Spanische Momente – Lockdown und Neulack für den Saab

Barcelona, das zweite Märzwochenende. Es herrscht eine seltsame Stimmung im Land. Die Gerüchteküche brodelt. Eine große Ungewissheit und Angst breitet sich angesichts der immer schlimmeren Coronameldungen aus. Und dann kommt es. Am 13.03., kurz vor 21:00 Uhr, verkündet der spanische Präsident den Lockdown.

Saab 9-5 unter Palmen
Saab 9-5 unter Palmen

Und er meint es sehr ernst.

Ab Montag herrscht dann im gesamten Land Alarmzustand mit einer absoluten Ausgangssperre. Nur Lebensmitteleinkauf, Apotheke, Arztbesuche und gerechtfertigte Fahrten zur Arbeit sind erlaubt. Und das Thema andere Länder, andere Sitten hatten wir schon. Auch hier kommt es zum Tragen: Tabakgeschäfte werden als essenziell klassifiziert und bleiben weiter offen. Automaten sind hier seit Jahren verboten.

Es wird sehr streng kontrolliert.

Bei Einkäufen muss der Kassenbon mitgeführt werden. Es dürfen dazu nur Geschäfte des eigenen Wohnortes aufgesucht werden. Und dort auch die in der geringsten Entfernung. Wie eng es ausgelegt wird, zeigt sich erst später. Laut Medien gab es während des Alarmzustandes ca. 9.000 Verhaftungen und annähernd 635.000 Geldstrafen ab 600 Euro aufwärts für die Nichteinhaltung der Ausgangssperre. Diese konnten je nach Art des „Vergehens“ bis zu einem mittleren fünfstelligen Betrag steigen.

Die wunderbare Planung ist obsolet

Denn zwischen Lizi und dem Saab 9-5 lagen 4 Stadtgrenzen. Sie zu überwinden? Unmöglich! In Barcelona geht man in dieser Zeit mit den Coronabestimmungen kreativ um. Berma hat keine Angestellten, die Eigentümer Juan und Xavi halten einen Notbetrieb aufrecht. Im Wechsel sind sie in der Werkstatt, das Rolltor bleibt geschlossen.

Der 9-5 Aero ist in der Zwischenzeit kurz vor dem Lockdown beim Lackierer gelandet. Wie lange er dort bleiben wird, wann er zurück zu Berma kommt? Das alles ist in dieser Zeit ungewiss. In Deutschland sehe ich die Situation mit einer gewissen Gelassenheit. Ich mache mir vielmehr Sorgen um Lizi und Juan. Der Saab wird sicher irgendwann wieder auftauchen. Hoffe ich…

Aber in Spanien wütet Corona

Die Meldungen werden von Tag zu Tag schlimmer,  und aus dem Notdienst in der Werkstatt wird ein Notfall. Juan erwischt COVID-19 besonders schlimm. Für einige Zeit geht gar nichts mehr, Lizi und ich erfahren erst dann davon, als die Krise überstanden ist.

Mittlerweile machen wir Witze über das Projekt.

Zurück vom Lackierer, hinein in die Werkstatt
Zurück vom Lackierer, hinein in die Werkstatt

Wann kommt der Saab nach Deutschland? An meinem Geburtstag im Herbst? Oder als Weihnachtsgeschenk? Wir einigen uns auf Weihnachten, lassen aber das Jahr unerwähnt. Aber Spanien ist Spanien. Auf der einen Seite sehr streng. Auf der anderen Seite immer ein Überraschungsei.

Im April ist der Saab zurück bei Berma

Die Ausgangsbeschränkungen sind noch in Kraft, und wie der 9-5 vom Lackierer in die Werkstatt kam, will keiner wissen. Lizi sitzt nach wie vor fest, bekommt aber Bilder vom “Gentleman Projekt”. Der Saab sieht jetzt wie ein Neuwagen aus. Klasse! Der Abschluss des Projekts liegt aber in weiter Ferne. Corona macht jeden Transport unmöglich. Wer aus Barcelona nicht herauskommt, der schafft es auch nicht nach Deutschland.

Also gibt es ein paar zusätzliche Arbeiten.

Text: Lizi und Tom

7 thoughts on “Spanische Momente – Lockdown und Neulack für den Saab

  • Felgen (@ Alter Schwede)

    Stimmt. Aber auch insgesamt sind Felgen eine echte Saab-Domäne, finde ich. Andere Marken waren da selten zugleich avantgardistisch & sachlich. Bei Saab wurde Aluminium von Anfang an als Chance begriffen.

    Mercedes hatte langjährig eine Alufelge, die exakt einer Stahlfelge nachempfunden war. Ich fand die damals nichtmal schlecht, denn sie sah zugleich sauber, wertig und klassisch aus – ganz ohne Radkappen oder Radzierblenden.
    Aber in ihr manifestiert sich zugleich auch konservatives Denken und die verpasste Chance, mit neuem Material Neues zu schaffen. Genau das haben die Designer bei Saab gemacht …

    Würde man Aschenputtel mit Autos verfilmen, würden verschiedene Modelle von Saab (und natürlich italienische Ballschuhe & Grazien von Alfa) untereinander um die Hauptrolle konkurrieren.

    Fast alle anderen haben Blut im Schuh.

  • Der arme Juan! Hoffentlich geht es ihm besser und er ist wieder völlig gesund geworden! (Auch “Genesene” haben ja teilweise mit langwierigen Folgen von COVID-19 zu kämpfen, bekommen kaum Luft, wie Kollegen eines Freundes berichten.) Alles Gute und toi toi toi nach Spanien!

  • Geht mir auch so, wie Ken-Daniel & Detlef

    Dieses Kapitel ist tatsächlich nochmals spannender und ich kann die Modelljahre vieler anderer Marken auch schon länger nicht mehr sicher in Vorgänger und Nachfolger unterscheiden …

    Ich weiß nur, dass wer zuletzt rund & glatt war, jetzt kantiger ist und umgekehrt. Wer da aber wann was warum macht ? ? ?

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  • Spannend! Und so ein zeitlos schönes Auto in einer tollen Fahrbkombination. Grandios!

  • Gerade mit diesen Felgen sieht er am besten aus.

  • Boah, dass wird ja immer spannender.

  • Durch das gelungene und irgendwie zeitlose Design sieht er aus meiner Sicht sogar besser aus als ein Neuwagen von sog. deutschen Premiummarken – bei Mercedes weiß ich nicht ob ein aktuelles Modell vor mir steht oder eine ältere Ausführung – den Designern dort fällt nichts mehr ein.

    Bin auf die Fortsetzung des spannenden “Import-Dramas” wirklich gespannt.

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