SAAB Kult: Einsteigen mit dem Saab 900 II

Reden wir mal wieder über den Saab Kult !  Saab als Hobby, jenseits von der Design-Ikone Saab 900. Wer einsteigen will, der könnte dies auch mit der zweiten Generation des Saab 900 tun. Ein schwieriges Thema, an das ich mich wage…zugegeben ! Denn die zweite Generation des Saab 900 hatte es schwer. Denn ein besonders übellauniger Troll muss bei seiner Geburt in der Stallbacka Pate gestanden haben. Der Saab 902 bekam als Hypothek den Kampf gegen eine Legende und einen Sündenfall mit auf den Weg.  Das konnte nicht funktionieren ! Dabei hatte alles so gut angefangen…

Saab 900 SE Yellow Mellow Cabriolet 1988
Saab 900 SE Yellow Mellow Cabriolet 1988

Sein Design macht ihn auf den ersten Blick als Saab erkennbar. Die Form einer Flugzeugtragfläche neu definiert und in Form gebracht, das bekannte Saab Schrägheck eben. Sowohl sein Vorgänger als auch der Saab 9000 mit seinen durchgehenden Leuchtbändern am Heck standen Pate. Der Innenraum ebenfalls typisch Saab, keine Frage. Ausgefeilte Ergonomie, die kaum weitere Worte braucht und die bis heute vorzeigbar ist.

Die ersten Saab 900 II Erfahrungen

Meine erste Fahrt 1993 mit einem neuen Saab 900 Turbo habe ich heute noch in meiner Erinnerung, als ob es gestern gewesen wäre. Ein nagelneuer Vorführwagen in der luxuriösen SE Ausstattung. Die Spitzenmotorisierung mit 185 PS sorgte für souveräne Fahrerlebnisse, und eigentlich konnte der 902 damals alles besser als sein Vorgänger. Viel mehr Raum, mehr Komfort, bessere Motorisierung und dazu das wundervolle Saab Schrägheck.

Die Fans und der Blogger hätten den Neuen lieben müssen.

Hätten !  Aber sie verweigerten sich. Tolle Sitze, besser als im 901? Pah, egal. Satte 185 Turbo PS statt nur 160? Auch egal. Im Vergleich zum 901 eine geradezu gespenstische Ruhe im Innenraum? Vollkommen uninteressant. Die Liste könnte man beliebig weiterschreiben. Ich selbst habe damals auch keinen gekauft, denn es fehlte mir der Charme des Vorgängers.

Dann schwirrte das böse “Opel” Wort durch die Presse, und die ersten Crashtests waren ein Desaster für Saab. Dazu nur ein Turbo und der Rest schnöde Sauger? Das war auch für mich zuviel, einen Opel wollte ich nicht, einen Sauger auch nicht, und so bin ich dem 901 treu geblieben. Es folgten gebrauchte Exemplare und erst mit dem 9-3 II kam erneut ein Neuwagen aus Trollhättan in unsere Garage.

Der Saab 900 II – 20 Jahre später

Fährt man heute, 20 Jahre später, einen 902, dann erscheint mir meine Entscheidung nicht mehr so klar. Denn der 902 hat im Rückblick und im Vergleich mit aktuellen Autos viel Charme und Individualität bei viel Turbo-Power. Hatte ich damals falsch entschieden? Woran lag es, dass die Fan-Gemeinde bis heute schmollt und der 902 das Aschenputtel der Saab Szene ist?

Saab 9-5 Sportkombi und 900 II. Durchgehendes Heckband
Saab 9-5 Sportkombi und 900 II. Durchgehendes Heckband


Sündenfall in Trollhättan

Es war der Sündenfall bei Saab. Mit dem Griff ins GM Regal kam zusammen, was vom Image her nicht zusammen passte. Die Vectra Plattform war Mittel zum Zweck, der Rest blieb, bis auf einige Komponenten, original Saab. Denn mit schwedischer Sturheit – und zum Verdruss der Amerikaner – bevorzugte man in Trollhättan bis zum Schluß lokale Lieferanten und traditionelle Beziehungen.

