Antiquarisch und teuer. Saab 9-5 – Eine persönliche Geschichte.

Eigentlich war der Saab 9-5 und nicht der 900 II das erste Auto, welches unter GM Einfluss konstruiert wurde. Das ist eine Erkenntnis, wenn man die Bücher von Anders Tunberg liest. Im Buch “Saab 900 – eine schwedische Geschichte” kommt viel Rebellion und Unabhängigkeit durch. Damals hatte man in Trollhättan eine dringend benötigte Plattform aus dem GM Regal gezogen. Den Rest dann aber lieber selbst gemacht. Mit allen bekannten Auswirkungen.

Eine persönliche Geschichte über den Saab 9-5

Beim 9-5 war der GM Einfluss etwas größer. Man erahnt es, wenn man zwischen den Zeilen liest. Ein Spagat für die Konstrukteure. Die mussten aus amerikanischen Wünschen ein gutes Auto und gleichzeitig einen überzeugenden Saab zaubern. Das ist, ohne Frage gelungen.

Was das Buch über den 9-5 erzählt

Der 9000 war in die Jahre gekommen und wurde zum Problem. Zwar hatte er in den angelsächsischen Ländern eine starke Fangemeinde, aber das war nicht genug. In den USA wilderten die Japaner, der Angstgegner trug den Namen Lexus. Gegen diese Herausforderung suchte GM das passende Mittel. Trollhättan sollte liefern.

Innerhalb von rund drei Jahren entstand der Saab 9-5 und die Schweden hatten sich mit seinem Erscheinen 1997 endgültig in der oberen Mittelklasse etabliert. Für Projektleiter Olle Granlund standen Qualität, Sicherheit und “alles Turbo” ganz oben auf der Liste. Dazu kam eine sehr gute Ergonomie und die überzeugendsten Autositze der Welt. Mit dem neuen 9-5 führte Saab die ersten ventilierten Sitze im PKW ein, die mit ihren aktiven Kopfstützen die besten waren, die es für Geld zu kaufen gab. Operation gelungen.

Der 9-5 mit asymmetrischen V6 war ebenfalls eine Weltneuheit und blieb bis heute einzigartig. Während die “alten” Saab Fans nie so richtig warm mit dem Sechszylinder wurden, sorgte dieser starke Komfortantrieb in den ersten Verkaufsjahren für viele Eroberungskäufe. Mit Streichung des V6 etliche Jahre später verlor Saab diese Kunden wieder und bei Erscheinen des 9-5 II fehlte die Basis zu Erfolg. Aber das ist eine ganz andere Sache.

Was an der persönlichen Geschichte gefällt!

Es dreht sich viel um die Perfektionierung von Ergonomie, man fühlt förmlich den heißen Atem von Toyota im Nacken. Aber es geht auch darum, dass ein Saab Fahrwerk so sein muss, wie es eben ist. Nach dem Selbstverständnis der Marke soll der Fahrende zuverlässig den Zustand der Fahrbahn “erfühlen” können und stets eine Rückmeldung erhalten. Dass der 9-5 als der erste Saab überhaupt eine geteilte Hinterachse erhält, lernt man im Vorbeigehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist Qualität. Ein Versprechen das die ersten 9-5 Exemplare, die mittlerweile über 20 Jahre alt sind, immer noch einlösen.

Im Buch erscheint, zum ersten Mal in einer Saab Lektüre, dieses Unwort welches man “Premium” nennt. Ein Wort welches Saab in den nächsten Jahren immer mehr in den Mund nehmen wird. Auch, und vor allem zu einem Zeitpunkt, als manches kein Premium mehr war. Dieses Premium Zeug darf man ausblenden und sich auf die Fakten konzentrieren. Denn da kann das Buch viel liefern. Außerdem lernt es das Staunen. Staunen darüber, wie ein kleines Unternehmen mit einem doch sehr überschaubaren Team ein großartiges Auto auf die Räder stellt, das es mit den großen Marken aufnehmen kann.

