Saab, SaabBlog, die Monte-Carlo-Gelbe DeLonghi La Specialista
Die Leser kennen meine Leidenschaft für einen guten Espresso, der auch in weniger angenehmen Monaten mein Lebenselixier war. Das SaabBlog Magazin ist ohne Kaffee und Espresso kaum vorstellbar. In früheren Zeiten wäre eine Packung blauer Gauloises dazugekommen. Das wäre jedoch zu viel der politischen Unkorrektheiten.
Den Rückgrat der Koffeinversorgung bildeten bis vor Kurzem eine DeLonghi Magnifica, die jeden Besucher zuverlässig bedient, und eine in die Jahre gekommene “Francis Francis X1” von Illy. Sie ist der Ausweis spanischer Sorglosigkeit bei der Montage, von Anfang an nicht ohne Probleme, dennoch überlebte sie völlig überraschend sämtliche andere Fabrikate, die nach ihr kamen.
Mittlerweile hat sie ihre täglichen Sensibilitäten voll entwickelt, es ist an der Zeit sich nach einem Nachfolger umzuschauen. Der Weg führt mich nach Italien, aber erst einmal nicht zu DeLonghi.

Saab, SaabBlog, die Monte-Carlo-Gelbe DeLonghi La Specialista
Im Büro ist bereits eine Kaffeemühle von Lelit im Einsatz, die vor allem durch ihre Anspruchslosigkeit und Zuverlässigkeit überzeugt. Ich mag es, wenn Dinge funktionieren, und komme auf die Idee, als Nachfolger der “Francis Francis” eine Lelit Anna PID (Link) zu bestellen. Das Gerät ist kompakt, die Testberichte sind überzeugend, das Design gefällt.

Ein Kaffeehändler bietet die “Anna” in einer Sonderaktion an, ich bestelle und eine Woche später steht sie vor mir. Dreifüßig und wackelnd, denn die Espressomaschine ist heftig verzogen, an der Verpackung ist aber kein Hauch eines Transportschadens zu erkennen. Außerdem ist die Lelit massiv gebaut.
Vermutlich kann sie bis hin zur Kollision mit einem Panzerspähwagen alles ab, ohne Schaden zu nehmen.

Aber sie wackelt, vermutlich ab Werk, und das wäre nicht das einzige Problem. Denn die Druckanzeige bei der Espressoabgabe bleibt tot, völlig unabhängig davon, welchen Mahlgrad man verwendet. Die Hotline des Kaffeehändlers vermutet mal zu wenig Wasser im Tank, einen zu groben Mahlgrad, komplett die Unfähigkeit des Kunden.
Die Lelit Anna enttäuscht, leider
Nichts davon trifft zu und egal was man tut, die dekorative Druckanzeige verweigert jede Aktion. Die Frage baut sich auf, wie die Qualitätskontrolle bei Lelit ist. Darüber nachdenken möchte ich, ziemlich enttäuscht, lieber nicht.

Die Maschine sende ich daher zur Gutschrift an den Versender zurück und ich habe die Gelegenheit, alles noch einmal zu überdenken.
“Eigentlich” so sage ich zu meiner Frau, “war jede italienische Maschine aus einer Manufaktur von Anfang an mit Problemen behaftet. Meist war alles nur bei der zweiten Lieferung in Ordnung, die Lelit steht in dieser Tradition”.
Und eine Erkenntnis reift. Nur die DeLonghi Ware war stets fehlerfrei, zuverlässig, fern aller Komplikation.
Es ist jener Punkt, an dem ich genug von edlen Espressomonstern aus Edelstahl habe. Stattdessen suche ich die Problemlosigkeit.

DeLonghi – gute Maschinen und erfahrungsgemäß guter Service
DeLonghi hat zu diesem Zeitpunkt die La Specialista Arte zu einem unschlagbaren Preis im Sortiment (Link). Ich kämpfe mich mal wieder durch die Testberichte der selbst ernannten Baristas und stelle Folgendes fest:
Durch die Bank bescheinigt man der La Specialista, einen guten Espresso zu produzieren. Mit einem merkwürdigen Unterton des Bedauerns und des Staunens: Darf das sein, dass eine relativ preiswerte Maschine mit hohem Kunststoffanteil und aus einer automatisierten Fertigung nahe an der Manufakturware liegt?
Eigentlich nicht.
So etwas ist ein Sakrileg und gilt als ausgeschlossen.