Aber Opel war mehr Fluch als Segen, und der Gebrauch von Rüsselsheimer Komponenten schädigte das Image der Schweden nachhaltig. Für die europäische Motorpresse war der Saab 902 ein Opel oder Vauxhall. Dass es nicht so ist, kann man in Anders Tunbergs Buch “Saab 900 – eine schwedische Geschichte” nachlesen. Aber der Makel blieb und belastet den 902 bis heute.

Kampf gegen eine Legende

Hollywood wusste es schon immer !  Der Kampf gegen eine Legende ist nicht zu gewinnen. Der klassische 900 war in seinen letzten Jahren veraltet, und der 902 konnte alles besser. Aber was nutzt alle Objektivität, wenn das Bauchgefühl dagegen ist. Dem 902 fehlt der blubbernde Sound und das Charisma der vorherigen Generation. Legenden sterben nie. Der Schatten des 901 verfolgte den 902 sein Leben lang. Den Kampf gegen Legenden verliert man immer.

Das Bessere ist des Guten Feind

Der 900 II wurde nur bis 1998 gebaut, ein kurze Laufzeit für Saab Verhältnisse. Der Nachfolger sah besser und moderner aus. War “Saabiger” und besser zu fahren. Dass der 9-3 dann neben viel mehr Turbo Variationen auch noch einen Diesel unter die Haube bekam, machte den 900 II noch uninteressanter. Der Saab 902 war ein Schwede ohne Chance. Zerrieben zwischen dem Mythos Saab 900, dem 9-3 I und dem Sündenfall von Trollhättan.

Wer heute einen 902 sucht, der braucht viel Geduld. Denn es ist einfacher, einen Saab 900 Turbo 16 S im erstklassigen Zustand zu finden als einen guten 902.

Der Fluch des Hatchbacks

Kaum feierte der Saab 9-3 I sein Debut, war der 902 vergessen. Die Fans beschäftigten sich lieber mit dem klassischen 900 und ließen den 902 links liegen. In der Folge sanken die Preise, und der 902 wurde als billiges, praktisches Schrägheck lieblos gebraucht und verbraucht. Kinderwagen rein, als Helfer auf dem Bau, Kleintransporter für den Umzug oder Transporter für Material vom Baumarkt. Der 902 steckt alles klaglos weg, und der Fluch des Hatchbacks macht den 902 zum Verbrauchsauto.

Saab 900 V6 im Saab Museum
Saab 900 V6 im Saab Museum

Saab 902 kaufen!

Der Saab 902 ist besser als sein Ruf. Alles, was einen Saab zum Saab macht, kommt aus Schweden, und bei der Abstimmung des gutmütigen Fahrwerks war Saab Legende Erik Carlsson mit an Bord. Die Motoren, bis auf den V6, sind Saab Konstruktionen wie auch die manuellen Getriebe. Der Saab 900 Serie II ist eines der ersten Fahrzeuge, wo auf Ökologie geachtet wurde. Asbest-frei, FCKW-frei, wiederverwertbar, und natürliche Materialien zeigen, wie Saab damals der Zeit voraus war. Füllmaterial aus Holz in den Türen, jeder andere Auto-Hersteller hätte daraus eine grüne Story gemacht. Bei Saab wurde das ja mal wieder vergessen.

Wo kaufen?

Der Saab 902 ist das Kellerkind der Saab Szene. Daher findet man ihn dort, wo es typischerweise keinen Saab gibt. Der freundliche Fähnchen-Händler auf dem Schotterplatz ist ein Anlaufpunkt  oder der Hinterhof eines großen Autohauses. Saab 902 werden gerne in die zweite Reihe oder in Schmuddelecken abgeschoben! Das hat er nicht verdient. Die Kleinanzeigen im Internet und die üblichen Online Portale sind sowieso eine Quelle.

Worauf achten?

Wer einen Saab 900 Serie II sucht, der sollte Geduld, Geduld und nochmals Geduld haben. Wie bei vielen Youngtimern gilt auch hier die Regel, dass der Zustand der Karosserie entscheidend sein sollte. Denn die Technik ist vergleichsweise robust und mit überschaubaren Aufwand in Stand zu setzen. Schwachpunkte am 902 sind die Aufnahme der vorderen Federbeine, der hinteren Federtellern und die hinteren Radläufe. Hier droht Rost!

