Saab Independence Cabriolet No. 14. Ein Neuwagen wird verkauft.

Es gibt Autos, deren Geschichte kennt man. Sie begleiten einen über Jahre, tauchen unverhofft immer mal wieder auf. Das Saab Independence Cabriolet Nummer 14 gehört dazu. Der erste Kontakt erfolgte bei Kilometerstand 5,6. Der Saab war noch ganz jung und stand im Ausstellungsraum der Frankfurter Niederlassung.

2011 stand das Cabriolet in Frankfurt
2011 stand das Cabriolet in Frankfurt

Wahrscheinlich war er einer der letzten Neuwagen, eine Rarität. Nur 6 Stück kamen nach Deutschland,  und ich nutzte damals die Gelegenheit, um einige Bilder zu schießen. Mit der Insolvenz von Saab in Schweden und der Frankfurter Niederlassung verschwand auch das Cabriolet von der Bildfläche. Wohin es verkauft wurde, wusste ich nicht. Bis vor ein paar Wochen…

Independence Cabriolet Nummer 14 taucht auf.

Auf dem Marktplatz des 1. deutschen Saab Clubs wurde ein Independence Cabriolet inseriert. Ausgerechnet die Nummer 14 war wieder da. Mit ganz wenigen Kilometern, eine kleine Sensation. Konnte das reell sein? Die Geschichte hinter dem Saab, der immer noch ein Neuwagen ist, interessierte mich.

Sie ist eine Geschichte, die typisch für Saab ist. Sie erzählt von Loyalität, von der in der Gegenwart Automarken höchstens träumen können. 7 Fahrzeuge aus Trollhättan hatte der Besitzer im Laufe seines Lebens. Angefangen mit einem 900 Turbo, dann ein 9000 CSE, ein 9000 CD und danach ein 9000 CSE 2.3 Turbo. Darauf folgte ein 9-5 Aero Kombi und ein 9-5 Aero Hirsch. Zum Schluss kam dann noch das Independence Cabriolet auf den Hof.

Alles seien super Autos gewesen,  sagt der Besitzer. Wahrscheinlich hat jedes seine persönliche Geschichte zu erzählen. So wie ganz am Anfang mit dem Saab 900 Turbo. Seine Frau war schwanger, und ein schwerer Unfall passierte unterwegs in Norwegen. Alles ist gut gegangen, weil man eben Saab fuhr. Das verbindet.

Jetzt endet Bindung, eine Erzählung kommt zum Abschluss. Saab hat ihn sein ganzes Leben begleitet, aber in Zukunft nicht mehr. Der 9-5 Aero Hirsch ist bereits verkauft, das Independence Cabriolet nun der letzte Saab im Haus. Auf dem Tacho stehen tatsächlich nur 1.257 Kilometer. Völlig verrückt! Aber sie sind einfach zu erklären und nachvollziehbar.

Zwei Wartungen in Frankfurt, zwei private Ausflüge mit dem Cabriolet. In der Regel steht es abgedeckt und trocken in einer Garage, dem Besitzer fehlt die Zeit. Seit 3 Jahren wurde es kaum bewegt, es soll in gute Hände gehen.

Was darf Independence Cabriolet Nummer 14 kosten?

Jetzt wird es schwierig. 6 Exemplare gab es für Deutschland. Gebaut wurden 38 statt 366. Die genaue Auflistung reiche ich demnächst nach. Die Independence Edition ist damit sehr selten. Im Gegensatz zu den raren Sportkombis der Vorserie, die ähnlich selten sind, aber fahrbar und unproblematisch.

Im Hintergrund steht die Geschichte mit dem Independence Day, der grandiosen Idee,  ihn jährlich zu zelebrieren. Die Sache mit dem mythischen kleinen Hersteller, der um seine Unabhängigkeit kämpft. Das wiegt schwer, und man kann dies kaum ignorieren, wenn man über dieses Auto spricht.

Dazu kommt der niedrige Kilometerstand, der Neuwagenstatus. Da es kaum ein weiteres, vergleichbares Exemplar geben wird und nur eine Nummer 14, ist die Preisfindung schwer. Der Besitzer ruft 55.000 € als Verhandlungsgrundlage auf. Ich finde das fair, nicht zu teuer. Vor allem nicht für ein Fahrzeug, das einen historischen Hintergrund hat. Und welcher Neuwagen der Gegenwart könnte Ähnliches bieten?

