Mehr ging nicht – 9–5 SportCombi Saab Performance by Hirsch

Eigentlich plante Saab unter dem Label SVO (Special Vehicle Operation) eine eigene Sparte für besonders leistungsstarke Fahrzeuge. Nachdem diese Idee aus Kostengründen verschwunden war, es wurde mit dem 9–3 Viggen nur ein Fahrzeug Realität, rückte Hirsch Performance in den Fokus des Marketings.

Die Schweizer machten, mit offiziellem Segen des Werks, schnelle Saab noch schneller. Um das Jahr 2002 herum zogen die Produkte auch ganz offiziell über die Preisliste in das Saab Sortiment ein. Jetzt konnte der Kunde einen Saab Neuwagen bei seinem Händler bestellen, der vollständig von Hirsch Performance veredelt worden war.

Und das war nicht etwa nordisch unterkühlt – sondern komplett unvernünftig heiß.

9-5 SportCombi Saab Performance by Hirsch
9–5 SportCombi Saab Performance by Hirsch

Mehr ging nicht – 9–5 SportCombi Saab Performance by Hirsch

Heute würde man es sich nicht trauen. 305 Turbo-PS, die bei einem Kombi der oberen Mittelklasse an den Vorderrädern abgegeben werden, das geht nicht. Allrad-Antrieb muss es richten, das war bei Saab später beim 9–5 NG so, nicht jedoch bei seinem Vorgänger. Aus dem heute fast schon legendären 2,3-Liter-Motor kitzelte der Schweizer Werkstuner mit einem großen Garrett Turbolader 420 Nm Drehmoment und 305 PS bei 5.500 Umdrehungen heraus.

Das war ambitioniert, aus zwei Gründen.

Zum einen mag der große Motor hohe Drehzahlen nicht wirklich, primär nicht im Dauerbetrieb. Zum anderen spürte man die gewaltige Kraft an den Vorderrädern, auch wenn der Saab damit überraschend souverän zurechtkam. Die Beschleunigung mit vollem Leistungseinsatz hat allerdings etwas sehr brachiales, direktes, das mit heutigen 300 PS Fahrzeugen von der Charakteristik her nicht zu vergleichen ist.

Man sollte einmal im Leben einen solchen Über-SportCombi geflogen oder gefahren sein, und wenn es nur für wenige Kilometer ist. Die Komposition und die mechanische Perfektion, welche die Schweden und Schweizer servierten, macht einfach Freude.

Natürlich beließ es Hirsch Performance (Link) nicht alleine bei den motorischen Höhepunkten. Der Saab wurde generell überarbeitet, es gab Eingriffe in das Fahrwerk, spezielle Felgen und leistungsfähige Bremsen sorgten für eine standesgemäße Verzögerung. Eine modifizierte Abgasanlage komponierte sportlichen Klang und im Innenraum ging die Orgie weiter.

Aluminium-Pedale, spezielle Dekore am Armaturenbrett und individuelle Sitze ergänzten das sportive Ambiente. Die Liste der Modifikationen war umfangreich, die Details änderten sich mit den Modelljahren. Im Jahr 2002 war trotz aller motorischer Potenz noch bei 250 km/h Spitzengeschwindigkeit Schluss, wenig später fiel auch diese Selbstbeschränkung.

Saab Performance by Hirsch ist kostspielig

Die 22 % Leistungszuwachs wollten freilich honoriert werden. Der SportCombi kostete damals in der Aero Basis 38.500 €, Hirsch verlangte noch mal 15.970 € obendrauf. Na und, werden Sie jetzt sagen. Ein normaler Wald-und-Wiesen-Golf von Volkswagen kostet heute ähnlich, was war daran kostspielig?

Ganz so ist es freilich nicht, man merkt aber, dass seitdem viel Zeit verging. 2002 war das Jahr der Einführung des Euro, was zuvor mehr als 100.000 DM kostete, war jetzt für die Hälfte in der neuen Währung zu haben. Preislich bewegen wir uns in der Liga eines ziemlich gut ausgestatteten 5er Touring von BMW, jedoch mit mehr als nur vier Zylindern.

Gefühlsmäßig sind wir mehr als 20 Jahre später bei einer Umrechnung der Kaufkraft von 1:1 angekommen, der Saab war für einen Frontantriebskombi also sündhaft teuer. Entsprechend selten verbreitete er sich, wenige Vertragspartner stellten sich einen SportCombi aus der Saab Performance by Hirsch Serie in den Ausstellungsraum.

Heute, mehr als 20 Jahre danach, haben tatsächlich einige Fahrzeuge aus dieser Serie überlebt und wurden restauriert. Ein besonders heißer Beitrag zum Straßenverkehr sind sie immer noch, auch wenn der Spurt von 0 auf Tempo 100 mit 6,4 Sekunden fast langweilig klingt.

Es ist jedoch das Paket an sich. Der gnadenlose Durchzug bei mittleren Geschwindigkeiten, das Zünden des Nachbrenners, die Saab Disziplin schlechthin, die dieses Fahrzeug so begehrenswert macht. Ein Plakatdruck dieses großartigen SportCombis im Format A1 ist ab sofort für die Leser im Shop (Link) bestellbar.