Saab vs. Urschrei – wie ist das mit dem Aero und den Instinkten?

Die legendäre Saab vs. XY Kampagne brachte spannende Beiträge. Eine besonders bemerkenswerte ist die Anzeige für den 9–5 Aero, die Saab Deutschland im Jahr 2000 lancierte. Tatsächlich ist es so, dass die Schweden mit ihrem neuen 9–5 die Fans lange warten ließen.

Wer zuvor mit einem Saab 9000 Aero unterwegs gewesen war, der könnte zwischenzeitlich ein erhebliches Frustpotential angestaut haben. Denn im Ausstellungsraum des Saab Händlers stand zwar der neue, noble 9–5. Aber es gab nur mild aufgeladene 4-Zylinder und die Marketingstrategen stellten den asymmetrischen V6 Turbo an die Spitze der Modellhierarchie. Der sorgte zwar dafür, dass BMW, Mercedes und Audi Fahrer temporär zu Saab überliefen.

Aber die Aero Kunden verfielen in Trübsinnigkeit, weil Saab den Leistungsgedanken vernachlässigte.

Saab vs. Urschrei - ein Aero hilft aus der Trübsinnigkeit
Saab vs. Urschrei – ein Aero hilft aus der Trübsinnigkeit

Saab vs. Urschrei – wie ist das mit dem Aero und den Instinkten?

Die Melancholie war wie weggeblasen, als Saab mit dem Modelljahr 2000 das Leistungsdenken wieder aufnahm. Endlich gab es wieder einen Aero zu kaufen – und vielleicht setzte der ein oder andere Kunde in Wartestellung einen Urschrei aus Freude darüber ab.

Auf den ersten Blick hatten sich die Schweden mit ihrem Meisterstück zurückgehalten. 230 PS und 350 Nm, da wäre mehr möglich gewesen. Aber wir erinnern uns, im Jahr 2000 lauerte ganz hinten in der Flugzeugwerft der Saab 9–5 Viggen, dem man 300 PS und Allrad nachsagt. Der ersehnte Über-Saab, den das von Volvo kommende Management, wie so vieles andere auch, kippte.

Aber der Aero war zu diesem Zeitpunkt schon fertig zum Abheben, dass er nur 230 km/h in der Höchstgeschwindigkeit brachte, wetzte Saab mit dem ersten Facelift und dem Erstarken auf 250 Turbo PS aus. Urschrei würdig war das Spitzenmodell der Kultmarke aber dennoch. Die Art und Weise, wie die 230 PS abgeliefert worden sind entscheidend, und das machten die Ingenieure optimal. Man muss rückblickend anerkennend den Hut ziehen, denn ein Frontantriebsauto mit so viel Leistung war damals nicht einfach zu realisieren.

Saab vs. Urschrei - Kampagne im Jahr 2000
Saab vs. Urschrei – Kampagne im Jahr 2000

Das Saab Paket war einen Urschrei wert

Beim Marktbegleiter zerrten die Vorderräder bei voller Leistungsabgabe unharmonisch am Lenkrad, die Leistung auf dem Asphalt zu realisieren misslang, und ich erinnere mich an einen Rover 75, den ich damals zum Test fuhr. Der Rover gehörte zur gleichen Fahrzeuggeneration wie der Saab 9–5 und zwei Dinge blieben mir in Erinnerung.

Da war das erstklassige Ambiente an das Saab mit dem neuen 9–5 qualitativ nicht herankam. Aber da waren auch die sehr ausgeprägten Antriebseinflüsse an der Vorderachse, die jeden Fahrspaß nahmen. Der Rover 75 (Link) spielte hier nicht im Ansatz in der Saab Liga, auch wenn sein Design interessant war.

Das Paket, das Saab ablieferte, überzeugte hingegen. Der Aero der Serie 1 ist emotionaler, als man es ihm zutraut, sein etwas brav geratenes Äußeres, täuscht über sein wahres Wesen hinweg. Einen Urschrei gab es erst dann, wenn man das Gaspedal Richtung Bodenblech bewegte, der Turbo ansatzlos durchzog, und aus der Limousine so etwas wie ein Jet auf der Strasse wurde.

Das mit dem schlichten Äußeren muss man auch in Trollhättan bemerkt haben. Die 9–5 Serie 2 setzte auf mehr Spoiler und Aufmerksamkeit und der Aero signalisierte auch optisch, was er unter der Haube hatte. Wahrscheinlich liegt hier der ganz spezielle Reiz der ersten Serie verborgen.

Dieser Saab mag eventuell gut für den Urschrei gewesen sein, aber viel mehr noch für die stille Freude an einem perfekt unauffälligen Auftritt. Etwas, was man heute nicht mehr findet, aber was einige Menschen ganz besonders mögen.

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M.Becker
M.Becker
2 Jahre zuvor

Schön von diesen genialen Aero’s noch welche zu haben.

F. Weber
F. Weber
2 Jahre zuvor

Urschrei – wie genial. Typisch SAAB!