Sono Motors – das Ende der schwedisch-deutschen Liaison

Im April 2019 elektrisierte eine Meldung die Saab Welt. Sono Motors, das Start-up aus München, plante den Bau seines SEV (Solar Electric Vehicle) in der früheren Saab Fabrik. Eine schwedisch-deutsche Liaison, die Trollhättan zurück in den Kosmos der produzierenden Automobilstandorte geführt hätte. Das war vor 3 Jahren, die Euphorie war bemerkenswert, und einige Saab Fahrende reservierten spontan ein SEV. Nur 3 Jahre später ist die Beziehung beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Eine Erzählung über Träume in Schweden und München und von einem Abschied.

Sion Prototyp 2019 in München
Sion Prototyp 2019 in München

Einen verbindlichen Produktionsvertrag zwischen Sono Motors und NEVS als Auftragsfertiger gab es niemals. Dabei hatte alles so traumhaft angefangen und sah für eine gewisse Zeit fast zu gut aus. Vor allem für den Standort am Göta Älv. Zwar verzögerte sich der Start des SEV von Sono Motors von Jahr zu Jahr. Aus dem geplanten Produktionsbeginn für 2020 wurde 22 und das Münchner Unternehmen durchlebte in der Zwischenzeit existenzbedrohende Krisen. Die es aber irgendwie zu meistern verstand.

Zwischenzeitlich werden sogar 37 Prototypen von einem Dienstleister hergestellt, Thyssen-Krupp presst Karosserieteile und Ausstattungskomponenten werden produziert. Weniger gut sieht es allerdings in Trollhättan aus.

Träume, die zerbrachen

Dort hätte das Jahr 2023 den Durchbruch bringen sollen. Im Detail standen für eine gewisse Zeit die Produktion des solar-elektrischen Sion in Serie und eines Fahrzeugs von NEVS im Raum. Dann war da noch das neue Komponentenwerk, das für Koenigsegg Teile des Gemera hätte liefern sollen. Sämtliche Projekte sind gescheitert, woran fairerweise NEVS die geringste Schuld trägt. Die Krise des chinesischen Eigentümers und die ausbleibenden Überweisungen zwangen das Unternehmen zu einem rigiden Sparkurs.

Für den Standort bedeutete das einige 100 Arbeitsplätze, die nicht demnächst entstehen werden und den Abbau von vielen bestehenden Beschäftigungsverhältnissen. Allerdings scheint man über die finale Absage von Sono Motors nicht sonderlich betrübt zu sein. Vermutlich, weil man jetzt ein Problem weniger auf der Tagesordnung hat und die Auftragsfertigung nicht mehr als zukünftiges Kerngeschäft sehen könnte.

Träume, die vielleicht Träume bleiben werden

Für Sono Motors ist die Entscheidung für Valmet als finnischen Auftragsfertiger ein guter Schritt. Das Werk in Uusikaupunki ist hochmodern, die Belegschaft perfekt ausgebildet. Der Umzug nach Finnland minimiert all die Risiken, das man mit einem unerfahrenen Unternehmen wie NEVS eingegangen wäre. Da die Produktion einer mit Solar Paneelen bestücken Karosserie in Serie sowieso Unwägbarkeiten durch fehlende Erfahrung birgt, ist es vernünftig andere Gefahren erst gar nicht einzugehen.

Aufhorchen lässt aber die Stückzahl, die Sono Motors und Valmet planen. 257.000 Fahrzeuge in 7 Jahren, sind an die 40.000 SEV im Jahr. Zur Erinnerung muss man wissen, dass vor 3 Jahren 10.000 Reservierungen vorlagen. Jetzt sind es 18.000, was pro Jahr 2.000 Zugänge sind. Zusätzlich kommt der Marktdruck von den großen OEMs, die bis Ende 2023 mit vergleichbaren rein elektrischen Produkten, aber ohne Solarzellen an den Start gegangen sein werden.

