Wie das ist, wenn ein Saab einen Oscar gewinnt

Es wurde tatsächlich wahr. „Drive my car“ von Ryusuke Hamaguchi gewann bei der 94. Oscar Verleihung die Auszeichnung als bester internationaler Film. Ein Roadmovie, bei dem ein Auto vielleicht nicht die Hauptrolle spielt, aber einen wichtigen Part. Ein alter Saab, auch das noch, dazu ein Verbrenner, was die Geschichte besonders unglaublich macht. „Drive my Car“ setzte sich gegen die Konkurrenz aus Dänemark, Bhutan, Italien und Norwegen durch. Und die war ziemlich stark.

Saab 900 in "Drive my car"
Saab 900 in „Drive my car“

Der Saab, der die Weltbühne betrat

Es ist natürlich die emotionale Geschichte, die erzählt wurde und der Fakt, dass alle Zutaten stimmten. Die Inszenierung, die Darsteller, die Regie und eben auch die Wahl des Autos, das maßgeblich den Ort der Handlung stellt. Die Verleihung kam nicht ganz unerwartet, es gab berechtigte Hoffnungen, aber auch Zweifel wegen der enormen Konkurrenz.

Dass der Traum wahr wurde, wurde auch in der Heimat von Saab mit Erstaunen registriert. Die schwedische Presse benötigte ein paar Tage, um sich zu sortieren. Oder besser gesagt, um die Angelegenheit mit dem Saab zu sortieren. Der Saab, der die Weltbühne betrat, schrieb Jonas Fröberg in Dagens Nyheter (DN). Einer der besten Motorjournalisten des Landes und der wohl feinfühligste. Dazu bekennender Saab Fan und Buchautor.

Saab ist – 11 Jahre nach dem Abflug der Marke in Richtung nordisches Walhall – Kult. In Schweden wohlgemerkt, was schon sehr bemerkenswert ist. Und der 900, der Klassiker, ist der kultigste Saab, der jemals aus den Hallen am Göta Älv rollte. Die Schweden haben unfassbar lange mit ihrer eigenen Historie gefremdelt. Sie taten sich schwer mit der Marke in ihren letzten Jahren, was nicht unbedingt nur den Schweden selbst anzulasten ist. Denn GM tat alles, um es schwierig zu machen, sich zu der Marke zu bekennen.

„Drive my Car“ als Saab Markenbotschafter

Das ist vorbei. Die Schweden lieben wieder das, was ihre genialen Ingenieure erdachten. Man merkt die permanent steigende Wertschätzung seit einiger Zeit an den Preisen, die in der Saab Heimat für Kulturgut mit den 4 Buchstaben auf Auktionen gezahlt werden.

„Drive my Car“ und der Oscar setzen dem Trend noch eines darauf, sie adeln ihn faktisch. Der rote Saab 900 Turbo, der im japanischen Film über die weltweiten Leinwände fährt, ist ein Markenbotschafter. Einen passenderen könnte sich die Marke Saab nicht erträumen.

Das Beste: Hier hat keine Marketing-Abteilung gedreht, kein Product Placement wurde gezahlt. Auch das ist eine Besonderheit in einer Welt, in der es üblich ist, dass Autohersteller Unsummen zahlen, um Produkte in Filmen zu platzieren. In der Hoffnung, dass der Glanz des Films und seine Handlung auf die Marke ausstrahlen.

So war es nicht bei Ryusuke Hamaguchi. Es gab keinen Hersteller, der sein Scheckbuch zückte. Alles ist authentisch und der Saab wurde ausgewählt, weil er ist, wie er ist. Cool, Kult und eben etwas ganz Besonderes in einer Welt, die von langweiligen Automobilen übervoll ist.

13 thoughts on “Wie das ist, wenn ein Saab einen Oscar gewinnt

  • Hi , wenn das so weitergeht , kann Heuschmid seine Preise rechtfertigen . Und ich muß meinen 7. Saab seit 1979 , ein 900 Cabrio , nicht mehr öffentlich parken aber besser versichern . Passt schon . Have fun !

  • Wenn uns da mal nicht die Idee fur einen neuen Aufkleber für den Blog offeriert wurde.
    Mein durchaus ernst gemeinter Vorschlag wäre: „Saab: oscarprämiert“
    Dafür würde ich sofort eine Fläche am Heck meiner Sääbe reservieren!

  • Es ist halt ein sehr schönes Auto.
    Wenn nicht sogar das schönste Auto.

    Scheinbar spielen immer mehr Saab in Filmen und Werbung mit. Aktuell auch bei Hornbach.

    Es wäre Mal interessant zu wissen, woran das liegt…
    Ist es Tribute an die tolle Marke?
    Oder nur finanziell, da keiner Rechte einklagt und es einfacher ist in einem Saab einen Baum als Fahrer zu setzen als in einen VW oder BMW mit aktiver Rechtsabteilung?

    Aber jedenfalls ist es schön Saab in Film und Werbung zu sehen…..
    Gruß André

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    • Es ist sicher der Umstand, dass ein Saab ein „neutrales“ Produkt ist. Kein Hersteller, keine Produktion, kein Anecken bei einem anderen Werbekunden.

