Saab R900 Gruppe A

Saab hat eine sehr lange Motorsport-Tradition. Der Saab 96, im Werks- und Privateinsatz, ist eine Legende auf den Rallyepisten dieser Welt. Mit dem Saab 900 II wollte Saab Deutschland in den 90er Jahren an die alten Traditionen anknüpfen. Keine schlechte Idee, oder? Das Unternehmen von Uli Weinmann, Motor- und Tuningspezialist aus Oberfranken, bekam den Auftrag, auf Saab 900 II Basis ein Gruppe A Rennfahrzeug aufzubauen.

SAAB 900R 24 Stundenrennen  Nuerburgring
SAAB 900R 24 Stundenrennen Nuerburgring

Wobei das schon mal nicht so ganz richtig ist. Denn der Gruppe A Saab ist rein optisch ein Saab 900 II, technisch basiert er bereits auf dem Saab 9-3 I. Es wurden drei Fahrzeuge aufgebaut, und die Entwicklungs- und Umbauarbeiten dienten gleichzeitig der Gruppe A Homologation für 900 II und 9-3 I bei der FIA.

Das Ergebnis liest sich beeindruckend. Der R900 entwickelt 285 PS bei 5.800 U/min. Das maximale Drehmoment von 470 Nm liegt bei 4.400 U/min an. 285 Ps im 1.100 Kg leichten Saab! Schon ein 9-3 Aero der ersten Serie mit 205 PS fährt sich, auch heute noch, souverän. Der Viggen mit 230 PS ist nach wie vor beeindruckend. Aber 285 PS und 470 Nm, verbunden mit einer Strassenzulassung, die der R900 bekam, macht aus dem Saab endgültig einen Jet.

Der Saab-Motor wurde dazu mit Rennkolben ausgestattet, Nockenwellen und Nockenwellenantrieb geändert oder angepasst, Zylinderkopf und Ansaugkanäle bearbeitet. Der Turbolader wurde bei Turbotab überarbeitet, das Wastegate, es stammt von Cosworth, verstärkt und das Motormanagement durch ein frei programmierbares von Weber Marelli ersetzt.

Zwei Ölkühler, ein neuer Ladeluftkühler, eine andere Auspuffanlage mit Rennkat und viele, viele Einzelmassnahmen an Fahrwerk, Bremsen und Lenkung rundeten den Umbau ab. Einzig das Getriebe, aus dem Saab Getriebewerk in Göteborg, blieb auf Serienbasis. Es bekam ein 40 % ZF Sperrdifferential und eine kurze Achsübersetzung auf maximal 210 Km/h. Das wars ! Das Getriebe verkraftete die abgerufenen 470 Nm ohne Problem, und die Opel Techniker, die das Projekt verfolgten, staunten. Ein Grund für GM Aufträge nach Göteborg zu vergeben.

SAAB 900R auf der Rundstrecke in Hockenheim
SAAB 900R auf der Rundstrecke in Hockenheim

Zum 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring 1995 war es dann so weit. Saab Deutschland präsentierte mit Stolz den 900R. Aus England kam zur Premiere das Team von Abbot Racing, ebenfalls mit einem 900 Turbo, und aus Schweden kam ein aus Saab Ingenieuren bestehendes Privat Team mit seinem Saab 9000 CS 2.3. Die Saab Crew für das 24 Stunden Rennen bestand aus dem DTM Sieger von 1983, Volker Strycek, aus Konrad Lammers und dem Privatfahrer Friedel Jansen.

Der Saab 900R schlug sich gut. Im Training hatte das Team mit dem Rennschweden einen vielversprechenden 23. Platz erreicht. Das gab Hoffnung! In der Nacht und bei Regen fuhr der starke Schwedenturbo mehrere schnellste Runde,  und Volker Strycek legte eine beindruckende Rundenzeit von 9.22 Minuten auf der Nordschleife inklusive Grand-Prixkurs vor. Strycek und der Saab müssen sich gut verstanden haben. Strycek, der Profi, bekam ein präzises Sportgerät zum Einsatz in der grünen Hölle. Uli Weinmann hatte ganze Arbeit geleistet.

Dass es am Ende nur zum Platz 74 reichen sollte,  lag an den Amateuren. Ein Unfall durch Privatfahrer Friedel Jansen machte alle Ambitionen zunichte. Ein daraus resultierender Fahrwerks- und Getriebedefekt brachte 2.5 Stunden Stand- und Reparaturzeit und warf das Saab Team weit zurück.

