Saab 9-5 2.3t Arc Testbericht

Die Saab 9-5 2.3t Arc Limousine rollt vom Gelände von Saab Service Frankfurt. Zuvor gab er einen kleinen, nicht planmäßigen Werkstattaufenthalt. Ein Stellmotor der Klimaautomatik hatte sich verabschiedet. Nichts Großes…schnell und kompetent behoben. Und kein Drama bei einem Auto, das bereits 15 Jahre auf der Karosse hat.

Saab 9-5 2.3t Arc bei Saab Service Frankfurt
Saab 9-5 2.3t Arc bei Saab Service Frankfurt

Unser Testfahrzeug ist allerdings kein normaler Saab aus Vorbesitz, denn er hat ein neues Herz, sprich Motor, bekommen. Aber die Geschichte von Anfang an. Die 9-5 Limousine hat mit etwas über 100.000 Kilometern wenig Laufleistung und ist ein typisches Rentnerauto. Gepflegt, mit kleinen Gebrauchsspuren, ein schönes Auto mit nachvollziehbarer Geschichte. In der Arc Ausstattung, die recht selten ist.

Von den Vector Limousinen unterscheidet sich die Arc Version durch helle Edelholzeinlagen, echtes Leder auch in den Türverkleidungen und spezielle 16″ Felgen. Gekauft wurde die gediegene Variante gerne von gesetzten Herren, die auch einen Jaguar hätten wählen können…wäre der nicht so auffällig gewesen. Jungdynamiker hingegen bevorzugten das Vector oder Aero Niveau. Ich persönlich mag das Arc -Paket, das helle Holz macht den Innenraum sympathisch skandinavisch.

Bei Kilometerstand 104.000 hatte der 9-5 einen Motorschaden, der aber nicht das Ende seiner Geschichte sein sollte. Orio, Lieferant für Original Saab Ersatzteile, bietet, um unsere Fahrzeuge auf den Strassen zu halten, eine  Motorenaktion an. Saab Motoren mit einem Nachlaß von bis über 50 % und 3 Jahren Garantie machen es überlegenswert, Fahrzeuge mit guter Karosserie durch “Herztransplantation” neu zu beleben. So ähnlich wird man auch in Kiel gedacht haben, wo der 9-5 einen neuen Motor, ein überholtes Fahrwerk und erweiterten Rostschutz erhielt.

Ein guter Freund verliebte sich in die Limousine, ausserdem waren 3 Jahre Garantie auf die Maschine ein unschlagbares Argument. Der Preis war ebenso stimmig, und so kam der Saab vom Norden nach Hessen. Die interessante Frage: wie fährt sich ein 15 Jahre alter 9-5 mit neuer Maschine?

Die Antwort: Total entspannt.

Der 2.3t Motor mit seinen 185 PS und 280 Nm ist eine angenehme Kraftquelle. Beim Anfahren knurrt er, so wie es die dicken 4-Zylinder gerne tun. Das macht ihn sympathisch. Bereits bei 1.800 Touren hat die Limousine richtig Dampf. Die 5-Stufen Automatik ist gut abgestimmt, schaltet weich  und harmoniert mit der Komfortmotorisierung. Auf der Autobahn stehen 180 Stundenkilometer schneller auf dem Tacho als man denkt – der Saab ist richtig flott unterwegs.

Dazu passt das Fahrwerk. Es ist sanft dämpfend ausgelegt;  der Arc ist kein Sportler, aus der Limousine wird ein nobler und bequemer Gleiter. 600 Kilometer an einem Stück – das reinste Vergnügen. Haben wir schon ausprobiert, Langstrecke ist eine Domäne der Saab 9-5 2.3t Arc. Wunderbar sind die klassischen Armaturen mit der Turbo Anzeige, die Anmutung im Innenraum ist gediegen, die Verarbeitung ohne Mängel. Es klappert nichts, das Audio System hat einen guten Klang, alleine der Slot für das Abspielen von Kassetten erinnert,  dass 2001 doch schon verdammt lange her ist.

Auch der Verbrauch geht in Ordnung. Die Schweden gaben im Durchschnitt 10,00 Liter an. Mit getesteten 10,2 Litern und noch nicht eingefahrener Maschine trifft das zu. Natürlich geht es sparsamer, wenn man mag. Autobahnfahrten in Richtgeschwindigkeit, entspanntes Gleiten über die Landstrasse  belohnt der große Saab mit Werten,  die deutlich niedriger sind. Der Hersteller vermerkte 7,2 Liter als Verbrauchswert bei Überlandfahrten, das dürfte nahe an der Realität sein.