Der Turbo Motor ist, wenn er gepflegt wurde, ein robuster Geselle. Ist es nicht so, dann lauert hier Gefahr. Denn viele Saab 902 wurden bei den großen Werkstatt-Ketten oder gar nicht gepflegt. Wartungs- und Reparaturstau sind die Folge. Beim Kauf auf defekte Zylinderkopf Dichtungen, Lagerschaden am Turbolader und auf überalterte Turboschläuche achten !

Für die Sauger mit 2 oder 2.3 Liter gilt das nicht. Nur die Ausgleichswellen beim 2.3 kommen irgendwann an ihre Grenzen und rufen nach einer Motorrevision. Die Kits dafür sind, wenn lieferbar, zum fairen Preis über die Saab Parts AB zu beziehen und machen eine Revision bezahlbar. Aber gibt es Vorbesitzer, die selbst dieses Geld nicht investieren wollten, und die Ausgleichswellen, durch Entfernung der Ketten, einfach still legten.

Eine Sonderstellung, die man tunlichst meiden sollte, nimmt die Saab-Sensonic ein. Eine Halbautomatik und Saab Entwicklung, die in Verbindung mit dem 2.0 Liter Turbo für sportliche und dennoch komfortable Fahrerlebnisse sorgen sollte. Die Sensonic sorgte statt dessen für Probleme und für Verdruss bei den Kunden. Saab beendete das Abenteuer nach kurzer Zeit, und einige Sensonic-900 wurden auf manuelles Getriebe umgebaut. Überlebt hat kaum eine dieser Varianten.

Der Innenraum des 902 ist robust, denn Saab verbaute langlebige Materialien. Die Sitze haben oft schönes, dickes Leder, und nett ist es, einen 902 mit original Radio zu finden. Das Saab Infodisplay SID leidet unter Pixel Fehlern, die aber für kleines Geld zu beheben sind.

Wie gesagt, Geduld, Geduld und nochmals Geduld ist wichtig. Immer wieder, wenn auch selten, findet man Exemplare aus erster oder zweiter Hand. Scheckheft-gepflegte Exemplare sind selten, aber nicht unmöglich.

Die Preissituation

Welcher Preis? Der Saab 902 ist nicht günstig. Er ist einfach billig, oder besser gesagt, fast geschenkt zu haben. Die Preise starten bei wenigen Euros und klettern selbst für Cabriolets selten über die 4- oder 5.000 Euro Schwelle. Gute Limousinen oder Coupés bekommt man mit etwas Glück für kleines Geld. Daher sollte man im Zweifelsfall immer das bessere oder teurere Exemplar nehmen.

Saab Partner mit Tradition: Saab Bredlow in Berlin
Saab Partner mit Tradition: Saab Bredlow in Berlin

Ersatzteile & Werkstatt

Die Situation ist, der Saab Parts AB sei Dank, entspannt. Viele Teile bekommt man neu oder wird bei traditionellen Saab Partnern, wie dem ältesten Händler Deutschlands Saab Bredlow, fündig, die nicht lieferbare Teile im Regal haben. In Schweden und bei den Händlern gibt es auch Gebrauchtteile, gute Kontakte zu einem Saab Betrieb und zur Saab Szene sind auch beim 902 von Vorteil. Entscheidet man sich für den famosen 2.0 Turbo, dann ist eine Saab Werkstatt Pflicht. Der Turbo benötigt eine kundige Hand, die großen Werkstattketten und freie Schrauber ohne Saab Hintergrund sind überfordert.

Welchen Kaufen?

Wie bei jedem kommenden Young- oder Oldtimer gilt auch beim Saab 900 II folgende Regel: Cabriolets sind begehrter als Coupés  und diese sind begehrter als Limousinen. Ein Turbo ist immer interessanter als ein Sauger. Scheckheft und nachvollziehbare Historie sind immer zu bevorzugen.

