Niemals gebaut – der Nachfolger des legendären Saab 9000

Am 28. April 1998 lief in Trollhättan der letzte Saab 9000 für Deutschland vom Band. Ein 150 PS Softturbo CSE, Skarabäus Grün, Handschaltung. Ganze 29 Fahrgestellnummern später war dann auch Schluss für den Rest der Welt. Der letzte Saab 9000 fuhr in das Museum.

Eine Oberklasse mit Fließheck aus Schweden sollte es nicht mehr geben.

Wie konnte es so weit kommen? Die Schuldigen, sofern es diese gibt, tragen den Namen Toyota, Mazda, Nissan, Honda. Die Japaner hatten in den 70er, 80er und 90er Jahren Nordamerika mit günstigen Hatchbacks geflutet – erfolgreich!

GM verlor Jahr für Jahr Marktanteile, was in Detroit eine Fließheck-Phobie ausgelöst haben muss.

Saab 9000 Nachfolger. Design Bjoern Envall
Saab 9000 Nachfolger. Design Bjoern Envall

Niemals gebaut – der Nachfolger des legendären Saab 9000

Seitdem wurde im GM Renaissance-Center (Link) alles mit schrägem Heck als ein billiges Auto aus Asien eingestuft. Für Saab bedeutete das unter anderem den Schritt zur 9-5 und 9-3 Limousine – und das Ende einer Tradition.

Hätten GM und die Marktanalysten geahnt, dass der Markt für klassische Limousinen nur wenige Jahre später eine Schrumpfkur erleben würde – die Entscheidung wäre wohl anders ausgefallen.

Für Saab ging ein Stück der DNA verloren, die Fahrzeuge büßten einen Teil ihres Charmes ein, und mit dem Ende des 9-3 OG war das Fließheck endgültig Geschichte. Das geschah 2002, aber komplett haben Autos mit großen Heckklappen die Saab-Welt nie verlassen.

Saab Design hat eine unglaubliche Kontinuität, was an zwei Personen festzumachen ist. Sixten Sason und Björn Envall. In den 60er Jahren arbeitete Envall mit Sason am Saab 99, ging dann für 2 Jahre zu Opel, um ab 1969 die Arbeit bei Saab weiterzuführen.

Der 9000 ist der beste Saab aller Zeiten

Saab 99, 90, 900 und 9000 wurden von ihm gestaltet oder maßgeblich beeinflusst. Der 9000 ist für ihn der beste Saab, denn er war “das einzige Auto, wo wir machen durften, was wir wollten“. Der Grundentwurf des 900 NG wird ebenfalls Envall zugeschrieben, der Saab 1992 verließ, um dem Unternehmen aber weiterhin verbunden zu bleiben.

Immer wieder kam er für einige Jahre in die Stallbacka zurück, zuletzt in den Jahren von 2006 bis 2008 als Consultant für das Tech-Department. Envall fährt bis heute einen Saab 9000, und das Fließheck ist immer noch sein Thema.

Was wäre gewesen, wenn? Die Frage stellt sich immer wieder, aber es fehlt die Antwort. Was wäre gewesen, wenn Saab an seiner Designlinie festgehalten hätte? Die kleine Baureihe hätte über Saab 99, Saab 900 OG & NG, Saab 9-3 OG fortgeschrieben Kultfaktor entwickelt. Ähnlich wie bei Porsche oder Mini, wo traditionelle Formensprache stets neu übersetzt wird. Beim 9000 II, der nie gebaut wurde, hätte es Mut erfordert.

Ein Fließheck in der Oberklasse ist auch beim Mitbewerber nicht existent; zuletzt machte VW mit der Phaeton Studie 1999 einen Rückzieher.

Envall zeichnet einen Saab 9000 Nachfolger

Björn Envall hat 2006 das Heck eines möglichen 9000 NG gezeichnet, vor seiner erneuten Tätigkeit bei Saab, weil ihn das Thema 9000 Nachfolger nie losgelassen hat. Aerospace heißt seine Studie, die den typischen Saab Hockey Stick und die als “Gurgenhobel” bekannten Felgen trägt. Die Karosserie hat die wunderbare Form einer Tragfläche, Saab Design, Ursaab und Sason lassen grüßen. Die Frontscheibe steht extrem steil, man erkennt die Flugzeugkanzel. Das Heck ist eine Neuinterpretation aus EV-1 und Saab 900 NG.

Natürlich ist die Zeichnung des Saab 9000 Nachfolgers nur eine Idee. Leider – muss ich sagen. Ohne Aussicht auf Realisierung, sowohl 2006 als auch Jahre später. Heute sind große, eckige, langweilige Kisten gefragt, die man SUV nennt. Die Menschen lieben die Uniformität – scheinbar.

17 Comments
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Terry9k
Terry9k
10 Jahre zuvor

They are all alright, but they are NOT a
Saab…………….

tom7364
tom7364
10 Jahre zuvor

Aus meiner Sicht ist der BMW 3er GT noch am ehesten mit der Saab-Philosophie in Einklang zu bringen. Nicht der 5er GT

PhiBo
PhiBo
10 Jahre zuvor
Reply to  tom7364

Dann eher noch der Audi A5/A7… letzterer wohl noch eher. Aber Audi scheint sich in letzter Zeit ohnehin gerne bei SAAB zu bedienen, wenn es ums Design geht.