Doch nicht so persönlich?

Verglichen mit Tunbergs ersten Saab Werk atmet “Saab 9-5 Eine persönliche Geschichte” weniger Spirit. Woran liegt es? Nicht an den Akteuren in Trollhättan. Es ist die Unternehmenskultur, die sich in den 4 Jahren, die zwischen beiden Werken liegen verändert haben könnte. Projekt 104, der Saab 902, fand in einer offenen Arbeitsatmosphäre statt. Der Autor scheint in dieser Zeit mehr Freiheiten genossen zu haben.

Das Buch über Projekt 640 spiegelt mehr Einfluss durch das Marketing und ein Defizit an persönlichen Geschichten wider. Die Saab 9-5 Geschichte ist dennoch ein Buch für Fans. Es ist ein Stück Historie, was alleine es schon würdig zu Sammeln erscheinen lässt. Es ist nur noch antiquarisch erhältlich und wie vieles rund um Saab in den letzten Jahren teuer geworden. Einige Antiquariate rufen bis zu 100,00 € für ungelesene Exemplare auf. Wer ein gut erhaltenes Stück günstiger findet, sollte nicht zögern.

Informationen zum Buch:

Titel: Saab 9-5 Eine persönliche Geschichte

Autor: Anders Tunberg

Verlag: Norden Publishing House Ltd.

Publiziert: 1997

Bezug: Antiquarisch

8 Gedanken zu „Antiquarisch und teuer. Saab 9-5 – Eine persönliche Geschichte.

  • Fehlerteufel

    Der Link müsste heißen: Saab 900 – eine schwedische Geschichte …

    Ansonsten Dank für die beiden Literaturtipps.
    Immer wieder faszinierend, wie intensiv die Trolle mit GM um gute Autos gerungen haben …

    Und es stimmt, der 9-5 vermittelt viel Gefühl für die Fahrbahn. Der Knopf wider die Assistenz sitzt auch gleich neben dem für das Nightpanel. Das ist schon gut gemacht.

    Antwort
  • Das Erscheinen des 9-5I zum Ende meines Studiums hat meine Emotionen für SAAB nachhaltig gesteigert. Während meines Studiums musste ich meinen 900 EMS abstellen, zu viele Reparaturen waren aufgelaufen. Im Herbst 1997 belegte ich eine der ersten Lehrveranstaltungen der UNI zum Thema Web Recherche. Und da war sie, die Webpage von SAAB mit dem magisch blinkenden 9-5I. Eine tolle Erfahrung und auch die darauf folgenden Prospektmaterialien, die erste Probefahrt haben mich damals vom 9-5 überzeugt. Es sollte noch 8 Jahre dauern, bis ich meinen ersten eigenen (Firmen 9-5 SC) bekam. 3.0 Diesel, Ihr wisst schon, der mit den Laufbuchsen. Trotzdem ein unglaublich tolles Auto. Später hatte ich noch mal einen als Limousine, immer wieder überzeugend. Ich bin immer noch fasziniert von der Form, Herr Hareide hat einen perfekten Saab Stil gefunden, ohne Retro zu wirken. Und Das Armaturenbrett ist bis heute ein Leckerbissen. Ja, der 9-5 ist der erste SAAB unter GM gewesen. Aber für mich hat er vom Style wesentlich mehr SAAB Attribute als der 9000. Qualitativ war der 9000 er nach meiner Erfahrung auf sehr hohem Niveau. Der 9-5 konnte das auf Anhieb ebenso vermitteln. Wenn ich irgendwann mal ein gut erhaltenes Exemplar finde, werde ich wahrscheinlich schwach.

