Abschied: Kunert Automobile AG Bonn

Heute endet ein Kapitel rheinischer Saab Tradition. Die Kunert Automobile AG, seit 1977 Partner von Saab, schließt ihre Pforten. Fast 40 Jahre mit Saab sind eine lange Phase; wenn ein langjähriger Händler geht, dann verlieren wir ein Stück Markenkultur.

Saab Zentrum Bonn, Kunert Automobile AG
Saab Zentrum Bonn, Kunert Automobile AG

Begonnen hat die automobile Karriere von Firmengründer Hans Jochen Kunert mit der anderen schwedischen Marke. Die Beziehung zu Volvo war eine Erfolgsgeschichte…die Kunert Autohäuser einst der größte Volvo Partner der alten Bundesrepublik. Das Ende der Volvo-Ehe war ein Bruch, was folgte –  ein mutiger Neubeginn.

Saab war 1977 weitgehend unbekannt. Hans Jochen Kunert war einer der ersten Saab Händler in Deutschland und die Anfänge am neuen Standort Bonn Beuel bescheiden.

Erfolg ist reproduzierbar, wenn die Leidenschaft für das Produkt stimmt. Was bereits mit Volvo lief, ging auch mit Saab erfolgreich nach vorne. Ein Jahr später kam eine japanische Marke als weiteres Standbein hinzu, aber im Laufe der Zeit  wurde der Platz für beide Vertretungen knapp. Die Familie Kunert, Tochter Inka Spira war mittlerweile ebenfalls im Unternehmen tätig, plagte ein Problem. Eine Marke abgeben  oder expandieren?

Die Lösung lag zum Greifen nahe – in diesem Fall auf der anderen Straßenseite. Eine Fabrikhalle konnte 1993 erworben und zu einem modernen Autohaus umgebaut werden. Ursprüngliche 3.500 qm Hallenfläche wurden auf 2.000 verkleinert,  um Platz für Parkplätze und Ausstellungsfläche im Außenbereich zu schaffen.

Ein beeindruckendes, helles Autohaus mit großen Glasflächen entstand. 1995 war der erste Bauabschnitt fertig gestellt, Saab konnte in das neue Domizil umziehen. Bei Kunerts geht es weiter stürmisch voran. Drei Jahre später erfolgt die Umwandlung zur Kunert Automobile AG, Tochter Inka Spira wird zum Vorstand berufen, die Eltern Hans Jochen und Theresia Kunert stellen den Aufsichtsrat. Zur gleichen Zeit verkauft die Familie den ursprünglichen Betrieb auf der anderen Strassenseite und setzt ganz auf Saab.

Die Zeiten für und mit Saab werden in den Folgejahren härter. Saab Geschäftsführer in Deutschland wechseln immer schneller, und wohin Trollhättan steuerte war schwer zu sagen. Trotzdem, Kunert ist Saab, will mit Saab leben und überleben. Auf zwei Beinen steht man besser, und so teilen sich ab 2005 die Saabs den Showroom mit den Vettern aus Göteborg. Volvo ist zurück, als Vertragswerkstatt kehrt die Familie zurück zu den Wurzeln.

Die jüngste Vergangenheit ist schnell erzählt, wir alle kennen die Umstände. GM will Saab schließen, Koenigsegg übernehmen. Dann kommt Spyker statt Koenigsegg. Die zweite 9-5 Generation rollt in den Bonner Ausstellungsraum, der 9-4x steht in den Startlöchern. Optimismus und Hoffnung.

Dann das Ende der Saab Automobile AB, eine Option auf Neustart,  als NEVS in die Stallbacka einzieht. Hoffnungen, die sich nicht erfüllten. Natürlich hat es nicht an Optionen gefehlt. Andere Marken waren am Standort in Bonn interessiert. Nur, was ist Saab kompatibel, was kann man der Kundschaft zumuten? Denn die Saab Fahrer sind treu, die Werkstatt läuft gut und tut das bis zum Schluß. Ein Online Shop für Saab und Volvo Teile geht an den Start, hochgelobt und erfolgreich.

Das alles ist zu wenig, es fehlt der Neuwagenvertrieb,  um das große Autohaus mit Leben zu füllen. Die Konsequenz ist logisch und mutig. “Schließen, so lange man es noch selbst kann” sagt Inka Spira zu mir am Telefon. So sucht man – mit der Verantwortung für die langjährigen Kunden im Hintergrund – einen Mieter für die Räume. Findet mit der Thomas Firmengruppe einen Partner, der einen Teil der Mitarbeiter behält und die  Saab Werkstatt weiter betreiben will.

