Ein schwedischer Scheunenfund – Saab 93 F De Luxe

Nordische Scheunen gelten als interessant. Nicht selten neigten die schwedischen Bauern dazu, und sie tun es auch heute noch, alte Autos einfach mal wegzustellen. Für den Fall, dass man in der Zukunft ein Ersatzteil benötigen könnte. Ausreichend Raum zum Wegstellen haben sie in dem großen, dünn besiedelten Land immer schon gehabt.

So erging es auch dem Saab 93 F De Luxe, dem Nachfolger des 93 B, der aus einer schwedischen Scheune gezogen wurde. Allerdings nicht, ohne dabei Schaden zu nehmen.

Saab 93 F De Luxe 1959
Saab 93 F De Luxe 1959

Ein schwedischer Scheunenfund – Saab 93 F De Luxe

Warum folgt der Saab 93 F auf den 93 B? Die Frage werden sich einige Lesende bereits gestellt haben. Logisch wäre doch eine Sortierung nach dem Alphabet gewesen, einen 93 C baute Saab aber niemals. Die Antwort auf die Frage ist einfach.

Der 93 F hat als Verbesserung, und letzte Ausbaustufe der 93 Serie, die Türen (endlich) vorn angeschlagen. In Schweden sagt man dazu “framkantshända Dörrar”, was eben die vorn angeschlagenen Türen ausdrückt.

Der Saab ist ein echter Scheunenfund
Der Saab ist ein echter Scheunenfund

Als weitere Verbesserung erhielt der 93 F ein leistungsfähigeres Kühlsystem und Schmutzfänger an den hinteren Radhäusern. Die Kunden honorierten den Abschied von den “Selbstmördertüren”, die hinten angeschlagen waren, und einen zweifelhaften Ruf genossen.

Von dem nur von Herbst 1959 bis März 1960 produzierten Modell verkaufte Saab 11.142 Einheiten, ein großer Erfolg, obwohl der F ursprünglich nur als eine Zwischenlösung gedacht war.

Eine komplette Restaurierung ist nötig
Eine komplette Restaurierung ist nötig

Der Saab 93 F ist eigentlich nur eine Zwischenlösung

Denn hinter den Kulissen wartete schon sein Nachfolger. Der Saab 96 war zwar fertig entwickelt, aber die neuen Werkshallen und die Karosseriepressen für den 96 lagen nicht im Zeitplan. Erst im November 1959 wurden die Neubauten in der Stallbacka und in Göteborg fertiggestellt und die neuen, größeren Pressen für den Karosseriebau geliefert.

Es kann natürlich auch sein, dass Saab Kunden im Jahr 1959 ähnlich vorsichtig waren, wie es in späteren Jahrzehnten der Fall war. Misstrauisch gegenüber jeder Neuerung wurde auf die altbewährte Karosserie zurückgegriffen. Weil man nicht wissen kann, wie gut das nächste Modell sein wird.

Aufgeräumtes, klassisches Armaturenbrett
Aufgeräumtes, klassisches Armaturenbrett

Saab 93 F De Luxe aus der Scheune

7 Besitzer hatte der Saab 93 F De Luxe, bis er im Jahr 1986 in einer Scheune abgestellt wurde. Zuvor muss er einiges erlebt haben, denn sein Getriebe wurde von ursprünglich 3 auf vier Gänge umgebaut. Warum er weggestellt wurde, wissen alleine die Trolle.

Vielleicht galt im Jahr 1986 ein Zweitaktmotor in Schweden nicht mehr als mehrheitsfähig? Jenseits des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden hatte sich schon jedes andere Land von dieser Antriebsart distanziert. Und selbst die letzte treue Bastion wackelte gewaltig.

Die Stoßstange hat bei der Bergung gelitten, Original Schmutzfänger und Wagenheber sind vorhanden.
Die Stoßstange hat bei der Bergung gelitten, Original-Schmutzfänger und Wagenheber sind vorhanden.

Der Saab, mit Gebrauchsspuren, aber vollständig erhalten, schlief einige Jahrzehnte, bis er 2021 unsanft geweckt wurde. Ein nicht sonderlich zartbesaiteter Zeitgenosse zog den 93 F an seiner hinteren Chrom-Stoßstange, ein Erkennungszeichen der De Luxe Versionen, aus der Scheune. Der Stoßstange bekam die Aktion nicht gut. Sie ist seitdem kalt-verformt, der restliche Saab blieb zum Glück aber unversehrt.

Der 93 F De Luxe ist heute ein Objekt für eine komplette Restaurierung. Er trägt die Spuren eines langen, harten Lebens. Aber er ist vollständig und sogar das Original Getriebe ist noch vorhanden. Das sind seine Stärken, die ihn für Sammler interessant machen. Viele dieser Fahrzeuge haben nicht überlebt, der kleine Zweitakter ist ein zu schützendes Objekt und schwedisches Kulturgut.

Die Auktion in Schweden hatte preislich keine Erwartungen, die besonders hoch angesetzt waren. Rund 4.800 € waren das Ergebnis. Vielleicht war es für einen Sammler die Gelegenheit, um in diesem Winter mit einem neuen Saab Projekt zu beginnen?

Mit Bildmaterial von Bilweb

3 Comments
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Francis
Francis
4 Jahre zuvor

Schöner Fund mit einer schönen Patina. Ich würde ihn nur behutsam restaurieren und die Spuren des langen Lebens so weit wie möglich erhalten.

mac9-5
4 Jahre zuvor

Ach … dabei fällt mir wieder die Geschichte zu diesem “Schmuckstück” (zumindest optisch) ein:

https://www.welt.de/motor/article118412710/Der-Saab-den-mir-meine-Eltern-verboten-hatten.html
https://www.welt.de/motor/gallery118412456/Der-Saab-96-ein-Traumauto-der-60er-Jahre.html
bzw
https://www.vox.de/cms/henryk-m-broders-saab-laeuft-nicht-mehr-1674103.html

.. zum Besitzer sag ich mal lieber nix weiter.
(denn auch mit einem Saab kann man irgendwann im Alter mal falsch abbiegen) ;-(

bergsaab
4 Jahre zuvor

Irgendwie steht ihm die Patina gut! Ja der Zweitaktduft, ich freue mich über die Jugend die ihre S50/51 und Vogelserie-mopeds pflegt und nutzt, in kleine Dosen ist der Zweitaktduft auch ok. Im großen und ganzen bin ich aber froh das er weg ist!