Klimaneutralität – Saab BioPower Concept 100 in Genf 2007
Klimaneutralität – ein brisantes Thema. Man hätte vor 14 Jahren agieren können. Damals stellte Saab in Genf das BioPower Concept 100 vor. Ein Kraftstoff, zu 100 % aus regenerativem Anbau, hätte die CO₂-Emission des Straßenverkehrs senken können.
Sofort und spürbar.
Saab hatte die Technik dazu verfügbar. Geschehen ist – nichts. Die Allianz aus Mainstreammedien und Mineralöllobby sah Ethanol in direkter Konkurrenz zur Nahrungserzeugung. Eine Wahrheit, die für die erste Generation des Kraftstoffs zutraf, nicht aber für die folgenden Generationen.
Aus Abfällen der Industrie, der Forst- und Landwirtschaft hätte man grünen Kraftstoff für die Verbrenner-Flotte im großen Stil produzieren können. Die Wurzeln des Concepts liegen in den 90er Jahren. Und die Geschichte endete nicht im Jahr 2011, es gibt noch immer ungeklärte Fragen.

Klimaneutralität – Saab BioPower Concept 100 in Genf 2007
Ein echter Saab Motor ist ein Vielstoff-Motor. Wie bei militärisch genutzten Geräten so läuft auch ein Saab Trionic Motor mit jedem Kraftstoff. Egal ob E85 im Tank plätschert, Wodka Gorbatschow oder ein teurer Single Malt Whiskey. Der Saab läuft, nur sollte man zuvor die Peripherie angepasst haben. Kraftstoffleitungen und Dichtungen reagieren allergisch auf Ethanol-Kraftstoffe und auch auf schottischen Whiskey.
Tragisch ist im Rückblick, dass diese Innovation schon im Jahr 1992 in Serie ging. Dann bis 2010 nur gepflegt, aber nicht grundlegend verändert wurde. Was hätte man, mit einem visionären Blick, daraus machen können!
BioPower Concept 100
2007 stellte Saab auf dem Genfer Automobilsalon die Saab 9-3 BioPower Modelle und das BioPower Concept 100 vor. Ein 100 % klimaneutraler Kraftstoff, ohne Beimischung fossiler Energieträger, befeuerte einen Saab 9-5. 300 PS aus 2,0 Liter Hubraum, entsprechende Fahrleistungen, ohne einen Ölscheich reich zu machen oder zum besten Freund der Mineralölgesellschaft zu werden. Unabhängigkeit, mal anders gedacht.
Die Idee hatte nur einen Haken, einen kleinen. Komplett auf fossilen Kraftstoff konnte Saab damals noch nicht verzichten. Zum Start, und nur dort, benötigte die Trionic herkömmlichen Kraftstoff. Ein Problem, das man in der Stallbacka damals nicht lösen konnte und deshalb einen zweiten kleineren Tank einbaute.
Heute ist auch das gelöst. Von Koenigsegg. Der neue Gemera verfügt über ein System, das besonders an die Trionic von Saab erinnert. Vermutlich ist es von Saab inspiriert, oder in den Grundzügen übernommen. Selbstverständlich ist die Soft- und Hardware im Gemera viel leistungsfähiger als damals bei Saab, und der GT von Koenigsegg kann mit 100 % reinem Ethanol fahren und auch starten.
Die Geschichte nach der Geschichte
Kjell ac Bergström, damals Leiter der Motorenentwicklung in Trollhättan, kommentiert die Saab Innovation und gibt einen Ausblick auf kommende Motorgenerationen. Kleinere Motoren, natürlich Turbo-geladen, mit einer hohen Leistung und mit Kraftstoffen aus regenerativen Energieträgern betrieben wären die Zukunft von Saab gewesen. Vermutlich hätte Saab der neuen BioPower Motorengeneration grüne Zündkassetten verpasst, so wie die das Concept Car hat. Eine weiterer Schritt der Evolution nach roten und schwarzen Kassetten.
Dazu kam es nicht. Saab arbeitete gemeinsam mit einem bekannten Dienstleister an einer neuen Generation von Motoren. Für die Zeit nach GM und ein Leben jenseits der Konzernmotoren, wie man sie im 9-5 NG und 9-4x finden kann. Aber Saab kollabierte 2011, die Arbeiten kamen erst nach der Insolvenz zum Abschluss. Doch die Karriere von Kjell ac Bergström war damit nicht am Ende. Er blieb weiter Leiter der Motorenentwicklung und Chef der Saab Automobile Powertrain AB. Nach dem Ende von Saab vollendete er mit seinen Mitarbeitern letzte Projekte für den GM Konzern.
Dann leitete Kjell ac Bergström für einige Jahre den Motorenbereich von NEVS, obwohl das Unternehmen offiziell nur auf elektrische Antriebe setzte. Nach Turbulenzen bei NEVS schied er aus, was ab 2011 im schwedischen Entwicklungszentrum vor sich ging, war niemals transparent. Es gab Vermutungen und Indizien. Und Testwagen, die unterwegs gesichtet wurden. Bestätigungen gab es aber nie. Die offizielle Antwort auf Nachfragen lautete stets: Wir haben nur Elektromotoren.
Ich habe meine zweite Saab 9-5 NG verkauft diese war ein Biopower. Was eine tolle Wagen war das und wie schoen war es in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und in Schweden E-85 taken zu koennen.