So wird, im Abschied, eine gute Lösung für die Bonner Saab Fahrer gefunden. Ganz in der Tradition der Familie Kunert, die immer die Saab Community unterstützt hat. Nicht nur für unseren Blog und das Charity Projekt hatte man stets ein großes Herz, auch andere Foren in der Saab Welt wurden bedacht. Das alles passt in das Bild einer verantwortungsvollen Unternehmerfamilie. Gründer Hans Jochen Kunert hat – seit Jahren im Ruhestand,  der keiner ist – eine Stiftung gegründet , die bedürftigen Jugendlichen  bei der Ausbildung und Studium helfend zur Seite steht.

So geht ein Stück Tradition ! Ich sage zum Abschied Danke für 38 Jahre rheinische Saab Kultur!

22 Gedanken zu „Abschied: Kunert Automobile AG Bonn

  • 31. März 2015 um 9:39 AM
    Permalink

    Ein toller Text der einen traurig macht. Tut einem echt leid sowas zu lesen. Sc….Gm! Ich fahre trotzdem weiter saab egal was passiert

  • 31. März 2015 um 10:21 AM
    Permalink

    Wirklich schade, der Online Shop war erste Sahne, die Beratung auch!

  • 31. März 2015 um 10:27 AM
    Permalink

    DANKE, auch für diesen Bericht. Ein Bericht der traurigen Sorte. Schade um dieses familiengeführte Unternehmen! Gut für einen Teil der Mitarbeiter, die augenscheinlich übernommen werden.
    Mögen bei Fam. Kunert noch genügend SÄÄBE in der Garage stehen, damit auch sie am Fahrspass weiter teilhaben können! 🙂
    DANKE für Ihr Engagement für SAAB!
    Alles GUTE, Ihnen Familie Kunert!

  • 31. März 2015 um 10:30 AM
    Permalink

    Schade eine gute und hilfsbereite Werkstatt.Musste ein mal zu Kunert in die Saabwerkstatt als ich mit meinem alten 900er mit einem geplatzten Wascherschlauch liegen geblieben bin. Hatte mich Angemeldet das ich das nicht bis zum Feierabend schaffen würde, war für Kunert kein Problem kommen sie es wird jemand auf sie warten. Der Abschlepper brachte mich dann nach Bonn ein Ersatzfahrzeug stand für mich bereit sich konnte meine Fahrt fortsetzen und am anderen Tag gegen Mittag war mein Saab wieder fahrbereit.

  • 31. März 2015 um 10:51 AM
    Permalink

    Ich schließe mit Tom an: Danke für so viel SAAB-Spirit!

  • 31. März 2015 um 11:21 AM
    Permalink

    Sehr schade.

    z.B. Herr Waldorf vom “Shop” war immer eine sehr hilfsbereiter und humorvoller Ansprechpartner!

    Alles Gute “aus dem Norden” …

  • 31. März 2015 um 11:34 AM
    Permalink

    Ich war zwar nie dort, der Name war aber bis zu uns in den Norden bekannt!
    Vielen Dank!

    Und dieser tolle Beitrag bringt leider den faden Nachgeschmack mit sich, dass dieses bestimmt nicht der letzte SAAB-Traditionsbetrieb sein wird, der in den nächsten Jahren auf der Strecken bleiben wird….

    • 31. März 2015 um 12:56 PM
      Permalink

      Dies wird sicher nicht der letzte gut geführte SAAB-Betrieb sein, den man (NEVS, SAAB AB, neuer Investor etc.) mit endloser und damit gleichzeitig nerviger Langatmigkeit verhungern läßt – das Vertrauen in schwedische “Manager” schwindet zusehends!!!!

  • 31. März 2015 um 12:28 PM
    Permalink

    So wird es leider weiter gehen, wenn nicht bald etwas passiert. Am Ende müssen auch Neuwagen verkauft werden, die leider nicht da sind. Habe trotz Unkenrufe und leichten Untertönen(Was ein Insolvenzauto ?) noch einmal einen SAAB 9-3 KOMBI(BJ Ende 2010) für nicht wenig Geld geholt. Ich hoffe, man wird vielleicht doch noch einmal Luft holen können . Aber viel Zeit ist nicht mehr da….. Gruß aus dem Norden

  • 31. März 2015 um 12:41 PM
    Permalink

    Schade, traurig, erschütternd: Dieses Stück rheinländischer Saab-Geschichte wird in guter Erinnerung bleiben.