14 Gedanken zu „Saab Independence Cabriolet No. 14. Ein Neuwagen wird verkauft.

  • Die Geschichte um das Independence Cabrio ist mindestens genauso spannend wie die, um die verbleibenden SportCombis.
    Eine Frage stelle ich mir aber schon länger. Warum hat das limitierte Cabrio noch die alten Türgriffe vom pre-facelift 9-3? Hat man aus Kostengründen darauf zurück gegriffen? Hat man alte Lagerbestände verbaut? Denn alle anderen 9-3 sind zu der Zeit mit den überarbeitet, “neuen” Griffen ausgeliefert worden. Nur beim Cabrio hat man da scheinbar eine Ausnahme gemacht.

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    • Die Griffe kamen bereits mit dem 902. Sie waren recht teuer in der Herstellung und, typisch Saab, für Rettungsdienste optimiert. Gestalterisch und technisch sehr schön. Nicht ohne Grund verwendete Porsche bei einigen Modellen ein ähnliches Layout.
      Beim 9-3 II kam die Umstellung zu den nichtssagenden und einfacheren Konzern Türgriffen mit Cadillac BLS und Facelift. Beim Cabrio, anderer Produktionsort, hat man keine Änderungen vorgenommen. So wie beim 9-5 I, der sie bis zum Ende hatte.

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  • Tom,
    danke für diesen Hinweis, interessante Geschichte! Man könnte schwach werden!! 🙂

    Etwas traurig stimmt mich allerdings, dass diese treue Bindung des Besitzers jetzt komplett endet. 🙁 Warum verkauft er alle Saabs? Er wird sich doch hoffentlich nicht irgend so ein blödes Bling-bling-Auto hinstellen?!!!

    Jan HH,
    ja, alle Cabriolets hatten auch nach dem Facelift, also als 9-3 III ab MY 2008, die alten Griffschalen und auch die seitlichen Stoßleisten, immerhin aber (anders als bis MY 2007) lackiert. Das war, wie gesagt, bei allen Cabriolets von MY 2008 bis MY 2012 (Griffin) so (einschließlich dann auch der Independence Version), es gab nie was anderes. Demnach kann es nicht an Materialknappheit o.ä. gelegen haben. Sehr witzig, dass das z.B. beim SportCombi geändert wurde, bei den Cabriolets aber nicht. Mir ist das (als Besitzerin eines 2011er SportCombi und 2012er Griffin Cabriolets) allerdings auch erst vor kurzem aufgefallen – peinlich peinlich! 🙂

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  • Hallo,

    Ich habe meine SAAB KFZ nacheinander erworben und jeweils gegen ein neueres Modell ausgetauscht, wenn es an der Zeit war. Zuletzt habe ich den SAAB 9-5 Combi Areo Hirsch (300 PS) verkauft, weil es etwas mühsam war, immer in FFM die Wartung vornehmen zu lassen. Außerdem benötigte ich auch nicht mehr einen so schnellen Wagen … aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Das Cabrio verkaufe ich aus den geschilderten Gründen. .. und jetzt fahre ich einen Polo bzw. nutze Bahn / Flugzeug.

    PS an TOM: Danke für die nette Geschichte.

    NSK

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  • also das Türgriffthema war vor kurzem am Saabtreffen auch kurz Thema, wobei wir da die Meinung vertraten, dass die Facelift Türgriffe, also 9-3III sich hochwärtiger und fester anfühlen, als die teilweise auch unlackierten Türgriffe im 9-3II.
    Das die Cabrios die Kunststoffleisten an den Türen beibehalten hat, ist mir auch erst vor kurzem aufgefallen, dachte immer, dass die überall wegefallen sind.

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    • Das stimmt, die GM Türgriffe am 9-3 II fühlen sich gut an. Liegt ja auch mehr als ein Jahrzehnt zwischen der Konstruktion beider Bauteile. Die Tatsache, dass man sie erst ab Facelift (Chrombrille) beim 9-5 I lackierte ist typisch für Saab. Welcher Sinn steckt dahinter die Dinger zu lackieren – wird man sich gefragt haben? Funktion kommt vor Schönheit 😉

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  • Nur fühlen sich die unlackierten Türgriffe halt nach einem billigen Kleinstwagen an.