Von einer Wertanlage zu reden wäre zu viel gesagt. Denn selbst der Optimist in mir sieht im 902 auf absehbare Zeit wenig Potential. Aber billiger geht es nicht mehr, und die absehbare Marktverknappung wird das Preisniveau in den nächsten Jahren regulieren. Fahrzeuge der letzten beiden Baujahre sind qualitativ besser als frühe Exemplare.

Sehr gut passt der 185 PS Turbo, der kaum Wünsche offen lässt. Souverän und mit sportlichen Ansätzen ist er der “Saabigste” in der 900 II Baureihe. Diese Exemplare wurden oft in der SE Ausstattung geordert, die mit Leder, Klimaautomatik und vielen anderen netten Dingen aufwartet. Luxus gibt es hier für kleines Geld.

Eine mögliche Wertanlage ist das Saab 902 Mellow-Yellow Cabriolet, welches die Schweden in Zusammenarbeit mit Rinspeed auf den Markt brachten. Auf 210 Exemplare limitiert sollte es an den Erfolg der Monte Carlo Cabriolets anknüpfen. Was nicht so gelang. Monte Carlos sind immer noch in aller Munde, aber wer spricht vom Yellow-Mellow. Oder ? Mellow-Yellows werden zwischen  7.000,00 und 8.000,00 Euro gehandelt. Tendenz leicht steigend.

Weniger aufregend, aber treue Begleiter, sind die 4-Zylinder Saugmotoren mit 150 oder 130 PS. Auch das Talladega Sondermodell, welches an den zweiten Long-Run erinnert, erzeugt (immer noch) keine große Begehrlichkeit. Der V6 aus dem GM Regal spaltet die Szene. Etwas rauh, aber durchaus robust, ist er der einzigste Motor, der nicht von Saab kommt und der nicht über Kette angetrieben wird. Dafür gibt es ihn oft mit guter Ausstattung im SE Niveau zu kaufen.

Der Einstieg mit dem 902 in den Saab Kult ist für kleinstes Geld zu haben. Verbastelte Fahrzeuge mit unklarer Historie und riesigem Wartungsstau sollte man deshalb meiden. Noch ist die Auswahl recht groß und noch können wir es uns leisten, das bessere Exemplar zu nehmen.

Der Kult Faktor Schnellcheck:

+ Einsteigen: Wenn man einen Saab für kleines Geld sucht und das Wort Image ohne Bedeutung ist. Am besten mit dem starken Turbo Motor.

– Aussteigen: Weil der 901 oder der 9-3 I doch die kultigeren oder besseren Autos sind.

+ Geheimtip: Das Talladega Sondermodell. Im Gegensatz zu späteren Talladega Editionen keine Marketing Masche, sondern ein Auto mit historischem Hintergrund. Schwer zu finden. Oder der 900R. Auch er ist keine Marketing Story, sondern mehr. Wer die Geschichte dazu nicht kennt, der erfährt den Hintergrund am Montag auf dem Blog.

– Kult-Ranking: Noch immer gering. Und ganz ehrlich, es kann nur besser werden.

Text: tom@saabblog.net Bilder: Saab Automobile AB (1), saabblog.net

12 Gedanken zu „SAAB Kult: Einsteigen mit dem Saab 900 II

  • 22. Februar 2013 um 3:00 PM
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    Ein ganz gewaltigen Minuspunkt fehlt in der Aufzählung: die Kombination McPherson-Gelump mit Opelhinterachse. Schon dem 9000 tat die McPherson-Vorderachse nicht gut, der kann auch nur Geradeausfahren und wenn es doch ausnahmsweise mal ums Eck gehen soll fühlt sich das ganze einfach eckig und falsch an. Dem verzeiht man das aber, denn der ist Raum-Schiff und Autobahngleiter, und geradeausfahren kann er ganz hervoragend.
    Der 900 dagegen mutiert dank seines aufwendigen Fahrwerks mit Doppeldreieckslenkerachse wenn gewünscht auch zum Landstraßenheizgerät. Ich habe bis heute keinen anderen Fronttriebler gefahren, der so agil ist, so behende einlenkt, so wenig untersteuert wie ein gut gewarteter und eingestellter 900…
    Und genau das kann der Saab Vectra eben nicht. Der wird sicher nicht schlechter fahren als andere Fronttriebler aus der Zeit, aber wer vom 900 kommt legt da eben einen etwas anderen Maßstab an.
    Dazu kommt noch die teilweise lieblose Verarbeitung und das ganz und gar grauslige Hartplastik.