Der 9-5 ist leider kein Schrägheck, aber er war ein großer Wurf der Schweden. Speziell die Facelift Version von 2001 sieht heute noch modern aus, während die vorherigen Fahrzeuge mit dem Traditionsgrill schon in Richtung Klassiker driften. Trotzdem sind 15 Jahre eben 15 Jahre und der Saab ein altes Auto. Man merkt es positiv an der guten Rundumsicht und den großen Fensterflächen. Man spürt es an den verbauten Materialien, die ehrlich und gediegen, aber nicht Premium sind. Er fährt sich unaufgeregt entspannt, sehr analog, bei Bedarf kann man schnell unterwegs sein. Dann macht der Turbo Dampf, es stehen über 200 auf dem Tacho, die Trollhättan-Limousine bleibt dabei akkustisch zurückhaltend.

Und? Ist es sinnvoll,  in ein altes Auto einen neuen Motor zu verpflanzen? Als Saab Fan bin ich mit dem Herzen natürlich dafür. Und es ist einer der seltenen Fälle, wo Herz und Verstand Hand in Hand gehen. Ja, es ist sinnvoll, alte Fahrzeuge am Leben zu halten. Man schont Ressourcen, tut etwas für die Umwelt, verhält sich verantwortungsvoll.

Dass Verstand und das Streben nach Individualität kompatibel sind, macht die Operation noch reizvoller. Gediegener, ökonomischer, mit mehr Sinn für Understatement und Stil als in einer 2001er Saab 9-5 2.3t Arc Limousine kann man kaum unterwegs sein.

19 Gedanken zu „Saab 9-5 2.3t Arc Testbericht

  • 11. April 2016 um 10:30 AM
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    was ist in dem “Motor” denn alles beinhaltet?

    • 11. April 2016 um 11:19 AM
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      Der Motor ist komplett. Es “fehlen” lediglich Turbolader, Zündkassette, Drosselklappe.

        • 11. April 2016 um 8:02 PM
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          Nach meinen Informationen nicht. Details kann der Saab Partner deines Vertrauens zuverlässiger beantworten als ich, der Blog hat keinen Zugang zum Orio Informationssystem.

  • 11. April 2016 um 10:43 AM
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    Uii …. ein Arc ….. sehr schön. 🙂

    Ich hatte auch Freude an meinem ehemaligen 9-5 2.3t Arc!
    ( http://saabblog.net/2012/03/20/saab-fotoshooting-saab-9-5-2-3t-arc-sportkombi-2002/ ) 🙂

    Auf das Wurzelholz hätte ich eigentlich verzichten können, war aber nun mal im Paket enthalten und war wenigstens schön “matt”!
    Aber die Ledersitze (bei uns mit Ventilierung) waren schon echt der Hammer.
    Und die restliche Innenausstattung wirkte auch stimmig und entsprechend “wertig”.

    Die 185 PS waren natürlich (im Vergleich zu anderen “spritzigeren” Saabs) nicht so der “Renner”.
    Aber flink und entspannt ans Ziel kam man natürlich trotzdem und auch für den “kleinen Landstraßensprint zwischendurch” reichte es immer.
    Naja, und mit einer kleinen Hirsch-Kur wirkte auch das “Wohnzimmer” noch etwas spritziger (und auf Landstraße und Autobahn hab ich ihn auch damit unter 9l bewegen können)!

  • 11. April 2016 um 11:28 AM
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    Wunderschöner Arc, gute Entscheidung ein neues Herz zu transplantieren!

  • 11. April 2016 um 12:35 PM
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    Montag, Mittagspause, SAAB.

    Der Blog ist wirklich zuverlässig! Und diesmal ist der Beitrag auch schön analog.

    Und er thematisiert Nachhaltigkeit im ausgehenden Carbonicum* und beginnenden Prätron** (Zeitalter der extensiven Nutzung fossiler Brennstoffe bzw. der zaghaft beginnenden E-Mobilität).

    Kann mir gut vorstellen, dass der Erhalt sich zu einem breiten Trend entwickelt. Mir ist die Lust auf fabrikneue Verbrenner inzwischen Vergangen. Dabei war ich vor zwei Jahren noch richtig heiß darauf …
    Bis es etwas Neues und wirklich Anderes gibt, stecke ich mein Geld lieber in Ersatzteile und Service.

