resultat gleich Null. Ob das schon das Ende ist?