    Beste Grüße vom Eric

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  • Ach ja, der 9-5. (seufz)
    Bis vor zwei Jahren bin ich 9-5 gefahren (EZ 1999, 150 PS). Eigentlich ein reines Brot-und-Butter-Auto, nix Aero, nix dolle Ausstattung – und ich habe ihn geliebt. So ein herrlich unaufgeregtes Auto, alles drin, was man braucht und macht immer, was es soll. Fertig. Nach über 400.000 km und kurz vorm TÜV hatten sich innerhalb kurzer Zeit so viele Mängel eingestellt, dass eine Reparatur den Wert um ein Vielfaches übertroffen hätte. Nun steht er bei mir im Garten und fährt nicht mehr.
    Und jetzt habe ich einen Nicht-SAAB fürs Grobe und nebenher diverse 901/902 bzw. 9000 CC/CD. Und obwohl ich faktisch automobil überversorgt bin, lässt mich der 9-5 nicht los. Vielleicht muss doch nochmal einer eingemeindet werden…….

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  • An das Buch muss ich irgendwie herankommen, denn meine 2 21jährigen 9-5er Limos haben eine literarische “Würdigung” verdient!

    Wie schon einige Male angemerkt, sind es die 3.0t Benziner, wovon Einer (der immer noch erstaunlich Rostfreie) ganzjährig läuft und der Zweite nach zwei Rostschutzmaßnahmen als Halbjahreszulassung duch die Gegend fährt, Trotz des ein wenig fortgeschrittenen Alters bin ich immer noch vom Komfort und der Alltagstagslichkeit angetan. Meine Frau besucht 1x wöchentlich mit Übernachtung ihre betagte Mutter und rollt (pro Fahrt 350km) sicher und komfortabel hin und zurück. Ihr Streckenprofil besteht aus 60% Bundesstrasse und 40% AB. Geradezu ideal für dieses Auto und noch dazu keine spritfressende Strecke. Vernünftig wie sie ist, hält sie den Wagen im Verbrauch immer so um die 8,5l/100km. Den Anderen habe ich heute in seiner Garage besucht. Flugs den Motor gestartet, den Reifendruck ein wenig erhöht, die Flüssigkeiten kontrolliert und dann noch 15 Minuten Tapedeck bei offenem Schiebedach gehört. Ab Oktober kommt er dann als Ersatz für das Cabrio zum Einsatz. Auch bei ihm funktioniert bis auf den Klimakompressor alles, wobei er sicher in absehbarer Zeit neue Bremsen braucht. Das ist Verschleiß und kommt auf so ziemlich auf jeden Halter zu, der seine Fahrzeuge länger nutzt. Beide sollen auf jeden Fall wieder durch die nächste HU und ich denke, das wird auch mit vertretbarem Aufwand gelingen.

    Jetzt noch eine Frage an Tom. Bei mir im Ort gibt es noch einen 2. SAAB Fahrer und ich spiele mit dem Gedanken, den wahrscheinlich kleinsten SAAB Club Deutschlands zu gründen. 2021 könnte man ja ´mal über ein SAAB Treffen in unserer kleinen Hansestadt nachdenken. Dafür bräuchte ich ggf. ein wenig Beratung/Unterstützung.

    Antwort
  • Mir geht es wie vielen hier. Ich finde die 95 I Limousine der ersten Generation auch grossartig. So toll, dass ich mir noch eine zugelegt habe. Baujahr 1999 mit gerade mal 85000km auf dem Tacho und voll bei Saab durchgewartet. Und dass es ein 3.0t V6 ist finde ich nicht grundsätzlich falsch, nein eigentlich geradezu genial.
    Der 95er hat so eine gute Substanz, da lohnt es sich noch ein paar Taler rein zu stecken und ihn auf einen schönen Stand zu bringen. Soviel sei schon mal verraten, er wird schon bald in sky blue metallic erstrahlen!

    Antwort
  • Hallo Hans,

    doch wieder “schwach” geworden? 🙂 Sehr verständlich! Und sky blue ist so eine geniale Farbe – ich hoffe, nach Vollendung wird die neue Schönheit auf dem Blog präsentiert?!!

    Beste Grüße aus dem Norden!

    Antwort

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