Der Erste, letzte und der Astronauten Saab

Aus Saab Sicht liegen ein paar bemerkenswerte Tage hinter uns. Beginnen wir in Finnland. In Uusikaupunki wurde gefeiert. Vor 50 Jahren lief der erste Saab vom Band. Genauer gesagt am 13.11.1969. Der Auftakt für die finnische Saab-Fertigung und der Beginn einer Erfolgsgeschichte. In Finnland baut man immer noch Autos, der Standort wird weltweit hochgeschätzt. Nur eben keine Saabs mehr.

Der jetzt wirklich letzte Saab
Der jetzt wirklich letzte Saab. Foto: NEVS

Die Ursprünge der Saab Produktion sind einem Rüstungsgeschäft zu verdanken. Der Kauf von Waffen aus schwedischer Produktion im Tausch gegen eine nationale Autoproduktion. Das war nicht ungewöhnlich. Die Wallenbergs nutzten ihre PKW Fertigung gerne zur Stimulierung der Nachfrage nach Rüstungsgütern. Unter anderem wurden Saab 96, 900 Cabriolet, 9-3 Viggen, Cabrio und einige Aero in Uusikupunki gebaut. Die Qualität der finnischen Fahrzeuge war immer besser als die des schwedischen Stammwerks, was eine Geschichte für sich ist. Die skandinavische Verbindung von 1969 hielt bis zum Jahr 2003. Ein festgelegter Prozentsatz der jährlichen Produktion kam aus Uusikaupunki, das die Schweden Nystad nennen. Dann kaufte GM Saab aus der Produktionsverpflichtung frei.

Valmet Automotive, damals noch Saab-Valmet, hat zum Jubiläum den Originalfilm vom 13.11.60 aus den Archiven geholt. Ein Stück Saab und Zeitgeschichte.

Der letzte Saab

Dass man in Finnland das historische Ereignis feiert, ist verständlich. Bemerkenswert hingegen ist, wie der Verkauf des letzten Saabs von NEVS in den sozialen Medien zelebriert wird. Eigentlich ist es ein trauriger Tag, das Ende einer Geschichte, und kein Grund zur Feierlaune. (Morgen dazu mehr auf dem Blog)

Der letzte Saab jedenfalls wurde etwas über dem Schätzpreis versteigert und wechselt von Schweden nach Dänemark. Sein Käufer Claus Spaangaard betreibt in Hadsund eine Autowerkstatt und einen Reifenservice. Mittlerweile war er im ehemaligen Werk und das Auto wurde übergeben. Das Ende einer Geschichte.

Der Astronauten Saab

Bekannt ist, dass Piloten gerne auf Produkte der Marke Saab zugriffen. Der Austausch von Ideen zwischen Auto- und Flugzeugbauern lief bis weit in die 90er Jahre. Beste Beispiele sind ergonomische Cockpits und das Night-Panel, die von den Luftfahrt-Ingenieuren inspiriert waren.

Der Astronauten Saab von Christer Fuglesang
Der Astronauten Saab von Christer Fuglesang

Weniger bekannt ist, dass auch ein Astronaut Saab affin war. Christer Fuglesang, der erste Skandinavier im Weltall, kaufte sich 1988 einen Saab 9000 CC. Keinen Turbo, sondern den damals recht neu auf dem Markt erhältlichen 16v Einspritzer mit 126 PS, der als Wahl der Vernunft durchgehen darf.  Da Fuglesang als Projektleiter am CERN in Genf arbeitete, wurde die Limousine erstmalig in der Schweiz zugelassen. 1992 wechselte der Wissenschaftler im Zuge der Euromir Mission nach Russland in das Sternenstädtchen Swjosdyn Gorodok. Sein Saab kam natürlich mit. Der 9000 CC erhielt internationale Kennzeichen und fuhr für Jahre durch ein Gebiet, das für die wenigsten Menschen zugänglich ist. Er verließ Russland erst wieder 1997, als sein Besitzer zur Nasa wechselte.

Seitdem ist der 9000 CC zurück in Schweden und wurde als Sommerauto genutzt. Fuglesang verkaufte nun nach mehr als 30 Jahren den CC, der eine Menge Historie vorzuweisen hat. Etwas mehr als 300.000 Kilometer hatten sich angesammelt, angeboten wurde er über eine bekannte schwedische Plattform. Der Preis für soviel schwedische Geschichte und Raumfahrthistorie war allerdings beschämend gering. Weniger als 1.000 € wurden aufgerufen, der Käufer hat viel interessante Vergangenheit für kleines Geld erworben. Vielleicht taucht der CC als ein Spekulationsobjekt aus prominenten Vorbesitz demnächst an anderer Stelle wieder auf.

12 Gedanken zu „Der Erste, letzte und der Astronauten Saab

  • Vielen Dank für diesen mal wieder hochinteressanten Artikel, der sprachlich sehr galant die Bögen zwischen verschiedenen Jahrzehnten und sehr unterschiedlichen Themen spannt!

    Und der Blog trägt sehr zur Allgemeinbildung bei, ich habe wieder viel Wissenswertes und Neues erfahren: Nicht nur Saab-speziell (zB, dass die Saabs aus Finnland besser waren; mein erster Saab, ein 9-3 I Cabrio, Bj. 2002 kam von dort), sondern auch zur Raumfahrtgeschichte (noch niemals vom „Sternrnstädtchen“ gehört) und vieles andere. Es spricht im Übrigen für den Astronauten, dass er aus seiner Prominenz keinerlei Kapital beim Verkauf des 9000 schlagen wollte. Wusste der Käufer überhaupt, wer der Verkäufer ist? Und, lieber Tom, wie erfährt man bloß solche Hintergründe?

