Wie war das mit automobilen Emotionen in den letzten Saab Jahren?

Entdecke ich im Straßenverkehr einen alten Saab, dann freue ich mich. Auch wenn ich einen klassischen Alfa, Lancia oder Citroën sehe. Selbst englischen Autos schaue ich hinterher und wenn bei einem Kunden ein luftgekühlter Porsche auf dem Chefparkplatz steht, oder ein Auto mit dem Stern, hat man zumindest gleich ein spannendes Thema. Alte Autos werden im Straßenbild immer mehr, und selbst im November, wenn die Saisonkennzeichen schlafen, entdeckt man sie.

Saab 9-3 Aero 2014 - Emotional?
Saab 9-3 Aero 2014 – Emotional?

Automobile Emotionen und alte Zeiten

Man kann die Entwicklung abschieben in Richtung automobile Sentimentalität, was aber zu kurz greifen würde. Denn immer wieder werden automobile Klassiker von Menschen bewegt, die Jahre jünger als ihr Auto sind. Ich denke, es sind zwei Dinge, die beeinflussend wirken. Da ist die Technik, die überschaubar und bezahlbar ist. Eine Glühbirne kann für ein paar wenige € erneuert werden, man kann so etwas im Handumdrehen selbst erledigen.

Den Ölwechsel macht die Werkstatt um die Ecke, die nicht die Kosten in Rechnung stellt, mit der man den Marmorpalast des Markenhändlers finanziert. Und man ist raus aus dieser Konsumschiene, lebt und fährt günstig und kennt das hässliche Wort Wertverlust nicht.

Dann ist da, als zweiter Grund, die Faszination der Technik. Ein altes Auto ist, wie man so schön sagt, authentisch. Man erlebt das Fahren in seiner ursprünglichen Art und Weise, alte Autos wecken Emotionen. Wenn der High-Performance Turbo eines Saab anbläst, man seine unaufgeregte Souveränität genießen darf, dann macht das was. Vielleicht bekommt man Gänsehaut beim blubbernden Leerlaufgeräusch eines alten 900 und liebt es, wenn der Alfa V6 sein Lied in Richtung Sonnenaufgang singt.

Das alles ist, nach offizieller Lesart, so was von gestern. Wer das toll findet, der befindet sich nicht auf der Höhe der Zeit und zieht wahrscheinlich ein gutes Stück Fleisch eines Limousin Rinds einem Beyond Meat Produkt vor.

Effektiv und seelenlos

Kann da ein Elektroauto in Sachen Emotionalität mithalten? Das kann es nicht. Im Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft machen sich einige dieser Fahrzeuge breit. Sie bieten immerhin Stoff für eine einzige Unterhaltung. Ja, beschleunigt gut. Ja, liegt gut auf der Straße und ist leise. Ach ja, verbraucht mehr Strom als angegeben (hier wird eine Tradition weiter geführt), und der Klang erinnert an eine Straßenbahn (elektrischen Gabelstapler oder Staubsauger, Küchengerät, je nach Marke).

Womit das Thema elektrisches Fahren abgehandelt wäre. Es kommen keine Geschichten von der Fahrt in die Provence, über die Ladestopps hüllt sich der Mantel des Schweigens, und der Sonnenaufgang in der Toscana ist elektrisch nur noch halb so schön wie er es  mit dem alten Alfa war.

Kommt es nicht zu einem kompletten Systemausfall, das gab es beim Nachbarn schon, und der Kundendienst des Herstellers muss anreisen, ergibt sich kein weiterer Erzählstoff. E-Autos sind im Vergleich zum klassischen Verbrenner effektive, aber seelenlose, synthetische Kisten.

Den Herstellern ist dieser Umstand natürlich bewusst. Sie sehen auch die Gefahr dahinter. Denn, wo keine Emotionalität mehr ist, zählt am Ende nur noch der Preis. Sie versuchen dagegen zu halten. In einigen Fällen mit extrem viel elektrischer Leistung, mit Software, die mit einem digitalem Fahrerlebnis punkten soll. Oder mit einem unterkühltem, technischen Design, das auch seine Reize entwickeln kann.

Noch sind die Tore zu. Zwei Saab 9-3 Aero 2014 warten auf uns.
Noch sind die Tore zu. Zwei Saab 9-3 Aero 2014 warten auf uns.

Automobile Emotionen in den letzten Saab Jahren

Die aktuelle Entwicklung verleitet zum Rückblick. Wie war das mit automobilen Emotionen bei Saab? Vor allem ganz zum Schluss, im Jahr 2014? War da noch Faszination, oder war in den GM Jahren alles bereits den Göta Älv hinuntergespült worden?

Ich fühle der Sache auf den Zahn, denn ich hatte die Gelegenheit, mit zwei Saab 9-3 Modelljahr 2014 durch Frankfurt zu fahren. Die Fahrzeuge sind selten, nicht nur in Deutschland. Die Gelegenheit einen (normalen) Aero gegen die Hirsch Performance Version zu testen, ergibt sich nicht so häufig. Wie emotional die allerletzten Saab waren, und ob sie auf dem Markt Chancen gehabt hätten, beleuchten wir in der neuen Woche.

Ich erzähle auch von den Plänen, die NEVS im Jahr 2014 hatte. Die waren ungewöhnlich, folgten aber einer gewissen Logik, die sich vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließt. Mit einigen Jahren Abstand geurteilt wäre es schön gewesen, hätten sie funktioniert. Die Mini-Serie über die letzten Saab und die Pläne in der Stallbacka können die Abonnenten in der neuen Woche lesen.

10 thoughts on “Wie war das mit automobilen Emotionen in den letzten Saab Jahren?