Saab 900R in der gruenen Hoelle
Saab 900R in der gruenen Hoelle

Nach dem Renneinsatz wurde der Saab 900R auf der IAA dem Publikum vorgestellt. Saab ist aus Tradition sportlich, so die Botschaft an die Kunden. Die Botschaft wurde verstanden, und folgerichtig kam eine Zivilversion des 900R 1996 in die Showrooms. Dass der 900R mehr als eine Marketing-Geschichte oder ein Sondermodell war, belegt die Tatsache, dass zur Abstimmung mit dem Gruppe A Saab 900R Reifen und Felgentests in Tschechien gefahren wurden.

Für den Renn-Saab ging die Geschichte weiter. Es gab keine Auftritte im ganz großen Rahmen mehr, aber 1996 und 1997 folgten drei Renneinsätze beim Divinol Rundstrecken Cup und 1998 Test und Einstellungsfahrten in Most/Tschechien. Dass der 900R Turbo gleichzeitig auch eine Rolle bei der Entwicklung des Saab 9-3 Viggen spielte, ist mehr als nur eine Randnotiz. So kam der nächste Präsentation- und Filmeinsatz 1999 bei der offiziellen Saab 9-3 Viggen Vorstellung in Brünn.

Dann wurde es ruhig um den Rallye Saab. Bei Saab Deutschland war die Lust an Sporteinsätzen geschwunden, zwischen den Partnern knirschte es, und die letzten Auftritte fanden auf regionaler Ebene statt. 2001 verunglückte der Saab, dabei wurden Seitenteile, Unterboden und die Achsaufnahme der Hinterachse beschädigt. Das Ende einer Rallye Geschichte und das Ende des Saab 900R. Oder doch nicht?

Fest steht, der Saab 900R verschwand von der Bildfläche. Das Saab Rallye Projekt, zuletzt unter der Wahrnehmungsgrenze gelegen, geriet nun endgültig in Vergessenheit. Es gibt dennoch ein Fortsetzung. Wir machen einen Zeitsprung von 2001 in den Winter 2013. Morgen geht es weiter.

8 Gedanken zu „Saab R900 Gruppe A

  • 26. Februar 2013 um 11:39 AM
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    Super Artikel. Alleine die Namen haben schon einen wohlvertrauten Klang… Cosworth, Weber, Magneti Marelli…

    Nur ein kleiner Hinweis: Volker Strycek gewann die DTM 1984. 1983 hatten die sich noch nicht erfunden, da hieß es noch DRM 😉

  • 26. Februar 2013 um 12:23 PM
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    Wie die Geschichte morgen weiter geht, kann ich glaube ich erahnen. Ich kenne einen der Mechaniker ganz gut, der damals das Projekt mitbetreut hat. Insgesamt eine tolle Geschichte.

  • 26. Februar 2013 um 1:14 PM
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    Von der Bildfläche verschwunden?
    Wenn ich mich nicht täusche, kann man den R9III gerade käuflich erwerben:
    http://www.motorbasar.de/race-rally-car-saab-900-turbo-gr-a-youngtimer-t4405462.html

    Ich muss zugeben, es kitzelt schon in den Fingerspitzen.
    Aber das “Projekt Wiederaufbau” würde dann doch meine Möglichkeiten sprengen…
    Trotzdem: Wenn man den wieder fit für die Straße macht, ist eine Menge Spaß garantiert 🙂

    • 26. Februar 2013 um 3:25 PM
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      Oha. Wolfgang, damit hast Du meine Fortsetzungsgeschichte “gekillt” 🙂

      • 26. Februar 2013 um 10:39 PM
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        Oh sorry 😉

  • 26. Februar 2013 um 8:49 PM
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    Hallo allerseits, hallo Tom!

    Hat jemand aktuelle Kontaktdaten von Uli Weinmann?

    Ich habe eine Telefonnummer die nicht mehr aktuell ist – bitte gebt mir Bescheid unter matthias minus ketterl ät gmx punkt de

  • 27. Februar 2013 um 8:43 AM
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    Hi Tom, danke für den tollen Artikel, ich bin auch gespannt wie es weiter geht. Würde mich freuen, wenn es jemand gäbe, der das Auto wieder im Motorsport einsetzten würde. Stehe gerne mit Infos und meinem Know-How zur Verfügung.
    PS: Warum habe ich mit dem Verkaufsangebot deine Geschichte gekillt????
    Gruß Uli

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