Evergrande Auto stellt Zahlungen ein – ist es jetzt vorbei?

Die letzten Tage entwickelten für Evergrande Auto (HK 0708) eine große Dramatik. Das Unternehmen stellte die Zahlungen an Lieferanten und Mitarbeiter ein. Der Kurs der Aktie entwickelte sich entsprechend und verzeichnete hohe, zweistellige Verluste. Am Freitag notierte das Papier nur noch bei 2,23 HK$. Meilenweit entfernt von dem Kurs vor einem Jahr, der bei 72,45 HK$ lag. Ist es jetzt vorbei mit den großen Plänen der Evergrande Gruppe? Noch nicht so ganz, man ist dabei alle Möglichkeiten auszuschöpfen, wie Berichte in chinesischen Medien zeigen.

NEVS 9-3 aus chinesischer Produktion in Schweden
NEVS 9-3 aus chinesischer Produktion in Schweden

Aktienoptionen für die Mitarbeiter

Die Lage ist dramatisch, aber die Evergrande Gruppe versucht die Investition in das Geschäft mit der Mobilität zu retten. Dabei spielt sie, nach Einstellung der Zahlungen an Lieferanten und Mitarbeiter, ein verzweifeltes Spiel. Nach Berichten chinesischer Medien bietet Evergande Auto den 3.180 Mitarbeitern Aktienoptionen an, die sie zum Bleiben bewegen sollen. 323 Millionen Anteilsscheine liegen bereit, einlösbar ab dem 20.03.2022 zu einem Kurs von 3,90 HK$ pro Aktie.

Eine gewagte Wette auf eine unsichere Zukunft. Völlig offen ist, ob die Mitarbeiter auf das Angebot eingehen werden.

Die Zeit läuft davon (China)

Am Freitag veröffentlichten chinesische Medien ein Statement von Evergrande Auto, welches auf ein zeitliches Problem aufmerksam macht. Um den Betrieb von Evergrande Auto weiter aufrecht zu erhalten, benötigt das Unternehmen frische finanzielle Mittel. Ohne deren Zufluss sind sämtliche Projekte, die Zahlung ausstehender Gehälter und die Aufnahme der Produktion nicht gesichert.

Das drohende Ende von Evergrande Auto und Hengchi wäre der dritte spektakuläre Abgang einer chinesischen Automarke nach Byton und Bordrin.

Die Zeit läuft davon (Schweden)

Je nachdem, wie die weitere Entwicklung in China sein wird, betrifft sie die Zukunft von Trollhättan. Dort stemmt sich das Management gegen das mögliche Ende des Unternehmens. Ein möglicher Verkauf, oder der Einstieg eines Investors wäre durch die Insolvenz der Evergrande Gruppe in Gefahr. Gläubiger könnten versuchen, die europäischen Vermögenswerte wie NEVS oder Protean zu sichern und zu verwerten. Ein geordneter Übergang wäre unter diesen Umständen nur sehr schwer zu realisieren.

Der Druck auf die Geschäftsleitung von NEVS nimmt daher weiter zu, die Zeit läuft auch in Schweden schneller, als es den Beteiligten lieb sein dürfte. Die Zukunft von NEVS hängt am seidenen Faden.

9 thoughts on “Evergrande Auto stellt Zahlungen ein – ist es jetzt vorbei?

  • blank

    Das ist es vermutlich gewesen. Es sei denn, ein weißer Ritter kommt um die Ecke. Ich glaube aber nicht daran.

    Antwort
  • blank

    Ich denke immer mehr das Evergrande sich mit der Autosparte ein neues Spielfeld suchen wollte und ihr Immobilienkartenhaus zu zeitig einstürzt. Zockender Turbokapitalismus trifft auf diktatorische Parteikader und wieder trifft es auch die Region Trollhättan. Na wir sind (leider) nur wieder Zuschauer. Angesichts dieses und andere Vorgänge plädiere ich für funktionierende Wirtshaftskreisläufe auf regionaler Ebene, ist vielleicht auch ökologischer und resistenter bei Krisen.