Was zusätzlich für DeLonghi spricht, ist die durchgehend gute Erfahrung mit dem Aftersales. Kleine Probleme, wie ein sich anbahnender Sprung eines Kunststoff-Milchbehälters, wurden ohne Diskussion mit einem Austausch behoben.
Die Marke ist vorbildlich, denke ich mir.
Also lege ich mir eine gelbe (!) La Specialista Arte für 379,00 €, abzüglich 10 % Sommerrabatt, in den Warenkorb. Mitten im Bestellvorgang erhalte ich einen Anruf, der Warenkorb bleibt rund zwei Stunden unbearbeitet.
Und dann erlebe ich eine Überraschung.

Statt 379,00 € kostet die Espressomaschine jetzt 419,00 €. Das ist ungewöhnlich. Mir geht es nicht um die 40 € Mehrpreis, mir geht es um das Prinzip in dem Moment, in dem ich die Hotline des Herstellers anrufe und das Problem schildere. Offensichtlich befindet sich das DeLonghi Callcenter in Polen. Die Ansprechpartnerin vermutet einen EDV Fehler, hält kurz Rücksprache und bittet mich, in einer Stunde noch einmal zu bestellen.
Der DeLonghi Kundenservice ist nicht kooperativ
Aber auch nach einer Stunde ist mein Preis bei 419,00 €. Mittlerweile ist es Nachmittag geworden und ich möchte bitte den Vormittagspreis für meine Bestellung.

Eine betont freundliche, positive Mail, in der ich die Zufriedenheit und Verbundenheit zur Marke betone, führt zu folgender Antwort:
“….vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich der Preise auf unserer Website. Es tut uns sehr leid, dass es zu dieser Situation gekommen ist. Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir Ihnen das Produkt leider nicht günstiger als zum aktuellen Ladenpreis anbieten können. Wir empfehlen Ihnen daher, zu prüfen, ob unsere Produkte bei unseren Partnergeschäften günstiger erhältlich sind.
Sollten Sie weitere Fragen haben, kontaktieren Sie uns bitte erneut. Vielen Dank und einen schönen Tag.
Mit freundlichen Grüßen,
De’Longhi Servicecenter”
Übersetzt liest es sich so: Wir sind nicht kooperativ. Schau selbst, wie Du zurechtkommst.

Denn natürlich ist auch bei DeLonghi jedem klar, dass man die La Specialista Arte nirgendwo zu dem von mir gewünschten “alten” Preis vom Vormittag bekommen wird. Ich staune, denn mit einer kleinen Geste wäre alles gut gewesen und man hätte mich zum echten Fan machen können. Die Gelegenheit hat man vergeben, und es ist so, dass negative Ereignisse stets präsenter bleiben als sämtliche positive vorher.
Ungünstig ist es nur, dass ich beschließe, die Maschine trotzdem zu bestellen. Sie ist nun mal gelb, ich habe mich in die Farbe verliebt und ich will diesen Farbklecks im Büro sehen.

Unglaublich, die La Specialista ist “Monte-Carlo-Gelb”
Eine Woche später steht sie dann wirklich hier. Sie ist nicht nur gelb, sie ist “Monte-Carlo-Gelb”. Ein schöneres Gelb als auf den Bildern, würdig einer Saab 900 Monte Carlo Cabriolet Sonderedition (falls es bei DeLonghi Saab-affine Menschen gibt).
Sie funktioniert von Anfang an gut, liefert nach ein paar Einstellversuchen einen mehr als akzeptablen Espresso, und ist beeindruckend gut durchdacht. Die Ergonomie ist hervorragend, ein schlaues Ablagefach unter der Heizplatte für die Espressotassen nimmt Kleinkram auf. Alles, was mit Reinigen und dem Wechsel von Wasser zu tun hat, lässt sich einfach und praxisgerecht bedienen.
Die Verarbeitung der in China hergestellten DeLonghi ist routiniert, der zum Einsatz kommende Kunststoff ist wertig, authentisch. Kritik gibt es von meiner Seite so gut wie keine. Die Schwäche ist die schnelle Abschaltung. Hier schlägt die EU wieder zu, die verhindert, dass die Espressotassen richtig warm werden.
Das Problem umgeht man, indem man das Tässchen zuvor mit heißem Wasser befüllt, dann ist auch hier alles perfekt.
Der Thermoblock heizt die Monte-Carlo-Gelbe La Specialista Arte blitzschnell auf. Sie ist die passende Maschine für das hektische urbane Volk, das niemals angemessen Zeit hat.