Fanny
Fanny
10 Jahre zuvor
Reply to  PhiBo

A5 und A7 sind mehr 4 türige Coupes, oder?

Lars
Lars
10 Jahre zuvor
Reply to  PhiBo

Stimmt definitv – ich halte den A5 Sportback (und auch das Coupé) immer noch für sehr gelungen. Schlicht, elegant, ohne nennenswerte Designfehler wie unnötige Sicken, Ausbuchtungen oder was auch sonst immer gern bei anderen deutschen (“Premium”)-Herstellern genommen wird. Und wie mein 9-3 I hat er eine große Heckklappe die ich nicht missen möchte…

Thorsten
Thorsten
10 Jahre zuvor

der neue 5er BMW GT hat doch auch ein Hatchback ?!

Saab Sigi
Saab Sigi
10 Jahre zuvor
Reply to  Thorsten

Keine Oberklasse und einfach häßlich 😉

Franken Troll
Franken Troll
10 Jahre zuvor
Reply to  Thorsten

Der 5er GT ist unproportioniert. Keine Alternative, solche Designfehler hätte sich SAAB nie erlaubt.

Franken Troll
Franken Troll
10 Jahre zuvor

Wunderbar dass man immer wieder so alte Geschichten ausgräbt!

Bergziege
Bergziege
10 Jahre zuvor
Reply to  Franken Troll

Dem schließe ich mich an.
Und somit wird auch die SAAB-Geschichte immer klarer, weshalb es z. Zt. so ist, wie es ist…
SAAB fahren macht auf jeden Fall weiterhin SPASS!!! 🙂

Fanny
Fanny
10 Jahre zuvor

Ein Nachfolger wäre genial gewesen. Ich habe nie verstanden warum man nicht parallel zur Limousine noch ein Fastback angeboten hat. Die 9k Kunden hätten das gewollt. Verpasste Möglichkeiten, schade drum.

Herbert Hürsch
Herbert Hürsch
10 Jahre zuvor
Reply to  Fanny

Und ich habe nie verstanden, warum man nicht parallel zum Kombi ein Fastback angeboten hat
(9-5) und warum man nicht parallel zum Fastback einen Kombi angeboten hat (9K) …

Die Limousinen beider Baureihen hätte man sich ganz sparen können. Von 1960 bis 1980 ist man mit Fastback und Kombi gut gefahren. Warum nur hat man diese Dualität und Tradition so leichtfertig wieder aufgegeben?

Bis SAAB den 9-3 als Limo endlich ansehnlich hinbekommen und mit dem 9-5 NG sogar eine wunderschöne geschaffen hatte, sah man jeder SAAB-Limo schmerzhaft an, dass es sich bei diesen um Derivate aus einem anders gedachten und anders gezeichneten Auto handelte.

Die Verkaufszahlen der Limos lagen meines Wissens immer deutlich unter denen der Kombis oder Fastbacks …

GP362
GP362
10 Jahre zuvor

Hallo Tom,
das ist ja interessant. Mein CSE ist genau wie der oben beschriebene letzte für D. Die Fahrgestellnummer endet mit W1004847, Erstzulassung 26.05.1998. Ich habe ihn eine Woche später mit ca. 300Km gekauft. Vorher stand er in Kiel in der Halle, in der jetzt eine Waschanlage arbeitet, ich kann aber nicht mehr sagen wie lange. Ist das einer der letzten 9000 ???
Du kannst das in Deinen genialen Unterlagen sicher sehen.

Gruß aus Strande

saab_owl
saab_owl
10 Jahre zuvor
Reply to  Tom

Tom, mir ist aufgefallen, dass die Farbe Scarabäus Grün auffällig häufig bei den 9000 Gebrauchtwagen aus dem MY98 vorkommt. Hat das irgendeinen produktionstechnischen Hintergrund ? Grün war ja immer eine Randerscheinung und m.E. ist sie im letzten MY 98 überproportional vertreten. Oder täuscht mein Eindruck ?

PS : habt ihr eventuell eine Datenbank, in der man auf den 9-5 bezogen (1997-2005) recherchieren kann, welche Anzahl von Fahrzeugen in den jeweiligen Farben nach Deutschland geliefert wurden ? In Schweden ist das leider (nicht) mehr möglich… ;-( Möglicherweise gibt es ja noch solche backups, die man aber inzwischen nicht mehr auslesen kann, weil sich die hardware verändert hat, oder ?

Saabansbraten
Saabansbraten
10 Jahre zuvor
Reply to  GP362

Es ist gewiss ein später und einer der letzten, wenn auch nicht allerletzten.
Der späteste 9000 mit dt. Erstzulassung, den ich bisher in den Händen hatte und der nun im Bekanntenkreis weilt und dort neben einem der letzten 9-5I gehegt und gepflegt wird, war/ist ein mitternachtsblauer 9000 CSE Anniversary 2.0t mit Fahrgestellendnummer 8181.