Wobei man sich die Frage stellen darf, wie der Kunde jenseits der 18.000 Sono Motors Überzeugten die Sache mit der Solar-Technik auf dem Auto sehen wird. Als Risiko und unerprobte Technologie im mobilen Einsatz? Als teuer zu reparieren im Falle eines Unfalls und gefährdet durch Hagel und Steinschlag? Und unter Umständen zu kostspielig in der Einstufung der Versicherung? Oder wird er es als positiven Beitrag zur Energie-Effizienz bewerten?

Träume, die die Börse deutet

Diese Frage könnte der Markt beantworten, falls Sono Motors tatsächlich die Produktion in Finnland finanzieren kann. Der SaabBlog wird es nicht mehr tun, denn auch unsere Liaison mit dem SEV endet. Und zwar jetzt und heute. Raus aus Trollhättan und Schweden ist auch raus aus dem Blog. Dass Uusikaupunki einst ein Saab Standort war, ändert daran nichts.

Zuvor können wir noch einen Blick auf die Börse werfen, die bekannterweise die Zukunft vorher nimmt.

Die Aktie der Sono Group N.V. (SEV) ist an der Nasdaq notiert. Das Papier verlor seit dem Start zwei Drittel seines Wertes und selbst der Wechsel des Auftragsfertigers half nicht. Im Gegenteil. Am Tag nach dem virtuellen Umzug von Schweden nach Finnland ging es nochmals mit mehr als 12 % in die Tiefe.

Vielleicht erkennen die Börsianer die Hypothek, die Sono Motors mit sich herumschleppt. Die Anzahlungen von 18.000 SEV, die zum Teil auch komplett bezahlt sind, wurden bereits ausgegeben. Die Fahrzeuge müssen aber ab 2023 produziert und bezahlt werden. Vor der richtig großen Herausforderung steht das Unternehmen also noch. Dann aber in Finnland und man sollte viel Erfolg wünschen.

6 thoughts on “Sono Motors – das Ende der schwedisch-deutschen Liaison

  • Zumindest bliebe Trollhättan nächstes Jahr eine weitere negativ Schlagzeile erspart. Ob der Sion gut ist oder nicht, lässt sich heute aus meiner Sicht nicht sagen. Solarpaneel auf dem Dach klingt vielleicht gut, aber bringt es auch was und wenn ja wieviel? Kann er sich im Stand darüber selbst wieder komplett aufladen? Das wäre was! Noch wichtiger, kann die Firma überleben?! Wenn das Geld für die bereits bestellten Fahrzeuge ausgegeben ist, wo kommen die Gelder für die Produktion her?! Wer wird heute noch bei dem Verlauf des Aktienkurses sein Geld investieren? Ich würde es nicht tun.

    • Sion, Solarzellen & die Umwelt

      Deren Leistung ist bekannt. An einem Tag kann der Sion bis zu 34 Km selbst generieren. Jährlich sollen es 5.000 Km sein, was einem Mittel von 13,7 Km täglich entspricht …

      Muss jeder für sich selbst bewerten. Man kann es wahlweise als einen Tropfen auf dem heißen Stein belächeln, oder ob der Gratiskilometer anerkennend mit dem Kopf nicken. Ich bin da hin und her gerissen.
      Einerseits entsprechen 5.000 Km bei meinem Saab immerhin 500 Litern Benzin, anderseits erscheinen mir Solarzellen, die während einer einstündigen Fahrt in praller Sonne, die auf 100 Km nur für vielleicht 3 Km Strom nachladen, wie überflüssiger Schnulli …

      Ein Range Extender sind sie nicht. Und der Sion ist kein Solarmobil – wobei je nach Nutzerprofil auch erstaunlich viele Fahrten, erstaunlich viel Strecke solar möglich wären. Das passt aber wiederum nicht mit dem Carsharing zusammen, welches Sono für den Sion propagiert und favorisiert. Dadurch hinge der Sion zwischen seinen Einsätzen ohnehin ständig am Kabel und längere Standzeiten, in denen er Solarstrom akkumulieren könnte, sieht Sono Motors für seinen Sion gar nicht vor. Das ist für mich ein innerer Widerspruch in der Vision Sono Motors – einer unter anderen.