    Als Kunert-Kunde erreichten mich bereits vor einigen Wochen in gemeinsamem Kuvert je ein Schreiben von Kunert und von VW Thomas, dem Pächter, der auf dem Kunert-Grundstück künftig Skoda-Fahrzeuge verkaufen wird. Die Information der Schließung traf mich, allen Saab-Untergangsszenarien zum Trotz, dennoch unerwartet, hatte ich doch stets die Hoffnung und auch den Glauben, Kunert würde die Krise überstehen. Damit verabschiedet sich der letzte Saab-Händler aus der Region und mit ihm eine Jahrzehnte lang gepflegte Tradition.

    In diesem Autohaus habe ich spannend erlebt, gut beraten und fair verhandelt meinen Gebrauchten gekauft und ihn von Helmar Düx, “meiner Koryphäe” in Sachen Saab, Turbo und LPG, gleich auf Autogas umrüsten lassen. Die Werkstatt hat erstklassige Arbeit geleistet. Auf das Haus war immer Verlass, jeder Schwede dort gut aufgehoben.

    Ein schwacher Trost war den Briefen aber dennoch zu entlocken: Der Saab-Service wird bei Auto Thomas weitergeführt. Ein Telefonat mit dem künftigen Pächter schaffte Klarheit: Für Saab-Kunden soll sich zunächst außer dem Etikett nichts ändern. Thomas übernimmt nach eigener Aussage das Werkstattpersonal (darunter auch Herrn Düx), den kompletten Ersatzteilbestand, Spezialwerkzeuge, Diagnosegeräte, etc. und auch den ungekürzten Kundenstamm mit allen verfügbaren Daten zu den Fahrzeugen und Werkstattaufenthalten. Auch der Autogas-Service läuft weiter. Und gerade wegen der überzeugenden Kompetenz und Verlässlichkeit werde ich an diesem Personal festhalten, wenngleich auch der Anblick, sie künftig möglicherweise in Skoda-Werkstattanzügen zu sehen, gewöhnungsbedürftig sein dürfte.

    An Kunert richte ich meinen Dank und die besten Wünsche für die Zukunft. Den bei Auto Thomas verbleibenden Saab-Schraubern wünsche ich viel Erfolg beim neuen Arbeitgeber und danke im Voraus für den hoffentlich weiterhin einwandfreien Saab-Service.

  • 31. März 2015 um 1:04 PM
    Permalink

    Wenn ich das so lese, sieht es doch ganz so aus, als wenn das Autohaus, egal unter welcher Führung und welchen Eigentümern, sofort wieder mit Saab weitermachen könnte, so denn endlich mal wieder Autos zum Verkaufen da sind. Alles nicht so dramatisch, außer dass die Familie Kunert unverschuldet und loyal Geld verbrannt haben dürfte.

  • 31. März 2015 um 1:36 PM
    Permalink

    Tja so ist das leider… Immer weniger Saabs auf den Straßen, keine Neuwagen rollen vom Band und die Informationslage in Trollhättan ist ebenso bescheiden. Für die Zukunft bedeutet das auch für die Werkstätten zunehmend Unsicherheit. Da kann ich Entscheidungen solcher Art leider zu gut verstehen. Schritt für Schritt macht sich NEVS auch noch die (internationale) Werkstättenstruktur und Markenverbundenheit kaputt.

  • 31. März 2015 um 2:04 PM
    Permalink

    Bei den SAABfreunden im Erfkreis gibt es eine Statistik, die den “Schwund” der SÄÄBE auzeigt:innerhalb der letzten 10 Jahre “verschwanden” ca. 1/3 der zugelassenen Fahrzeuge (aus dem Strassenverkehr). Abgemeldet in der Garage oder mit H-Kennzeichen wurden nicht berücksichtigt. Das zeigt: jede Unterstützung “unseres SAAB-Händlers” tut Gutes! Wenn das Händler-/ Servicenetz weiter ausgedünnt werden sollte, wird es für alle Beteiligten schwieriger…… 🙁

    • 31. März 2015 um 2:10 PM
      Permalink

      Danke, damit sprichst Du mir aus dem Herzen. Unsere Saab Händler brauchen unsere Unterstützung und unsere Fahrzeuge zum Service in der Werkstatt. Nur so sichern wir unser saabiges Fahrvergnügen!

  • 31. März 2015 um 3:43 PM
    Permalink

    Einfach traurig wenn man das liest! So eine tolle Traditionswerkstatt, die uns und Saab verlässt, aber man muss es auch verstehen.Nur mit Hoffnung und Optimismus kann man nicht leben und überleben.
    Wer wird der nächste sein?
    In meinem Saabordner von 2013 habe ich noch Deinen Bericht vom 11.04.13 mit dem Gespräch mit Frau Inka Spira.Ein sehr schöner Artikel voller Saabspirit. Schade, das es so zu Ende geht.