    Sehr interessant auch, wie nebenbei auch der gesellschaftliche Wandel dokumentiert wurde: Im feierlichen Eröffnungs-Film von 1969 besteht die Gruppe der Honoratioren, Journalisten usw. ausschließlich aus einem Meer an (mehr oder weniger glatzköpfigen) Männern. (Aber war es nicht eine Fahrerin, die den ersten Saab vorfuhr? Kann ich hier auf dem Handy schlecht sehen. Wenn ja – so sind sie hat, die fortschrittlichen Skandinavier!). Und im traurigen Bericht über das Ende von Saab 2003, auf den ich weitergeleitet wurde, sieht man ausschließlich Frauen.

    Und es ist mal wieder eine wehmütige Geschichte im Zusammenhang mit dem Ende von Saab – hätte, wäre, wenn …. 🙁 Könnten bei Valmet, das ja auf der Höhe der Zeit ist, nicht wieder ein paar Saabs für uns gebaut werden? 😉 😉

    Vielen Dank für diesen interessanten und zugleich nachdenklichbstimmenden Wochenauftakt! 🙂

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  • P.S.: Welche Rolle spielten eigentlich die Wallenbergs? Bis wann hielten sie Anteile an der Automobilsparte von Saab? Bis zum 100 Prozent-Verkauf an GM? Oder bis zum ersten Einstieg von GM? Oder endete die Beteiligung noch viel früher?

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    • Das Automobilgeschäft war, aus historischer Sicht, Teil der Saab AB. Die Familie Wallenberg war größter Aktionär über die familieneigene Stiftung, Investment Gesellschaft (Investor) oder persönlich gehaltene Aktien. Faktisch waren die Wallenbergs (korrekt die damals von ihnen kontrollierte Saab AB) an der Saab Automobile AB noch bis zur vollständigen Übernahme durch GM mit 50 % dabei. Die industrielle Führerschaft hatten aber die Amerikaner inne.

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  • Danke für die schnelle und sehr erhellende Antwort! 🙂

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  • P.P.S.: Ich übersah leider die (ausschließlich weiblichen!) Arbeiterinnen im Saab-„Blaumann“, die die Kränze auflegten und die sich an dem Durchfahrtsbogen zu schaffen machten. Insoweit doch schon sehr fortschrittlich, in (West-) Deutschland hatte Mutti damals zuhause am Herd zu bleiben. Vielleicht trugen ja viele geschickte Frauenhände zu den guten FI-Saabs bei Valmet bei? 😉 Bitte nicht missverstehen, ich will hier keine feministische Diskussion aufmachen, finde es nur gesellschafts- und arbeitshistorisch interessant.

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  • Nicht nur Saab wurden in Finnlandgebaut, auch der Opel Calibra lief dort vom Band! Stückzahl 93.978!!

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    • Nicht nur. Valmet hat mittlerweile für 10 Marken Fahrzeuge produziert.

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  • Aus welchem Grund waren die finnischen Saabs besser als die schwedischen?

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  • …ist ja witzig, hab am Wochenende eine alte DDRZeitschrift „Technikus“ in die Hand bekommen, in der schreiben sie vom Beginn der finnischen Automobilproduktion 1968 mit finnischer Hilfe, auf einem Bild sind 99er Karossen zu erkennen, die Zeitschrift war aus dem Jahr 1986.

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  • Porsche lies dort auch parallel den Boxter und das 911 Cabrio bauen in den 90ern bzw 2000ern.
    Heute sollte es immer noch der Cayman sein, der dort vom Band läuft.

    Bei Saab waren es soviel ich das weiß das Saab 9-3 I Cabrio sowie auch die 9000 Aero Modelle, die dort gefertigt wurden.
    Das Cabrio ging dann ja ab Ende 2004 nach Graz zu Magna und von dort an dürfte es das auch mit der Produktion von schwedischen Fahrzeugen in Finnland gewesen sein.

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  • Lorbeer für den 9-3

    Internationale Bieter und ein Werkstattbesitzer mit dem höchsten Gebot. Das spricht für das Auto.

    @ Ken-Daniel S,

    Genaues weiß ich nicht, aber die Fertigung durch Auftragnehmer und deren Qualitätskontrolle sind oftmals penibel. Autos aus Österreich haben auch einen guten Ruf. Es wäre auch peinlich, wenn man mit den Stammwerken nicht mithielte …
    Die Abhängigkeit und Motivation ist hoch, die Fehlerquote geringer.

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  • Ich weis zwar, dass die finnische Produktion von Marken wie Talbot/Chrysler eher wenig mit SAAB zu tun hat, aber dieses Thema würde mich durchaus mal interessieren. Leider findet man diesbezüglich kaum Infos… wäre das nicht vielleicht auch Mal ein Interessanter Exkurs für den Blog. Schließlich sollen die Talbot Modelle ja immerhin SAAB-Sitze gehabt haben. Also allgemein die Geschichte von (SAAB-) Valmet mit eben Marken wie Talbot oder Lada oder Prototypen wie dem 9000 CV oder V8

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