    • 11. April 2016 um 4:20 PM
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      Es gibt ja jetzt schon eine Art “Gegenbewegung”. Wir beobachten das seit längerer Zeit auf dem Blog und bei den Mails die wir bekommen. Das sind entweder sehr junge Menschen, die bewusst auf Nachhaltigkeit setzen und ältere Saabs fahren. Oder die Generation 60+, die noch mal einen Saab fahren will und es sich leisten kann einen guten Geschmack und Stil zu zeigen.

  • 11. April 2016 um 1:56 PM
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    Was ich an dem Motorenprogramm nicht verstehe: warum ist der reguläre Verkaufspreis des B235R niedriger als bei B235 und B205?

    • 11. April 2016 um 3:57 PM
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      Vermutlich gibt es mehr B235R am Lager? Nur so eine Ahnung 😉

  • 11. April 2016 um 3:32 PM
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    Mein 9-5 Brabus hatte auch eine Herztransplantation. Ich habe es nicht bereut. Wegwerfen geht einfach nicht, wäre viel zu schade.

  • 11. April 2016 um 5:39 PM
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    Mein 95 SC Aero hat auch einen neuen Motor und jetzt 250′ auf dem Tacho. Trotzdem fährt sich das Auto nach wie vor perfekt. Getriebe schaltet samtweich und auf Sport-Modus geht der Wagen richtig los. Die Sitze und der Innenraum sehen nach wie vor sehr gut aus. Das Auto ist mehr als zuverlässig und vollkommen störungsfrei.

    Kollegen, die neuere Audi, BMW und Mercedes haben, sind überrascht wie leise und toll der Wagen fährt und wie man auf den belüfteten Sitzen sitzt.

    Schade, dass oft einer das Potential nicht sieht und die guten Autos weniger und weniger werden.
    Daher lohnt es sich nach meiner Meinung immer,

  • 12. April 2016 um 2:10 AM
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    Wurden beim Arc “lediglich” verschlissene Fahrwerksteile erneuert oder ist gleich das Aero Sportfahrwerk eingebaut worden ?

    • 12. April 2016 um 1:31 PM
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      Es blieb beim Serienfahrwerk. Buchsen und Querlenker wurden erneuert, was nach 15 Jahren wirklich angesagt ist.

  • 12. April 2016 um 10:36 AM
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    Es sind diese netten Berichte die diesen blog ausmachen – und das Paul-Projekt ist einfach sensationell! Danke Tom!

    • 12. April 2016 um 1:31 PM
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      Danke!

  • 12. April 2016 um 2:16 PM
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    Ja, auch von meiner Seite ein -Danke schön-.
    Berichte über den Saab 9-5 interessieren mich immer. Allerdings bevorzuge ich den Kombi. Die Ausstattung des “Arc” ist wirklich sehr gediegen. Die Beschreibung der von Euch aufbereiteten Limousine, kann ich für mein Modell genau übernehmen. Der (Erst-)Motor läuft trotz seiner zurückliegenden 275tkm seidenweich, die Musikanlage hat einen tollen Sound und obwohl mein 9-5er tatsächlich schon viel geleistet hat, kann ich bestätigen, dass wirklich nichts im Innenraum klappert. Das Interieur wirkt immer noch hochwertig. Einfach toll!
    Euer helles Wallnussholz ist akzeptabel, besser zumindest als das später eingeführte Wurzelholz. Ich bevorzuge die Carbonverkleidung. Der Motor mit 185PS ist auch in meinem Flugzeug verbaut und leistungsmäßig völlig ausreichend. Die auf den Bildern dargestellte Außenlackierung sieht nach -Stahlgrau- aus, gewünscht hätte ich Euch die rauchgraue Version. Letztere ist tatsächlich zeitlos schön.
    Abschließend: Der 9-5 ist eine Ausnahmetalent! Familienwagen, Arbeitstier und komfortabler Reisebegleiter in einem. Nur schade das seine Linie zu Ende gegangen ist.
    Falls möglich: Was haben die Querlenker, inkl. Buchsen plus Einbau gekostet?

    • 12. April 2016 um 8:57 PM
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      Der Preis für die Fahrwerksrevision ist unbekannt. Das Fahrzeug wurde zu einem Festpreis erworben.

  • 20. April 2016 um 2:09 PM
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    Schöner Bericht über den Saab 🙂
    Ich fahre seid 2 Monaten selber einen 2004er 9-5 2,3t Arc mit 196tkm und bin total zufrieden.
    Vorher hatte ich den 3.0L V6 Griffin von 2001.Der war auch schön,nur der 2,3t ist einfach spritziger und sparsamer 😉
    Ich hoffe,das er mir lange erhalten bleibt….Forever Love 🙂

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