Wer außer Citroën würde sich solche Werbung getrauen?

Die Antwort liegt auf der Hand. Land Rover vermutlich. Die Geländewagen Pioniere. Aber wir sprechen nicht über den Defender oder den Range Rover. Wir sind zurück im Jahr 1988. Die Jahre von Citroën BX und CX. Welches natürlich auch die Jahre der Hydropneumatik waren.

Wenn ich mich richtig erinnere, fuhr ich damals einen weißen Citroën BX. Das Basismodell oder nahe daran, einen BX 14 RE. Der war beim lokalen Citroën Händler günstig zu bekommen und eigentlich war er ein vollkommen unterbewertetes Auto. Sprich, die Franzosen verkauften ihn zu billig. Oder vielleicht auch nicht. Es kommt auf den jeweiligen Sichtwinkel an.

Kein Auto - Citroën Werbung 1988
Kein Auto – Citroën Werbung 1988

Nimmt man eine sehr teutonische Sicht an, dann war der BX im Detail kein gutes Auto. Die Verarbeitung war leger, in manchen Punkten war die Materialwahl extrem schlicht geraten. Der Peugeot Motor war unkultiviert und machte keinen Spaß, das Getriebe war eine Zumutung. Doch, Mon Dieu, ist das nicht wirklich egal?

Eigentlich schon. Denn der Citroën konnte Dinge, welche die meisten Autos nicht beherrschten.

Citroën Werbung mit der Hydropneumatik

In der Mittelkonsole war die magische Verstellmöglichkeit der Hydropneumatik hinterlegt. Ein Hebel – damit konnte man den BX zur Ruhe setzen und absenken wie ein Dromedar. Eine Mega Show für sämtliche Umstehenden. Ebenso, wenn der BX diese Position wieder verließ und sich publikumswirksam auf Normal-Niveau herauf-pumpte.

Heutige Autos, mit LED Lichterspielen und Computer animierten Begrüßungsorgien kommen an diesen Effekt jedenfalls nicht annähernd heran.

Oder man konnte ihn, mit einer eindeutigen Geräuschkulisse, auch ganz nach oben pumpen. Dann war die Bodenfreiheit auf dem Niveau des oben erwähnten Defender angekommen. Der BX konnte dann Gelände, gemächlich, so wie eben das Dromedar seine Kreise zieht.

Erinnere ich mich richtig, dann mahnte der Hersteller im Handbuch langsames Fahren, vielleicht sogar Schrittgeschwindigkeit in der höchsten Ausfahrstufe der Hydropneumatik an.

Allerdings war das bis jetzt nicht alles. Die legendäre Hydropneumatik konnte mehr und Citroën bewarb sie 1988 ganzseitig, ohne allerdings ein Auto zu zeigen.

Dafür aber einen matschigen, wirklich nicht einladend aussehenden Feldweg.

Hydropneumatik Werbung von Citroën
Hydropneumatik Werbung von Citroën

Die Werbetexter von Citroën Deutschland führten dabei so ziemlich alles an, was man über das Federungssystem sagen kann. Dass man einen BX oder CX bemerkenswert überladen konnte, weil die Hydropneumatik unerschütterlich Niveau hielt, ist einleuchtend. Aber außerdem eliminierte das System Schwingungen auf ein absolutes Mindestmaß und angeblich auch Aufbau-Bewegungen beim Bremsen, Beschleunigen und Kurvenfahren.

Ob das Marketing Lyrik ist? Meine Erinnerung berichtet hier etwas anderes. Zutreffend hingegen ist, dass ein CX oder BX auch dann noch Spur hält, wenn man mit zwei Rädern auf Aquaplaning trifft. Auch das konnten damals nicht alle Autos.

Die Citroën Werbung mit dem matschigen Feldweg war damals außergewöhnlich. Sie passte aber zu der Marke mit dem Doppelwinkel und betonte das Alleinstellungsmerkmal Hydropneumatik. Mittlerweile von Citroën aufgegeben, vielleicht ohne Not, vermutlich aber um den Profit pro Fahrzeug zu steigern.

2 Comments
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Der Lizi
2 Jahre zuvor

Schöne Zeiten durften wir erleben. Großartige – des Öfteren bunte – Autos mit fantastischer Werbung gleich dazu. Danke für die Zeitreise.

Volvaab Driver
Volvaab Driver
2 Jahre zuvor

Handbuch, Werbung & Dromedare

Ich erinnere aus meiner Kindheit noch eine Fernsehwerbung ca. Mitte der 1970er. Ich glaube es war sogar noch die DS, letztes Baujahr, die da hochbeinig und sehr flott auf einer Landstraße über verlorene Milchkannen hinweg kurvte. Wenn das Schrittgeschwindigkeit war, dann die eines Dromedars bei einem Rennen …

Wenn es im Handbuch anders stand, hat sich Werbung jedenfalls nicht daran gehalten 🙂
Die Demonstration, was ein HP-Fahrwerk so leistet, war sehr eindrucksvoll und anschaulich. Sonst würde dieser Spot nicht zu meinen frühen Kindheitserinnerungen zählen. Ja, Seitenneigung (und nicht ganz wenig) gehörte bei dem wilden Slalom allerdings schon auch dazu. Erstaunlich war aber, dass die Bodenfreiheit trotzdem für die Milchkannen reichte und es kein Aufschaukeln gab. Die selbe Fahrt mit einem Defender? Ich glaube, der wäre umgekippt …

Und noch so eine hydropneumatische Kindheitserinnerung. Mein Vater und ich haben Gäste (ausschließlich Ingenieure) immer bis zu ihren Autos begleitet. Ein Star dieser Prozedur war damals natürlich ein Dromedar!