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    • Alles hat halt seine Zeit. Was in den 90er Jahren gut ausgesehen hatte, gefiel 10 Jahre später nicht mehr so. Ich finde die unlackierten Türgriffe o.k., vor allem wenn das Fahrzeug dunkel lackiert ist. Bei hellem Lack sieht man eben den kommenden Klassiker und das Denken der damaligen Zeit.

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  • Das Auto ist ein Traum.

    Lack & Türgriffe:

    Lustig ist, dass man gegen Aufpreis ja bei allen möglichen Marken jetzt schon länger wieder Modellvarianten bekommt, die Kunststoffteile ohne Lack tragen.

    Sie heißen Allroad, Xross Country, Scout oder wie auch immer. Und selten haben sie Allradantrieb. Der 9-3X war Saabs erster und letzter Beitrag in dieser Richtung und ebenfalls (je nach Motor) nicht zwangsläufig mit XWD unterwegs …

    Ich bin da ambivalent.

    Den 9-5 finde ich ein gutes Beispiel. Die monochromen Chrombrillen mit ihrem allumfassenden Lack wirken moderner, sind schon schick, aber auch deutlich anfälliger als das Original …

    Zumindest bei meiner sind die Türgriffe und ihre Mulden sichtbar zerkratzt. Auch die Oberkante der hinteren Stoßstange und so weiter und so fort. Im Prinzip sind außen alle Bauteile mehr oder weniger stark betroffen, die ehedem (bewusst) nicht lackiert wurden.

    Da stellt man sich ab und an schon die Frage, ob der jeweils jüngste Zeitgeist auch tatsächlich fortschrittlich ist. Zumal zeitgleich mit allumfassend lackierten Autos auch solche kreiert wurden, die nicht lackierten Kunststoff als aufpreispflichtigen Luxus definierten. Das war schon sehr geschickt von der Branche.

    Wie dem auch sei, das Cabrio ist verdammt schön, so wie es ist …

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  • Hallo Tom,

    wieder viel gelernt (zu den Türgriffen) – DANKE! 🙂

    Gibt es auch einen spez. Grund, warum beim Cabrio die Schutzleisten an den Türen beibehalten wurden?

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    • Im Prinzip nicht. Ich denke, es gab keinen Grund zur Änderung. Neue Werkzeuge sind teuer, bei Limousine und Kombi sprach der BLS dafür. Beim Cabriolet nicht.

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  • @ Ebasil,

    vielleicht ist es so profan, dass sich am Cabrio der Rotstift gar nicht so leicht ansetzen lässt?

    Jede Änderung kostet Geld. Türgriffe von GM und das Weglassen von Schutzleisten lohnen sich erst ab einer Stückzahl X.

    Ist doch schön, dass beim Cabrio mit seinen langen Türen die Leisten nicht eingespart wurden.

    Man denke an das ikonische s/w-Foto (Saab, offene Tür, geknickte Laterne) …

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  • Volvaab Driver

    Oh, das Foto klingt interessant, kenne ich aber nicht. Meine Goo…-Suche war erfolglos. Gibt es vielleicht einen Link? Danke im Voraus! 🙂

    P.S.: Volvaab Driver = Herbert Hürsch, nicht wahr? Warum der Namenswechsel? Und warum dann nicht “Saabolvo”? Man muss schließlich Prioritäten setzen! 😉

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  • Ebasil

    Finde das Bild leider auch nur auf einer Tasse (hier auf dem Blog “Saab Tassen” eingeben). Immerhin. Ein großes Poster davon hätte ich ja gerne …
    Das Auto (Ursaab) und das Bild sind zwei Ikonen in Union.

    Die Namensänderung ist nicht als Rangfolge zu verstehen. Saabolvo klingt nicht so schön nach, wie die wunderbar weiche und lange Endung auf aab.

    Wie es kommt? Ein symbolischer Akt und Ausdruck für meinen Wunsch nach friedlicher Koexistenz – keine Tarnung. Mir war bewusst, dass ich inhaltlich und stilistisch erkennbar bliebe. Dazu ist an die richtige Adresse alles gesagt.

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