      Der mit Abstand größte ist, ein Automobilhersteller sein und als solcher so wenig Modelle wie möglich in möglichst geringer Stückzahl bauen und verkaufen zu wollen. Na ja, immerhin sind sie darin sehr, sehr erfolgreich …
      Wie schrieb Tom einmal scherzhaft? Saab sei der umweltfreundlichste Automobilhersteller der Welt.
      Sono macht Saab diesen Titel gerade streitig. Null Autos mit null CO2-Rucksack und next to null erkennbare Ambitionen, das als aktuell noch immer existierender „Hersteller“ ganz gründlich ändern zu wollen. Das muss man ja auch erstmal toppen.

      Wenn Sono Motors ein Automobilhersteller sein oder werden will, müssen sie ein Stück weit von ihrem hohen Ross runter kommen und uns Autos anbieten, die wir nicht teilen wollen oder müssen. Individualverkehr und individueller Besitzt lassen sich nicht so einfach voneinander trennen. Und als individueller Besitzt macht ein SEV, dass von 9 to 5 auf dem Parkplatz vor dem Büro für 24 Km Heimweg den (Solar-) Strom 8 Stunden lang gratis tankt auch viel mehr Sinn, als ein hektisches Carsharing, das überall nach Infrastruktur und Lademöglichkeiten schreit. Dafür braucht es doch gar kein SEV. Ein EV hängt genauso gut am Kabel. Quo vadis Sono?

  • Ich kann die Exit-Strategie nachvollziehen. Mit wäre Sono Motors auch zu viel redaktionelles Drama und viel zu ideologisch geprägt. Trotzdem finde ich es schade, ich werde die objektive Berichterstattung vermissen. Danke, dass Euer Team das Thema immer wieder beleuchtet hat, trotz der Dramen und permanenten Verzögerungen!

  • Marktchanchen ??
    Bei nur 257.000 Einheiten in 7 Jahren / also ca. 35.000 je Jahr´ kann man wohl kaum von einem relevanten´ sondern wahrscheinlich sogar von einem eher defizitären Unternehmen sprechen.

    Saab hatte zu seinen schlechtesten Zeiten mehr als 125.000 pro Anno ausgeliefert´ und konnte damit alle Märkte weltweit beliefern.

    Bei Sono sieht das wohl eher ganz anders aus´ nur einzelne Märkte in der Startphase´ ein geringeres Markt-Potenzial´ und ein Unternehmen was sich in den letzten Jahren zwar pressegierig zeigte´ aber konkretes immer im Hintergrund behielt.

    Mein Fazit für dieses Unternehmen sieht NICHT zukunftsträchtig aus´´!´´Man hat sich bei SON mit dem Geld der Investoren über die letzten Jahre versucht medial bekannt zu machen´ hat einen Prototyp und die Endphase immer noch NICHT erreicht hat´ und eine wichtige Projektierung im Markt fehlt nach wie vor komplett´ d.h. alle veröffentlichten Start-Termine wurden bisher nie eingehalten´´!

  • 18.000 Reservierungen, über einen sehr langen Zeitraum, sprechen leider für eine sehr geringe Marktakzeptanz. Arbeit für Valmet für 5 Monate, und dann?

    Zieht man die vermutlich noch kommenden Stornos ab, wird es noch weniger. Wäre ein Auftragsbestand für 2 Produktionsjahre vorhanden, dann könnte man Sono Motors ernst nehmen. So aber ist es einfach zu wenig.

  • Gute Idee, gutes Fazit

    Genau so mache ich es. Ich wünsche Sono, dem Sion und der Crowd, die in eine Vorfinanzierung gegangen ist, viel Erfolg – ganz ehrlich, mit viel Symphatie und Respekt für das Projekt und jeden, der es soweit getragen hat.

    Ich unterschreibe jedes Wort im Artikel und schließe mich dem Fazit ganz einfach an.

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