Ein Saab 95 V4 Neuwagen und eine sentimentale Autogeschichte
Autos waren eine emotionale Angelegenheit, bevor aus ihnen fahrbare digitale Endgeräte wurden. Ein sehr sentimentale Autogeschichte erzählt ein Saab 95 aus Schweden. Ein Neuwagen, so fast, man glaubt es kaum. Dahinter versteckt sich eine Geschichte, wie sie früher um Autos herum gewoben wurden. In einer Zeit, als man arbeitete, sparte um sich später von dem Gesparten ein Auto leisten zu können.
In einer Zeit, die sehr lange her zu sein scheint.
Der Saab 95 ist ein besonderes Auto. Selbst in der Saab Familie nimmt er eine Sonderstellung ein. Wer sich ein wenig für Karosseriebau und Flugzeugtechnik begeistern kann, entdeckt die direkte Verwandtschaft zu den Saab, die fliegen können.

Ein Saab 95 V4 Neuwagen und eine sentimentale Autogeschichte
Der 95 transportiert intelligenten Leichtbau von den Flugzeugen direkt zum von Sixten Sason entworfenen Kombi-Aufbau. Wobei der 95 auf keinen Fall als ein Kombi bezeichnet werden darf.

Der Saab ist ein “Herrgardsvagn”
Gegen diesen Begriff wehrte sich Saab. Der 95 wurde als “Herrgardsvagn” (Gutsherren-Wagen) vorgestellt. Kombi erschien als ein zu plebejischer Begriff, und wurde mit Gemüse transportierenden Kleingewerbetreibenden assoziiert. Da sah Saab die Zielgruppe unter keinen Umständen. Auch, wenn man später mit ihnen Werbung machte. Aber das ist eine andere Geschichte.
Für die Produktion war kein Platz in Trollhättan, das Werk produzierte damals an der Grenze seiner Kapazität. Der 95, der kein Kombi sein soll, rollte deshalb in Nyköping vom Band. Im Jahr 1959 hatte Saab die Vertriebsstruktur und die dazugehörige Autofabrik der ANA AB übernommen, das Handelsnetz firmierte seitdem unter dem Namen Saab-ANA.

Eine sentimentale Autogeschichte
Im Jahr 1974 entschied sich ein älterer Herr auf Visby zum Kauf eines Saab 95. Eine hervorragende Wahl, denn ab diesem Jahr verstärkte Saab die Rostvorsorge beim 96 und 95, was die Hohlräume der Karosserie zu schätzen wussten. Ein Jahr zuvor waren schon Automatik-Gurte und bessere Polster eingezogen, der 95 war nicht mehr taufrisch, sondern ein durch eine lange Produktionszeit ausgereiftes Auto.

Der ältere Herr und seine Frau fuhren nicht viel, so um die 2000 Kilometer im Jahr. Der Saab wurde geschätzt und gepflegt, so wie es eine Generation tat, die schwere Zeiten erlebt hatte und die um die Knappheit von Ressourcen wusste.
Vorsorglich sprühte er die Chromteile mit Ballistol Waffenöl ein, die Bauern taten es damals ähnlich, sie nutzten altes Motorenöl. Beide Konzepte sind hochgradig wirksam, so behandelter Chrom rostet nicht, aber nicht im Sinne der Umwelt.

Nach fünf Jahren starb die Frau des älteren Herren, der sich fortan weigerte, den Saab zu benutzen. Vielleicht waren es die Erinnerungen an eine gute Zeit und gemeinsame Stunden, die er mit dem Auto verband und die jede weitere Fahrt für ihn unerträglich gemacht hätte.
Wir wissen es nicht
Er behielt den Herrgardsvagn, pflegte ihn weiter akribisch und regelmäßig holte eine Werkstatt den Saab zum Service ab. Die Werkstatt übernahm den roten 95 irgendwann und stellte ihn in einer Garage ab. Da stand er seitdem, mit nur 8.400 Kilometern auf dem Tacho. Vom Zustand her ein Neuwagen, eine sentimentale Autogeschichte im Hintergrund.

Eines dieser Autos, von denen Sammler träumen. Ein Auto, das unglaublich cool und selten ist. Man könnte es kaufen und bei schönem Wetter fahren. Oder im Alltag, wenn man wertschätzend mit ihm umgeht. Wegstellen kann man den 95 auch, aber man würde ihn der Umwelt vorenthalten und was hätte man selbst dann von ihm?
Ein schwedisches Auktionshaus bot den Saab an. Er könnte zwischen 25.000 und 28.000 € wert sein, meint der Auktionator. Vielleicht ist es so, aber die Wahrheit war einen andere, nur rund 20.000 € war das Auktionsergebnis.
Doch kann man den Wert eines Herrgardsvagn und einer sentimentalen Autogeschichte wirklich in € bewerten?
Mit Bildmaterial von Bilweb
Hallo Tom
Vielen Dank für die tolle Geschichte…
Aber eine Frage stellt sich mir :
Es ist zwar ein Neuwagen, aber er wird es trotz des Alters nicht in den Saab High Mileage Club schaffen .
Und dabei hätten doch vielleicht auch solche Schätze ein Club wie den “Saab High (Mile)Age Club“ verdient????
Gruß André
Einfach wunderbar und herzerwärmend geschrieben, vielen Dank! 🙂 Ja, man sparte, träumte, begeisterte sich und genoss und pflegte dann seinen Liebling. Heute bekommt man durch diese großartigen Fotos auch einen Eindruck, wie schön diese Wagen damals als Neuwagen waren – sowas sieht man sonst ja nie mehr (allenfalls total aufgearbeitet). Mir gefällt natürlich mal wieder besonders der Lack in der tollen Farbe (und die charmante Karosserie an sich)! 🙂
Sehr schöne Geschichte, da könnte ein Film daraus werden!
Schweden ist das Land geheimnisvoller Hallen, Schuppen und Garagen. Dieser Saab ist ein Traum!
….wie viele Ove´s gibt es denn in Schweden? Danke für die Geschichte!