    Antwort
    • blank

      Regional oder national zu produzieren ist das Gebot der Stunde. Nicht erst seit Corona und man kann Trollhättan (wieder einmal) nur die Daumen drücken.

      Antwort
    • blank

      @ bergsaab
      Wenn ich es für mich bedenke, bin ich FROH „nur“ Zuschauer zu sein!
      Dieses Hin und her in Trollhättan kostet doch Nerven, Energie und sicher auch zusätzliche sKr. für den Einzelnen/die Familien. Ca. 10 Jahre wirtschaftlicher/existenzieller Stress in der Region.
      Dort sind in den Familien bestimmt schwere Endscheidungen gefällt worden…
      Die These mit dem Zocken find ich einen Gedanken wert…
      So stellt sich der unschöne Kapitalismus wenigstens selbst ein Bein. 🙂
      Allerdings zum Leid der Menschen mit Gedanken an eine Wohnung.

      Antwort
      • blank

        @Aero-93
        das wir nur Zuschauer sind zielt mehr darauf ab unsere Rolle als Konsument zu beleuchten der es nicht wirklich beeinflussen kann was in der Wirtschaft passiert. Ich kann nur Fleisch von glücklichen Kühen kaufe wenn es angeboten wird, ich kann nur ein sicheres nordisch kühle designtes Kfz kaufen wenn es angeboten wird. …. und das eine Firma die nachhaltige Autos baut nicht ins globale Wirtschaftsgeschehen passt. Nicht zu amerikanischen Konzernen und auch nicht zu chinesischen.
        Übrigens war gestern auf einem dritten Programm ein Beitrag zu sehen wo zwei Herren eine Porsche 924 am Leben halten und als tägliches Auto nutzen sowie ein Herr mit einem alten Jaguar. Da bei wurde die, auch hier aufgestellte These, verbreitet das man mit einem neuen Auto gar nicht so viel Energie und Material einsparen kann wie mit dem Erhalt eines alten Kfz. …..und für die regionale Wirtschaft ist der erhalt eh lukrativer.

        Antwort
        • blank

          ok.
          Bei diesem Kontext bin ich dabei :-)!
          Saabige Grüße…

          Antwort
  • blank

    Verzweifeltes Spiel

    In der Tat, das klingt wahrhaft verzweifelt. Bin gespannt, wie es weitergeht. Und wie lange noch. Da ist ja gar keine Fahnenstange mehr übrig, dessen Ende erst noch erreicht werden müsste …

    Hätte nicht gedacht, dass die KPCh ein solches Drama dieser Dimension in ihrer Republik und Volkswirtschaft zulassen würde. Nicht bei einem so prestigeträchtigen Projekt mit dem Potential, den Nationalstolz zu nähren. Nicht so vermeintlich kurz vor der Ziellinie.

    Kann man das anders erklären, oder ist Evergrande ganz einfach nicht halb so weit und sind die Prototypen ganz einfach nicht halb so gut, wie sie sein müssten?

    Antwort
    • blank

      Die Antwort wird sein: Verzockt! China hat schlicht und einfach zu viele Autofabriken und zu viele EV-Hersteller. Für die Administration eine schöne Gelegenheit einen von der Liste zu streichen.

      Antwort
      • blank

        Ist China wirklich so weit, dass sie ein Überangebot an international konkurrenzfähigen nationalen Automobilherstellern haben?

        Ich bin da nicht tief genug im Thema, kann es nicht beurteilen. Es würde mich aber sehr überraschen. Auf westlichen Märkten sind sie nicht zu finden. Die zivile und landeseigene Luftfahrtindustrie will auch seit Ewigkeiten und staatlicher Förderung zum Trotz nicht abheben.

        Die Automobilindustrie Chinas habe ich bislang immer so wahrgenommen, dass es einerseits ein Überangebot an Marken gab, andererseits aber auch kein vielversprechendes Angebot. Eine Regulierung scheint da durchaus geboten. Evergrande schien mir aber ein Anwärter auf das Wohlgefallen der Administration. So kann man sich täuschen …

        Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.