Die DeLonghi La Specialista Arte hat überraschendes Potenzial
Man kann die DeLonghi sogar noch besser machen. Der Hersteller liefert ziemlich großzügig nützliches Zubehör wie einen “Dosing & Tamping Guide”, dazu einen Tamper, die passende Matte und zwei verschiedene Siebe.
Aber die letzteren Teile sind maximal Kompromisse.
Richtig gut, dass maximal Nuancen den Unterschied zu viel kostspieligeren Maschinen ergeben, wird die DeLonghi La Specialista durch Feintuning. Ein guter, schwerer Tamper mit 51 mm Durchmesser (gibt es “Made in Italy” bei DeLonghi oder günstig aus Asien bei Amazon), ein offener Siebträger, den man entweder beim Hersteller oder auch beim großen Versandhändler kauft.
Zur Abrundung fehlt nur noch ein feinmaschiges Edelstahlsieb (nicht von DeLonghi, da dort zu grob, sondern von Neouza Link), schon hat man besten Espresso mit feinster Crema.

Die La Specialista Arte macht Spaß
Zusammengefasst steckt in der DeLonghi mehr Potenzial, als man durch den relativ günstigen Preis vermuten würde. Die Maschine macht echten Spaß, der Monte-Carlo-Farbtupfer zaubert südliches Flair in das Büro oder die Küche. Das Design ist gelungen, sodass jeder frische Espresso zu einer Art von Italien Kurzurlaub wird.
Bravo!
Wäre die Negativnote mit der überraschenderweise nicht kooperativen Kundenbetreuung nicht, würde das Espressowunder von mir 9 oder 10 von 10 Punkten von mir bekommen.
Von einem Alltagskunden, der das Koffein zum Erhalt der Schreib- und Erzählfähigkeit nötig hat, der kein Barista ist. So bleibt aber die Frage im Raum, ob ich die Marke weiterempfehlen würde, oder ob die Magnifica eines Tages durch eine neue Maschine von Sage, oder Jura oder, wie sie hier im anderen Büro steht, durch eine Quick Mill ersetzt werden wird.
Die Antwort bleibe ich den Lesern schuldig. Denn jetzt mache ich mir erst einmal einen guten Espresso und genieße den Sonntag.
Diese Maschine gibt es zusätzlich auch noch in anderen Farbe, sehr attraktiv würde ich sagen. Im Normalfall bin ich Espresso-Tradionalist, aber mit Toms Erfahrung würde ich eine Specialista in Erwägung ziehen, denn ein Neukauf steht an.
Ich werde berichten!
SAAB und (Siebträger-)Espresso – das passt einfach! 🙂
Mir ist dass aber mit möglichst vielen “Knöppen, Schaltern,Hebeln und Displays” eigentlich immer ein wenig zu viel “moderner Schnickschnack” bei den meisten Geräten gewesen (übrigens auch einer der Gründe, warum wir seit Jahrzehnten Saab fahren).
Daher nutze ich seit vielen vielen Jahren eine (zudem auch noch gebürstete statt glänzender) Rancilio Silvia (zuerst die “kleine”. aktuell eine “Pro”).
Dazu separat eine Rocky als Mühle ….
… und dazu meist mein Lieblingsespresso: Espresso Paradiso von Fausto aus München.
Das kann ich nachvollziehen. Das war auch meine Motivation, eine Lelit zu kaufen. Aber ja, ich bin mit der modernen Maschine ziemlich glücklich und der Espresso ist nach dem erfolgten Feintuning absolut grandios.
Habe mich vor 4 Monaten ebenfalls für eine DeLonghi La Specialista entschieden und bin sehr zufrieden! Die Abschaltzeit kann man bei meiner (keine Arte) jedoch einstellen!
1000 x Danke für den Hinweis. Das geht natürlich auch hier, scheinbar habe ich das übersehen.
Jetzt ist die Maschine perfekt!
Bitte gerne, freut mich!
Als Espresso Fan muss ich mich wohl auch mal mit Delongi beschäftigen. Bisher habe ich diesen Maschinen nicht viel zugetraut.
Aber die Farbe…
Daraus könnte man echt ein DeLonghi – Saab Sonderedition zaubern. Genial!