Evergrande (Immobilien) Krise steuert auf weiteren Höhepunkt zu

Nachdem die Evergrande Aktie (HK 3333) 17 Tage vom Handel ausgesetzt war, kam sie gestern erneut in den Handel. Das Papier geriet sofort unter starken Druck und verlor mehr als 12 %. Die Gründe sind vielfältig, die Evergrande Krise steuert einem neuen Höhepunkt entgegen. Die kommenden Tage werden entscheidend sein, denn es läuft die erste Nachfrist für nicht erfolgte Zinszahlungen auf US-Bonds aus. Eine Problem, das scheinbar erst in letzter Minute entschärft wurde. Mit Spannung kann man auch das beobachten, was sich bei Evergrande Auto tut. In Tianjin hält man weiter Kurs in Richtung Produktion. Ein (nicht offizielles) Datum steht bereits fest.

Hengchi 7 - im Hintergrund Hengchi 5
Hengchi 7 – im Hintergrund Hengchi 5

Evergrande Krise vor neuem Höhepunkt

Läuft etwas schief, dann meist komplett. So ähnlich kann man die Situation der Evergrande Gruppe umschreiben. Sämtliche Verhandlungen, die China Evergrande frisches Geld in die leeren Kassen spülen sollten, sind erfolglos beendet worden. Der Verkauf von 50,1 % der Evergrande Property Services an Hopson Development, der Milliarden hätte bringen können, kommt nicht zustande. Die Gespräche wurden offiziell für gescheitert erklärt.

Auch die Suche nach einem neuen Eigentümer der Evergrande Zentrale in Hong Kong, der Verkauf sollte 2 Milliarden US $ erlösen, konnte nicht mit Erfolg beendet werden. Die Immobilie ist zum gewünschten Kurs in der aktuellen Situation nicht verkäuflich. Der Preis wurde zwar auf 1,7 Milliarden US $ im Laufe der Verhandlung reduziert, selbst dieser Preis schien der Yuexiu Property zu viel zu sein.

Ein delikates Detail am Rande: Die Yuexiu Property ist mehrheitlich im Besitz der örtlichen Provinzregierung, die bis vor einigen Woche als Unterstützer der Evergrande Ambitionen auftrat. Und die jetzt überraschend die Hilfe verweigert.

Verschärfend für die Krise ist der Einbruch der Immobilienverkäufe. Von September bis 20. Oktober brachen die Verkäufe der Evergrande Gruppe um 97 % im Vergleich zum Vorjahr ein. Das Unternehmen scheint vom Zulauf neuer Geldmittel komplett abgeschnitten zu sein.

Wichtige Fristen laufen aus

Ein entscheidendes Datum ist der 23. Oktober. Am Samstag endet eine 30-tägige Nachfrist der ersten nicht eingehaltenen Zinszahlung über 83.5 Millionen US $ für Dollar-Bonds. Wird diese Frist gerissen, ist der Zahlungsausfall offiziell und China Evergrande gilt nach den üblichen Regeln als ein Konkursfall.

Auch hier gibt es ein Detail am Rande: Während Evergrande sämtliche Zinszahlungen auf US-Bonds nicht mehr bedient, laufen die Zinszahlungen auf inländische Yuan-Bonds bisher weiter.

Scheinbar in letzter Minute hat Evergrande heute die Gelder überwiesen, berichtet ein staatliches Medium. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus.

Die Summe der nicht eingehaltenen Zahlungen ist in den letzten Wochen auf 279 Millionen US $ angewachsen, inklusive der möglicherweise jetzt getätigten Zahlung. Die Fristen laufen weiter, die mögliche Zahlung ist nur ein kurzer Aufschub. Und für November und Dezember sind neue Zinszahlungen fällig.

Weitere Höhepunkte der Evergrande Krise sind nicht auszuschließen.

Evergrande Auto hält weiter an Plänen fest

Während die Immobiliensparte immer neue Schlagzeilen schreibt, scheint sich die Autosparte (HK 0708) davon abgekoppelt zu haben. Die Aktie notiert die letzten 30 Tage auf niedrigem Niveau mit leichtem Plus. Nach nicht bestätigen Berichten wurde Evergrande Auto im September mit neuen Mitteln versorgt. Die Arbeiten in Tianjin liegen im Plan und die Lieferanten sind ebenfalls unverändert an Bord.

Die Ordermengen sollen zwar gekürzt worden sein, doch Evergrande Auto hält am Start der Produktion und der Marke Hengchi fest. Als nicht offizieller Starttermin steht der 10. Januar 2022 fest, im NEVS Werk in Tianjin.

Der Kollaps der Immobilen-Gruppe scheint, nach heutigem Stand, wahrscheinlicher denn je. Offen bleibt die Zukunft der Auto Pläne und damit auch das zukünftige Schicksal der europäischen Liegenschaften.

4 thoughts on “Evergrande (Immobilien) Krise steuert auf weiteren Höhepunkt zu

  • blank

    Tja da sind die Immobilienleute in China, nicht anders als hierzulande, zahlen im letzten Moment, und nur mit eignen Geld wenn keine Bank oder Staat ihnen noch was gibt.
    Das Experiment mit der gelenkten Marktwirtschaft hat halt die KPC als großen unbekannten Faktor. Nach Planwirtschaft im RGW und Planwirtschaft mit privaten Firmen als Produzenten im 3.Reich ist das mal eine andere Spielart.
    Was mit der Autosparte wird ist echt spannend, ich bin ja echt gespannt ob die Hengchi was taugen!

  • blank

    Mal wieder großartig recherchiert und sachlich und informativ geschrieben …
    So machen Medien Spaß. Danke ! !

    P.S.
    Beim schnellen Lesen bin ich einzig über „Nivea“ gestolpert. Mir fällt immer wieder positiv auf, wie hoch auch das sprachliche Niveau, wie niedrig hier der Fehlerquotient ist. Da halten selbst lektorierte Printmedien kaum mit. Von deren hastig bedienten Online-Formaten und dem gesprochen Wort im ÖR mal ganz abgesehen …
    Da stolpert man inhaltlich und sprachlich ja von einem Stock oder Stein zum nächsten. Das ist hier wohltuend anders – ein mediales Refugium mit interessanten Blicken über den Rand der Saab-Brille. Einfach gut.

    • blank

      Nivea, na immerhin etwas mit Humor. Der Blog „produziert“ (noch einige Tage) unter erschwerten Umzugs-Bedingungen, da passiert das schon mal.

      • blank

        Der Blog ist große Klasse ! !
        „Nivea“ macht ihn nur menschlich. Würde der Blog auch noch über den Fallstricken einer Autokorrektur agieren, wäre er mir so langsam aber sicher suspekt …

Kommentare sind geschlossen.