    Schade, denn hübsch ist das Ding wirklich.

    • 22. Februar 2013 um 7:18 PM
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      Diese Art der Konstruktion der Vorderachse ist auch eine (logische) Folge aus dem Bestreben von Saab in den frühen Phasen der Entwicklung (ab 1986 nach Einführung des 9000) den 900 mit Bodengruppe und Komponenten des 9000 zu bauen. Auf diese Weise hätten auch viele ähnliche Teile verwendet werden können.

      Die als abwertend auffassbare Benennung des 900 II im Kommentar zeigt übrigens, wie “gut” die Presse gearbeitet hat.

  • 22. Februar 2013 um 3:20 PM
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    Schwieriges Thema, gut geschrieben! Chapeau 😉

  • 22. Februar 2013 um 6:11 PM
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    Danke für den Bericht,

    an dem 902 wird deutlich wie wichtig das Image eines Produktes ist, die Verbindung zu Opel hatten die Journalisten immer auf dem Schirm und haben die Story ausgeschlachtet, ohne genauer zu recherchieren.Das oben genannte Buch macht deutlich wie viel Saab in dem 902 steckt und vor allem, dass nur ein Schwede einen Saab zeichnen kann. Nach Jason Castriotas Versuch kann ich die Aussage in dem Buch nur bestätigen. Wir selber haben zwei 902 gefahren. Ein 2.0 Talladega Sauger war nach jahrelangen Saab hinterherschauen unser Einstieg in die Saabwelt und diente als perfektes Familienauto. Dieses Auto konnte einfach alles und war in den Jahren unseres Besitzes grundsolide! Auch ein Cabrio ziehrte später unseren Fuhrpark und zwar als 2,3l mit 150 PS, der mit superplus betankt durchaus ein Schrecken auf der linken Spur sein konnte. Für mich der eigentliche Geheimtipp (wenn auch ohne turbo), der 2,3 säuselt und spielt diese typische Saabsynfonie, ist unverwüstlich und konnte auch sehr sparsam bewegt werden. Später folgten bei uns ein 93 1 als Diesel und aktuell ist es ein 95 Sportkombi mit einem Hirsch unter der Haube. Saab ist eben mehr als ein Auto, ein verlässlicher Begleiter unserer Familie und bei uns nicht mehr wegzudenken. Nach Saab kommt sehr lange nichts. Beruflich fahre ich leider eine andere Marke, ein tolles Auto, aber es fehlt etwas was ich nicht in paar Worten beschreiben kann. Ich würde heute noch privat jeden Saab 902 einem z.B. moderneren Audi oder BMW vorziehen. In der Summe seiner Eigenschaften war die Form einmalig. Ein Einstieg in die Saabwelt mit dem 902? Machen! Also in Zukunft bitte wieder Hatchbacks mit eigenständigen schwedischen Flair! Hier ist im Markt ein Lücke die derzeit mit A5/A7 und zukünftig 3GT gefüllt wird. Was viel wichtiger ist: In der Lücke ist auch ein Markt.

  • 22. Februar 2013 um 6:14 PM
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    Der 900 hatte genau wie der 9 3 I das Problem, dass es ihm in den Kofferraum tropfte, wenn man nach Regen die Klappe öffnete und das man aus dem selben Grund auch den Sitz nass hatte. Nicht sehr durchdacht. Das Fahrwerk polterte und die Türdichtungen verdienten ihren Namen nicht. Das sind meine Erfahrungen nach 200000 km in diesem Fahrzeug. Überdies kann man mit dem 900 I Cabrio auch deutlich schneller als 100 km/h fahren, ohne dass es einem den Skalp vom Kopf reisst. Dies war mit dem 900 II leider nicht möglich. Und….. Legenden leben länger 🙂