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    Mein schönster Taunus war der 17M de Luxe, mit der Weltkugel. War damals ein „Heustadlfund“, mein Vater und ich haben ihn damals wieder restauriert und auf die Straße gebracht. Die Schaumstoffpolsterung zu erneuern und die festgefressenen Motorkolben, inkl. Zylinderfräßung, sowie die linke Rücklichtabdeckung auszutauschen und den Lack aufzupolieren, das waren meine ersten Oldimererfahrungen.
    Leider verkaufte ihn mein Vater ein paar Jahre später, aus Platzmangel.

    LG
    Marie-Sophie

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    Oh mein Gott, welch Spannungsbogen zum Wochenanfang… In Vorfreude 🙂 !

    Es gibt „ihn“ noch, den blauen authentischen DB 200 D Bj. 1961.
    Am letzten Sonntag überholte mich obiger DB in Lüneburg. Ich musste schmunzeln und freute mich ob dieser Nachhaltigkeit. Es saß auch der „übliche Fahrer“ am Steuer. Freude, beide wiederzusehen!
    Ansonsten erfreut mich eine spontane SAAB-Dosis immer… 😉 :
    9-3 (1) Coupe in Güstrow am 11.11. und ein
    9-5 OG Sportkombi in Rothenhusen am 12.11.
    Bin auf den 15.11. gespannt!

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    Gute Frage. Ich denke, es war ein 17M P5.

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    Ich staune über mich selber, aber persönlich finde ich den 9-3 NG mittlerweile sehr emotional. Vor allem, seit dem ich einen 4-zylindrigen Aero erworben habe. Die Linienführung beruhigt, und ist ein Designmeisterstück. Der Motor und Fahrwerk machen süchtig. Und das früher – auch von mir – verschmähte „Mäusekino“ der Armaturen ist mehr Flugzeugcockpit-Gefühl, als in jedem anderen Saab. Über die Umweltaspekte der gepflegten alten Fahrzeuge ist hier genügend diskutiert worden. Ich freue mich auf die Berichte nächste Woche. Die beiden Fahrzeuge aus Frankfurt durfte ich auch kennenlernen. Großartig ist das Einzige, was darüber gesagt werden kann. Beim Thema automatisch geschaltete und vierzylindrige 93 NG Aero brodelt es auch hinter den -noch- geschlossenen Toren meiner „Garage“. Berichte folgen. Einen schönen Restsonntag wünscht

    Der Lizi

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      Ich weiß genau, was Du meinst, Lizi. Inzwischen geht es mir mit meinen 9-3 auch so. Nordisches Design, in welchem manche GM-Teile hervorragend eingepasst wurden, Komfort, Dynamik…..ich mag das Wummern, wenn man auf der Autobahn nochmal aufs Gas tritt, um die linke Spur schneller wieder frei zu machen.
      Gestern auf der A39 nach Hamburg….passend zum Wagen das neue Album „Voyage“ von ABBA im CD-Spieler, entspannt mit 140 in Richtung Elbe gleiten. Ein Genuss….

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    Ja, früher dachte ich oft den Rover oder Jaguar, auch den einen oder anderen Volvo würde ich gern mal fahren/kaufen. Momentan muss ich ich für mich bewerten welches Fahrzeut überhaupt in frage kommen würde wenn ich mit meinen SÄÄBen nicht mehr in die Innestätte fahren dürfte.

    Seit dem Ende von SAAB bin ich raus aus der Neuwagenkaufmühle, individuell und umweltbewusst unterwegs.

    Aber schade ist es schon, jetzt wo ich auf der Ausstattungsliste die Kreuze machen könnte wo ich wollte. In jungen Jharen musste ich scho mehr nach dem Preis sehen. Dafür bekommen die SÄÄBe alles was sie brauchen und was es für sie gibt!

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    Es stimmt, die Alltagsklassiker werden immer mehr. Ist ja keine schlechte Entwicklung, wie ich meine. Klassiker sind nachhaltig und werden in der Regel sehr umsichtig bewegt. Ganz im Sinne der Umwelt.

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    Sehr schöne Lektüre zum Sonntag. Genau so sehe ich das auch. Erst gestern kam mir wieder ein Ford Taunus entgegen, gut gepflegt und sehenswert. Meine Prospektesammlung aus den siebziger und achtziger Jahren schaue ich mir auch ab und zu an. Das waren noch Autos mit Gesicht. Schon die Aufmachung der Prospekte ist sehenswert, egal von welcher Marke.
    Schönen Sonntag.

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      Lustig, habe gestern auch einen gepflegten Taunus südl. von Berlin getroffen – sehr helles grau-beige. War das Auto, was bei mir während dieser Fahrt die meisten positiven Emotionen ausgelöst hat.

      Auf einem fast leeren Parkplatz rangierte dann ein nagelneuer MB (sehr kleine Limousine. Gibt es die A-Klasse auch als Limo?) rückwärts und umständlich auf einen freien Stellplatz. Es piepste die ganze Zeit, aber hey, dafür wurde auf dem Fahrersitz auch kein Kopf gedreht. Da hat sich die Technik echt gelohnt …
      Diese Begegnung war gestern das andere Ende meiner automobilen Emotionen.

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        Da mußt Du schon sagen welchen Taunus. Taunus hießen viele, vom Buckel-Taunus von 1948 über die
        Badewanne bis zum zum 20M Ende der 60-er. Ich fuhr 3 Badewannen zwischen 1971 bis Anfang 74.
        Das waren 17M P3. 2 hatten eine Sitzbank vorne (ideal zum Cruisen mit 2 Miezen vorne) und 1 mit 20M-Liegesitzen (noch idealer!).

        Grüße
        b-lynx

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