      Tatsächlich ist die Marke für viele Kreative aber immer noch eine feste Größe. Da gibt es schon gewisse Affinitäten.

      • Gut erklärt. In der Werbung ist die Neutralität ein echter Faktor, speziell für Kfz-Versicherungen.

        Gleichzeitig bieten Saabs aber auch die Möglichkeit, Aussagen zu treffen, Akzente zu setzen – jenseits verschiedener in der Zielgruppe vorhandener Markenaffinitäten.

        Mit den Sportcombis (inkl. 9-3X), Cabrios, Limousinen (bis zum 9-5 NG mit gut 5m Länge), den zeitlosen „Neuwagen“, Young- und Oldtimern lassen sich etliche Lifestyles abbilden, Zielgruppen je nach Alter und Kaufkraft spiegeln und passende Produkte bewerben.

        Das währt sicher nicht ewig, nimmt vielleicht aber noch für ein paar Jahre zu, bevor der Peak erreicht ist. Saab & Werbung – spannend …

    • Entschuldige,
      hab mich verdrückt. Sollte ein „Daumen hoch“ sein.

  • Love Saab! Forever! Kult ist und bleibt Kult!

  • Tom, you made my day mit diesem wohl temperierten Bericht. Mir geht es teilweise so was von auf den Sender die immer gleichen Fahrzeuge im TV zu sehen. Speziell die Kriminaler können ohne BMW, so macht es den Anschein, gar nicht mehr ausrücken. ( In Basel hatten sie jahrelang einen schwarzen Viggen, dezent, zuverlässig, schnell! )

    Die neue Hornbach Werbung ist ja auch Saab-lastig. Die Werbung und ihre Botschaft finde ich jetzt nicht so berauschend. Das Saab Cabrio ist natürlich unantasbar!

    • Product Placement

      Stimmt, die Hornbach-Werbung gibt es ja auch noch. Gemessen an den Neuzulassungen hat Saab eine ganz phantastische Medienpräsenz – sogar gemessen am Straßenbild …

      Und das ganz ohne finanzielle Interessen. Ich finde das faszinierend und es freut mich. Bei jedem Auftritt weiß man zuverlässig, dass der Saab bereits in der literarischen Vorlage (etwa Ove), dem Drehbuch (für Film oder Serie) oder im Story Board (Werbung und Musikvideos) stand. Saabs sind eben Charaktere, bewusste Besetzungen …

      Product Placement ist meistbietend vollständig austauschbar. Ein Saab ist aber unersetzlich 😉

    • Speziell die BMW Präsenz zur Primetime ist nervig. Da rollen die glänzenden Karossen in der höchsten Austattungsversion auf den Parkplatz direkt vor die Kamera.

      Unser Polizei vor Ort fährt die BMW Kassengestelle, ohne 22″ Felgen und so. Das ist schon Anti-Werbung und hat mit der Realität nichts zu tun.

  • Filmtipp mit Saab 900 Steilschnauzer

    „Doppelhaushälfte“ im Streaming des ZDF. Köstliche Serie, die sehr intelligent mit allen möglichen Klischees spielt, um sie zu wahlweise zu zelebrieren oder zu brechen.

    Rasant reiht sich ein kulturelles oder nachbarschaftliches Missverständnis an das andere und ein Gag jagt den nächsten. Tut gerade in diesen Zeiten gut. Der Saab hat eine kleine Nebenrolle, ist aber mehr als ein Statist. Als die Besitzerin dem Nachbarn offenbart, dass sie für einen ungenannten Hersteller von EVs arbeitet und er zurück fragt, wird der Saab mit H-Kennzeichen zusätzlich mit Bedeutung aufgeladen.
    „Wie? Was? Du arbeitest für die, die uns hier den Wald roden und das Wasser abgraben?“

    Wie gesagt, die Serie bedient und bricht Klischees im Sekundentakt. Und mittendrin ein Saab. Wer intelligenten Klamauk und zur Abwechslung mal Entspannung sucht, wird dort fündig.

    • Danke für diesen herrlichen Tipp! Endlich mal kurzweilige und kurze (25 Min. pro Folge, man kann und will nicht immer 90 Min. Krimi sehen, wenn man mal Ablenkung braucht) Unterhaltung in der „Doppelhaushälfte“! Da wir kaum TV o.ä. gucken und völlig den Überblick verloren haben, wäre das sonstvöllig an uns vorbeigegangen. Tolle und humorvolle Konfrontation mit Vorurteilen, die hier alle haben. Der Saab macht wie immer eine sehr gute Figur und man kann sich über vieles freuen bzw. richtig schön ekeln (1. Folge!). 🙁

      Die Hornbach-Werbung und die Idee, die dahinter steckt, finde ich übrigens auch gar nicht so schlecht, wenn man sich mal die über 2 Minuten lange Fassung auf YT ansieht. Gut gemacht, schön schräg und nonkonformistisch, wie sich der vernachlässigte Saab und der vernachlässigte Garten bei ihrem gemeinsamen Ausflug zusammentun! 🙂

      • You made my day …

        Eine nonkoformistisch, vegetativ automobile Allianz der Vernachlässigten?

        Großes Kino! Das fasst den Clip perfekt. Und so zusammengefasst, ist es heute mein erster Lacher. Sehr gesund. Danke!

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