  • 22. Februar 2013 um 7:08 PM
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    Man sollte nicht vergessen, daß Opel um die Markteinführung des 900-II selbst mit massiven Qualitätsproblemen zu kämpfen hatte (Ola, Senor Lopez!). Ansonsten war SAAB da ja mal wieder der Zeit voraus, Plattform-Sharing, auch über Markengrenzen hinweg, ist ja mittlerweile gang und gebe. Hätte Opel damals bessere Qualitätsstandards gehabt, wäre der 900-II heute vielleicht ein glorreicheres Kapitel in der SAAB-Geschichte. Auf vielen Bildern sieht jedenfalls Klasse aus, besonders das Cabrio.

  • 22. Februar 2013 um 8:16 PM
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    der 902 war unser Einstieg in die Saabwelt 1994 mit einem 2,0i, da ich keinen Saab davor gefahren bin fehlte mir nichts, die Basisaustattung hatten wir nur um Nebelleuchten und Beifahrerairbag aufgerüstet. Auch der Sauger (damals noch ohne Ausgleichswelle dafür mit 133PS) schaffte auch ohne murren die 200km/h Grenze. Das Fahrwerk machte im Schneemulm eine bessere Figur als der später angeschafte aero9k. Was mich bis heute fasziniert ist die Form des 902, wir hatten ihn bewusst mit unlackierten Stoßfängern gewählt. Damit wirkte er schlanker-länger als mit solchen in Wagenfarbe oder der 9-3I.

    Es ist eben immer eine Frage wo man herkommt und welche Ansprüche man hat, für mich war der 94er 902 ein Quantensprung und für mehr als 10Jahre ein treuer Begleiter. Heute bin ich mit dem 9-5IIaero am anderen Ende Saabskala angekommen, sicher auch deshalb weil die vorherigen Saab-gefährte treue und in Summe preiswerte Begleiter waren.

  • 22. Februar 2013 um 9:30 PM
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    Der Quermotor spart Platz – siehe 9000, der auf vergleichbarer Fahrzeuglänge bedeutend mehr Fahrgastraum bietet als der 900. Er verhindert aber leider auch eine vernünftige Vorderachse, will man in der Fahrzeugbreite nicht allzu weit eskalieren.
    In dieser Hinsicht hätte es m.E. auch ein “hauseigener” 900-Nachfolger auf 9000-Basis sehr schwer gehabt, dem Vorgänger das Wasser zu reichen. Der erste post-900-Saab, der sich halbwegs saabwürdig fährt, also würdig der Nachfolge des 900, ist der 9-3II, dem seine mitlenkende Hinterachse tatsächlich Dynamik beibringt. Der fuhr dann zwar manierlich, sah dafür aber leider anfänglich aus wie 90-Jahre-Opel (und wurde erst mit dem “Sith”-Facelift halbwegs erträglich, weil aufdringlich und damit wenigstens nicht mehr langweilig).

    Die Verbindung mit Opel kam dazu zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt. Spätestens seit Ender der 80er Jahre war “Opel” für uns Heranwachsende das Synonym für “billigster Dreck”. (Diese Einschätzung wird man aus den Köpfen meiner Jahrgangsgenossen wohl auch nie wieder herausbekommen, auch wenn die Rüsselsheimer seit dem Astra G wieder damit begonnen haben gar nicht mal so schlechte Autos bauen). Jede Assoziation mit Opel mußte zu Beginn der 90 fatale Folgen haben. Sie hatte das auch noch 2010, als nämlich der neue und wirklich hervorragend gelungene 9-5 zumindest in der Presse als aufgeblasener Insignia rezipiert wurde.

    • 23. Februar 2013 um 11:30 AM
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      Die Ironie an der Sache ist ja, daß die Opel-Angestellten – Mechaniker/Monteure ebenso wie Designer und Entwickler – in der Branche einen hervorragenden Ruf genießen, diesem aber leider nur in sehr eingeschränkter Weise gerecht werden können. Und ja – ab Ende der 80er und Anfang der 90er wurde da mit großer Nachhaltigkeit ein guter Ruf zerstört. Und den wiederzuerlangen, wird wohl mindestens wieder genausoviel Zeit in Anspruch nehmen.