Aber dann hat Deutschland abgehackt. Und in Deutschland war ich geschaeftlich meist unterwegs. Dann war es schwierig in andere Laender E85 Tankstellen zu finden. Und letztendlich haette ich beinahe imer mit normaler Benzin fahren muessen.
Saab haette eine Super Idee um Motoren zu bauen die auch mit Bioethanol fahren koentten. Aber wieder waren Politik und Anderen den Meinung das diese E85 nicht Gruen genug war. Und jetzt sehen wir wieder das Politieker nur denken das die Zukunft nur mit Elektricitaet gemacht werden kann. Und E-fuel, Wasserstoff und noch andere neue Loesungen? Werden diese auch wieder mit Skepsis und Negativitaet beurteilt und nimmt Man wieder Entscheidungen die nur in eine Richtung gehen?
Ich hoffe es gibt genugend neue Entwicklungen geben wird und das Mann nicht nur den elektischen Weg geht.
Klima & Kohlenwasserstoffe
Den natürlich globalen Kreislauf von Kohlenstoff und Kohlendioxid hat die Wissenschaft noch längst nicht ausgemessen und räumt das auch freimütig ein.
2021 wurden erstmalig Forschungsergebnisse zum Totholz in Wäldern veröffentlicht. Ein gewisser Anteil des darin gebunden Kohlenstoffs gelangt bei der Zersetzung in die Erde. Der größte Teil jedoch ungenutzt als Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre …
Die Macher der Studie – die erste mir bekannte dieser Art – schätzen die jährlich globale CO2-Emission durch sich zersetzendes Totholz auf 115% dessen, was der Mensch aktuell (unser Allzeithoch) durch fossile Brennstoffe emittiert.
Hier deutet sich dreierlei an. Erstens ist der seit Jahrhunderten andauernde Landschaftsumbau und Flächenkonsum vermutlich viel stärker am Klimawandel beteiligt, als bislang angenommen. Womöglich ist er sogar der maßgebliche Verursacher?
Zweitens bieten sich der Menschheit Chancen, sich intelligent und klimaneutral in diesen natürlichen Kreislauf des Kohlenstoffs einzuklinken.
Und drittens haben wir mit der Renaturierung ein Instrument, welches dem Klimawandel vielleicht viel wirksamer begegnen kann, als bislang angenommen.
Es ist befremdlich, wenn ein vernunftbegabtes Säugetier, welches selbst zu rund 20% aus Kohlenstoff besteht, Kohlenhydrate verbrennt und CO2 ausatmet, das Zeitalter der Dekarbonisierung ausruft. Das ist für einen auf organischer Chemie (der des Kohlenstoffs) beruhenden Organismus keine tiefere Einsicht, sondern im Clash von Mensch und Natur ganz einfach die nächste Stufe einer Eskalation.
Wir müssen mit Kohlenstoff leben – im Kreislauf und in Balance. Alles andere ist wider die Natur und gegen das Klima …
Als ich mir 2009 meinen SAAB BioPower kaufte, hätte ich es noch nicht so formulieren können. Aber die Intuition war richtig. Das ist jetzt auch schon 12 Jahre her und E85 nebst Bio-Diesel sind in D längst Geschichte. Ob die verpasste Einsparung an CO2 je Eingang in die politische Diskussion oder die Geschichtsbücher finden wird, bleibt noch offen.
Eine Besinnung politischer und wirtschaftlicher Organe auf die Natur, ihre organisch chemische Selbstorganisation und ihre Kreisläufe, kann man nur erhoffen. Zuwiderhandlung rächt sich. In den 1990er Jahren haben das Umweltparteien auch schon so ähnlich postuliert. Heute ernähren sich deren Wähler low-carb (mehr Dekarbonisierung geht nicht) und überholen fast ohne Stoffwechsel oder Atmung mit einem E-Bike die schamlos inhalierende Fraktion der Radfahrer.
Wenn der Verzicht auf Essen, Atmung und Bewegung an einen elektrischen Antrieb gekoppelt und für Klimaschutz gehalten wird, spätestens dann läuft es so richtig schief,.oder etwa nicht?
Köstlich, vor allem der Schluß! Vielleicht etwas überpointiert, die Diskussion mit meiner Tochter, Master of Science im Bereich Klimawandel, ist noch nicht abgeschlossen.
Interessant, was der Gesundheitsexperte der SPD, Prof. KL, in diesem Zusammenhang apostrophiert: Der Klimawandel wird uns zukünftig viele unbekannte Viren “bescheren”, deren Behandlung ein mehrfaches dessen kosten wird, was der Verzicht auf Öl, Gas und Kohle kostet. Hoffentlich geht seine Rechnung nicht auf, aber zuletzt hat er zum Glück immer daneben gelegen.
Dieses Konzept hatte ein Riesenpotential unmittelbar die CO2 Bilanz nachhaltig zu verbessern, ohne auf riesige Batterien zu setzen, welche bei der Produktion unsäglich viele Ressourcen an Lithium und Kobalt verschlingen. Beim Recycling dieser Batterien liegt der Recyclinggrad, Stand heute, bei bescheidenen 10%. War leider politisch nicht gewollt!
Lieber Tom: war im Saab 9-5 BioPower 100 Concept nicht der 2,0 Liter Motor drin? Meinte schon
Ist richtig, ist der 2 Liter mit 150 PS pro Liter. Ich habe den Text entsprechend angepasst. Danke!