Die Zeiten, als Fiat das 124 und 128 Coupé auf die Straße schickte
Kommt es nur mir so vor, oder war die Autowelt früher vielfältiger? Damals gab es wunderbare Sportwagen, die für fast jeden erschwinglich waren und deren Unterhalt kein kleines Vermögen verschlang. Die Zeit war demokratischer, was die Mobilität betraf. Wer einen besonderen Geschmack hatte, auf Ästhetik und zwei Türen stand, der wurde mit fast jedem Budget fündig.
Denn fast jeder Hersteller hatte ein als bei der Masse unpraktisch verrufenes Coupé im Programm und besonders wild trieb es Fiat. Die Marke (Link), welche wir heute nur noch mit erfolgreichen Lifestyle-Kleinwagen in Verbindung bringen, war damals ein stolzer Vollsortimenter. Von der Oberklasse abwärts fand man alles im Fiat Regal.
Man musste nur zugreifen.

Die Zeiten, als Fiat das 124 und 128 Coupé auf die Straße schickte
Um ehrlich zu sein, das Fiat 128 Coupé ist heute ebenso vergessen wie das größere 124 Derivat. Beide waren hinreißend schön und doch sehr unterschiedlich. Das Fiat 124 Coupé basierte auf der bekannten 124 Limousine, die man heute leicht mit einem klassischen Lada verwechselt, der ebenfalls Fiat DNA hat und der viel länger gebaut wurde.
Aber diese Verwandtschaftsverhältnisse sieht man dem Coupé nicht an, seine leichte, sportliche Form erzählt etwas von Gran Tourismo, von 4 Sitzen und von einem Cousin, der vielleicht den Namen Maserati tragen könnte. Ganz so ist es natürlich nicht, das 124 Coupé war vielleicht der Maserati der bürgerlichen Mitte und gab, ganz Sportwagen, die Kraft an die Hinterräder ab.
Ein Maserati für das Bürgertum
Und das mit den vier Sitzen stimmte tatsächlich, denn das weit nach hinten gezogene Dach verschaffte auch den Mitreisenden auf der Hinterbank ein menschenwürdiges Ambiente. Mit 118 PS, aus 1,8 Litern Hubraum, war der Fiat sogar gut motorisiert. Fünf Gänge und ein hübsch gemachtes, sportliches Cockpit machten ihn zum Sportwagen für das Bürgertum.
Eine Fahrzeugklasse unterhalb angesiedelt, konnte man beim Fiat 128 Coupé zugreifen. Gefühlsmäßig war das formschöne Coupé auch später noch oft im Straßengeschehen anzutreffen, häufiger als die große 124 Variante. Allerdings gab es den 128 nur mit Frontantrieb, 64 PS mussten reichen und auch sonst war der Unterschied sichtbar.

Der 128 war hingegen der sympathische Fiat für das Volk, für den den Arbeiter aus der Fabrik und den kleinen Angestellten. Hier wurden automobile Träume wahr und der italienische Hersteller machte auf demokratische Art die Menschen glücklich. Schön waren sie beide, aber der 124 hatte im direkten Vergleich aristokratische Ambitionen, welche dem 128 fremd waren.
Das Fiat 128 Coupé lebt als berlinetta weiter
Anfang 1976 strich Fiat das 124 Coupé aus dem Programm, ein Jahr zuvor hatte es das kleinere 128 Modell erwischt. Aber, während der 124 eine bleibende Lücke hinterließ, übernahm in der Fahrzeugklasse darunter die Fiat 128 berlinetta das Erbe (Link), was überzeugend gelang.
So weit war es 1974 nicht, als die deutsche Fiat Niederlassung das sportliche Image zu pflegen versuchte und eine Anzeige in den Medien schaltete. Klar, sagte der Werbetexter, mancher Fiat fährt sich wie ein Sportwagen.
Aber diese beiden sind Sportwagen.
Dass dann eine Menge technischer Daten folgen – und etwas klein gedrucktes Marketing, war vermutlich geschenkt. Denn entweder die beiden Fiat sprangen dem Betrachter sofort in das automobile Herz, oder man war einfach kein Kunde für die formschönen italienischen Sportcoupés.
Das waren noch schöne Autos! Ich glaube, Fiat hatte auch schöne Cabriolets, die Zeiten kommen nie wieder.