  • 23. Februar 2013 um 11:35 AM
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    Unsere 900-2 Neuwagen Erfahrungen, er war unser erster SAAB, waren durchweg positiv. Er war langlebig, zuverlässig und verlies die Familie erst mit mehr als 300.000 Kilometern. Der 9-3-1 war natürlich viel besser zu fahren und wenn ich heute aus reiner Sentimentalität zum Youngtimer greifen würde, dann ohne Frage zum 9-3-1.
    Trotzdem der 900-2 ist ein Stück SAAB Geschichte und wer das bis heute nicht verstanden hat, der wird das nie verstehen. Der Artikel ist sehr gut zu einem sehr heiklen Thema geschrieben. Vielleicht bewegt er was. Danke Tom!

  • 23. Februar 2013 um 2:48 PM
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    Schöner Bericht Tom!
    Ich kann mich den positiven Erfahrungen in den Kommentaren nur anschließen. Unser 902 Cabrio 2,3i ist ein sehr zuverlässiges Auto und so zeitlos, das kaum ein SAAB-Fremder das Alter einschätzen kann. Sowohl der Innen- als auch der Kofferraum ist kleinfamilientauglich, solche Cabrios findet man heute kaum noch. Ich sitze mit meinen 195cm auch auf Langstrecken richtig gut und steige fit wieder aus – SAAB eben.
    Dem 2,3i fehlt natürlich der Turbodampf, aber er ist von unseren vier SAAB mit Abstand der sparsamste und passt zum Cruisen mit offenen Dach perfekt. Wenn nötig hat er schon ausreichend Reserven, auch auf der Autobahn in höheren Drehzahlen.
    Der 9-31 ist in vielen Details weiterentwickelt und verbessert worden.
    Die Fahrwerke sind sicher keine Kurvenräuber, tragen aber einen großen Teil zum Langstreckenkomfort bei, der mir wichtiger ist und geben (hier speziell der 9000) eine superklare Rückmeldung über den Straßenzustand. Das hat mich im Winter schon einige Male gerettet, weil sich rechtzeitig ankündigt, wenn es ernst wird!

  • 23. Februar 2013 um 3:21 PM
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    900 II, SAAB ja oder eher Nein?? Ích denke “ER” gehört nun mal zur Saabgeschichte dazu. Obwohl ich mir sicher bin, das die Saabianer aus Trollhättan nicht glücklich waren, über die befohlenen Griffe ins Opelregal. Ich selber hatte 1993 die Ehre bei der Präsentation des 900 II in Trollhättan dabei sein zu dürfen. Unter dem Motto, “The NEW 900, very SAAB” hat man uns das neue Auto präsentiert. Wenn ich daran zurück denke bekomme ich heute noch Gänsehaut. War einfach nur mega geil…
    Auch wenn dieses Auto dann doch eher europäisch als trationell Saab erschien, so hat es doch gerade deshalb viele Neukunden von anderen Marken abgeworben, die vorher mit SAAB nichts anfangen konnten.
    Leider kam dannach auch schon die Ernüchterung, was das Thema Qualität anging. Das Modelljahr 1994 hätte sich SAAB im Bezug auf den 900 II lieber schenken sollen.
    Aus dem 900II dann einen 9-3 zumachen war aus Sicht der Marketingexperten absolut richtig, dieses Auto wird immer noch gut gehandelt. Mein Sohn der seit einigen Jahren nun auch SAAB infiziert ist, fährt einen 2000er 9-3 mittlerweile 280.000km auf der Uhr, sieht er noch aus wie aus dem Ei gepellt.
    Ich selber habe mir damals einen 9000 CS mit 170 PS gekauft, die beste Enscheidung in meinem bisherigen Autoleben, so dass meine Frau das gleiche Auto auch noch bekam.
    Aber alles hat ein Ende, nun fahren wir beide 9-5 Kombi, einer davon ein AERO, beides tolle Autos in super Zustand, aber trozdem eben nicht mein geliebter 9000er,,,

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