  • 31. März 2015 um 3:44 PM
    Permalink

    Naja … hier bei uns in der weiteren Gegend “sterben” die Saab-Händler leider schon seit den 90´ern …

    Wir mussten uns daher leider immer wieder neue Händler suchen (nur den ersten und zweiten haben wir beim gleichen Händler kaufen können) den Begriff “Nähe” bis heute massiv erweitern …. Händler gingen – Saab blieb!

  • 1. April 2015 um 7:52 AM
    Permalink

    Generationenwechsel, das kommt bei allen Marken vor. In einer solchen Situation ist es trotz Leidenschaft für SAAB unternehmerisch sinnvoll, einen Plan B zu haben. Um so mehr, wenn SAAB bei den Produkten jahrelang mit völlig offenem Ausgang rumeiert und in die Kommunikation mit den Kunden weniger als Nichts investiert.

    Bei meinem lokalen ehemaligen SAAB-Stützpunkt stehen aus dem gleichen Grund schon lange Skodas im Showroom.

    Man merkt es im Gespräch mit den Verantwortlichen gut – Die Leidenschaft für SAAB wäre vorhanden gewesen und die andere Marke ist eine Brot und Butter-Lösung. Wir leben jedoch von Brot und Butter, bei aller Leidenschaft.

    Ein Betrieb muss ja auch überleben, wenn von SAAB jahrelang nichts Neues mehr kommt. Leidenschaft für heisse Luft löst sich irgendwann von selber auf. Nur mit Old- oder Youngtimern kann kein Betrieb auf Dauer überleben.

    Trotzdem sind Know How und Werkzeuge noch vorhanden und das Servicebuch meines SAAB trägt bis heute durchgehend den Stempel des gleichen Betriebs.

    SAAB’s sind langlebig. Allerdings nur Autos und deshalb ersetzbar.

  • 1. April 2015 um 6:14 PM
    Permalink

    So traurig es ist, einen der SAAB-“Leuchttürme” für den Westen der Republik verschwinden zu sehen, so muss man doch die wirtschaftliche Entscheidung verstehen. Nur von SAAB-Reparaturen zu leben ist eben schwer, und ohne Zweitmarke erst recht – und nicht jeder legt lange Strecken zur Werkstatt zurück, erst recht bei akuten Reparaturen. Aber wenn die Werkstatt unter dem Dach einer anderen Firmengruppe “geparkt” wird und erhalten bleibt, dann lebt zumindest der im Moment wichtigste Teil des Unternehmens weiter.

  • 1. April 2015 um 7:26 PM
    Permalink

    Wer steckt denn hinter dem neuen Onlineshop, welcher ab heute eigentlich laufen sollte, der neue Pächter Thomas ?

    • 1. April 2015 um 7:32 PM
      Permalink

      Zu 100 % sicher bin ich nicht. Nach meinen Informationen wagt ein ehemaliger Mitarbeiter damit den Sprung in die Selbstständigkeit.

      • 10. April 2015 um 9:32 AM
        Permalink

        Inzwischen ist der neue Teileshop online und deine Vermutung, Tom, zielte ins Schwarze: Ein ehemaliger Mitarbeiter von Kunert, DER Mitarbeiter für Ersatzteile, betreibt ihn. Sieht nicht verkehrt aus, zu finden hier: http://www.schwedenparts.info

        Spannend gerade für mich, denn der Shop hat seinen Sitz in meiner Heimatstadt, fast um die Ecke – somit werde ich Porto sparen können.

  • 1. April 2015 um 11:04 PM
    Permalink

    nicht alles ist so, wie man es gerne hätte. Wenn man als Autohaus überleben will, muss man für Fahrzeuge im Showroom sorgen. Und die Preise müssen marktgerecht sein. Gute Saab Werkstätten haben wir hier im Köln/Bonner Raum (noch) genug. Neue, oder nahezu neue Saab gibt es zur Zeit kaum. Der Norden zeigt, wie man es macht, auch damit zu handel. Kunert konnte, oder wollte eingefeischten Saab Fahren nicht helfen. Da hilft dann 30 Jahre Kundenbindung zum Schluss auch nichts. Zum online Shop kann ich nichts sagen, weil ich andere Quellen habe. Ich wünsche dem Kollegen mehr Glück im Weg zur Selbstständigkeit.

Kommentare sind geschlossen.